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THEMA: Yoyo & Nene: Die magischen Schwestern

Yoyo & Nene: Die magischen Schwestern 1 Monat 3 Wochen her #834788

  • MrSalomon
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Es war einmal vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis... da hatte ein kleiner Salomon noch alle Zeit der Welt, sich mit Animes zu befassen. Und da er so viel Zeit hatte und zudem auch noch ausnahmslos jedes Genre verschlang, konsumierte er seine Animes nach einem ganz simplen Prinzip. „Oh, den Titel kenne ich noch nicht. Uuuund: Start!“ Es war mir wichtig, absolut nichts über die nächste Serie zu erfahren, mich komplett überraschen zu lassen. Und nun, Jahre später? Nun fehlt mir einfach die Zeit, mich blind in jede Serie zu stürzen. Ich muss selektieren, abwägen, aussortieren. Ein äußerst bedauerlicher Umstand, verstecken sich in der Welt der Animes doch so viele kleine Perlen, die mir dadurch völlig entgehen, weil sie einfach nicht ausreichend im Rampenlicht stehen. Doch verzaget nicht, ein Format hat die alten Sehgewohnheiten beibehalten können: der Film! Wenn es um kurzweilige Abendfüller geht, weise ich nichts von der Hand. Gott sei Dank, denn sonst wäre ich womöglich auch nie über Yoyo & Nene: Die magischen Schwestern gestolpert.


Die Geschwister Yoyo und Nene leben im sogenannten Königreich der Zauberer – eine Welt voller Zauberei, Farben und was sonst noch so zu einer magischen Welt gehört. Dort betreiben sie zu zweit ein kleines Unternehmen, das sich damit befasst, magische Probleme aller Art zu lösen, mit denen ihre Kunden zu ihnen kommen. Denn das Geschwisterpaar kann selbst zaubern und sie sehen sich nicht zu Unrecht als Expertinnen auf diesem Gebiet. Richtig ins Rollen gerät die Handlung dann aber, als die Ältere der beiden Schwestern, die quirlige Yoyo, durch ein rätselhaftes Ereignis in einer für sie völlig fremden Welt landet. Nicht in irgendeiner, sondern auf unserer schönen Erde. Dort trifft sie zu aller erst auf den Jungen Takahiro und seine kleine Cousine Aki. Kurz nach dieser Begegnung stellt Takahiro zu seinem Entsetzen fest, dass seine Eltern verflucht sind und sich in glibberartige, völlig passiv verhaltende Monster verwandelt haben. Natürlich ist hier Yoyo voll in ihrem Element und bietet ihre Hilfe an. Erst nach und nach wird unseren jungen Protagonisten klar, welche Ausmaße dieser Fluch tatsächlich hat, was alles damit zusammenhängt und wie schlimm es nicht nur um die Erde steht, sondern zeitgleich auch um die Welt der Zauberer. Yoyo scheint die Einzige zu sein, die eine drohende Katastrophe noch vermeiden kann, dabei hat sie zeitgleich mit den Gegebenheiten dieser fremden Welt zu kämpfen.

Das Isekai-Genre ist alles andere als jung. Alice im Wunderland hat beispielsweise schon über 150 Jahre auf dem Buckel, aber auch Animes zu diesem Thema hatten in den 90ern bereits einen großen Boom. Zumindest Digimon wird allen von euch etwas sagen und mit Chihiros Reise ins Zauberland (2001) gehört sogar der weltweit am meisten ausgezeichnet Zeichentrickfilm diesem Genre an. Eine ganz wesentliche Veränderung machte Isekai nach dem durchschlagenden Erfolg von Sword Art Online im Jahre 2012 durch. Ab diesem Zeitpunkt wurde das dort erfolgreiche Konzept immer mehr zur Massenware. Yoyo & Nene erschien ein Jahr später, 2013, richtet sich aber nicht an die inzwischen üblich gewordene Isekai-Zielgruppe Shounen – vielmehr würde ich das Werk denen empfehlen, die sich eher Ghibli-Filmen zugeneigt fühlen.


Auch scheint dieses Werk zumindest bis zur zweiten Hälfte noch mit einer anderen Tradition des Genres zu brechen. Ich meine, was ist der offensichtlichste Story-Punkt, den man in einer Geschichte ausführen kann, in der ein Protagonist in einer für ihn fremden Welt landet? Genau, das Zurechtfinden in eben jener Welt, voller Gefahren und Geheimnissen. Unsere kleine Yoyo tickt hier aber etwas anders, denn schließlich ist sie nicht irgendwer, sie ist Yoyo, eine der zauberhaften Schwestern. Und so zaubert sie sich auf zauberhafte Weise durch die Welt und zaubert beispielsweise auch der kleinen, süßen Aki nach einer musikalisch unterlegten Zaubershow ein zauberhaftes Lächeln aufs Gesicht. Nichts scheint ein Problem, solange man sich nur auf die Kraft der Magie verlassen kann. Nach diesem Motto lebend stolziert Yoyo breit lächelnd durch die Welt der Menschen – bis zur großen Kehrtwende des Films. Urplötzlich muss auch sie lernen, wo die Grenzen ihres Könnens liegen und welche grausamen Regeln ihr die Welt der Menschen aufzwingt. Hier führt der Film Yoyo äußerst vorsichtig an das Thema des Todes heran, der in der Welt der Zauberer einen etwas anderen Stellenwert hat. In immer gefährlicheren Situationen kann sich die junge Magierin immer weniger auf ihre geliebte Zauberkraft verlassen, lernt im Gegenzug dazu aber, auf die Menschen um sie herum zu vertrauen. Dadurch wird der ganze Plot nicht nur etwas ernster, er bietet den verschiedenen Charakteren auch erst die Möglichkeit, sich richtig zu beweisen und zu profilieren.

