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THEMA: Ruin Explorers

Ruin Explorers 3 Wochen 2 Tage her #837211

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Es fällt mir schwer, zu verstehen, warum Leute aktiv Anime-Empfehlungen ersuchen. Nicht warum die Praxis der Anime-Empfehlung selbst existiert, da unsere Rezensionen schließlich zumindest zu gewissen Teilen diesen Zweck erfüllen, aber wieso einige Leute zum stumpfen Erfragen von beliebten Titeln tendieren. Erst vor Kurzem schrieb ich einen ganzen Touzai-Artikel nicht nur über meine generellen Präferenzen in der visuellen Gestaltung eines Animes, sondern vor allem über meinen Vorgang, um überhaupt an dieses Werk heranzukommen. Als ich mich also eines Tages wieder einmal durch MyAnimeList klickte und die Filmographien von bevorzugten Künstlern durchforstete, in diesem Falle den Gunsmith Cats-Regisseur Takeshi Mori, traf ich auf genau das, was ich unmöglich gezielt suchen hätte können, aber trotzdem gefunden habe: ein neuer Anime. Versteht diese Aussage nicht falsch, ich bin kein allwissender Anime-Gott, ganz im Gegenteil: Ich habe nicht einmal 300 Einträge auf meiner Liste (seriously, what the fuck). Aber ich „kenne“ viele Anime. Ich habe nicht annähernd genug von ihnen gesehen, doch die Namen der meisten Werke klingen vertraut in meinen Ohren und projizieren wenigstens ein grobes Bild auf die Leinwand meines Hirns. Aber „Ruin Explorers Fam & Ihrie“? Filmriss.

Dabei scheint alles so, als müsste ich eigentlich schon einmal von Ajia-Dos vierteiliger OVA aus dem Jahr ‘95 gehört haben. Denn neben Regisseur und Drehbuchautor Mori finden sich im Staff auch andere Größen wie etwa jedermanns Lieblings-Weirdo Masaaki Yuasa; der originale Manga stammt von Key the Metal Idol-Schöpfer Kunihiko Tanaka, lief jedoch nur für zwei Bände. Und hier muss ungewohnt früh meine Spekulation beginnen. Was nämlich zunächst als recht offenes Adventure beginnt, entwickelt sich, vielleicht aus Angst vor Absetzung, schon ab der zweiten Episode in eine sehr viel konventionellere Rette-die-Welt-Fantasy-Story. Doch eines nach dem anderen. Die erste Episode etabliert die beiden namensgebenden Ruinenplünderer als alles außer heroischen Rittern auf dem Weg zu ihrer schicksalhaften Tat. Auf der Suche nach der „ultimativen Macht“ wandern sie ziellos durch die Wüste, stellen alte Tempel auf den Kopf und kratzen nach jeder letzten Goldmünze, die das Essen im Magen sowie Bett in der Nacht bezahlen muss. Und wofür? „Um meinem dreckigen Meister eins auszuwischen“ würde die schroffe Ihrie sagen, die während ihrer Ausbildung mit einem Verwandlungsfluch belegt wurde und seitdem mit der einfach gestrickten Wiccan Fam durch die Länder zieht. Doch allein sind sie auf ihrer Suche nicht. In von beiden Seiten ungewollten, aber unausweichlichen Begegnungen treffen sie immer wieder auf Jesse und Jame- … ähm, Rasha und Miguel sowie den zwielichtigen Wanderhändler Galuff. Was zunächst als amüsante Rivalität zwischen schäbigen Ganoven beginnt, muss jedoch schnell etwas anderem weichen. Denn sobald der tugendhafte Lyle in seiner (metaphorisch) glänzenden Rüstung die Bühne betritt, wechselt das Werk schneller die Gänge als ihr „Ruguduroll“ sagen könnt. Sein Hintergrund als tragischer Prinz eines verlorenen Königreichs, welches von einem bösen Zauberer, korrumpiert von der ultimativen Macht, zerstört wurde, wirkt zunächst eher wie die schlechte Parodie eines Fire Emblem-Skripts. Doch leider meint man es hier sehr ernst, nur mit rudimentären Ansätzen von Reflexivität. *Gähn*. Nicht nur, dass die ursprünglich durchaus originelle Interpretation des Fantasy-Genres damit an den Nagel gehängt wird, auch die ursprünglichen Protagonisten Ihrie und Fam bleiben in dieser Sülze stecken. Fam verliert sich in ihrer einseitigen Liebe zum Prinzen und Ihries Charakter-Arc muss wohl oder übel im Rücksitz Platz nehmen. Statt eines interessanten Pay-offs zu ihren unfreiwilligen Mausverwandlungen, die auf den Gebrauch von Magie folgen, gibt es höchstens ein „Huch?“, wenn ihre neuen Begleiter von diesem Fluch erfahren. Sobald sie ihre Medizin nimmt, ist sowieso alles wieder in Ordnung. Es sollte keine wilde Spekulation von meiner Seite brauchen, um zu vermuten, dass hier ursprünglich mehr geplant war.

