Rezension: March Comes in Like a Lion
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Der Autor: Devish



Der Anime: 3-gatsu no Lion

Jeder hatte im Kindesalter die vielfältigsten Träume und Wünsche für die Zukunft. Berühmt zu werden, viel Geld zu verdienen oder um die Welt zu reisen sind wohl die geläufigsten Beispiele. Doch mit der Zeit und voranschreitendem Alter übernehmen unsere eigenen Überzeugungen und unser Verstand schrittweise die Kontrolle. Je näher die Volljährigkeit anrückt, umso häufiger stehen zukunftsträchtige Entscheidungen an. Wie geht man aber mit den eigenen Ängsten, Sorgen und der aufkommenden Einsamkeit um, wenn man bereits in jungen Jahren aufgrund von Schicksalsschlägen unbewusst und verfrüht zu solchen Entscheidungen gedrängt wird? Genau mit diesem Umstand beschäftigt sich das Werk March Comes in Like a Lion und vereint dabei die beiden Genres Slice of Life und Drama mit dem Brettspiel Shogi, der japanischen Variante des berühmten Schachs. Was es mit dieser ungewöhnlichen Kombination auf sich hat, erfahrt hier in der dieswöchigen Rezension.

Die erste Staffel der Animeserie March Comes in Like a Lion erschien im Herbst 2016, gefolgt von der zweiten im Herbst 2017. Beide umfassen jeweils 22 Folgen und wurden beim Animationsstudio Shaft unter der Regie von Akiyuki Shinbou produziert. Dabei diente der gleichnamige Manga von Chika Umino als Vorlage. In identischer Zusammensetzung entstanden unter anderem die bisherigen Anime-Adaptionen der bekannten Monogatari-Reihe.

Rei Kiriyama ist mit seinen erst siebzehn Jahren schon ein professioneller Shogispieler, welcher sich mit seinem Gehalt eine eigene Wohnung leisten kann und alleine lebt. Bereits in der Mittelstufe wurde er Profi. Dabei ist er einer von wenigen, die so früh den Sprung nach oben geschafft haben. Obwohl er als aufstrebendes Talent erfolgreich ist, hat er nach wie vor mit dem Nachhall seiner Vergangenheit zu kämpfen. Aufgrund eines Autounfalls verlor er früh seine Eltern sowie seine Schwester. Infolgedessen wurde er von einem Freund seines Vaters, der zuvor dessen Rivale beim Shogi war, aufgenommen. Dieser zog Rei neben seinen beiden eigenen Kindern groß und brachte ihm das Brettspiel bei. Dadurch, dass seine beiden leiblichen Kinder ebenfalls seit ihrer frühen Kindheit Shogi spielten und an Turnieren teilnahmen, entbrannte ein erbitterter Konkurrenzkampf um die Anerkennung ihres Vaters. Aus diesem ging er letztlich als Sieger hervor. Die daraus entstandenen Spannungen und der Groll seiner Geschwister ihm gegenüber führte schließlich dazu, dass Rei bei seiner Adoptivfamilie früh wieder auszog. Doch mit diesem Schritt begann die absolute Einsamkeit. In der Gegenwart angekommen, bleiben ihm weder echte Freunde noch eine Familie. Immerhin lernt er die vierköpfige Familie Kawamoto kennen, welche für ihn, trotz ihrer eigenen traurigen Vergangenheit, wie eine neue Familie zu sein scheint. Die Serie begleitet ihn auf seinem Weg, einen Platz in der Welt zu finden und enthüllt dabei bruchstückhaft seine Vergangenheit.

Wer sich nun aber aufgrund des Sport-Genres auf einen taktisch ausgelegten, kompetitiven Anime über Shogi freut, der wird von dem Werk eher enttäuscht sein. Die Wettkämpfe werden gekürzt dargestellt und zeigen daher nie eine komplette Begegnung mit allen Spielzügen. Das Spiel stellt für den Protagonisten zu Beginn lediglich eine Notwendigkeit dar, um Akzeptanz aus seinem Umfeld zu erfahren und seine aufkommenden Unterhaltskosten decken zu können. Dabei treibt das Brettspiel die Handlung voran und bildet gleichzeitig das Bindeglied zwischen Rei und einem Großteil der Nebencharaktere.

