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THEMA: Animes früher besser oder heute?

Animes früher besser oder heute? 2 Monate 5 Tage her #840474

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Ich würde sagen und zwar deshalb, weil es auch damals schon schlechte gab, wir uns an die aber nicht mehr erinnern.
Damals war es mit Streaming nicht so einfach Sachen auf Deutsch zu bekommen und ich bin mir ziemlich sicher die meisten hatten nur die im Fernsehen. Damit war quasi automatisch eine große Ausfilterung der Schlechten von den Guten. Heute ist es viel einfacher Animes zu lizensieren weshalb wir auch immer mehr zu sehen bekommen und deshalb sagen es gibt absolut mehr schlechtere Animes als damals obwohl ich mir sicher bin die Relationen bleiben die Gleichen nur fallen uns heute viel mehr schlechte auf. Das ist in etwa wie mit der Musik...okay nein das ist schlechter Vergleich weil dort immerhin wissenschaftlich erwießen wurde, dass die Musik graduell seit 1961 immer schlechter wird.
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Animes früher besser oder heute? 2 Monate 5 Tage her #840475

Super-interessantes Thema!

Bevor ich darauf eingehe, vielleicht ein kurzer Schwenk zu deiner "Ecchi"-Ausführung, denn da würde ich durchaus widersprechen.
Ecchi bzw. Fanservice macht eine Anime nicht schlechter - wenn es richtig platziert ist. Selbst meine absolute Lieblingsanime Code Geass (R2) hat mitunter recht viele Fanservice-Elemente, wie z.B. die Masturbationsszene von Nina. Aber es ist eben in den allermeisten Fällen gut eingebunden und wirkt nicht aufgezwungen. Mal ist es auch nur für einen Lacher zwischendurch. Wenn ich meine Top 5 Animeserien (Code Geass, NGE, FMA:B, The World God Only Knows und Saenai) durchgehe, ist in jeder davon mal mehr, mal weniger Fanservice enthalten. Aber es hat sich nie störend angefühlt, eher im Gegenteil.

Aber nun zur eigentlichen Frage, sind Anime heute besser/schlechter als früher.
Zunächst muss man davon natürlich den Nostalgiefaktor rausrechnen. Ich bin mit Digimon, Pokémon und DBZ aufgewachsen. In einem ersten Impuls sind diese Serien für mich alle Meisterwerke. Aber wenn man drüber nachdenkt -und da ich ein recht penibles Ranking meiner Anime pflege mache ich das oft- sind diese Serien nicht gut gealtert. Nehmen wir alleine mal DBZ: Die Serie ist zu 10% amazing, zu 30% gut und die restlichen 60% sind Filler, dumme/unlogische Handlung(en), miserable Charaktere und beschissenes writing/plotting. Glaube dafür, dass ich mir die Serie heutzutage nochmal komplett anschaue, müsste man mir Geld zahlen.
Im Gegenzug darf man bei neueren Anime die Grafik nicht überbewerten. Auch wenn der Film Grütze und das Franchise für den Arsch ist, aber die Animationen des letzten(?) SAO-Films sind halt fucking amazing. Der Endfight sieht bombastisch aus, da kommen viele Anime einfach nicht ran, schon kann nicht wenn sie 10 Jahre und älter sind.
Und als letztes noch das Argument "früher hat man schlechte Anime nicht so bemerkt": Doch. Ich war in meiner Schulzeit ein sehr ehrgeiziger Anime-Watcher, mit zwischenzeitlich 70-80 Anime im Jahr. Um so eine Quote zu erreichen, muss man schon echt viel Müll schauen. Und das habe ich...nein, ich bin nicht stolz drauf.

Nach dem Vorgeplänkel jetzt also Butter bei die Fische: Ich bin durchaus etwas zwiegespalten, würde aber schon sagen, dass die Anime-Branche ein bisschen an Dampf für mich verloren hat. Wenn ich mir die Season-Previews anschaue, werde ich zunehmend traurig. Wo ich früher immer "die Qual der Wahl" hatte, habe ich jetzt eher "die Wahl der Qual". Die allermeiste Zeit ist bei dutzende Neuerscheinungen bestenfalls 2-3 Sachen für mich dabei, auf die ich mich wirklich freue. Dazu vllt. 1-5 Anime, die man halt so mitnimmt an verregneten Abenden.Das ist eine verdammt dürftige Quote. Und wenn ich mich mal auf was freue, sind es fast immer Fortsetzungen von Dingen, die ich schon kenne - wie eine neue Staffel FoodWars, Overlord oder jetzt kommend Yahari. Aber richtiges Excitement für neue Anime kommt dann doch eher selten auf.
Ein weiteres Problem ist, das ich mit vielen der "flavour of the month"-Anime nichts anfangen kann. Attack on Titan oder Boku no Hero Academia mögen vielen Leuten Spaß machen (es sei euch gegönnt), ich finde sie furchtbar. Von den "Standardserien" wie Dragonball Super, Boruto oder Dauerbrenner One Piece brauche ich gar nicht erst anfangen, der Müll kommt mir nicht ins Haus.
Kurzer Exkurs, auch im Bezug auf die Einleitung des Eingangsposts: Wenn mir nochmal jemand erzählt, er wäre "voll der Anime-Kenner" und nennt mir dann One Piece als Meisterwerk, kotze ich im Viereck.

Warum aber sind Anime für mich generell heute schlechter als früher? Ehrlich gesagt liegt das vor allem daran, dass die Klischees Überhand nehmen. Alles wird nur noch "copy&pasted", damit man seine Story voll kriegt. Ich kann einfach keine Weicheier, Whiteknights, "Alles-Verzeiher" oder "from zero to hero" Maincharaktere mehr sehen. Und vor allem kann ich keine Tsundere mehr ertragen. Ich habe mittlerweile fast 550 Anime-Einträge in meiner Liste, ich habe jede erdenkliche Form von Tsundere gesehen...dutzendfach. Es fuckt nur noch ab,
Was mich aber, und da können die Anime nun nur bedingt was für, noch mehr triggered ist, das genau diese Form der Massenware und miserablen Charakterdesigns auch noch belohnt wird. Manchmal habe ich das Gefühl, das wenn der Hauptcharakter kein Lappen ist und/oder die Tsundere nicht frei walten darf, die Anime fast automatisch durchfällt. Beispiel "How to Raise a Boring Girlfriend Flat". Absolut niemand mag in dieser Serie die Tsundere - schon rutscht die Serie massiv unter dem Radar. Obwohl sie für jeden, der die Klischees nicht mehr erträgt, eigentlich ein echter Segen sein müsste. Anderes Beispiel Overlord, wo ja scheinbar nach der einen Folge in der dritten Staffel viele Leute die Serie gequitted haben - weil ihnen erst da aufgefallen ist, dass Ainz gar nicht "der Gute" ist. Ach nein? Was habt ihr Knilchköpfe erwartet? Noch schlimmer btw umgekehrt in Shield Hero - welches Schmalhirn hielt es für eine gute Idee, aus diesem tollen Maincharakter einen Whiteknight zu machen???

Okay, ich merke schon, ich sollte zum Schluss kommen:
Ja, eindeutig sind Anime für mich früher besser gewesen als heute. In meinen Toprankings kommen nur selten neuere Anime an die alte Garde ran (wie Saenai, FoodWars oder Overlord). Zumindest im Serienbereich, in Sachen Filme kommen durchaus noch echte Granaten heraus (wie das Rebuild of Evangelion). Der massive Decay liegt aber wohl eher daran, dass das Anime-Business in Japan beinhart ist, ergo wird nur produziert, was sich auch sicher verkauft. Und das ist leider viel generischer Müll, der mir einfach zu den Ohren rauskommt. Mittlerweile ist es so schlimm, dass ich zum Selbstschutz übergegangen bin. Bis 2016/17 habe ich vllt. ~5 Anime abgebrochen, sonst habe ich eigentlich alles durchgezogen, von dem ich mindestens 3 Folgen gesehen habe. Inzwischen breche ich jede Serie ab, die mir auf den Sack geht (wie z.B. vor einer Weile Accel World nach 2/3 der Serie...was eine Scheiße...) oder fange wenigstens an, langweilige/überflüssige Dinge zu skippen (gerade erst InSpectre, 4 Folgen Monolog als Endfight, really?). Mir ist meine Zeit einfach zu schade, um sie mit minderwertigem Crap zu verschwenden. Das hat leider zur Folge, das mein Anime-Konsum rapide zurückgegangen ist. Was eigentlich wirklich traurig ist, denn ansich liebe ich das Medium Anime immer noch extrem. Aber wenn da nicht bald mal wieder ein bisschen Feuer reinkommt, sehe ich da für die Zukunft echt schwarz.

Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840476

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Schon wieder so ein Thread.

Also um das klar zustellen. Die momentanen Anime. Ganz besonders 2019 und bisher 2020 waren wieder richtig geile Jahre für Anime. Was man da für geile Titel jede Season hatte und ja verdammt es ist für jeden etwas dabei und man sollte halt auch mal über den Tellerrand schauen. Es gibt fast jede Season Titel die total untergehen aber kleine Juwelen sind. Aber wenn man sich nur auf ein Genre einschießt ist es auch kein Wunder wenn man pro Season nur 2,3 Titel findet. Wer also da nicht mehr findet tut mir leid oder hat extrem hohe Ansprüche die nicht erfüllt werden können.

@Relaxion auf die Top 100 brauchst du auch nicht gehen da diese sich nach Klicks orientieren. Da spielen die Bewertungen kaum eine Rolle oder wann der Anime rauskam. Es wird immer der Mainstream oben dabei sein. Wobei ich Platz 1 (Bofuri) und Platz 3 (Interspecies Reviewers) total unterhaltsam finde aber es muss halt den Humor treffen und der ist in beiden Anime einfach klasse. Daher bin ich eher jemand der Death Note zum Beispiel nicht extrem feiert. Ja steinigt mich aber ich finde ihn nicht gut!

Was die Animationen angeht haben wir auch jede Season richtig schöne Titel. Um zum Abschluss zu kommen.
Ich sage definitiv NEIN! Man sollte vielleicht einfach mal über den Tellerrand schauen und auch Anime anfangen die nicht anfangs seinen Geschmack treffen. Ihr wisst gar nicht wie viele Titel die echt verdammt gut sind, ich so gefunden habe.

