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THEMA: Sarazanmai

Sarazanmai 1 Monat 3 Wochen her #834196

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Wir drücken Gefühle in Worten aus, formen diese zu Sätzen und teilen sie unseren Nächsten mit, um verstanden zu werden. Ein Grundbedürfnis darf dies genannt werden. Zu glauben, sich lediglich auszudrücken, deckt dieses Verlangen ab, verfehlt die menschliche Natur. Vielmehr ersuchen wir eine Verbindung, eine Art Brücke, die zum Gegenüber geschlagen wird. Doch es kommt schlimmer! Es gibt Dinge, über die nicht geredet werden darf. Geheimnisse, die verborgen bleiben müssen. Die Gefahr besteht, das Gesicht zu verlieren. Das darf nicht geschehen. Schließlich will sich niemand die Blöße geben, also lieber bewahren statt preisgeben. Besser ist es, lebenslänglich ein Rätsel zu sein denn als offenes Buch in der Welt zu weilen. Allerdings ist es nicht so simpel. „Leichter lässt sich eine glühende Kohle auf der Zunge halten als ein Geheimnis“, sagte Sokrates einst und Abertausende von Jahren später sollte er Recht behalten.

Als eine der rätselhaftesten und zugleich markantesten Figuren der Anime-Industrie machte sich Kunihiko Ikuhara einen Namen. Nach seiner Frühphase bei Toei Animation und seiner dortigen Beteiligung an Sailor Moon S erschuf er mit Revolutionary Girl Utena, Mawaru Penguindrum und Yuri Kuma Arashi eindrückliche Originalwerke für die Ewigkeit. Selbst wenn keiner dieser Animes einen exorbitanten Erfolg feierte, fanden seine Titel Anklang in der kritischen Rezeption und machten ihn zu einer der wichtigsten Stimmen der Anime-Landschaft. Für 2019 nahm sich Ikuhara erneut einiges vor. Nicht nur sorgte er im Alleingang dafür, dass die Kombination aus Camouflage- und Leopardenmuster wieder in Mode kommt, sondern ließ mit Sarazanmai ein weiteres Ei seiner bizarren Gedankenwelt schlüpfen. Ganz in der Tradition des exzentrischen Regisseurs verfährt der vornehmlich im Studio Lapin Track entstandene Original-Anime mit elf Episoden.

Was bedeutet es nun, wenn von Ikuharas Tradition gesprochen wird? Der Mann aus Komatsushima gehört zu der Handvoll Persönlichkeiten der Industrie, deren Stil in ihren Werken auf den ersten Blick unverkennbar durchschimmert. Sowohl in der visuellen als auch der thematischen Gestaltung seiner Werke macht sich die außergewöhnliche Herangehensweise deutlich bemerkbar. Inspiriert von klassischen Shoujo-Mangas der Siebzigerjahre, Osamu Dezakis Animes sowie der Musiktheatergruppe Takarazuka Revue zeichnen sich seine Werke durch kräftige Farben, einer bislang nahezu unerreichten Liebe zum Detail und surrealer Bildsprache aus. Mit ebendiesen Bildern, deren Sinn sich auf Anhieb nicht erschließen mag, versieht er seine Serien mit Symbolismen, um auf den tatsächlichen Inhalt aufmerksam zu machen. Dadurch zeigen sich die Werke als Diskussionen um das menschliche Wesen oder als sozialkritische Kommentare, in denen er die kapitalistische Gesellschaft mitsamt ihrer heteronormativen und patriarchalischen Strukturen an den Pranger stellt. Zumeist wird das Individuum in den Mittelpunkt gerückt, indem es aus ebendiesen Normen auszubrechen versucht. So fließt auch in den Adern Sarazanmais das Blut Ikuharas durch und durch.

Doch was geschieht in diesem Anime, der mit einem solch klanghaften Namen ausgestattet ist? Sarazanmai erzählt von Kazuki, Toi und Enta, die in den epochalen Krieg zwischen Kappas und Ottern verwickelt werden. Nichtsahnend treffen sie auf den Kappa-Prinzen Keppi, der ihnen ihr Shirikodama, ein Organ, welches die Verlangen eines jeden Menschen enthält, durch den Anus extrahiert und sie dadurch selbst in Kappas verwandelt. Das frisch transformierte Trio wird vom Prinzen dazu angehalten, die von den Ottern fabrizierten Kappa-Zombies aufzuhalten. Um diese Kämpfe siegreich zu bestreiten, muss den Zombies ihr Shirikodama ebenfalls über den Analweg entfernt werden. Für ihre Bemühungen erwartet die Helden auch eine potenzielle Belohnung. Pro extrahiertes Shirikodama erhält das unwahrscheinliche Triumvirat einen sogenannten Hoffnungsteller. Diese ermöglichen es, dass Keppi ihnen einen Wunsch erfüllen kann. Als Gegenspieler treten die Polizisten Mabu und Reo im Auftrag der Otter in Erscheinung, die selbst an die Hoffnungsteller gelangen wollen. Hierfür schnappen sie sich zumeist Kriminelle, die auf Hafterlassung hoffen, und verwandeln diese in besagte Zombies. Im Laufe der Handlung offenbart sich die Motivation jeder Figur, die sich inständig nach der Erfüllung ihres Wunsches sehnt. Das ist der Ausgangspunkt der beinahe schon banalen Geschichte.