Gleich zu Beginn wird deutlich, dass der Anime von expressionistischen Zeichnungen und wirkungsvoller Regieführung lebt, um die nach außen unsichtbaren inneren Konflikte wie Depression, Einsamkeit und soziale Isolation visuell aufzufangen. Diese sind dabei eng an den Manga angelehnt. Bereits während seines Albtraums in der ersten Episode wird sein tristes Dasein und seine Orientierungslosigkeit durch Schwarz-Weiß-Zeichnungen deutlich. Die gedeckten Farben vermitteln durchgehend ein nostalgisches Gefühl, seien es die mit warmen Tönen gezeichneten Besuche bei der Familie Kawamoto oder die düster und kühl gezeichneten Szenen, welche Reis Kontrollverlust und Depression symbolisieren. Die Farbsymbolik, kombiniert mit der Gefühlslage der Charaktere, bildet über den gesamten Anime hinweg seinen eigenen Charme. Auch die stürmischen Winde, die im weiteren Verlauf vermehrt auftreten, unterstützen die im Dialog deutlich werdende Rastlosigkeit und den inneren Zwist, nirgendwo dazuzugehören – noch nicht einmal zu seiner Adoptivfamilie. Die daraus entstandene soziale Isolation und Abgeschiedenheit wird dann oftmals metaphorisch mit Wasser dargestellt. Schließlich wirkt unter der Wasseroberfläche alles unbeschwert und gedämpft. Auch das erste Opening greift zu diesem effektiven Mittel, um Reis Leidensweg stilistisch wertvoll zu visualisieren. Anders sieht es, wie erwähnt, während den Besuchen bei der Familie Kawamoto aus, die einen deutlichen atmosphärischen Gegenpol bilden. Aus der ruhigen, dunklen Wohnung des Protagonisten wird ein farbenfrohes Einfamilienhaus mit erhöhtem Lärmpegel. Die Stimmung im Anime lockert sich auf und färbt sichtbar auf Rei ab, der soziale Kontakte eigentlich nicht gewöhnt ist. Die zu Beginn erwähnte drückende Atmosphäre mag abschreckend wirken. Doch genau dieses Wechselspiel soll den Zuschauer nach wenigen Folgen an die Handlung binden. Es zeigt zudem die Schnelllebigkeit, der er ausgesetzt ist. Prägnante und tagtägliche Ereignisse können das eigene Wohlbefinden in Windeseile beflügeln oder urplötzlich kippen. Durch all diese Mittel wird sowohl das Unbehagen als auch die Entspannung des Protagonisten effektiv auf den Zuschauer übertragen.


Typisch für Slice of Life-Werke, lebt auch dieses von seinen Charakteren. Die Hintergrundgeschichte vom Protagonisten wird besonders in der ersten Staffel fragmentär ergänzt und hält gerade zu Beginn den ein oder anderen Überraschungsmoment bereit. Neben Rei besitzen ebenso einige Nebencharaktere eine beachtliche Tiefe, denn innerhalb dieser 44 Episoden rücken einige von ihnen vorübergehend in den Vordergrund. Der Schleier, der die verborgenen Probleme und Sorgen dieser Personen umgibt, sorgt nach Enthüllung jedes Mal aufs Neue für Verwunderung und Staunen. Bei jedem Charakter zieht das Werk von Anfang an eine klare Grenze zwischen Außendarstellung und innerem Konflikt. Da diese beiden Seiten meist gegensätzlich zueinanderstehen, ändert sich im Verlauf der Serie die eigene Meinung zu einigen von ihnen mehrfach. Den positiven Gegenpol zu Rei bildet wie bereits angedeutet die Familie Kawamoto. Genau wie er scheint die Familie mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Trotz alledem strahlen diese nach außen hin stets Optimismus und Wärme aus. Auch machen sie keinen Hehl daraus, gelegentlich auf Unterstützung angewiesen zu sein. Besonders in der zweiten Staffel wird dies deutlich.