Ich hoffe damit Klarheit geschafft zu haben das es kein Früher war alles besser gibt. Es gibt jedes Jahr gute Anime und natürlich die schwarzen Schaffe, aber ich der jede Season an die 20 Titel schaut kann definitiv behaupten das alle Anime mich verdammt gut unterhalten und das davon nur 2 Titel letzte Season mich enttäuscht haben, aber der Rest war durch die Bank durch interessant. Es ist definitiv ein Trend zu spüren. Was wir in den letzten 3 Jahren an Fortsetzungen zu alten Anime hatten. Dieser Trend darf ruhig weitergehen und auch ansonsten bekommen Anime wieder mehr Folgen als früher. Also ich bin momentan vollstens zufrieden mit der Situation und heule nicht alten Zeiten hinterher sondern freue mich eher auf die Zukunft!

Mfg
Shana:3
Act-Age Greatness!


Letzte Änderung: 2 Monate 4 Tage her von Shana:3.
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Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840478

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Mal davon abgesehen, dass es zu diesen Thema schon so viele Threads gibt .......

Was soll ich sagen, ein Haufen Behauptungen und Meinungen entstehen aus Unwissenheit - gilt für Dogma, Geschichte, gilt für Politik, gilt für Anime/Manga/LN gilt für Alles. Und ja, es ist leider so, tut vielleicht weh, doch würden Wir Alle mehr die Hintergründe hinterfragen, so würden Wir vermutlich ein realistischeres Bild haben.

Ich will nicht behaupten, dass ich Alles weiß, doch ich kann zumindest sagen, dass mich die Historie von Anime interessiert, dass mich die Geschäftsprinzipien interessieren, auch im Wandel der Zeit, die Arbeit an sich, die Trends, die Künstler, die Idee und dass ich mich damit beschäftigte um bestimmte Schlüsse zu, die sich im übrigen auch im Laufe der Zeit geändert haben.
Nebenbei hab ich den Vorteil, dass ich schlichtweg ein alter Knacker bin, der Euch auch ernsthaft was über die 90er usw. erzählen kann, bzw. auch über die Anime, die aus den 70ern stammen, die im deutschsprachigen Raum, bis auf wenige Ausnahmen, allerdings oft erst in den 80ern angelaufen sind.

Behauptungen .......

Echi - was soll ich sagen, Echi, ähnlich wie Themen, wie den Unwillen, bzw. fehlenden Respekt vor Obrigkeiten, ist eine Erfindung der spät 60er Generation ergo jap. Blumenkinder Japanern, die damit provozieren wollten und die damit die steifen Regeln aufbrechen wollten. Und ja, sie waren erfolgreich - vielleicht nicht ganz bei den Regeln und schon gar nicht beim Verhalten, allerdings ist Echi seit den spät 60ern schlichtweg faktisch nicht mehr aus der Branche weg zu denken.
Wer behauptet, Echi sei eine neue Erfindung, Der hat schlichtweg keine Ahnung. Es gibt seit gut 50 Jahren jedes Jahr Anime dazu und genug sind, sehr, sehr erfolgreich und genug davon, sind wirklich nur reine Echi, bei denen es fast nur um das eine geht.
Ein Name alleine sollte auch genügen um diese Behauptun meinerseits zu untermauern - Go Nagai.
Go Nagai hat neben dem Super/Giant Robot Thema (Vorgänger vom heutigen Mecha Thema - ergo was Gundam und Konsorten später begründen), das stark Gewalt und erwachsen orientierte Thema - unter anderem Devilman, Violence Jack usw., auch und vor allem das Echi Thema begründet.
Harenchi Gakuen von Go Nagai war ab 1968 ein sehr, sehr großer Erfolg und nicht umsonst sein erster großer und hat Echi mehr oder weniger in der Szene etabliert. Und die Proteste dagegen waren damals in übrigen gigantisch, Lehrer und Elterverbände haben ein wahren, teilweise gar extremen Kampf dagegen geführt ....... vergeblich;)
The Abashiri Family kurz danach, war voll mit Gewalt und Echi und die Helden der Geschichte waren Kriminelle ...... Go Nagai hat es aus reinem Protest veröffentlicht, war aber bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr weg zu denken.
Und weil Go Nagai sehr gut mit dem Echi gefahren ist, hat er mit Werken wie Cutie Honey 1973 dort auch weiter gemacht und dabei mehr oder weniger auch das Magical Girl Genre begründet.
Hier mal ein Opening vom Cutie Honey Anime aus 1973, der eigentlich schon alles sagt .......
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Zerreißende Kleidung, Busen, Grapschen in Reinform usw.
Und ja Cutie Honey ist Kult - alleine wie oft die Serie Neuauflagen bekommen hat ist gigantisch ..... allein die Varianten der 90er ....
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Und dann höre ich von so angeblich Echifreien Anime, wie Code Geass, die in Wahrheit massiv auf Fanservice setzen .......
Echi gab es in jeden Jahrzehnt und erfolgreich waren die Studios auch damit .......
Manga/Anime wie Claymore haben ihre Figurendesigns rein auf dem Fanserviceaspekt aufgebaut und ist diese Werk deswegen schlechter, weil jetzt Männer und Frauen, die Figuren anziehend finden? Sicher nicht, es regt sich auch keiner darüber auf, dass Schulmädchen, mit viel zu kurzen Röcken/Sailor Oufits, so schlank, dass sie vermutlich magersüchtig sind und mit Beinen, die von der Mehrheit der Mädels nie erreicht werden kann, genauso wie die Augen, für reinem Fanservice herhalten müssen.
Und es regt sich auch keiner drüber auf, dass reale Idols in Japan teilweise schon weit unter 14 für die Fantasien von Männern herhalten müssen und es das normalste der Welt zu sein scheint ... von den sklavenartigen Zuständen und Verträgen bei den koreanischen Idols will ich gar nicht anfangen .... darüber, ergo reale Menschen könnte man sich halt Gedanken machen, doch über Anime Figuren?


Die historische Entwicklung von Anime (möglichst kompakt):