War Ikuhara nicht eben noch dieser Regisseur, der seine Werke mit schwerem Symbolismus und unverblümter Gesellschaftskritik schmückt? In der Tat, doch auf der Kehrseite der Münze verbirgt sich ebenso jemand, der für bizarren und abgedrehten Humor steht. Seien es nun surfende Elefanten, Unterwäsche angelnde Pinguine oder eben Sarazanmais Ritter der Anusperle; die Weirdness ist und war immer Teil des Programms. Exakt damit fährt dieser Anime auf und versprüht seinen ungewöhnlichen Charme. Über Humor lässt sich bekanntlich streiten. Manche mögen nur über anspruchsvolle und wohldurchdachte Witze lachen, andere kochen ihr Scherzsüppchen lieber plump und absurd. Worüber sich weniger streiten lässt, ist die Qualität, mit der Sarazanmai seine komischen Momente delivert. Das hervorragende Timing der Pointen sowie die großartige Visual Comedy, durch welche die Mimiken sowie Gestiken der Figuren besonders bestechen, harmonieren auf einem erstklassigen Niveau. So muss man nicht einmal dem Pipi-Kacka-Humor zugeneigt sein, um sich von Sarazanmai ein kurzweiliges Kichern entlocken zu lassen.

Ein erster, oberflächlicher Blick verriet also bereits, dass Sarazanmai mit absurden Bildern das Publikum zum Lachen bringen möchte. Allerdings erschließt sich aus ebendieser Oberfläche eine weitere Stärke des Werks: die visuelle Gestaltung. Vitale und ansprechende Farben, atemberaubende Animationen und eine Detailverliebtheit für das Setting zeichnen die Serie von der ersten Szene an aus. Abgesehen von der hochwertigen Produktion zeigt sich permanent der unnachgiebig kreative Geist, der Sarazanmai zu einem außergewöhnlichen Erlebnis für das Auge macht. Ob mit einer Kamerafahrt durch ein Diorama, der energetischen Gestaltung von Silhouetten und Farbkontrasten oder dem intensiven Stimmungswandel mancher Szenen; das Werk will partout nicht damit aufhören, das Publikum in Staunen zu versetzen. All diese schöpferische Energie kulminiert in den wiederkehrenden Szenen, die mit explosiver Musik sowie umwerfender Inszenierung auftrumpfen, wobei sie zugleich der Struktur der Episoden eine eigenwillige Dynamik verleihen.


Allerdings richten sich die Bemühungen um eine berauschende visuelle Gestaltung nicht nur auf die Versüßung des Seherlebnisses, vielmehr wird dies genutzt, um mit der Erzählebene des Werks zu interagieren. Die Bilder sprechen förmlich. Beispielsweise finden sich im detailliert designten Haushalt des Protagonisten eindeutige Hinweise für Plot-Elemente, die erst im späteren Handlungsverlauf relevant werden. Jede Figur ist farbkodiert, wodurch die zugeordnete Farbe direkte Erkenntnisse über deren Wesen vermittelt. Beim erstmaligen Schauen entgehen diese Nuancen, fallen möglicherweise nur unterbewusst auf, aber mit jeder Wiederholung wird erkenntlich, dass keine Szene, kein Bild und auch keine noch so banale Kleinigkeit zufällig gesetzt ist. Alles wird mit Bedeutung versehen.

Mit dem Auge für diese Detailverliebtheit eröffnen sich nun langsam die essenziellen Aspekte der Serie. Inzwischen sollte durch die oberflächliche Betrachtung klar sein, dass der Anime als ein absurd-komisches Drama mit bezaubernden Bildern bereits brilliert. Hinter der ästhetischen und zuweilen auch humoristischen Fassade verbirgt sich allerdings ein Gerüst, welches die menschliche Natur wie auch ihre Daseinsberechtigung in der modernen Gesellschaft infrage stellt.