Grundsätzlich schlägt die zweite Staffel einen anderen Weg ein, denn diese ist in mehrere kleinere Einzelgeschichten unterteilt. Während die erste Staffel noch eingehend auf das Innere von Rei und den Umgang mit seiner Vergangenheit eingeht, rücken nun einige andere Charaktere in den Vordergrund. Ebenso wird die Atmosphäre weniger durch den gezielten Einsatz stilistischer Mittel erzeugt, als vielmehr durch Emotionen, die der jeweiligen Situation entspringen. Zum einen wäre da Hinata Kawamoto, die in der Schule durch unglückliche Umstände zum Ziel von Mobbing-Attacken wird. Zu nennen ist hier besonders ihre Mitschülerin Megumi Takagi, die durch geringe Empathie und fehlendes Schuldbewusstsein als typischer Soziopath charakterisiert wird. Der Leistungsdruck, der von ihrer Mutter ausgeht, steht sinnbildlich für die hohen Anforderungen in der japanischen Gesellschaft und die möglichen Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung – vor allem in jungen Jahren. Gerade wegen der starken Inszenierung von Megumi wirkt dieser Konflikt so realitätsnah. Selbst die damit verbundenen Aufgaben der Lehrkräfte, solche Vorfälle zu unterbinden, werden aus zwei gegensätzlichen Perspektiven skizziert. Aber auch abseits der Thematik werden in der zweiten Staffel die Hintergründe weiterer Nebencharaktere beleuchtet, oder fragmentär erweitert. Die realistischen Charakterzüge eines jeden Einzelnen erlauben es dem Zuschauer auf diese Weise, sich leicht in die Lage der verschiedenen Persönlichkeiten hineinzuversetzen. Während die Anderen in den Fokus rücken, bleibt einer dahingehend überraschenderweise außen vor: Rei, der eigentliche Protagonist. Dieser steht zu kaum einem Zeitpunkt mehr vollends im Vordergrund. Seit er seine eigenen Probleme in der ersten Staffel größtenteils überwunden hat und sich nun langsam an sein neues Umfeld gewöhnt, unterstützt er die anderen Charaktere bei ihren Sorgen und anstehenden Herausforderungen. Und genau da liegt für mich das eigentliche Problem. Die dargestellten Konflikte sind zwar wie erwähnt realistisch und emotional umgesetzt, führen aber in keine klare Richtung mehr. Durch den automatischen Vergleich mit der ersten Staffel fühlt es sich so an, als würde sich die Handlung im Kreis drehen.

Zusammenfassend lässt sich March Comes in Like a Lion trotzdem als ein Werk bezeichnen, welches tiefgründig die Schattenseiten des Lebens beleuchtet ohne sich völlig in seiner Dramatik zu verlieren. Dabei dient Shogi mehr als Mittel zum Zweck und wird zu keinem Zeitpunkt komplett in den Fokus gerückt. Allen voran die Slice of Life- und Drama-Anhänger dürften mit dieser Serie dank seiner realistischen Charaktere und der überragenden Regieführung voll auf ihre Kosten kommen. Aufgrund der Ähnlichkeit der beiden männlichen Protagonisten - mal abgesehen vom Äußerlichen - dürfte dieser Anime besonders für Fans von Shigatsu wa Kimi no Uso einen Versuch wert sein.



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Die letzten 10 Kommentare zu dieser Rezension:


Asuka..
Ich danke dir zutiefst für die Rezension! Ein Meisterwerk wie March Comes in Like a Lion hat es definitiv verdient und natürlich auch mehr Aufmerksamkeit als es bekommt. Ich stimme definitiv mit vielen Punkten zu. March Comes in Like a Lion hat Hunter x Hunter von seinem Thron geschmissen und sich als meinen Lieblings Anime bewiesen. Ich wusste schon von Anfang an, dass es passieren könnte. Die erste Staffel war schon absolut fantastisch. Die zweite toppt das nochmal in vielen Punkten. Atmosphärisch, dramatisch und trotz allem immer noch realitätsnah und mit viel Liebe gemacht. Ich habe jede Folge genossen bis zum Ende hin und wünsche mir sogar zutiefst eine dritte Staffel. Die Chancen stehen hoch.