Dabei scheint immer mal wieder die potenzielle Qualität dieser Charaktere durch. Die Dynamik zwischen Tomboy Ihrie und Einfaltspinsel Fam sowie Zicke Rasha und Macho Miguel funktioniert so gut, dass man sich wünscht, der „Plot“ wäre nie in Gang gesetzt worden. Ich kann es vor meinen Augen sehen: Eine ganze TV-Serie, in der sich das vordere Duo in episodischer Manier durch alte Gemäuer, fremde Städte sowie Horden von Gegnern kämpft und in bekannter Team Rocket-Manier den anderen beiden Kratzbürsten über die Füße läuft. Ab und zu darf sogar mal der verlogene Händler seinen Auftritt haben, alles solange Prinz Lyle fort bleibt. Und vielleicht war das ja sogar mal die Idee, nur bezahlt eine Manga-Reihe leider nicht für sich selbst und Long-Runner sind das Gold, welches zwar jeder sucht, jedoch nur die wenigsten finden. Bleibt eigentlich nur die Frage, wieso die OVA überhaupt produziert wurde; als Werbung scheint sie eher wenig geholfen zu habe. Aber ich möchte mich gar nicht beschweren.

Denn wenn ich mit einer Erwartung in diesen Anime gegangen bin, dann an die Retro-Fantasy-Optik. Und hier wird zufriedenstellende Arbeit geleistet. Auch wenn die Animationsqualität per se nichts Besonderes darstellt, wurde mit dem Design ins Schwarze getroffen: düstere, staubige Katakomben, rustikale Oasenstädte und so breite Schulterplatten, dass Ihrie damit eigentlich in jeder Tür stecken bleiben müsste. Wer wie ich nichts gegen das Fantasy-Genre an sich hat, sondern meist nur von der langweiligen Ästhetik moderner Interpretationen angeödet ist, findet in den Outfits eine angenehme Prise Übertreibung ohne gleich an Endgame WoW-Gear erinnert zu werden. Wenn euch diese Bilder nicht überzeugen, kann ich auch nicht mehr weiterhelfen.


Außer vielleicht mit Masamichi Amanos komplett orchestralem Soundtrack. Wenn er mal nicht an Filmen wie Battle Royal, Shin Godzilla oder Quentin Tarantinos Django Unchained arbeitet, komponiert er offensichtlich auch für vergessene Anime-OVAs aus den 90ern. Mit genügend Erfahrung außerhalb des Animationsmediums, bringt er ein breites Spektrum an klassischer Filmmusik an Bord (sogar James Bond). Und diese Überqualifikation kann teilweise fast störend sein, denn die Musik untermalt den Retro-Streifen nicht einfach nur gut; mit ihrem zeitlosen, majestätischen Klang hat sie der von Klischees überfüllte Plot schlicht nicht verdient. Aber ich möchte mich erneut nicht über seine Existenz beschweren.

Dies führt nämlich alles dazu, dass ich euch Ruin Explorers doch noch ans Herz legen kann; auch wenn man sich wie ich währenddessen in einen besseren Anime wegträumt. Falls euch aber die Perspektive darauf reicht, einige schnieke Charakterdesigns zu sehen und kräftige Hörner in die Ohren geblasen zu bekommen, solltet ihr am Ende eigentlich zufrieden sein.