Um diese thematische Verflechtung zu verstehen, bedarf es eines Blicks auf die historischen Hintergründe Sarazanmais. Die Konzeption von Kappas, Ottern und dem Shirikodama entspringt der japanischen Mythologie. Obschon der wahre Ursprung hinter den kleinen Kugeln, die sich im Anus befinden, nicht eindeutig festgestellt werden kann, ist die Interpretation als Seele dennoch die verbreitetste. Im Anime hingegen wird das Shirikodama als Ausdruck des Verlangens begriffen. An dieser Stelle werden diese beiden Begriffe als Synonyme aneinandergekoppelt. Die Seele des Menschen drückt sich also durch sein Verlangen aus. Nun kommt ein weiterer entscheidender Moment hierfür ins Spiel: die Sarazanmai-Sequenz. Nachdem die drei Jünglinge erfolgreich das Shirikodama extrahieren, kommt es stets zum sogenannten Sarazanmai. Hierbei verbinden sich der Geist sowie die Seele der dreien und von jeweils einer Figur werden die Geheimnisse offenbart. Das Bewusstsein greift also auf die tiefste Ebene der Seele zu, nämlich die Verlangen.

Was hier konzipiert wird, ist nichts anderes als das Strukturmodell der Psyche nach Sigmund Freud. Prinzipiell gliedert diese Theorie die menschliche Psyche in zwei Teile: das Es und das Über-Ich. Das Es bildet die psychische Instanz ab, welche als nach unmittelbarer Befriedigung strebende Triebe zu verstehen sind. Darin sind unterbewusste Inhalte sowie Gelüste aller Art wie der Sexual- oder Nahrungstrieb enthalten. Auf der anderen Seite repräsentiert das Über-Ich die Wertvorstellungen und moralischen Prinzipien, die dadurch als Gewissen agieren. Dazwischen befindet sich das Ich, welches das Bewusstsein darstellt. Das Ich vermittelt zwischen dem Über-Ich und dem Es und prüft die Realität, um zu erschließen, welchem Handlungsimpuls gefolgt werden soll.


In diesem Sinne zeigt sich Sarazanmai als eine freudianische Charakterstudie. Es wird merklich spürbar, dass die Hauptfiguren in einem steten Kampf zwischen Über-Ich und Es gefangen sind. Exakt dadurch gewinnen ebendiese Figuren an Tiefe und lassen das Publikum Empathie zu ihnen verspüren. Zwar werden sie allesamt als facettenreiche Individuen charakterisiert, jedoch lassen sich ihre Handlungen auf dieses übergreifende Prinzip zurückführen, das nur allzu nachvollziehbar ist. In diesem Anime will jeder seinen Trieben und Verlangen erliegen, doch führt die Angst vor Konsequenzen und vor Verlusten, jede Figur in ihr eigenes Dilemma. Kaum zu übertreffende Genialität findet sich aber erst im Kunstgriff, der beinahe jeder einzelnen Episode zugrunde liegt: der Kampf gegen die Kappa-Zombies. Dem in Kappas verwandelten Trio wird ihr Verlangen entzogen, wodurch sie zu einem reinen Über-Ich werden. Auf der feindlichen Seite geschieht das genaue Gegenteil. Mabu und Reo prüfen, ob ihre Testsubjekte von ihren Verlangen dominiert sind. Falls dies zutrifft, werden sie zu Zombies transformiert, die auf ewig aus der Welt entschwinden, sobald ihnen ihr Shirikodama entzogen wird. Demzufolge sind sie in diesem Schema das fleischgewordene Es. Was hier also stattfindet, ist eine geschickte Verbildlichung der charakterinternen Konflikte, die dadurch als Leitmotive handlungstragend werden. Somit wird die wiederkehrende Szene nicht nur als strukturelles, sondern gleichsam auch als symbolisch-narratives Stilmittel gerechtfertigt.

Darüber hinaus werden die Figuren ebenso durch die Anziehung zueinander in sowohl sexueller als auch romantischer Natur aneinandergerückt, womit Verlangen und Verbundenheit als essenzielle Motive unterstrichen werden. In allen Fällen steht allerdings diesen sexuellen bzw. romantischen Verlangen etwas im Weg, was sie daran hindert, ihre Gefühle zu offenbaren. Zumeist führen fremd- oder selbstauferlegte Normen zu dieser Geheimniskrämerei. Dies zerbricht förmlich in den bereits erwähnten Sarazanmai-Sequenzen. In diesen Momenten werden den Kappa-Jungs die verborgenen Geheimnisse entlockt, die sich um ebensolche Verlangen drehen. Es ist ihnen nicht mehr möglich, diese zurückzuhalten.