Mir persönlich gefällt es, wie die ganze Handlung umgesetzt wurde und wie die Charaktere miteinander harmonieren. Der Anime ist sehr dramatisch, geht aber nicht zu sehr darin unter. Dafür gibt es auch viele süße und lustige Momente, welche dafür sorgen, dass man die Charaktere noch mehr lieb gewinnt. Dadurch werden dramatische Szenen nur intensiver und herzzerreißender. Glaubt mir, ich habe nicht nur einmal in diesem Anime geweint. Mit dazu haben wir einen fantastischen Protagonisten. Optisch kann man sich kaum über den Anime beschweren. Es ist Shaft. Die sollten schon dafür bekannt sein, dass sie gute Animation und Atmosphäre hinbekommen. Der Zeichenstil ist halt sehr originalgetreu zum Manga, welcher mir aber sehr gefällt.

Fantastischer Anime. Ich komme nicht darauf klar, wie gut der Anime ist und ich kann ihn nur jeden ans Herz legen. ^^


Plinfa-Fan
Oh mein Gott, eine Rezension zu March comes in like a Lion!
Danke, Devish! Bevor ich diese überhaupt lese, muss ich dir vorab schon mal danke, danke, danke sagen dafür, dass du diesen wundervollen, im deutschen Raum völlig unterbewerteten Anime, durch deine Rezension bekannter machst! Auch wenn es nur ein Stück ist, der Anime hat es verdient, aber sowas von!

So, das musste raus. Habe mich einfach zu sehr gefreut, tut mir Leid! Jetzt lese ich erstmal, wofür ich mich da gerade bedankt habe. Wer weiß, vielleicht muss ich meine Lobesrede noch zurücknehmen. ^^
Oder sie fortführen, schauen wir mal.

Hm... Okay, also zurücknehmen muss ich nichts. Im Großen und Ganzen Stimme ich deiner Rezension zu. Mir gefällt lediglich nicht - Sniperace hat es schon erwähnt -, dass du es als Negativpunkt darstellst, dass Rei in der zweiten Staffel kaum im Rampenlicht steht. Und das entspricht meiner Meinung nach nicht mal der Wahrheit. Also es stimmt schon, dass sich der Großteil der zweiten Staffel um die Probleme der Kawamotos dreht, vor allem um Hina. Aber Rei wird hier nie ausgelassen. Im Gegenteil, seine Hintergrundgeschichte wird elegant mit der der Kawamotos verwoben. Als Beispiel nehme ich mal dem Mobbing-Arc. Dort hat Rei zwar primär die Unterstützerrolle, gleichzeitig erhalten wir aber immer wieder Einblicke in SEIN frühes Schulleben und wie Hina's mutiges Verhalten ihm hilft, damit abzuschließen. Es ist also alles dicht miteinander verbunden, weshalb ich Rei - auch wenn Hina die Hauptrolle spielt - nie als einen Statisten bezeichnen würde. Wie Sniperace sagte, gibt es einfach mehrere Hauptfiguren und diese beinflussen sich alle gegenseitig. Man sieht quasi nie eine Person konstant in der Hauptrolle, immer ist jemand anderes dran, da es so ziemlich keine Figuren gibt, deren Hintergrund nicht beleuchtet wird. Es stimmt zwar, dass Rei so ziemlich der Hauptcharakter ist, aber er ist eben nicht der einzige und selbst wenn gerade eine andere Figur aufgebaut wird, sind alle anderen immer noch existent, da an der Charakterentwicklung einer Person immer andere mitbeteiligt sind. Das ist es, was die Welt von 3-gatsu no Lion so lebendig macht und was ich (neben vielen anderen Punkten) so sehr an diesem Werk liebe. Diese Welt steht nie still, immer ist irgendwas los, jeder hat Probleme und oft überlappen sich diese und es kommt zu Entwicklungen, mit denen man nicht gerechnet hat.