Alles begingt mit den Mangas ab ca. Ende der 1940er und der berühmteste Mangaka war halt Osamu Tezuka (Gott des Manga), der ab 52 Tetsuwan Atomu (Astro Boy) rausgebracht und ab denn 60er war er auch massiv bei Animefilmen involviert, Regie, Drehbuch usw., sein Wunsch war halt wie bei so vielen Film wie Disney produzieren zu können und so war es halt nur eine Frage bis 1963-1966 die erste Animeserie Astro Boy raus gekommen ist ...... damals noch Schwarzweiß. In übrigen war schon damals zu sehen, was Anime von ihrem Thema und Figuren ausmachen wird und ja man kann genug Leute zu diesen ersten Anime zurückverfolgen, die später die weiteren Schritte setzen werden.
Ergo war spätestens in den 70ern Anime massiv etabliert, doch es brauchte noch Anime, die das Ganze auf eine höhere Stufe (Grade was Figuren, Thema - ernster, erwachsener usw.) heben sollten und in den 70ern gab es genug Anime die es versucht und geschafft haben, etwa Space Battleship Yamato ab 1973 - ein gigantisches Projekt seiner Zeit von Academy Productions und Group TAC (aus denen, nachdem sie zerbrachen Diomedéa hervorging), einer der Einfluss auf alle wichtigen Anime nach ihm haben sollte, ergo MS Gundam usw. die zu NGE (Anno ist da sehr spezifisch, wo seine Grundlagen führen). Danach waren Figuren Themen und Story tiefer und anders und die Qualität der Animation hatte andere Maßstäbe ...... war aus diesem Grund auch lange Zeit der einzige Anime, der eine Literaturpreis erhalten hat - konnte erst in den 80ern von Hayao Miyazaki wieder erreicht werden.
Die 70er waren wichtig und werden oft unterschätzt, doch hier zeigt sich schlichtweg, dass Studios nun einfach mehr wollten und Anime als etwas höherwertigeres positionieren wollten. Dass zeigt sich auch in der World Masterpiece Theater ab 69, die größtenteils internationale Literaturklassiker als Grundlage hatte (die alle in jap. Schulen gelehrt werden und die Japaner teilweise mehr verehren wie Wir) und die in den 70ern über sich hinaus wächst. Um nur ein paar zu nennen: Heidi, Niklaas, ein Junge aus Flandern (so viel Kult in Japan, dass in Re:Zero, massiver Aufwand betrieben wurde um zig Querverweise zu integrieren .....) - einer der effektivsten Tränendrücker schlechthin ......, Perrine, Anne of Green Gables usw. Diese Reihe sollte bis in die späten 2000 laufen ..... die Höhepunkte waren aber in den 70ern und 80ern.
Doch noch waren Anime noch nicht in der Moderne angekommen, sowohl von Figuren und Story, als auch von Vermarktung - Auftritt eines recht neuen Zwergenstudios in finanziellen Problemen, dass nicht viel eher als Hilfsstudio arbeitete ..... Sunrise.
Es war Ende der 70er und die 80er klopften an die Tür und Ein Studio macht einen Anime (äußerst günstig) der sich als Flop erweist und der unter dem schlechtesten Stern steht, den man sich nur vorstellen kann - unter anderem Kommt der Animationschef ins Krankenhaus!, Quoten schlecht, Kritiken schlecht, er muss aus finanziellen Gründe gekürzt werden ......
MS Gundam und doch ist etwas anders nach diesem Anime. Figuren werden nie mehr die gleichen sein, ihre Sprecher ebenfalls nicht, Story ebenso, der OST hatte danach eine andere Bedeutung, nebenbei war auch noch ein neues Robot Genre entwickelt worden ...... doch was war entscheidend?
Es waren die getriebenen Leute dahinter, die etwas ganz Neues machen wollten und auch irgendwie geschafft haben - Einer davon hatte schon beim ersten Anime überhaupt mitgearbeitet ..... alles hängt zusammen.
Es waren die neue Art von Fans - die Mecha Anime rund um Gundam und Macross begründen die moderne jap. Fan Kultur - erst danach gab es Otakus und erst danach, war der Anime in allen Gesellschaftsschichten angekommen. Die Hardcorefans waren geboren (und sie unterstützten einen Anime, der eigentlich gefloppt war) und mit ihnen war es auf einmal möglich aus einem Flop die finanziell einträglichste Franchise im Animebereich überhaupt zu entwickeln - Gundam.
Der OST von Gundam brach Rekorde, drei Kompilationsfilme sollten sich dann doch als hoch einträglich erweisen und der Merch, die Plastikfiguren waren ein Geldbringer, wie man es sich gar nicht vorstellen kann und darum war danach auch Geld da, in den zwei goldenen Jahrzehnten, den 80ern und 90ern .....
Was zu Anime wie Zeta Gundam führte, der noch heute TV Rekorde hält ........ und just saying, ohne die Themen von Zeta wäre später ein Anno nie so extrem mit NGE geworden ....
Zeta zeigte auch, was schon Mitte der 80er von der Animation und Optik in Serie ging, manch Dinge wie Schattierungen waren nie mehr besser wie in den 80ern ...., diese ganzen Techniken mussten natürlich entwickelt werden und finanziert und weil mit Gundam auf einmal der Markt explodiert war ging es auch, Geld war da.
Derweil 80er - Anfang 90er erobern Anime nun endgültig die internationalen Märkte ...... nachdem sie öfter Rückschläge einstecken mussten. Ob es nun Auftragsarbeiten für Disney sind wie DuckTales oder Anime wie Akira (beide TMS) oder Nausicaä aus dem Tal der Winde, vielfach ist der Anime im Kinderfernsehen etabliert (unter anderem World Masterpiece Theater) usw. - danach war es einfach schwierig Anime zu ignorieren. Der deutschsprachige Bereich kann (im unterschied zum spanisch, italienischen, französischen usw.) im übrigen nur durch Umwege erobert werden, bzw. erste Brückenköpfe setzen - siehe Wickie und die starken Männer, ergo Gemeinschaftsprojekte europäischer und japanischer Beteiligter ....
Die 90er - das goldene Zeitalter des Anime. Auch so genannt, weil die Wachstumszahlen der Anime Industrie nun enorm steil nach oben verliefen, wie sie es danach nie mehr taten. Aber auch, weil es vielleicht den besten Mix aus Tradition und Kunst (Cel Animation) und neuen Techniken, ergo mit Hilfe des Computer (Ende der 80er von Disney perfektioniert) repräsentiert. Studios wie Sunrise/Bandai oder Madhouse haben in den 90er Werke geschaffen, da bleibt mir noch heute der Mund offen - aus guten Grund, weil Geld da war, dazu aber noch die Fähigkeit und der Wille old school Cel Animation zu machen - der vielleicht beste Mix (genannt DGA) gelang bei GitS Mitte der 90er, nicht umsonst mit den Geldern von Bandai finanziert ..... anders wäre es auch nicht gegangen .... ebenso wenig bei Cowboy Bebop usw..
Aber ich will einen Anime nicht vergessen, der wie kein anderer für die 90er steht - NGE.
Ja, er hatte auf lange Sicht gesehen Einfluss, gigantischen ......, auch wenn die Produktion die Hölle und der größte Irrsinn war, dass halbe Team weggelaufen ist, der Anime nicht so fertig gestellt wurde wie erdacht, er zig mal umgeschrieben wurde und der Chef in seiner Hybris alles über den Haufen geworfen hat, was er selber erdacht hatte ......
Hab ich erwähnt, dass die Quoten schlecht waren und die Kritiken auch! Erzürnte Fans haben einen Radau veranstaltet, gar Morddrohungen geschickt...... aber aus der Geschichte, ca. 20 Jahre zuvor wissen Wir ja, dass am Ende nur die langfristige Wirkung zählt und durch einen neuen Sendeplatz und die sehr gute Vermarktungsmöglichkeiten (VHS, diverse Vorläufer von der DVD, später DVD usw.) die sich Ende der 90er ergibt sich der erfolgreichste Anime seiner Zeit, vielleicht sogar überhaupt. Die Zahlen der 80er oder 90er darf man nicht mit Zahlen nach 2000 vergleichen, die DVD als Produkt für Jeden, genauso, wie das Aufkommen von Internet und später Streams ändert alles .... danach kann man viel mehr Kunden erreichen und Werbung kostet fast nix mehr.
NGE hat einfach ein Thema, dass sehr effektiv ist um Aufsehen zu erregen, es appelliert an den Geist des Zusehers und damit schafft man über eine gewisse Zeitspanne diese enorme Wichtigkeit, die dieser Anime einnimmt. Ich bin mir aber sicher, so auf die Art war es nur in den 90ern möglich.
Die 2000er Jahre, Untergang und letzte Unschuld zugleich und als Bonus der Einbruch. Ich sage, es war die letzte "große" Animezeit, weil die Studios noch öfters den Willen hatten, ein Werk zu schaffen, weniger es als reines Kommerz Produkt zu sehen.
Cel ist Anfang der 2000er fast verschwunden, teilweise halten sich noch vereinzelte Inseln, doch PC und Programme locken halt, zumal es ja auch Programme gibt, die CGI, was jeder moderne Anime, mehr oder weniger ist - auch wenn Wir und CGI etwas anderes, ergo reines CGI verstehen, aussehen lassen, wie Cel - ja der Kunde will Cel, nur ist Cel teuer, aufwendig und langsam, ergo kann man nicht soviel Gewinn damit machen ..... und ist nebenbei sehr, sehr abhängig von den Künstlern.
Ergo zeichnet man zwar noch, allerdings nimmt man zum Animieren, bzw. Ausfüllen, den Computer zu Hilfe, was an sich auch Vorteile hat - wenn die Technik stimmt!. Die 2000er stellen in dieser Hinsicht durchaus den Peak dar, weil alles was später kommt maximal mehr Auflösung hat und rein in der Theorie schon in den 2000er möglich ist - klar Computer werden besser, die Animatoren aber nicht. Studios wie Ufotable werden Arbeit am Rechner später quasi auf die Spitze treiben - auch durch schiere Investition in Equipment aber auch durch die internationale Erfahrung, die die Gründer bei TMS gesammelt haben, brauchen aber anfangs noch ....
Animes der 2000er zeichnen sich noch durch die Tatsache aus, dass sie noch normale Längen haben, über 2 Seasons ist normal, 4 Seasons wird schon selten ist aber noch vorhanden und Longrun laufen noch reihenweise und in durchaus erträglicher Qualität und dass sie öfters Themen angehen, die später fast verschwinden werden - Studios wie Manglobe werden dafür bezahlen, schenken Uns aber unvergleichliche Anime in dieser Zeit. Überhaupt gibt es genug große Studios, die gute Anime in guter Qualität produzieren können, viele sind heute nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Und die ersten Ansätze von LN Umsetzung liegen auch in dieser Zeit, was den LN einen wahren Boom bescheren wird. Madhouse macht den Anfang und adaptiert schon 2000 den heißesten Scheiß seiner Zeit Boogiepop, der seinerseits als der Startschuss des LN Booms gilt.
Die 2000er sind auch durchaus kommerziell erfolgreich, alleine was Gundam SEED und SEED D. umsetzen ist gigantisch, Geld ist auch noch da, was der Umsatz steigt zwar nicht mehr so massiv wie in den 90ern, allerdings steigt er - bis Ende der 2000er Jahre (Ca. ab 2007) der Einbruch kommt .......
Was war passiert?
Der Markt war übersättigt, es wurden zu viele Anime produziert, die schiere Anzahl pro Season war immer größer geworden und die Blase war geplatzt, gleichzeitig hatte die Qualität gelitten und die 12er wurden immer häufiger, was nicht geholfen hat, dazu hatte der Markt (und hat es noch heute) mit Überalterung der potenziellen Kunden zu kämpfen, ist halt nicht positiv, wenn es immer weniger Jugendliche gibt (dafür können die Studios aber nicht) .... und nicht zuletzt zeigen sich erstmals die Auswirkungen von Kommerz bei den Animatoren, die nicht mehr wie Tiere arbeiten wollen - die Spitze ist da aber bei weiten nicht erreicht .....
Die 2000er enden mit einer Krise und danach, in den 2010er regiert der Sparstift, was manche Studios rettet, was manche Studios über Wasser hält (zumindest vorerst), was aber die Quali ungemein leiden lässt und noch mehr die Animatoren. Was nun an der Tagesordnung steht sind 12er Anime, Werbeanime, die oft nur über eine Season gehen und die man nur als Anregung sehen kann, will man komplett muss man den LN oder den Manga lesen. Anime werden nun endgültig zu einem Teilstück einer Franchise ......
Und da wundert man sich, dass Animekunden keine Anime mehr kaufen ....... klar wenn man kein Werk bekommt, dass für sich alleine gut ist.
Allerdings ist der Anfang der düsteren Jahre des Anime erst eröffnet - um die 2010er Jahre werden Einbrüche bei der Optik immer schlimmer und die Studios reagieren schlichtweg in vieler Hinsicht falsch - sie wollen nicht investieren und riskieren, sie wollen nicht in jap. Arbeit investieren und in Arbeitsbedingungen immer mehr Animatoren arbeiten als Freiberufler, weil die Studios nicht fix anstellen wollen und die armen Arbeiter verdienen dabei so wenig, dass sie bei den Eltern leben müssen, dazu lässt man zu dass Animatorenschulen schließen - man gräbt sich selber das Wasser ab. Dazu kommt die Tatsache, dass man schon Ende der 90er angefangen hat, teilweise viel früher, Zweigstudios außerhalb Japans zu gründen, weil dort die Kosten niedriger sind. Damit lässt man Know-How abfließen, wird aber auch anfällig. Studios wie Madhouse ruinieren sich so ...... Teilweise, wenn auch nicht immer ist die gelieferte Arbeit aus dem Ausland auch schlichtweg mies - wobei gesagt sein muss, ein gutes Korea, Hongkong, Taiwan, Thailand usw. Studio ist besser als ein mieses japanisches .....
Die Tatsache, dass man sein Heil in einfach kalkulierbaren Projekten, ergo 12er Anime sucht, erweist sich auch als kurzsichtig, weil damit nie und nimmer ein Großteil der Storys ordentlich umsetzbar ist und jeder Kunde fragt sich, kommt da noch was und will ich es riskieren, wenn nicht sicher ist ob noch was kommt.
Ein Lösung wären Dinge Originalanime, weil man da selber die Story schreiben kann, doch die sind risikobehaftet .....
Alles mies?
Nein, weil die Studios irgendwann entdecken, dass man Streams nicht verteufelt, sondern dass man über sie, bzw, eher über Werbeeinnahmen wirklich gut Geld machen kann und zusätzlich den Vorteil hat Kunden zu erreichen die man vorher nicht erreicht hat ...... Deswegen ist der Umsatz auch insgesamt größer geworden, auch wenn eine Rechnung nun sehr kompliziert geworden ist - jap. Zahlen alleine sagen nun weniger aus, wie je zuvor - weil Anime wie AoT nun mal sein Geld nicht nur in Japan machen .....
Und in letzter Zeit scheint auch wieder ein Trend zu 2 Season Anime, Qualität, bzw. etwas weniger Schema F zu herrschen - die ganzen LN, Game usw. Werbeanime sind natürlich weiterhin da, doch die kann man ja umgehen. Und wirklich schaden tun Firmen wie Netflix und Amazon auch nicht, weil sie schlichtweg Geld für die Produktion beschaffen.
Der Animatorenengpass ist auch durchaus zu lösen und genug Studios zeigen durchaus, wie man ihn löst oder zumindest umgeht. Ob man jetzt schlichtweg genau das richtige macht, wie Kyoto, ergo für Arbeit zahlen und nicht pro Bild oder ob man schlichtweg eine gewisse Zahl an fixen fähigen Mitarbeitern hat ergo um die 100 - 200. Wichtig ist hier halt schlichtweg, dass es Studios gibt, die zu einer Selbstreflexion offen sind und die auch akzeptieren, dass es nicht ohne Mut und ohne Mitarbeiter geht.