Unweigerlich führen die Gedanken zu dem Organ, welches tagtäglich damit beschäftigt ist, etwas Unangenehmes zurückzuhalten: dem Anus. Nicht zufällig fokussiert sich dieses homoromantische Drama rund um Lust, Triebe und Geheimnisse auf das Körperteil, in dem sich der G-Punkt des Mannes befindet. Hiermit schließt sich der Kreis, denn es war erneut Sigmund Freud, der dies in seiner Theorie zur psychosexuellen Entwicklung abhandelte. Dahinter verbirgt sich die grundlegende These, dass bereits in frühkindlichen Stadien Sexualität erfahren wird, wobei ebendiese Entwicklung in verschiedene Phasen unterteilt wird, von denen jede mit jeweils einer erogenen Zone in Verbindung steht. Relevant hierfür ist die „anale Phase“. In dieser Phase erfährt das Kind durch das Ausscheiden und der neu erworbenen Fähigkeit des Zurückhaltens von Exkrementen Befriedigung. Wer dazu in der Lage ist, seinen Stuhlgang zu kontrollieren, ist bereits ein beinahe vollständig akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft. Zugleich gestaltet sich diese Zeit als äußerst konfliktreich, denn je nach Erziehungsmaßnahmen wandelt sich der Charakter des Kindes maßgeblich. Wird das Kind zu extremer Zurückhaltung gedrängt, wird sich dies in einem sogenannten „analen Charakter“ widerspiegeln. Dieser ist von obsessiven Ordnungszwängen, pedantischer Strenge und einer hochgradigen Angst vor Scham geprägt.

Über diesen „analen Charakter“ gelangt man von Sarazanmais Charakterdynamik zum größeren Zusammenhang der Gesellschaftskritik, den dieses Werk ausformuliert. In traditioneller Hinsicht gilt Japan als eine durch strenge Normen bestimmte und sich selbst vereinheitlichende Kultur. Denkt man für einen Moment nicht an all die wundersamen, nahezu schon verrückten Geschichten, die in Animes und Mangas ihre Heimat finden, verbindet man das fernöstliche Land mit Höflichkeit und Zurückhaltung. In diesem Sinne lässt sich die Symbolik des Anus als eine Kritik an eine von Verklemmtheit durchzogene Kultur verstehen, der es an wahrhafter Rebellion fehlt. Der Anus als Symbol kreidet also diesen gesellschaftlichen Missstand des „analen Charakters“ an. Somit erscheint der ganze Fäkalhumor weniger plump, sondern zeigt satirisch mit dem Finger auf das Publikum und ruft: „Traut euch, euch freizumachen und ohne Angst vor Verlusten zu lachen“, räuspert sich und fährt kurzerhand fort, „denn unsere Normen sind für’n Arsch.“

Wenn es an Rebellion mangelt, bleibt eine Kultur der Scham zurück. So fügt sich nun das Verlangen in Sarazanmai ein, denn gerade deshalb bekriegen sich die Kappas und Otter. Sie führen Krieg, weil das Verlangen zu einer raren Ressource wurde. Diese Darstellung als Ressource wird durch ein symbolisches Motiv besonders verstärkt, denn jede Szene, die Verlangen zu ihrem Gegenstand hat, wird mit Wassermotiven geschmückt, was Sinn ergibt, wenn man bedenkt, was Wasser wohl eigentlich ist; eine Ressource, die in Zukunft auf dem Spiel stehen wird. Doch was macht das Verlangen als eine solche Ressource so selten? Durch die indoktrinierte Zurückhaltung dürfen Triebe nicht mehr miteinander ausgelebt werden, sondern existieren nur noch als für sich alleine bestehende Geheimnisse, die als Fetische unter Verschluss gehalten werden. Gerade die Zombies, deren Verlangen von egoistischer Natur sind, bringen die mächtigsten Hoffnungsteller hervor. Diese leben ihr Es nur noch über Konsum aus, ohne jegliche Kommunikation zur Außenwelt. Damit wird mit einer weiteren Verschlingung das freudianische Modell erneut eingebunden. Sarazanmai erzählt von einer normierten Über-Ich-Welt, in der das Es völlig isoliert weggesperrt und beinahe vollständig vernichtet wurde. Das Ich als Vermittlerinstanz verliert seine Rolle, womit auch die Individuen sich ihrem Umfeld nicht mehr vertraut machen können. Wirkungsvoll wird eine Fabel inszeniert, in der die verlorenen Figuren zueinander wie auch zu sich selbst finden müssen. Dies können sie nur dadurch erreichen, indem sie sich dieser Gesellschaft stellen und diese überwinden.