Das wollte ich noch anfügen, da dieser eine negatvie Punkt, den du nennst, für mich einfach keiner ist, sondern eher eine Stärke des Anime darstellt.

Danke auch nochmal an Sniperace, der diese Rezension mit wichtigen Punkten, die den Anime außerdem ausmachen, ergänzt hat. Ich hoffe das hier trägt dazu bei, dass ein paar Leute mehr dem Anime eine Chance geben. Auch wenn es nur eine Person mehr wäre, das Werk hat jeden Zuschauer verdient, den es kriegen kann.


Sniperace
Devish
Zuerst mal Danke zu Rezension, Ein Anime der es wahrhaft verdient, ich bin teilweise leicht anderer Meinung, teilweise gleicher Meinung und möchte noch ein paar Dinge ergänzen.


Wo soll ich anfangen? Nun es ist kein Geheimnis dass ich diesen Manga/Anime für Einen der Besten überhaupt halte und ich freue mich schon auf Staffel 3. Hier hat sich ein Studio und eine Vorlage gefunden, die so nicht besser zusammenpassen könnten, kaum eine Vorlage, die sich so gut für Shaft und seine Regisseure eignet. Hier können sie sich austoben und hier passt es wie die Faust aufs Auge.
und wurden beim Animationsstudio Shaft unter der Regie von Akiyuki Shinbou produziert.

Hier möge erwähnt sein, dass nicht nur Akiyuki Shinbo, sondern auch Tomoyuki Itamura als Regisseur geführt wird (wobei ich nichts über die Arbeitsteilung sage und Akiyuki Shinbo natürlich der Grundstein ist) und dass es eben nicht nur Shaft war, es seien auch die Studios erwähnt, die hier fleißig mit gewerkt haben.
In der zweiten Staffel war es vor allem Diomedea und etwas weniger Feel, beides Studios mit großem Talent.
In der ersten Staffel waren etwas mehr Studios (unter anderem Gainax, Actas, Asahi Production, DandeLion (CGI)) was man merkt.

Aber natürlich atmet der Anime Shaft Luft und hat eine Kombi vorzuweisen, die man gelinde gesagt als die kommerziell erfolgreichste der letzten Jahre bezeichnen kann.
Ein mehr als eingespieltes Team, dass machen darf, was es will und damit mehr als erfolgreich ist, man merkt förmlich, wie viel Spaß sie beim Fertigen haben und wie viel Aufwand und Liebe da rein fließt. Auch weil die erste Staffel jetzt jetzt nicht grade der Verkaufskracher war und die zweite Optisch und vom Ausdruck noch so weit zulegt, was zeigt, sie wollen den Anime machen.