Einzig frag ich mich, was bei der Weltwirtschaftskrise, die Wir gerade heraufbeschwören, weil Wir nicht Unsere eigene Sterblichkeit und Unsere vergleichsweise geringe Fähigkeit die Erde und das Leben zu kontrollieren wahrhaben wollen, mit der Animebranche und vielen Studios passieren wird ..... positiv auswirken wird es sich nicht.
Es wäre manchmal besser wenn die Menscheit nicht dieser Hybris aufsitzen würde (um einen Bezug zu Anime zu finden;), sie könnte alles kontrollieren und sich gegen Evolution und Natur stellen ..... wenn die Natur und ficken will, dann tut sie es, wenn wir Pech haben, dann kann das Klima auch fallen (was Keiner von Euch will .....), braucht nur ein Vulkan ausbrechen oder sich eine Meeresströmung ändern ..... und die paar Seuchen? Wir haben schlimmeres überstanden und am Ende des Tages ist es nur ein Reinigungsprozess der Natur und der Evolution .....
Eine Seuche aufhalten und mit den wirtschaftlichen Schäden das Gesundheitssystem ....., dass auf Steuern angewiesen ist, auf Jahrzehnte ruinieren ....... dass Sozialsystem auch, die brauchen auch Steuern ... Armut bedeutet niedrigere Lebenserwartung .... Alles hängt zusammen.
Aber wer bin ich, ich hab derzeit einfach zu viel Zeit um nachzudenken ....


Also sind jetzt Anime früher besser gewesen? Eigentlich ist die Antwort darauf immer ungenügend. Gute Anime gibt es auch heute noch.
Einzig kann ich sicher sagen, dass mir klassisches Cel abgeht, einfach weil die Schattierungen und die Art Bewegung usw. zu animieren einfach unheimlich flüssig wirken, eben weil sie kleine Fehler enthalten, bzw. weil keine Computer das Gefühl und die Handarbeit eines Animators ersetzen können .... es ist einfach Kunst, ein PC/Programm ist keine Kunst, es sind Nullen und Einsen ..... alleine was schon ein von Hand gezeichneter Hintergrund ausmachen kann - viele 90er Hintergründe sind ein kleines Gemälde:) Auf einem Tablet gezeichnet ist einfach nicht das gleiche, es ist alles zu glatt, zu perfekt und man ist nur so gut wie das Programm ermöglicht .....
Was soll ich sagen, nicht umsonst versucht man mit Programmen moderne Animation so wirken zu lassen, wie das gute alte Cel Verfahren ...... Einen oldschool Cel Anime aus den 90ern, generell viele Anime aus den 90ern sind für mich einfach Kunstwerke, bei dem man ein Bezug zum Künstler herstellt, es hat was menschliches.
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Von daher, live is good
Echt mal positiv denken, auch wenn es schwer fällt
Sniperace
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Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840482

Eigentlich frage ich mich gerade...
Die Generation OreImo gehört ja mittlerweile schon zu den "alten Serien" oder? Schließlich ist das nun schon ca. 10 Jahre her, dass die Serie über die Bildschirme des japanischen TVs flimmerte. Langsam wird es also für mich zunehmend schwieriger an solchen Diskussionen teilzunehmen, da meine Betrachtungsweise auf "alte" und "neue" Serien wohl nicht mehr ganz im Konsens mit der Masse steht.

Was sind nun also die alten Serien?
Alles vor 2000? Alles vor 2010, was einem gut in den Kram passt, da man dort die "goldene Zeit" der Animes vermutet... oder ist es generell eine Faustregel, dass alles was 5 Jahre in der Vergangenheit liegt schon in Richtung "alt" geht?
Für mich ist das tatsächlich unerheblich für meine Argumentation, da ich es nicht so sehe, dass Anime Serien früher besser waren als sie es heute sind. Es ist einfach nur der Filter, welchen man sich selbst aufsetzt, wie man auf das Medium schaut. Unser Konsumverhalten hat sich über die Jahre vom Anfang der Animekultur in Deutschland bis zum heutigen Tage stark verändert, was man auch in Betracht ziehen muss.
Während man früher ein kleiner blauäugiger Abenteuerer war, der über Mythen, Sagen und Legenden von einem in das nächste Abenteuer stolperte und von jedem dieser Exkurse in unbekannte Genre und Gefilde Begeisterung empfand, so sind wir doch heute bärtige, einäugige Piraten auf der Suche nach Beute und Opfer zum Brandschatzen, wobei wir uns auf Reisen und Abenteuer begeben, um etwas für uns zu gewinnen.

In dieser Metapher würde ich sagen, dass wir aus den Augen verloren haben, was wirklich wichtig bei der ganzen Sache ist. Nämlich die Reise durch die Geschichten und weniger das Ziel. Zudem kommt hinzu, dass uns der Dunning-Kruger Effekt und der damit verbundene Mount Stupid im Weg steht.
Nachdem wir ein bis zwei Serien in bestimmten Genre-Bereichen gesehen haben, so sind wir der Anssicht bereits nach wenigen Sekunden der Prämisse sagen zu können, welche Art von Serie wir vor uns haben und beginnen mit Urteilen auf sie Niederzuregnen. Entsprechend unserer Erfahrungswerte setzen wir Erwartungen, bevor die Serie überhaupt an Fahrt aufgenommen hat. Was jetzt geschieht ist aber tatsächlich interessant, weil man daran sieht, wie der psychologische Effekt einer unserer Serien-Filter wird und sich damit durchsetzt, da er halbwegs funktioniert - zum Leidwesen anderer, dazu aber gleich mehr.

Serien wie Re:Zero, Hunter X Hunter oder Mahou Shoujo Madoka Magica sind beispielsweise Serien, welche wir vor uns sehen und sie entsprechend ihrer Art schnell über Erfahrungswerte kritisch beäugen. "Ein weiterer Isekai / Shounen / Magical Girl Anime..". Durch unsere Erwartungen vorgeprägt ist unser Blick eingeschränkt und die Natur der Serie - nämlich die Dekonstruktion des Genres - schlägt zu, was unsere Prägung aufsprengt. Die Serie erhält durch unser persönlich empfundenes Fachwissen an Tiefe, da sie Aspekte anspricht, welche wir so nicht kannten oder einfach nicht erwarteten. Das ist gut - genau so möchte die Serie funktionieren. Allerdings birgt sie auch ein fundamentales Problem. Unser Mount Stupid festigt sich, da wir der Meinung sind einen "besonderen" Anime der Spate gesehen zu haben und nachfolgende Serien, welche ebenfalls Dekonstruktionen des Genres in eigener Form betreiben (ggf. weniger ausgiebig) gehen unter und werden lediglich als Abklatsch des Vorreiters betrachtet (vgl. Mahou Shoujo Madoka Magica VS Yuuki Yuuna wa Yuusha de Aru).

Damit beschränken wir unsere Serien, welche wir sehen wollen und können immer weiter, weil wir sogesehen "süchtig nach Neuem" sind, uns aber nicht mit den jeweiligen Spezialisierungen der Genres auseinandersetzen. Nicht jede Serie kann und wird etwas vollkommen Neues und nie Dargewesenes sein. Wenn man sich mal auf die Seite TVTropes.org begibt, dann wird man sich schnell wundern, wie häufig man gewisse Tropes schon gesehen hat, es aber nicht als störend empfindet, da das Bewusstsein dafür zu fehlen scheint. Charakter-Archetypes und Grundsettings sind in ihrer Art sehr auffällig, wenn man sich sehr viel in dem Bereich der Animes aufhält und fallen lediglich dadurch vermehrt auf. Das Gleiche würde einem auch auffallen, wenn man sich mal ein Jahr lang durch alle möglichen Sitcoms oder Office-Comedy Serien wühlt, da man auch dort sehr viele Wiederholungsmuster und bewährte Systeme erkennen wird. Entsprechend ist das kein Anime-Only-Phänomen, sondern zieht sich durch allerlei Medien. Tonträger, Literatur und audiovisuelle Medien gleichermaßen.

