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THEMA: SSSS.Gridman

SSSS.Gridman 1 Woche 3 Tage her #836111

  • Eiti
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Kennt Ihr das? Ihr hört von einem Freund, dass Serie xy so gut sei, dass ihr sie unbedingt anschauen müsst, obwohl es letztlich doch nur ein weiterer Isekai-Anime ist? Oder man sieht sich ein auf dem ersten Blick bedeutungsloses YouTube-Video an, in welchem ein Anime aus der letzten Season interessant herübergebracht wird, wodurch man mit dem Gedanken spielt, diese Serie eines Tages nachzuholen? So ergeht es mir leider viel zu oft. Dabei möchte man eigentlich nicht ein weiteres Werk seiner Watchlist hinzufügen, da diese ohnehin schon überfüllt ist mit einem Berg von Serien, welchen man unmöglich erklimmen wird. Aber dann kommt dieser eine Tag. Und genau dieser eine Tag, an dem man sich selbst überwindet, einen Anime, den man verpasst hat, nachzuholen, war für mich der dritte Januar 2019. Denn an diesem Tag habe ich mich dazu entschieden, den Mecha-Anime SSSS.Gridman anzuschauen.

SSSS.Gridman ist ein zwölfteiliger Anime, welcher eine Adaption der 90er Jahre Live-Action-Serie Gridman the Hyper Agent ist. Das Werk entstand durch eine Kollaboration zwischen Tsuburaya Productions, dem Produktionsstudio hinter der Ultraman-Serie, sowie dem bekannten Studio Trigger und debütierte in der Herbst-Season 2018. Regie führte niemand geringeres als Akira Amemiya, welcher schon zuvor bei Kill la Kill für die Regieassistenz zuständig war und hiermit zum dritten Mal als alleiniger Regisseur tätig ist.

Eines Morgens wacht Protagonist Yuta Hibiki in der Wohnung seiner Klassenkollegin Rikka auf und kann sich an gar nichts erinnern. Er weiß nicht, wie er bei ihr landete, wer sein bester Otaku-Freund Utsumi ist, wo er wohnt, oder wer dieser komische Mecha ist, welcher sich in einem Computer aus den 90ern versteckt und Gridman nennt. Yuta ist nämlich nicht nur der Einzige, der ihn anfangs sieht, sondern auch der Einzige, der sich mit ihm verbinden und dann in dessen Form gegen die Bedrohung von Kaijus etwas unternehmen kann. Diese tauchen nämlich seit neuestem regelmäßig in der Stadt auf, da best girl Akane Shinjo mithilfe einer außerirdischen Lebensform ihre eigens kreierten Kaijus zum Leben erwecken kann, um Rache an Menschen zu üben, die in ihren Augen Schlimmes getan haben.

Wie es wahrscheinlich den achtsamen Lesern unter euch aufgefallen ist, habe ich erwähnt, dass SSSS.Gridman auf einer Live-Action-Serie basiert, welche die wenigsten von euch kennen werden, da sie nur in Japan ausgestrahlt wurde. Gridman the Hyper Agent ist eine sogenannte Tokusatsu-Serie, was so viel bedeutet wie „Menschen in Anzügen kämpfen gegeneinander in Miniaturstädten und schauen dabei lächerlich aus“ In Japan sind diese schon seit Godzilla-Zeiten sehr bekannt. Über die Jahre haben sich dann mehr Serien dieses Stils etabliert und genießten eine gewisse Beliebtheit, da sie nicht nur handgemachte Action enthielten, sondern mit den facettenreichen Kostümen der Antagonisten sowie Protagonisten auch Abwechslung für das menschliche Auge boten bzw. noch immer bieten. Denn selbst die berühmten Power Rangers (Eine Adaption der japanischen Super Sentai) und Kamen Rider fallen in dieselbe Schublade und beglücken uns heute noch mit bombastischen Kämpfen, in denen sie zusammenfusionieren und als gigantischer Mecha gegen einen überdimensionierten Gegner kämpfen. Was bedeutet dies aber für SSSS.Gridman?

Na ja, um es kurz zu halten: der Anime ist ein Liebesbrief an solche Serien. „Wie aber kann eine 2D-Animationsserie den Charme einer Live-Action-Serie aus den 90ern einfangen?“, werden sich wahrscheinlich nun einige von euch fragen. Dabei liegt die Antwort auf diese Frage in der Detailverliebtheit des Animes bei der Verwendung von CGI. So wird schon in der ersten Folge klar, dass das Design der Kaijus 1:1 in der Realität umsetzbar wäre oder dass einige Kamerapositionen genauso aus der Originalserie stammen könnten. Auch die Choreographien sind stets so aufgebaut, dass sie selbst Menschen in schweren Kostümen bewältigen könnten. Fangen wir aber erst einmal mit unseren japanischen, außerirdischen Freunden an.