Wenn auch nun diese Rezension versucht, das Werk zu entschlüsseln, kann in einem so kurzen Text nicht mehr getan werden, als an der Oberfläche weniger Aspekte zu kratzen, die noch viel weiter ausgeführt werden könnten; und genau damit stellt sich die wahre Genialität Sarazanmais heraus. Erst dadurch wird der Anime zu einem wahrlich wundervollen Erlebnis. Er lädt zum Spekulieren und Interpretieren ein, denn die Analyse findet kein Ende. Verwirrung stellt den gewünschten Effekt auf das Publikum dar. Indem das Werk sich als leichte Unterhaltung tarnt, infiltriert es unsere Gedanken und lässt uns mit mehr Fragen als Antworten zurück. Das Filet wird nicht tranchiert und in mundgerechte Happen serviert, vielmehr ist es an uns, die Verständlichkeit aus der wirren Suppe zu sieden.

Müsste ich im Rennen um den Titel des besten Animes des Jahres auf ein Pferd setzen, so würde ich mein letztes Hemd auf Sarazanmai verwetten. Trotz des komplexen Symbolismus und dem verflochtenen Storytelling bleibt das Werk an der Oberfläche zugänglich und unterhaltsam. Im selben Augenblick stellt es allerdings psychologische sowie gesellschaftskritische Thematiken anregend zur Schau und verweilt in den Gedanken, lange nachdem der Abspann der letzten Episode über den Bildschirm flackerte. Gepaart mit originellen Ideen, die sich durch die visuelle Gestaltung sowie die Handlung ziehen, verwertet Ikuhara die elf Episoden zu einem unvergesslichen Erlebnis. Dieser Anime wird, wenn der Kappa-Gott so will, in die Annalen der Anime-Geschichte eingehen. Und nun kann ich mein Geheimnis nicht mehr länger auf der Zunge halten: Sarazanmai ist fantastisch, kero!

Yours faithfully, W.
Letzte Änderung: 1 Monat 3 Wochen her von Wassily.

Sarazanmai 1 Monat 3 Wochen her #834280

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Ich danke dir von ganzem Herzen für diese ausführliche Rezension, Wassily. Du sagst zwar, du würdest mit deiner Analyse nur an der Oberfläche des Animes kratzen (und dem wird auch so sein), aber ich bin ehrlich gesagt beeindruckt, wie verdammt viel du herausgefunden hast. Ich dachte ja, ich hätte die Spitze des Eisberges verstanden, der Sarazanmais Themen darstellt, aber nach deiner Rezension merke ich erst, dass ich fast gar nichts unter der Oberfläche registriert habe.

Was mir zwei Dinge zeigt:

1. Ich habe nahezu kein Gespür für unterschwellige Gesellschaftskritik oder Strukturmodelle und dergleichen.

2. Ich habe den Anime dennoch von Anfang bis Ende genossen. Womit ich deine Aussage bestätigen kann, dass das Werk trotz seiner Komplexität an der Oberfläche immer noch zugänglich bleibt.

Also klar, ein gewisser Teil des Spaßes besteht schon darin, mitzurätseln. Ich habe ja während des wöchentlichen Schauens auch immer versucht, die Symbole des Werkes zu entschlüsseln und ins Gesamtkonzept einzuordnen (ob mir das gelungen ist sei mal dahingestellt - auf jeden Fall war es unterhaltsam). Aber unabhängig davon habe ich Sarazanmai hauptsächlich wegen den Figuren geschaut. Es sind einfach sehr realistische Figuren, mit denen man gut mitfühlen kann, selbst wenn man die ganzen Symbole und Botschaften des Animes nicht oder nur bedingt versteht. Und diese Vielschichtigkeit finde ich einfach toll, weil das Werk so für jeden etwas bietet.

Natürlich bin ich trotzdem sehr dankbar für deine Analyse, Wassily, da ich den Anime nun insgesamt besser verstehen kann und einige Handlungsbausteine nun viel mehr Sinn machen. Also danke, dass du meinem müden Geist etwas aus die Sprünge geholfen hast.^^

Der Anime ist stellenweise etwas bizarr und ich zweifle auch nicht, dass er in die Annalen der Geschichte eingehen wird (nice one xD). Aber dieses Bizarre ist letztendlich auch nur ein Teil eines großen Ganzen und wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte auf jeden Fall etwas aus dem Anime mitnehmen können.
Letzte Änderung: 1 Monat 3 Wochen her von Plinfa-Fan.
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