Möchte damit natürlich niemandem vorschreiben was er zu sehen hat und was nicht. Das obliegt jedem selbst zu entscheiden, was er sich anschauen möchte und was nicht. Allerdings würde ich davon absehen die Serien, welche einem aktuell nicht zusagen einfach auf "schlecht" herunterzustufen, da es sicherlich Fans davon gibt - Menschen, welche genau das sehen möchten. Manchmal findet man sich selbst in der Zukunft unerwartet doch unter eben jenen Fans auch wieder. So dachte ich persönlich, dass ich mir niemals sowas wie "cute animes" ansehen würde, da ich unter dem Vorurteil litt, dass es keine "richtigen Animes" seien, wie zum Beispiel Death Note, Mirai Nikki, Code Geass, etc.
Eben diese Haltung meiner Vergangenheit erkenne ich immer wieder in solchen Diskussionen wieder, weshalb ich mich als eine Art Veteran betachte, welcher diesen inneren Konflikt bereits hinter sich hat und auf der einen Seite sich durch plotgetriebene Serien und auf der anderen Seite durch *hust* "Plot"-getriebene Serien navigiert - und beidem seinen Mehrwert abgewinnen kann. Soll auch nicht heißen, dass man keine Ansprüche an jeweilige Genres haben sollte, aber eben die Fähigkeit mitbringt Serien entsprechend ihrer Intention und Zielgruppe zu unterscheiden und für sich selbst festzulegen, was man schauen möchte und was nicht, ohne die Werke direkt als banalen Mist zu betrachten, da es doch sehr konfliktorientiert an Diskussionen mit anderen Fans der gleichen Subkultur herangeht.

Je mehr man sich selbst einschränkt, desto mehr verborgene kleine Kunstwerke übersieht man.
Klassische Beispiele dafür sind tatsächlich Saenai Heroine no Sodatekata, Imouto Sae Ireba Ii oder auch tatsächlich OreImo, was ein sehr kunstvoller Ansatz ist sich mit der Otaku-Kultur als solche auseinanderzusetzen.

Weniger beschränken - mehr beflügeln. Dann findet man auch den Spaß an der vollen Breitseite, welche Anime/Manga einen anbieten können.
Es gibt eben nicht nur Serien alá Fate/Stay Night, sondern eben auch jene in der Geschmacksrichtung Blend S.
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Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840483

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Sehe ich zum Großteil genauso. Ich finde aber es kommen auch heutzutage noch hin und wieder Meisterwerke. Sie werden nur seltener. Ich habe das Gefühl, die Studios wollen nichts riskieren und animieren nur Genres bzw Storys die momentan bei der Masse gut ankommen, statt Werke auszuwählen, die einzigartiger sind. Allein die Anzahl von Isekai Werken die jede Season ausgestrahlt werden.. Klar wird es immer schwieriger etwas innovatives zu produzieren, aber wie du auch meintest, es wird nur noch auf den Profit geachtet.

Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840484

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naja kann man nicht ganz behaupten das alter besser sind oder auch neue Anime und wenn weiter staffeln im neuen Season von ein Anime ist es immer doch toll das was neues kommt als im Cartoons zum beispiel möchte eine 2 Staffel Disney große pause da kann ich aber richtig lange warten bei japanische Serien ist nicht der Fall nicht lange warten brauch.*o-gj*

Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840488

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Schwer zu beantworten. Früher war man eben noch viel jünger und einem haben Animes gefallen, wo man heute denkt: OK was für ein Schrott. Aber ich denke, es gab früher ca. genau soviele gute Animes wie jetzt. Mir kommts nur zurzeit vor, das weniger Animes produziert werden. Wo ich früher noch jede Season 8-10 gute Animes gefunden habe, sind es jetzt max 5. Ich bin mal gespannt wielange sich die Spate Anime noch hält, bevor es dann auch mal als Nische zählt.
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Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840489

Good evening! :D
Da stimme ich dir ganz zu Herz. Das mach ich gelegentlich auch. ;) Eigentlich, gibt es natürlich heutige Werke die zwar toll sind. Jedoch manche überhaupt nicht mehr weiterdrehen. Klar sind die Klassik`s sehr gut. Dennoch ist das halt die Geschmackssache, die es am ende entscheidet.

Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840490

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Ich möchte tatsächlich einmal versuchen, hier eine neue Richtung einzuschlagen. Denn 1. Hatten wir dieses Thema hier im Forum wirklich schon zur Genüge (weshalb ich mich etwas wundere, dass das Thema überhaupt zum Thread der Woche ernannt wurde) und 2. ist Qualität von Anime einfach extrem subjektiv. Natürlich gibt es durchaus Möglichkeiten, Serien etwas differenzierter zu betrachten und viele Kritiker geben sich wirklich Mühe, sachlich zu bleiben. Aber Fakt ist, wir sind trotzdem immer auch von unseren subjektiven Eindrücken abhängig, allein schon deshalb weil wir natürlich geprägt sind durch das, was wir alles schon gesehen oder nicht gesehen haben.

Deshalb wäre jetzt meine Herangehensweise, stattdessen mal einen Blick auf die Situation drumherum zu werfen. Einen Punkt hat OP hier bereits angesprochen:
Wie oft musste man sich von der Seite dumm anreden lassen oder wurde aufgrund dessen ausgegrenzt, nur weil man ein Medium mochte, was das Vorurteil hatte das es entweder etwas für kleine Kinder oder Perverse sei.
Seit gut einigen Jahren jedoch hört man Leute, entweder im Internet oder in der Öffentlichkeit, damit herum prahlen - schauen ja anscheinend schon ewig Animes.
Interessant finde ich tatsächlich, dass das hier ein wenig so klingt, als sei das etwas negatives. Ich für meinen Teil finde das hervorragend! Ich schaue Anime seit den späten neunzigern (habe also als sehr junger Hüpfer damit angefangen) und für sehr viele Jahre meines Lebens habe ich krampfhaft versucht, dieses Hobby vor den meisten Leuten zu verstecken, weil es mir so peinlich war. Und natürlich bin ich auch einfach älter geworden und lege inzwischen deutlich weniger Wert darauf, was fremde Menschen von mir denken. Aber ich finde es so angenehm, dass ich nicht mehr so aufpassen muss, Anime nicht als Hobby zu nennen, wenn ich jemanden kennenlerne, weil es eben nicht mehr so stigmatisiert ist und dass ich so viele neue Menschen kennengelernt habe, mit denen ich mich über Anime austauschen kann.
Natürlich mag es darunter auch so manchen "Poser" geben, die so tun als wären sie schon immer Fans gewesen, weil das eben gerade cool ist, aber wen interessiert's? Wenn sie jetzt wirklich Spaß daran haben, hat man immer noch einen guten Gesprächspartner gewonnen und wenn nicht, dann eben nicht. Tut doch keinem weh.

Dann ein Punkt, der ebenfalls angesprochen wurde: Digitale Animationen. Auch hier kann ich (fast) nur Vorteile finden. Es ist natürlich wahr, dass digitale Animationen nicht mehr so ... persönlich sind wie die analogen. Auch die Nutzung von CGI ist nicht unbedingt der schönste Aspekt, obwohl ich an dieser Stelle argumentieren würde, dass diese Technik in der Industrie noch relativ neu ist und wir jetzt schon deutliche Fortschritte zu verzeichnen haben. Ich glaube also, dass wir da in ein paar Jahren deutlich mehr Positivbeispiele verzeichnen können.
Davon abgesehen hat die generelle Animationequalität in meinen Augen deutlich(!) zugenommen.
Eine weiterer wichtiger und entscheidender Unterschied welcher zur prägnanten Wirkung älterer Anime beiträgt ist ihre aufwendigere Produktion. Da wurde noch vieles von Hand gemacht und in mühseliger Kleinstarbeit gefertigt und das spiegelt sich dann auch im Detailreichtum damaliger Zeichnungen wieder, welche wesentlich organischer und lebendiger wirkten als heute.
Es tut mir wirklich Leid, ich möchte hier niemanden angreifen, aber kann es sein, dass hier die Nostalgie aus dir spricht? Denn nach meinem Erleben ist hier eher das Gegenteil der Fall. Gerade weil die damalige Produktion so viel aufwendiger war, litt oft der Detailreichtum und die Lebendigkeit darunter. Extrem viele Animationsschnipsel wurden wiederverwendet, um Zeit und Geld zu sparen (was immer noch gemacht wird, aber nicht mehr ganz so exzessiv), Hintergründe wurden oftmals auf das essenziellste beschränkt und nicht zu vergessen, die ganzen still-images, die sich entweder gar nicht bewegen oder nur den Mund auf und zu machen (das berühmteste Beispiel hier ist wohl die Fahrstuhlszene aus NGE, aber es gibt haufenweise mehr).

Auch ich muss aber natürlich einräumen, dass die aktuelle Situation ihre Nachteile hat. Die unfassbare Menge und dazu das Simulcasting sorgen einfach dafür, dass der Markt ziemlich übersättigt ist, von guten wie schlechten Shows. Das hat positive wie negative Seiten. Zum einen hat man so eine enorme Auswahl an Shows aus praktisch jedem Genre und fast jeder findest etwas nach seinem Geschmack. Es sorgt aber auch dafür, dass weniger Serien im kollektiven Gedächtnis hängenbleiben, gerade weil alle unterschiedliche Serien schauen und zudem ständig neue Serien rauskommen. Dadurch gibt es weniger, was als Klassiker gehändelt werden kann und die Diskussionen über Shows sterben schneller aus, was schade ist. Plus, das bedeutet eben auch so so viele neue Shows, die entweder Mittelmaß oder drunter sind und man muss stärker filtern, wenn man sich neue Serien anschauen will.

Ein Punkt, den man aber auch in meinen Augen nicht verachten sollte, ist, dass sich die Industrie auf einem wirklich guten Weg befindet, gesünder zu werden. Ich glaube, wir müssen nicht darüber reden, dass die Anime Industrie (auch immer noch) voll ist mit unterbezahlten und völlig überarbeiteten Animatoren, Mangaka, etc. Und da ist auch noch ganz ganz viel Luft nach oben. Aber dennoch - der zunehmende Mainstream Status sorgt für mehr Geld in den Kassen der Studios, wodurch Mitarbeiter besser bezahlt werden können. Es werden weniger endlos Serien produziert, wo innerhalb einer Woche eine komplette Episode fertiggestellt werden muss über Jahre, stattdessen werden mehr Serien in Staffeln aufgeteilt, was zum einen der Qualität gut tut (da weniger Filler und bessere Animationen) und den Teams mehr Zeit und Luft zum atmen gibt. Große Streaming-Anbieter wie Netflix achten darauf, dass die Animes unter humanen Umständen produziert werden, da sie es sich leisten können.
Wie gesagt, wir haben immer noch viel Luft nach oben in diesem Bereich, aber in meinen Augen ist die Industrie da auf einem guten Weg.