Die Vorlage von Chica Umino (unter anderem auch Honey and Clover) ist natürlich der reine Wahnsinn und sie übertrifft sich darin selbst. Kaum eine Story gesehen die so verwoben ist und Vergangenes nicht vergisst, die Folgen von Ereignissen bestehen, selbst Nebenfiguren erhalten viel Zeit, Aufwand und Erklärung und werden nie vergessen, was es einfach unglaublich nahe bringt. Gleichzeitig ist es ein Psychogramm der Hauptfiguren (gibt ja mehrere), wie auch oft der Nebenfiguren. Auch erwähnenswert, ist die Auslegung des Manga auf Jahre in den die Figuren älter werden. Und den feinen und zarten Witz. Und die Liebe zu Details ist einfach der Hammer.
Dieser Manga/Anime zeigt unheimlich gute Charakterentwicklung, es zeigt wie Jemand sein Platz im Leben findet, wie man Schwächen und Traumata überwindet, sich öffnet, zu seine Werten steht, Selbstbewusster wird und auch wenn es oft genug Drama ist, nie ist es ohne Hoffnung und nie wird der Lichtschimmer vergessen und es läuft auch immer darauf hinaus zu "wachsen". Dabei werden selbst Agonisten ihre Beweggründe zugestanden, was für mich den Manga damals endgültig in die 10/10 gehoben hat.
Er ist im übrigen ein Blick wert, da der Anime zwar ohne Tadel adaptiert, allerdings Informationen und kleine Parts ausgespart werden und die Interaktion der Macher, ergo Chica Umino und ihr Team, mit den Lesern eine wirklich schöne Erfahrung ist.
Auch möchte ich die positive und aufmunternde Stimmung erwähnen, denn der Manga/Anime verbreitet. Es ist Etwas, was vielleicht nur Leuten auffällt, die schon in Situationen waren, die wirklich nicht angenehm waren. Doch hier wird gezeigt, man kann es überwinden, es ist ein Licht am Tunnelende, solange man sich entwickelt wird Alles gut. Und Zusammenhalt und sich öffnen wirken Wunder.
bleibt einer dahingehend überraschenderweise außen vor: Rei, der eigentliche Protagonist. Dieser steht zu kaum einem Zeitpunkt mehr vollends im Vordergrund. Seit er seine eigenen Probleme in der ersten Staffel größtenteils überwunden hat und sich nun langsam an sein neues Umfeld gewöhnt, unterstützt er die anderen Charaktere bei ihren Sorgen und anstehenden Herausforderungen. Und genau da liegt für mich das eigentliche Problem. Die dargestellten Konflikte sind zwar wie erwähnt realistisch und emotional umgesetzt, führen aber in keine klare Richtung mehr. Durch den automatischen Vergleich mit der ersten Staffel fühlt es sich so an, als würde sich die Handlung im Kreis drehen.

Hier liegt ja das besondere am Manga/Anime, es gibt nicht den "eigentlichen" Protagonisten. Es gibt Alle. Und Jeder hat es verdient beleuchtet zu werden, was die Figuren einfach unglaublich vielschichtig macht. Und das Ganze auch realistischer.
Und im Kreis drehen tut sich hier gar nix, weil Rei und alle anderen Figuren sich entwickeln. Und im Fall von Rei, findet er halt immer mehr zu seiner Rolle im Leben findet und stärker wird. Rei ist nicht der Spielball für Uns, den man ewig dabei zusieht wie er immer verletzt wird. Es kommt auch die Zeit, nein eigentlich hat sie schon begonnen, da schützt er und setzt sich durch, weil er nun stark genug ist. Und ihm dabei zuzusehen macht wirklich Spaß und gibt vielleicht dem Einen oder Anderen Mut.
Es muss auch gesagt sein, Rei ist auch offiziell nicht als einzige Hauptfigur geführt, die Kawamoto Schwestern werden ebenso als solche geführt (auch wenn es bei Momo etwas sonderbar ist). Und Rei´s Geschichte ist mit ihnen verbunden und wird es bis zum Ende auch bleiben. Ergo muss auch ihre Geschichte weitergehen und ihre Figuren müssen genauso wachsen. Und von daher ist es normal, wenn es ein wenig von ihm weggeht, hier sieht man andere Hauptfiguren in der Entwicklung, die so in der ersten Staffel und zu Begin des Manga schlichtweg nicht genug beleuchte wird, was aber logisch ist, weil der Manga zuerst eine Welt aufbauen muss. Ganz zu schweigen davon, dass es einen Haufen Figuren gibt, die quasi Semi-Hauptfiguren sind und die massiv zu Story betragen und auch enorm viel Zeit erhalten. Figuren wie Kai Shimada oder Kyoko Koda sind nicht weg zu denken und extrem gut erdacht.
Wer sich nun aber aufgrund des Sport-Genres auf einen taktisch ausgelegten, kompetitiven Anime über Shogi freut, der wird von dem Werk eher enttäuscht sein. Die Wettkämpfe werden gekürzt dargestellt und zeigen daher nie eine komplette Begegnung mit allen Spielzügen. Das Spiel stellt für den Protagonisten zu Beginn lediglich eine Notwendigkeit dar, um Akzeptanz aus seinem Umfeld zu erfahren und seine aufkommenden Unterhaltskosten decken zu können. Dabei treibt das Brettspiel die Handlung voran und bildet gleichzeitig das Bindeglied zwischen Rei und einem Großteil der Nebencharaktere.