Da in Tokusatsu-Serien Kaijus stets echte Menschen in einem Kostüm sind und somit nur schwer ihre Körperteile bewegen können, wird dadurch auch die Bewegung an sich erschwert, was beim drachenähnlichen Kaiju ideal dargestellt wird. Dieser hat einen gewaltigen Buckel am Hals, in dem nicht nur perfekt ein Mensch reinpassen würde, sondern was auch dazu führt, dass der Hals mitsamt Kopf nicht direkt beweglich ist. Das wird auch in seinem Angriffsmuster deutlich hervorgehoben, da er nur schwungvoll seinen Hals gegen Gridman verwenden kann. In Folge zwei ist es sogar noch offensichtlicher, dass dieser Kaiju die Form eines Menschen trägt und einzig und allein ein zerstörtes Design inklusive Glaskugel am Kopf besitzt, welches ebenso als Kostüm in der Realität zustande kommen könnte. Ein Problem könnte vielleicht das Tentakelmonster aus Episode fünf darstellen, da menschliche Arme nicht unendlich lang sind, doch zum Glück ist sich Akira dessen bewusst. So hängen die Tentakel nach einer gewissen Länge schlaff nach unten und die Schnitte sind genau so gesetzt, dass man denken könnte, die Tentakel werden mithilfe einer unsichtbaren Schnur bewegt. Diese Realitätsnähe spielt aber nicht nur bei der Darstellung von Kaijus eine wichtige Rolle, sondern auch rund um Gridman.


Für Gridman selbst gilt nämlich dasselbe wie für seine Widersacher: den Eindruck erwecken, es sei ein Mensch unter dem Kostüm. Und dies gelingt der Serie ebenfalls großartig. So ist die Fusion zwischen Yuta und Gridman vom Original inspiriert und fühlt sich an, als würde einzig und allein die Kameraposition verändert werden, um ein künstliches Wachstum darzustellen, wie es in der Live-Action-Variante umgesetzt wurde. Der Auftritt von Gridman ist exakt so geschnitten, dass er stets vom oberen Rand des Bildschirms mitten in das Geschehen reinplatzt, so wie man es im Tokusatsu durch mehrere Schnüre realisiert hätte. Auch die trägen Actionszenen profitieren durch den Gebrauch von unsichtbaren Fäden. Wenn Gridman in die Lüfte springt und seinen Gegner kickt, so ist er stets genauso positioniert, dass der obere Rand bedeckt scheint, um die schmutzigen Tricks der Filmindustrie hust unsichtbare Fäden hust zu vertuschen. Also wird selbst bei solchen Kleinigkeiten Wert darauf gelegt, den Charme und die Machart des Originalwerkes beizubehalten, um Respekt an diese Art, eine Serie zu produzieren, zu zollen. Vielleicht sollte ich langsam, aber sicher eine Kleinigkeit erwähnen, die ich in den letzten Absätzen nicht richtig angesprochen habe.

Sämtliche Actionszenen sind größtenteils mit CGI animiert. Ja, richtig gehört. Bevor ihr aber nun eure Mistgabeln zückt und mit Feuer um euch herumfuchtelt, sollte ich euch verraten, dass CGI in genau diesen Szenen notwendig ist. Denn immerhin, wie will man sonst den Geist der Tokusatsu-Serien einfangen, wenn man auf die Kamerapositionen von damals, welche in einigen Situationen lange auf das Geschehen zeigen verzichtet? So sind zumindest ähnliche Choreographien aufgrund des CGIs möglich, da die Kontrahenten auch während des Kampfes ihre Position schnell ändern können und dies mit 3D-Modellen einfacher zu realisieren ist. Außerdem kommt einem schon beim Anblick das Gefühl, man würde einen Kampf im 90er Jahre-Stil erwarten. Es wäre auch ohne CGI schwer, eine gewisse Wucht hinter den Schlägen sowie dem Laufen von Gridman zu kreieren. So kracht, funkelt und hämmert jeder Schlag und Schritt in dieser Serie, als gäbe es keinen zweiten; und genauso sorgen auch ein paar Kameraschwenker, wenn jemand zum Laufen ansetzt und bei der Kamera vorbeirennt, für ein atmosphärisches Kampfgefühl. Aber lange Rede kurzer Sinn…

SSSS.Gridman scheint zwar für ungeschulte Augen ein stumpfer Mecha-Anime mit mal mehr, mal weniger gutem CGI zu sein, ist aber bei genauerer Betrachtung viel mehr. Er spiegelt den Geist der damaligen japanischen Live-Action-Serien nur zu gut wieder und ist obendrauf gleich ein ganzer Liebesbrief, mit persönlichen Anekdoten, an diesen Serienstil sowie den im Westen unbekannten Original. Dass die eigentliche Story in einigen Punkten drastisch abgeändert wurde, damit der altbekannte Trigger-Stil noch zum Vorschein kommt, ist tatsächlich verkraftbar, da im Laufe der Serie einige Plottwists auf euch warten; vor allem da hier nicht das DARLING in the FRANXX-Problem auftaucht. Auch ohne das Wissen, dass der Anime eine Hommage an Tokusatsu-Serien darstellt, ist dieser unterhaltsamer als das gesamte Sword Art Online-Franchise und definitiv jedem weiterzuempfehlen, wem gerade für einen Samstagabend stink langweilig ist.

Euch noch einen schönen Tag

Euer Eiti


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Letzte Änderung: 1 Woche 2 Tage her von Tazzels.
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