Insgesamt muss ich also wirklich sagen, dass ich die heutige Situation der damaligen klar vorziehe. Sowohl aus einem persönlich Standpunkt heraus, als auch wenn ich mir die Industrie so angucke.

Ach, und übrigens ein kleiner Bonus-Kommentar: Ich finde es immer super lustig, wenn gemeckert wird, heutzutage würde ja alles nur noch aus Fanservice und Ecchi bestehen und das sei ja früher viel besser gewesen. Denn dann werfe ich mal einen Blick auf viele der alten Serien und kann nur sagen: Schau nochmal hin. (Beispiele sind unter anderem NGE, Code Geass, Ranma 1/2, Fist of the North Star, Elfen Lied, uvm.)
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Animes früher besser oder heute? 2 Monate 4 Tage her #840494

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ansich würde ich sagen früher waren wir einfach noch nicht so wählerisch wie heute, muss aber zugeben es wird immer schwerer ein anime zu finden der einen so richtig fesselt und man, auch wen man am nächsten tag arbeiten muss, die nacht durchsuchtet!
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Animes früher besser oder heute? 2 Monate 2 Tage her #840552

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Mein erster Beitrag. *o-toohappy*

Ich muss sagen, dass ich bei dem Thema doch recht zwiegespalten bin. Hier auch die Erklärung warum:

Grundsätzlich teile ich nicht die Meinung von AnimeGeass, auch in den letzten Jahren gab es in meinen Augen hervorragende Anime. Zudem ist es ja sehr subjektiv, was jemand als Meisterwerk sieht. Beispielsweise stimme ich nicht zu, dass jeder Anime von der Liste des Themenerstellers:
Schaut man sich im vergleich mal nur die Seasons von 2008 z.B. an, da kamen so gut wie keine Solcher Animes raus:
- Ookami to Koushinryou
- Code Geass R2
- Nabari no Ou
- Soul Eater
- Vampire Knight
- Natsume Yuujinchou
- Zero no Tsukaima
- Clannad After Story
- Kuroshitsuji
- One Outs
- Toaru Majutsu no Index

besonders gut ist. Aber wie gesagt, dass ist eh eine subjektive Geschichte und ich finde es wichtig, den Geschmack von anderen zu respektieren. Man könnte jetzt aber versuchen möglichst objektive Kriterien herauszusuchen, was ein "guter" Anime ist und was man unter einem Meisterwerk versteht. Ich bezweifle aber, dass wir da wirklich auf einen grünen Zweig kommen. Trotzdem möchte ich hier ein Beispiel geben, dass verdeutlicht, dass auch in den letzten Jahren noch Anime produziert wurden, welche für seine Fans unvergessen bleiben: Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu
Die erste Staffel wurde 2016 veröffentlicht, die zweite 2017. Der Anime spielt teilweise im Japan der 30er und 40er Jahre, aber auch später. Es geht um die Rakugo, eine traditionelle Form der Unterhaltung in Japan, die auf komischen Monolgen beruht. Dabei erzählt der Darsteller im Sitzen eine Geschichte vor Publikum und spielt alleine alle Rollen. Je nachdem, welche Rolle er spielt, verändert er seine Gestik, seine Mimik. Wen es interessiert und er/sie den Anime nicht gesehen hat, kann bei Youtube einfach "Rakugo english" eingeben. Dort gibt es ein paar Videos mit Performern, sodass man sich ein Bild machen kann. Es geht in dem Anime um diejenigen, die diese Form der Unterhaltung lernen, um diese Charaktere und ihre Geschichte selbst und den Wandel der Bedeutung von Rakugo im Laufe der Zeit, als der TV auf den Markt kommt. Warum wähle ich gerade diesen Anime als Beispiel? Weil die Serie, die doch recht ungewöhnlich ist im Vergleich zu den meisten Anime, heraussticht, wenn man nach was "Neuem" sucht. Öfter habe ich schon gehört, dass es "nur noch Einheitsbrei" gibt bei den neuen Serien. Oder die neueren Serien nicht im Gedächtnis bleiben werden. Dieser Anime beweist das Gegenteil. Denn zweifellos entspricht er nicht jedem Geschmack, aber auch er hat seine Fans gefunden (mich z.B. *o-roll* ) und wird auch in 20 Jahren Menschen begeistern können. Nicht umsonst gehört Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu zu den Top 100 Anime in myanimelist. Wie ich bereits erwähnt habe, ist es doch aber subjektiv, was man als guten Anime empfindet. Wieso erwähne ich dann trotzdem diesen Anime? Weil er meiner Meinung nach eine Ausnahme darstellt. Selbst wenn jemand persönlich nichts mit der Serie anfangen kann, kann man nicht bestreiten, dass man hier etwas über die japanische Kultur und eine Kunstform erfährt. Damit öffnet man auf unterhaltsame Weise Menschen gegenüber etwas ihnen vorher Unbekannten, ein neuer Blickwinkel gegenüber der japanischen Kultur entsteht und bei vielen entsteht eine Neugierde, mehr über Rakugo zu erfahren. Zumal in dem Anime für verschiedene Rakugogeschichten Zeit eingeräumt wird. Man sieht die Charaktere nicht selten die tradtionellen Geschichten erzählen und kann dann nach Zusatzinformationen zu den Geschichten googeln. Zusammengefasst: Vielleicht finden manche Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu langweilig oder nicht ansprechend, aber es fällt mir schwer zu glauben, dass jemand die Serie ernsthaft als substanzlos sieht oder ihr generell ihren Wert abspricht.

(Für die, denen ein Beispiel nicht ausreicht, möchte noch folgende Serien nennen, die ich gut finde:
Ascendance of a Bookworm
Keep Your Hands Off Eizouken!
March Comes In Like A Lion (1-2)
Chihayafuru (1-3)
Mr. Tonegawa: Middle Management Blues
Manche sind sehr aktuell, manche ca. vor 2 Jahren gelaufen. Ich möchte nochmal deutlich anmerken, dass das nur meine persönliche Meinung darstellt und ich von niemanden erwarte, dass sie/er diese Serien auch gut findet. In meinen Augen hat aber jede dieser Serien etwas besonderes und ist einen Blick wert. Die Charaktere sind interessant und ich habe nicht das Gefühl, etwas zum xten mal zu sehen. Ob es nun ein ungewöhnlicher Sport ist wie in Chihayafuru oder der spezielle Humor von Mr. Tonegawa: Middle Management Blues. Bei myanimelist (MAL) schneiden die meisten (bis jetzt) auch mit 8,... ab. Es trifft also den Geschmack vieler Leute, die den Anime eine Chance gegeben haben.)


Was ich auch mit diesem Beispiel/diesen Beispielen insgesamt sagen möchte: Es lohnt sich, gegenüber (fast) allen möglichen Genre offen zu sein. Wer sucht, der findet. Auch heutzutage findet man gute und auch ungewöhnliche Anime. Wie manche vorher schon erwähnt haben, bleiben aufgrund der Fülle unterschiedliche Anime hängen, aber so haben wir auch mehr Auswahl. Außerdem muss ich nach eigener Erfahrung sagen, dass es besser ist, einen Anime einfach auf sich wirken zu lassen, anstatt schon im Vornherein festzulegen, was man von ihm erwartet. Aber das muss jeder selbst entscheiden. Zudem stimme ich wiederum den Vorrednern zu, dass man älter und reifer geworden ist. Wir lassen uns nicht mehr so leicht beeindrucken. Gerade als Serienjunkie begegnen einem immer wieder gewisse Muster, Klischees, Stereotypen und das ist (leider) auch normal.

Damit komme ich nun zu dem Grund, warum ich zwiegespalten bin, nachdem ich beleuchtet habe, dass es nach wie vor gute Anime gibt. Bei MAL kann man schön herumspielen und schauen, wie viele Anime jeweils in einem bestimmen Genre erschienen sind in Jahr XY. Also wer eine Statistik machen möchte, die Möglichkeit ist vorhanden... Ohne viel Aufwand kann jeder jedoch die gesamte vorhandene Anzahl an Anime und Manga pro Genre sehen. Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass die Anzahl immer 100%ig stimmt und MAL keinen Anime vergessen hat, als Richtwert lässt es sich aber hernehmen. Nun möchte ich folgendes gegenüberstellen: Es gibt im Moment insgesamt 1.946 Shounen Anime und 810 Seinen Anime. Außerdem 678 Shoujo und 95 Josei Anime. Daraus schließe ich, dass zum einen viel mehr Anime in erster Linie an ein männliches Publikum gerichtet sind. Zum anderen existieren offensichtlich mehr Anime für jugendliche Zuschauer als für Erwachsene.
Nein, damit möchte ich nicht sagen, dass Shounen Anime "schlechter" (mag diese Art von Bewertung ja eh nicht) sind als Seinen Anime, es gibt genug Shounen Anime die ich großartig finde. Nur, Manga wie Mushishi, Uchuu Kyoudai und Gute Nacht, Punpun würden wohl eher nicht in einem Shounen Magazin erscheinen. Nach den gezeigten Zahlen ist aber eine Anime-Adaption (theoretisch) wahrscheinlicher, wenn eine Geschichte in einem Shounen Magazin erscheint. Dies wird noch deutlicher, vergleicht man die Anzahl an Shounen Manga mit der Anzahl an Seinen Manga. Tatsächlich gibt es nämlich mehr Seinen Manga (6.114) als Shounen Manga (4.885), aber trotzdem mehr Shounen Anime als Seinen Anime. Ein Mangel an Material für deutlich mehr Seinen Anime herrscht also nicht und bestimmt gibt es einige Titel, die eine Menge Leute gern als Anime sehen würden. Dennoch wird das wohl bei den meisten Seinen Manga ein Traum bleiben.
Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Wie ich schon herausgestellt habe, bevorzugen Shounen Magazine eine bestimmte Art von Story. Ich denke, jeder weiß, was ich meine. Geschichten, die zu sehr von diesem Rahmen abweichen, werden eher nicht in das Magazin aufgenommen. Deshalb erhalten eben meist "nur" diese Art von Storys bevorzugt eine Anime-Adaption, weil Shounen Magazine zu den beliebtesten gehören und sich mit der Umsetzung der populärsten Storys darin als Anime eine Menge Geld verdienen lässt. Dies führt aber dazu, dass ausgefallenere Geschichten viel weniger Beachtung finden, weil sie unwahrscheinlicher dieselbe Beachtung bekommen, wenn sie "nur" als Manga existieren. Damit kann man auch teilweise erklären, wieso es so viele "ähnliche" Anime gibt. Auffällig finde ich darüber hinaus, dass es so viele junge Hauptfiguren in Anime gibt. Das macht aber auch Sinn, wenn man die Zielgruppe einer großen Zahl an Anime bedenkt. In zahlreichen Seinen und Josei Manga übernimmt eine erwachsene Person die Rolle des Protagonisten. Allein diese Tatsache macht in meinen Augen einen erheblichen Unterschied, denn ein Erwachsener nimmt die Welt normalerweise anders wahr als ein Kind oder ein Jugendlicher. Dadurch verändert sich die Atmosphäre und auch der Blickwinkel, die Themen einer Geschichte.