Ich bin ja froh, dass es sich nicht auf Züge konzentriert (auch wenn ein Shogi Profi am Manga mitarbeitet). Einfach weil Profi Shogi von einer anderen Welt ist, genauso die Spieler. Oder habt Ihr alle ein photographisches Gedächtnis? Das ist nicht zugänglich für "normale" Leute und wer Züge sehen will, der kann auch gut auf andere Manga ausweichen ........
Shogi ist gelinde gesagt so komplex (ich spiele sehr schlecht), man kann es nicht mit Schach vergleichen, Schach lernt man auf die schnelle, auch wenn man lange noch nicht gut darin ist, man kann es spielen, und ein paar Züge auswendig lernen, das schaffe ich leicht, Shogi dauert da schon etwas länger und ein Profi zerlegt dich mit drei Steinen und Züge auswendig lernen? Vergesst es lieber. Schach wird erst komplex und und unzugänglich, wenn es professionell gespielt wird und es nur mehr von Genies gespielt werden kann, wobei Schach seine Unschuld schon verloren hat und es mittlerweile nur mehr ein Wettkampf der Nerven ist - darum drehen auch so Viele durch. Shogi bitte wesentlich mehr Optionen und damit auch Spielstile, die Meister der letzten Jahre beweisen es.
Der Manga/Anime ersetzt es mit den Gefühlen und den Gedanken der Spieler, mit dem Spielern selber, was sie antreibt oder belastet, er zeigt die Konfrontation und zwar etwas übertrieben, weil so leichter zugänlich für den Leser. Denn viele Dinge stimmen zwar, etwas dass man ältere Gegner oft zu langen Spielen zwingt, weil es so zum körperlichen Vorteil wird, doch manche Figuren sie etwas übertrieben, wenn auch immer mit wahren Kern. (Der wahre Kern wird sehr gut im Manga beleuchtet, allerdings nicht im Anime.)
So Etwas ist wesentlich leichter zugänglich, denn Jeder hat schon mal über etwas gegrübelt und oder großen Stress gehabt. Ich kenne so etwas beispielsweise von Schularbeiten, ich bin dazu schon immer zu verkrampft gewesen und Magenschmerzen wegen Stress (so wie Kai Shimada) kenne ich nur zu gut.


Dinge zum Anime:

Kaum ein Anime zur Zeit von Season 2 so viel Respekt für seine Animation und Optik erhalten. Die Videos dazu sind unzählbar. Für mich einer der Mindblow Momente, war die Folge nach, ich glaube Weihnachten, bzw. nach der Pause durch die Spiele. Könnt Ihr Euch noch erinnern? Hinatas stampfende Schritte im Klassenzimmer! Bumm.
Einfach ein entfesseltes Studio, mit einer Traumvorlage, wie geschaffen fürs Studio.

Die Sprecher sind der Hammer. Genug gesagt.

Die Openings und Endings sind der Hammer:
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Und ihn Season 2 hab ich mich oft genug erwischt sie mir mehrfach anzusehen, jedes mal wieder .......
Es ist halt Shaft, ihre Openings und Endings sind nicht musikalisch jedes Mal ein Hit, ihre Optik ist einfach der Hammer. Ach jetzt hab ich mich wieder an Maria Holic Alive 2tes Opening im Kopf, gesungen von der nicht ganz dichten (siehe Videos zu ihr), aber einer der besten Seiyu überhaupt - Yuu Kobayashi, ihre Stimmbänder sind von einer anderen Welt;)
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Runrunriru Ranranrara, Runrunriru Ranranrara, ............


Wie gesagt, einer der Anime/Manga die man kennen sollte. Die erste Staffel ist für mich etwas schwächer, allerdings eher optisch. Insgesamt eine Empfehlung hoch zwei. Ein Anime der über zwei Halbjahresseasons Alles Andere weg geblasen hat.


Live is good
Sniperace