Einen schönen Tag euch noch!

Euer Tazzels

– "Wer zuletzt lacht, hat den höchsten Ping."
Letzte Änderung: 3 Wochen 1 Tag her von Tazzels.

Ruin Explorers 2 Wochen 6 Tage her #837270

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Zufälle gibt es;)
Die erste Folge des OVA hab ich mir nämlich vor kurzem gegeben, weil es bei den Updates erscheinen ist und mich interessiert hat.
Ich muss Dir zustimmen, es ist etwas schade, dass nicht mehr aus dem Potenzial der Vorlage und damit Umsetzung gemacht wurde, mir sagen die Figuren zu, gerade weil es viel 90er atmet, aber gleichzeitig gut erdacht ist und eigentlich recht gut mit Thema harmoniert und die Animation, bzw. die Optik war es, die mich auf den Anime aufmerksam gemacht hat.

Ich persönlich finde, dass die Animation/Optik die typischen Stärken der 90er gut zeigt, weil hier vieles sehr flüssig/ausgeglichen wirkt (ich nehme mal an es wird Cel sein) und selbst vermeintlich einfachere Szenen (etwa wo herausgezoomt wird) immer noch erkennbare Details ausweisen, was vermutlich guter Ton damals war. Gleichzeitig hat man nie das Gefühl, als wäre irgend Etwas nicht so geworden, wie es erdacht war, bzw. hat man einen durchgängige Optik, die sich, auch wenn sie manchmal variiert, doch immer zueinander passt und in einander fließt. Viele neue Anime haben diesen Punkt nicht, außer sie haben komplett durchgängigen Stil ohne Schwankung, doch der Übergang von verschiedenen Stilen, Animationsverfahren und Qualitäten wirkt heute einfach vielfach schärfer und von daher nicht so schön.
Inwieweit hier die Tatsache ein Rolle spielt, dass ein OVA (und damit etwas besser budgetiert, bzw. besserer Zeitplan) ist, darüber kann ich nur raten, OVA und Filme sind und bleiben oft genug ihren Serienkollegen voraus.
Und ja ich mag die Optik und diese Animation, genau genommen hat es mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, etwas die Szene wo sich ein Figur aufs Bett fallen lässt, da hab ich schon ein Lächeln im Gesicht gehabt.

Und dann noch die Farben und Schattierungen ......
*o-toohappy*
Alles wirkt gemalt, schlichtweg weil es gemalt ist. Und damit ist es Kunst und fürs Auge wird diese Art von Anime immer angenehm sein, es hat seine Gründe warum es seit Ewigkeiten Programme gibt, die moderne Animation wie Cel Optik wirken lassen sollen.


Will und würde ich selber diesen Anime empfehlen? Vermutlich nicht, weil zu kurz und weil er sich dazu gut zu den ganzen Werken reiht, die unkomplett oder eher ungenutzt blieben, was nie schön ist. Es gibt schlimmere Opfer, auch aus dieser Zeit, die tun mir noch mehr weh .....
Allerdings ist es ein guter Anime für zwischen durch, der schön erinnert, warum Anime erst erfolgreich wurden (und die 90er sind halt die Zeit des größten Wachstums, wobei da auch sicher neue Datenträger, die nun erschwinglich waren, ihre Rolle spielten), bzw. was der Grund ist, warum mach Einer sagt, Animation war früher "besser". Ob es jetzt "besser" war, muss Jeder für sich selber entscheiden, klar ist nur, es ist schon so anders von der Machart und damit Ergebnis her, dass man vermutlich sagen muss, dass ein Vergleich eigentlich in beide Richtungen unfair ist.
Für mich weckt es natürlich auch Erinnerung an die Vergangenes, was immer schön ist:)


Danke für die Rezension Tazzels:)
Freut mich, dass ich nicht der Einzige bin, der bei diesem Anime hängen geblieben ist.

Live is good
Sniperace
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Ruin Explorers 2 Wochen 5 Tage her #837275

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Danke für die Rezension.

Das hat mich doch mal neugierig auf den Anime gemacht, und die 4 Teile sollten sich ja noch irgendwie in die Watchlist quetschen können :-)

Grüße
Scydancer
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