Mein Punkt ist also: Es gibt zu wenig Diversität im Animebereich. Würden mehr Seinen und Josei Anime das Licht der Welt erblicken, gebe es auch mehr Auswahl an "reiferen" und ungewöhnlicheren Anime. Natürlich würden auch mehr Seinen und Josei Anime produziert werden, die nicht so besonders, anspruchsvoll oder was auch immer sind. Aber ich wage zu behaupten, dass damit wahrscheinlich dennoch eine größere Vielfalt an Geschichten und verschiedenaltrigen Hauptfiguren einher gehen würde, als momentan der Fall ist. Um fair zu sein merke ich jedoch an: Genauso wie Shounen Anime haben Seinen Anime in den letzten 20 Jahren gegenüber der vorherigen Zeit deutlich zugenommen. Man hat die Wahl, welchen Anime aus welchem Genre man anschauen möchte. Trotzdem sprechen die Zahlen meiner Meinung nach eine deutliche Sprache. Klar, der von mir dargestellte Sachverhalt ist einseitig und ich beschreite nicht, dass noch andere Faktoren eine Rolle spielen, was als Anime umgesetzt wird. Die Masse an Shounen Anime steht nichtsdestotrotz in einem Ungleichgewicht zu anderen Genre/Zielgruppen. Dabei möchte ich gar nicht den Produzenten die Schuld in die Schuhe schieben. Tatsächlich frage ich mich eher, warum von Seiten der Konsumenten nicht mehr Interesse an Seinen und Josei Anime besteht. Bei Josei vermute ich mal eine zu geringe Menge an weiblichen Fans, zumindest in Japan. Bei Seinen Anime kann ich das irgendwie nicht glauben, immerhin richten sich so viel mehr Anime an ein männliches Publikum. Wir blicken schließlich auf einige Animejahrzehnte zurück, da muss es doch in Japan genug Männer in den 20ern, 30ern und 40ern oder älter geben, die Animefans sind. Deshalb denke ich, dass auch Männer diesen Alters teilweise bevorzugt Shounen Geschichten lesen. Das möchte ich auch gar nicht bewerten. Aber so erkläre ich mir das offensichtlich weniger Seinen Anime erscheinen, denn wenn es die Nachfrage gäbe, würde es sich doch finanziell auch lohnen, sie zu produzieren?

Fazit: Waren Anime früher nun besser als die Anime heute? Die Frage kann und will ich gar nicht beantworten, weil sich ja bekanntlich über Geschmack streiten lässt. Nach meinem Eindruck gab und gibt es in jeder Zeit "gute" und "schlechte" Anime.
Spannender ist vielleicht die Frage: Nutzt das Medium Anime sein Potenzial als solches möglichst vollkommen aus?
Meine Antwort darauf ist ganz klar nein. Wie ich oben schon dargelegt habe, werden viele Seinen als Anime nicht umgesetzt, obwohl manche als Manga selbst im Westen große Bekanntheit erreicht haben (z.B. Gute Nacht, Punpun, 20th century boys). Außerdem gehöre auch ich zu den Menschen, die immer wieder betonen, dass Anime nicht nur was für Kinder und Jugendliche sind, sondern auch Erwachsene daran Gefallen finden können. Das gilt bestimmt für Erwachsene, die mit Anime aufgewachsen sind und denen das Medium ans Herz gewachsen ist. Ich möchte aber darüber hinaus gehen: Selbst Erwachsene, die vorher niemals oder kaum Anime gesehen habe, können Gefallen an Anime finden, wenn man ihnen eine Auswahl an verschiedenen Genre gibt. Es ist nämlich verständlich, wenn der "typische" Animestil mit den großen Augen einen erst mal abschreckt und einen Erwachsenen der Wunsch eines Protagonisten in einer fiktiven Welt, Hokage oder König der Piraten zu werden, nicht so interessant erscheint. Dagegen spricht ihn möglicherweise der eher realitätsnahe Zeichenstil von Naoki Urasawa mehr an und das Dilemma eines Protagonisten, ohne sein Wissen, aber in seiner Pflicht als Arzt, einem Mörder das Leben gerettet zu haben.
Nochmal, bevor hier jemand mit Steinen wirft: Beides hat seine Berechtigung und ich wünsche mir noch mehr Anime in beiden Bereichen. Nur musste ich mir selbst eingestehen, dass das Vorurteil, dass Anime "nur was für Kinder ist", einen wahren Kern besitzt. Wie die Zahlen zeigen, richten sich ein großer Teil an Anime tendenziell an ein eher junges Publikum. Deshalb findet eine Erwachsener, der vorher kaum Bezug zu dem Medium hatte, nicht unbedingt so einfach eine Serie, die sein Interesse weckt. Und damit verschwendet das Medium in meinen Augen viel Potenzial. Es könnte eine Menge mehr Menschen in seinen Bahn ziehen, wenn das Verhältnis zwischen den verschiedenen Genre ausgeglichener wäre. Damit komme ich auch zu meinem Beispiel Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu zurück. Die Mehrheit an Teenagern findet an so einer Geschichte wahrscheinlich keinen Gefallen, bei vielen Erwachsenen zählt der Anime aber als Kunst. Diesen Anime kann ich Leuten zeigen, die sich für andere Kulturen und Kunst interessieren und sie werden meiner Meinung nach eher einen Zugang zu diesem Anime finden als zu einem Shounen Anime.
Schließlich kommt hier doch noch ein kleiner Schwenk zu dem Eindruck des Themenerstellers, dass Anime früher (gefühlt) besser waren: Als Kind entdeckten wir die uns noch unbekannte Animewelt und sie faszinierte uns. Als wir älter wurden, begannen wir Muster und Stereotype in ihr wiederzufinden und die Begeisterung ließ nach. Als dies bei mir passiert ist, wandte ich mich (anfangs unbewusst) eben vermehrt dem Seinen und Josei Bereich zu entdeckte wieder Anime, die mich in ihren Bahn zogen. Trotzdem gibt es auch tolle Shounen Anime, aber diese "müssen" trotz aller Kreativität die manche Mangaka mithineinbringen, einen gewissen Rahmen einhalten. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Deshalb braucht man sich nicht zu wundern, dass man dieses und jenes schon irgendwo mal gesehen hat. Möglicherweise sehnen sich diejenigen, die sich über "schlechtere" Anime heutzutage beklagen eigentlich nach etwas Neuem? Dann lohnt es sich umso mehr in den Josei und Seinen Bereich zu blicken. Vielleicht musst du bei einem Anime etwas mehr Geduld haben, bis er dich fesselt oder bewegt. Ein paar Episoden durchhalten. So geht es mir manchmal noch heute. Aber ich war fast immer so froh, dass ich diesen Anime eine zweite Chance gegeben habe.

Schlussendlich finde ich es einfach sehr schade, dass das Potenzial von Anime als Medium nicht viel mehr genutzt wird. Damit bekäme es auch eher die gesellschaftliche Anerkennung, welche es verdient hat.
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Animes früher besser oder heute? 1 Monat 1 Woche her #841256

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Schon traurig wie viele sich persönlich angegriffen fühlen und meinen mich auch beleidigen zu müssen.
Es war villt. nicht direkt zu erkennen, aber dieser Beitrag spiegelte nur MEINE Meinung wieder. Mich interessierte es lediglich wie viele es genau so sehen wie ich oder eben nicht.
Dann meinen irgendwelche neunmal kluge das ich behaupte das aktuell kein einzig guter Anime mehr rauskommen würde - nie behauptet.
Ich erwähnte lediglich, dass Animes früher einfach viel besser in Erinnerungen bleiben. Beispiel: Wenn mich Leute nach Empfehlungen fragen, kommen direkt erst ältere Animes mir in den Sinn. Erst wenn man mal länger etwas grübelt, fallen einem auch erst die neueren "Meisterwerke" ein.

Dann noch eine allgemeine Antwort an alle die meinten weshalb ich am Anfang soweit aushole:
Ich wollte das man erkennt, was ich damit ausdrücken wollte. Man hat damals mit gewissen Animes einfach mehr verbunden, seien es Emotionen oder bestimmte Momente.