Bei diesem Stichwort wäre es mal an der Zeit, sich etwas den anderen Charakteren zu widmen. Zumal vor allem Nene noch keine einzige Erwähnung gefunden hat, dabei heißt der Film doch Yoyo & Nene?! Nene ist die jüngere der beiden Schwestern, übernimmt aber ganz klar die Rolle der Älteren. Ruhig, nachdenklich und behütend drehen sich ihre Gedanken immer um das Wohlergehen ihrer etwas ungestümen Schwester. Während Yoyo sich mit unbesiegbarem Optimismus durch die Probleme der Menschenwelt kämpft, verbleibt Nene voller Sorge zu Hause in der Welt der Zauberer. Von dort aus gibt sie ihr Bestes, Yoyo auf unterschiedliche Weise zu unterstützen. Dabei verkommt sie trotz des Titels aber eher zum Nebencharakter. Ein vermeintlich wichtigerer Handlungsträger ist wohl Takahiro, welcher Yoyo direkt vor Ort unter die Arme greifen kann und sie (wortwörtlich) ein Teil des Weges trägt. Er ist ein etwas aufbrausender, aber durchaus treuer Zeitgenosse, der nach und nach auch eine gewisse Schwäche für die grünhaarige Zauberin entwickelt. Als normaler Junge aus der Großstadt bietet er auch eine gute Identifikationsmöglichkeit für die Zuschauer. Das kleine Mädchen Aki ist über einen Großteil der Zeit nur ein süßes Anhängsel, welches es vor Gefahren zu beschützen gilt. Dieses durch und durch unschuldige, kleine Wesen muss man einfach ins Herz schließen. Um so mehr freut es einen, dass auch sie im großen Finale ihren Beitrag leisten kann. So wie quasi alle anderen Charaktere auch, die Yoyo immerhin im entscheidenden Moment eine große Stütze sind.


Yoyo & Nene zeichnet sich durch einen ganz bestimmten Aspekt aus: Er überlässt dem Zuschauer einen gigantischen Interpretationsspielraum. Das kann gut oder schlecht sein, die finale Entscheidung darüber überlasse ich jedem selbst. Die große Katastrophe, die es zu bekämpfen gilt, nimmt immer abstraktere Ausmaße an. Teile der Menschenwelt verschwinden und werden in die Welt der Zauberer gesogen. Aber was passiert da jetzt genau? Warum passiert es? Wie passiert es? ... Zwar bietet der Film eine rudimentäre Ursache für das alles, irgendwas muss es ja zu bekämpfen geben, aber eine vernünftige Erklärung der Geschehnisse? Warum die ganzen Pilze und der verfluchte Sumpf? Warum der Laser schießende Roboter? Welche Größenordnung nimmt das Ganze auf globaler Ebene genau an? Ich habe nicht den blassesten Schimmer. Dem Zuschauer wird hier eine komplex erscheinende Erklärung geliefert, die mit zwei verschiedenen Zaubersteinen zusammenhängt, aber mal genauer darüber nachgedacht, verlieren sich die Details hinter allem im Sand. Positiver Nebeneffekt: Durch die Reduzierung der Geschehnisse auf maximale Einfachheit, ohne zu tiefgreifende Erklärungen, bleibt der Film auch einem jüngeren Publikum zugänglich, für das er sicherlich auch gemacht wurde.

Wo ich nichts anderes als Lob zu verteilen habe, ist die visuelle und auditive Gestaltung dieses Werkes. Das Studio ufotable bietet uns kunterbunte und malerische Landschaften und Locations, deren schlichter Stil zur allgemeinen Leichtigkeit der Geschichte passen. Gerade die Welt der Zauberer kommt quietschbunt daher. Durch die zunehmende Vermischung der beiden Welten im Laufe der Handlung trifft dieses Schicksal zunehmend auch die Erde, welche aber auch vorher schon mit schönen Farben ausgemalt wurde. Großen Detailgrad sucht man hier lange, Kohei Terada und Tsuyoshi Imai legen ihren Fokus viel mehr auf einen eher verspielten Animations- und Zeichenstil, ohne dabei irgendetwas an Qualität einzubüßen. Go Shiina macht dagegen mit der Musik das, was er am besten kann: Er lässt das Orchester von der Leine. Ob nun ein Ritt auf dem Besen im blauen Himmel oder ein Kampf um Leben und Tod, der orchestrale Sound weiß es, mit jeder Situation umzugehen und zeigt sich von seiner besten Seite.


Ist Yoyo & Nene nun ein verkanntes Meisterwerk? Nein, sicherlich nicht. Yoyo & Nene ist einfach ein schöner Familienfilm über Courage und Selbstlosigkeit, für alle Altersklassen geeignet und perfekt für einen ruhigen Abend in entspannter Atmosphäre. Und außerdem hat mir der Film mal wieder gezeigt, dass es sich einfach lohnt, Filme und Serien auch mal außerhalb des üblichen Horizontes zu genießen, war ich selbst doch beim kindlichen Cover zuerst recht skeptisch. Wer weiß, auf was für Überraschungen man stoßen kann?

Den Lesern noch einen wunderschönen Tag
MrSalomon
Letzte Änderung: 1 Monat 3 Wochen her von MrSalomon.
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