Für mich hat sich das ganze Thema abgehakt und mal wieder wurde es mir bestätigt, dass man mit fast keiner Community der Welt über normalen Themen debattieren kann.
Achja sorry auf diese sehr späte Antwort, hatte einfach keine Zeit gefunden mir mal Zeit zu nehmen.
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Animes früher besser oder heute? 4 Wochen 2 Tage her #841481

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Da ich das Thema sehr interessant fand und gerade die Möglichkeit habe, hier auch meine Meinung in gewisserweise darzustellen, dachte ich mir ich lasse auch einfach mal einige Zeilen dazu da.
Zur aktuellen Preispolitik was Anime-Bundles und Fullboxes gibt, möchte und kann ich mich tatsächlich nicht äußern, da ich zugestehen muss mich damit absolut nicht auszukennen. Ich importiere mir die entsprechenden DVD oder Blueray Boxen meist aus Amerika oder England, weil mir in fast allen Fällen die englische Sprache ausreicht oder ich den Anime am Liebsten in japanisch mit englischen Untertiteln genieße.
Wahlweise, eben über einen der bekanntesten Streaming-Anbieter Netflix.

Meiner Meinung nach, gibt es in der Hinsicht kein besser oder schlechter, weil der Vergleich zwischen damals und heute ein ganz anderer ist und Animes einen ganz anderen Stellenwert und ganz andere Chancen und Probleme hatten/haben, um die beiden Dinge vernünftig miteinander zu vergleichen.

Das liegt finde ich zum einen daran, das die Möglichkeiten des Bezuges ein ganz anderer ist. Ich bin ein Kind der 90iger, da war für mich in meiner Kindheit die einzige Möglichkeit um einen Anime zu sehen, wenn er im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ich bin teilweise damit aufgewachsen, saß gebannt vor dem Fernseher und habe die Abenteuer meiner Helden verfolgt, sie haben mich natürlich berührt und natürlich Emotionen geweckt und mich begleitet, sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
Aber gleichzeitig hatte ich auch viel mehr Zeit als Schülerin, mich damit zu beschäftigen und auseinander zu setzten, zu zeichnen und Fanarts zu erstellen und zugegebenermaßen, gab es auch einfach weniger Auswahl.
Ich erinnere mich an eine Folge der Pokemon Serie mit Ash und Pikachu weshalb ich geweint hatte, weil ich nicht wollte das sie sich trennen, weil der Abschied so unglaublich emotional und so unglaublich berührend war genauso, wie einer meiner ersten Gaming-Momente welcher mich mit so vielen Emotionen geflutet hat. Es war ein regnerischer Tag draußen, 1997 mit Final Fantasy 7 und dem einen Augenblick kurz vor einem der für mich einprägsamsten Bosskämpfe überhaupt...

Heutzutage ist es kein Problem mehr einfach den PC anzumachen, mich auf die Couch zu hocken und mir aus der schier gigantischen und unfassbar riesigen Auswahl an Animes und Serien, einfach eine rauszusuchen und anzusehen, aber auch gleichzeitig ist die Zeit, welche ich zur Verfügung habe mich damit auseinander zu setzen oder die Zeit, welche ich habe um Serie nach Serie zu haben, maßgeblich begrenzter als zu meiner Schulzeit, weshalb ich dazu übergegangen bin, Animes und Mangas nur noch bewusst zu schauen und wahrzunehmen, statt einfach nur zu konsumieren. Handhabe ich bei Musik im Übrigen genauso wie bei Games ähnlich.
Emotionen rühren und verursachen, mich auch Jahre noch daran binden und fesseln, sodass ich mich an den Tag so genau erinnern kann einige neueren Werke genauso, wenn ich da an eine Szene aus Psycho-Pass oder Puella Magica Madoka denke, bei welcher ich die Verzweiflung und Trauer wirklich maßgeblich gespürt habe und bis zum Ende nicht fassen konnte, das ein Charakter welcher mir sehr am Herzen lag einfach so... nicht mehr ist. Der Sonnenschein mit vereinzelten Wolken an diesem Tag schien mir nicht unpassender im Kontrast zu meinen Gefühlen zu stehen genauso, wie ich niemals gedacht hätte durch ein Spiel wie Life is Strange auch nur einen Augenblick darüber nachzudenken, ob es vielleicht gut so ist das die Dinge sind wie sie sind und aufgrund etwas privatem, einfach damit zufrieden zu sein wie es jetzt ist.

Um mit der Nostalgie zu sympathisieren und gleichzeitig zu brechen, muss ich auch ehrlich zugestehen, das ich einen einzigen, wirklich wichtigen Aspekt zur Fragestellung ergänzen möchte, denn ja durchaus könnte man sagen, dass wir uns "damals" vielleicht weit mehr mit Animes verbunden haben und sie eine Bindung geschaffen haben, an welche wir uns eher zurück erinnern oder vielleicht auch, eine die uns mehr geprägt hat, als es Animes heute tun...
Das liegt aber auch in meinen Augen daran, das wir andere Menschen waren als wir es jetzt sind.

In meiner Kindheit, haben mich einige Filme oder Erlebnisse ganz anders geprägt und beeinflusst, weil ich eine ganz andere Bindung zu den Dingen hatte und ein anderer Mensch war.
Monster Rancher, Pokemon, Digimon, Claymore, Detective Conan oder Nadia waren für mich unfassbar großartig und konnten mich so sehr berühren, so viele Emotionen und Momente habe ich damit verbunden und tue es heute noch.
One Piece? Naruto? Hunter x Hunter? Sind zweifelsfrei gute Anime, aber haben mich weitestgehend völlig kalt gelassen.

Und heute? Ich liebe Fairy Tail und Black Butler, Made in Abyss, Psycho Pass oder Madoca weil diese Serien mich berührt haben, weil sie etwas verursacht haben und weil ich zum Nachdenken angeregt wurde und diese bis heute nicht missen möchte und die mich genauso berührt haben, die mich genauso tief getroffen haben.
Dabei muss das "Werk" bzw. der Anime nicht einmal objektiv oder von der breiten Masse als Gut befunden worden sein, denn das sehe ich an der Fates Reihe, welche ich praktisch am Stück verschlinge sobald ich nur ein Kapitel davon anfange zu lesen...

Dazu möchte ich noch sagen dass ich sehr deutlich merke, das ich jetzt jemand anderes bin wenn ich mir wirklich die Serien meiner Kindheit wieder ansehe und merke, das ich gegenüber einigen damals noch hoch emotionalen Momenten inzwischen weniger empfinde, sie mich ganz anders berühren können und hingegen andere Situationen, andere Szenen einen viel tieferen Eindruck hinterlassen, weshalb ich mich häufiger fragte, warum ich das damals nicht gesehen habe oder anders wahrgenommen habe.


Letztendlich find ich das ist ein interessantes Thema und es hat mir Spaß gemacht, mich damit ein wenig auseinander zu setzten. Vielleicht ist es auch einfach etwas, das letztendlich jeder für sich selbst definieren muss, alles in allem hat es mir aber sehr viel Spaß gemacht mich damit auseinander zu setzen.

Animes früher besser oder heute? 3 Wochen 3 Tage her #841573

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Es lässt sich so nicht verallgemeinern, ob die Anime-Branche früher oder heute besser ist, ohne genaue Beispiele anzuführen.

In der heutigen Zeit sind die Anime durch gewisse Trends bestimmt (Isekai, Schwammiger Ecchi). Manche Anime wie Zombieland Sage versuchen sich auch an den Erfolg amerikanischer Franchises wie the Walking Dead und andere Zombie-Apokalypsen anzuschließen.
Jedoch gab es auch früher ähnliche Trendentwicklungen (zb. die Magical Girls und Sentai-Serien aus den 80er).
Die vielen Neuauflegungen und späte Anime-Umsetzungen hervorragender Manga ist ein weiterer Trend, der heute fest zustellen ist. Diesen Trend möchte ich aber von den kommerziellen Isekai und Ecchi-Entwicklungen getrennt sehen. Da eine so späte Anime-Umsetzung von Banana Fish (2018) schlecht als Werbeserie anzusehen ist, wenn der Manga 1985-1994 erschienen ist. Überhaupt ist die (Neu-)Verfilmung alter Werke eine durchaus positive Erscheinung.
Auch das Erscheinen frischer Ideen wie denen von Goblin Slayer bringt Plupunkte für die Gegenwart.

Jedoch sollten sich die die Studios davor hüten allzu verschwenderisch mit CGI umzugehen. Es gehört nämlich zum Charme des Anime dazu, mit zeichnerischen Mitteln eine ebenso überzeugende Welt aus zubauen wie ein realer Film mit Schauspielern. Computer sind heute unumdenkbar. Deswegen ist es in Ordnung CGI im Hintergrund oder für kunstwerkliche Details anzuwenden. Ist jedoch der gesamte Anime CGI-lastig mit wackligen und fehlerhaften Animationen lenkt dies vom Inhalt ab. Houseki no Kuni schafft es mit dem Computer Farben zu erzeugen, die ohne CGI unmöglich sind. Bei der Berserk-Neuauflage hätte man ruhig verzichtet.

Negativ ist jedoch die Entwicklung des Magical Girl Genre. Seit Madoka Magica kommen zunehmenst düsterere, verstörende Exemplare für den eher männlichen Zuschauer als für ein weibliches Publikum. Es ist an sich keine schlechte Entwicklung etwas mehr Horror ins Genre reinzubringen, jeddoch scheint das ursprüngliche Magical Girl im Stil von Minky Momo, Magic Knight Rayearth, Card Captor Sakura zu verschwinden. Die einzigen nenneswerte Vertreter sind heute nur noch Pretty Cure und die Neuauflage von Sailor Moon.

Eine weitere Auffälligkeit in die Veränderung des Männer und Frauenbildes im Laufe der Zeit. In den 70er und 80er gab es vorallem den starken männlichen Helden, der das Böse besiegt (Devilman, First of the North Star). Muskeln waren Standart. Shounen-Riesen führen das Ideal nur geistig fort. Naruto und Ruffy sind starke Figuren, jedoch braucht es keinen Arnold Schwarzenegger mehr, um die Zuschauer zu beeindurcken.
Irgendwann ab der Jahrtausendwende kam jedoch der schwächliche, charakterlose Otaku umringt von schönen, starken, charakterstarken Frauen (Angefangen mit Oh my Godess, gefolgt von Elfen Lied, diverse Harems). Plötzlich wurde Null zum neuen Womanizer.
Das Frauenbild scheint sich aber irgendwie wenig verändert zu haben. Mit Lady Oscar und Mila Superstar gab es bereits früh starke Vorbilder für junge Mädchen.
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