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THEMA: Serial Experiments Lain

Serial Experiments Lain 3 Jahre 10 Monate her #739450

  • Jack.
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Das World Wide Web ist in unserer globalisierten Welt inzwischen gar nicht mehr wegzudenken. Schnell eine Email an den Dozenten verschicken, mit der besten Freundin auf WhatsApp zu einem Plausch verabreden oder einer flüchtigen Urlaubsbekanntschaft zusichern, über Facebook in Kontakt zu bleiben, obwohl die Verbindung der Entfernung wegen meistens ohnehin irgendwann abbricht: Die Liste an Möglichkeiten ist endlos. Was aber, wenn die virtuelle Welt einen solch hohen Stellenwert erlangt, dass sie mit der Wirklichkeit konkurriert? Was macht die Realität überhaupt aus? Alles muss miteinander vernetzt sein. Doch zu welchem Preis? Mit diesen Fragen beschäftigt sich meine heutige Rezension zu Serial Experiments Lain.

Das erwachsene, düstere Cyberpunk-Drama wurde im Jahre 1998 aus dem Boden gestampft und von Studio Triangle Staff produziert. Ryūtarō Nakamura, der bereits in einer Kollaboration für Shinreigari: Ghost Hound mitwirkte, führte darin die Regie.

Ein Vorort Tokios der nahen Zukunft. Das 13-jährige Mädchen Lain Iwakura lebt sehr schüchtern und in sich gekehrt mit ihrer Familie zusammen. Sie hat kaum Freunde, da sie sich relativ stark von anderen abschottet und soziale Kontakte eher meidet. Auch in ihrem Haus scheint sich niemand für sie zu interessieren. Ihre Schwester ist durch ausdrucksloses Gebaren gekennzeichnet, ihr Vater von Computertechnik förmlich besessen und ihre Mutter hört ihr nicht einmal zu, wenn sie mit ihr spricht. Eines Tages erhalten alle ihrer Schulkameraden eine geheimnisvolle Mail von einer Mitschülerin, die kurz zuvor Suizid begangen hat. Es scheint ganz so, als hätte sie die Nachricht aus dem Jenseits verschickt. Was anfangs die meisten noch für einen Scherz halten, entpuppt sich tatsächlich als Wahrheit. Lain, die keinen blassen Schimmer von Technik hat, will den Ereignissen auf den Grund gehen und lässt sich von ihrem Vater die wesentlichen Fertigkeiten dafür zeigen. Mit ihrem PC ist es möglich in die Wired einzutauchen, ein internationales Computer-Netzwerk, das ähnlich wie das Internet aufgebaut ist. Als sie darauf zum ersten Mal die Mail ihrer Mitschülerin erblickt und sich in Echtzeit weiter mit ihr unterhält, kann sie es selbst kaum glauben. Die Verstorbene behauptet darin doch wirklich, dass ihre sterbliche Hülle zwar tot sei, sie aber selbst im Netz weiterlebe und Gott in der Wired gefunden habe. Kurz darauf konfrontieren Lains Schulfreundinnen sie plötzlich damit, dass sie nachts in einem Club eine andere Lain getroffen hätten, die in ihrem Auftreten viel selbstbewusster hervorstechen würde. Wie ist das möglich? Sie war doch an diesem Abend zuhause gewesen! Immer mehr Menschen treten an sie heran, die vorgeben, ihr Alter Ego schon lange zu kennen. Tiefer und tiefer taucht das Mädchen in diese andere Welt ein, erforscht diverse Themen rund um die persönliche Wahrnehmung und Erinnerung von Menschen und verliert dabei sukzessiv den Kontakt mit der Realität.

Die Handlung verläuft stellenweise linear, schlägt aber immer wieder eine andere Richtung ein, um auch in Nebengeschichten einzuweisen, die kurze Lebensabschnitte von anderen Charakteren darstellen. Doch nicht nur sind die Figuren kaum bis gar nicht beschrieben, sondern es wird auch nur sehr wenig gesprochen, wodurch sich Fragen über Fragen anhäufen und es den Zuschauer wie manisch nach mehr Informationen verlangt. Sobald er sich einer Sache gewiss scheint, wickelt ihn eine andere, noch komplexere Problemstellung ein. Zeitweise erfreut die Tatsache, in so geringem Ausmaß an die Hand genommen zu werden, doch manchmal begann der Drang, endlich mehr Antworten erhalten zu wollen, die Vorherrschaft in mir zu gewinnen. Die Dynamik und der Spannungsaufbau der Serie schwanken stark. Zum Anfang hangelt sich das Werk bedächtig vorwärts, nur sehr langsam wird in die Komplexität des Animes eingeführt, sodass ungeduldige Zuschauer die Lust zum Weiterschauen einbüßen könnten. Nichtsdestotrotz möchte ich das keinen Schwachpunkt nennen, da Serial Experiments Lain eben den Anspruch hat, etwas Anderes zu sein. In den meisten Folgen sehen wir Lain auf ihrem Schulweg, lauschen dabei oft demselben Grundton in Form einer surrenden Hochspannungsleitung, und beobachten die finstere Szenerie von Hintergründen, die sich abzeichnet, wenn das Mädchen die Straßen durchmisst. Die Stimmung nimmt zuweilen sogar fatalistische, resignierte Züge an, was so weit führen kann, dass der Zuschauer dazu geneigt ist, Lain voranstoßen und ihr unter die Arme greifen zu wollen. Stückweise begleiten wir sie auf der Suche nach ... nun ja, fast allem. Unzählige philosophische Ansätze werden angesprochen: Ob es um einen Crashkurs in Sachen Selbstwahrnehmung oder Leib-Seele-Problem geht, oder um die Frage, was Gott eigentlich ist; es gibt immer etwas zum Nachdenken.

Als zentrales Thema behandelt der Anime jedoch die Wired und die damit einhergehenden Möglichkeiten und Gefahren. Die Wired ist eine virtuelle Realität, welche die Summe aller Kommunikationsmittel der Welt umfasst. So ist das Internet, hier in pervertierter Form, ein Malstrom, in dem sich alles verliert und jeder in der Unmenge der anderen verschwindet. Persönlichkeiten oder gar Identitäten können spielend gewechselt werden und sich komplett unterschiedlich zur Wirklichkeit verhalten. Menschen, die im realen Alltag kein Bein auf die Erde bekommen, schwingen sich plötzlich zu neuen Legenden auf. Auf einmal kann der Versager den populären Hacker herauskehren. So kann das Netz für die einen eine Bereicherung sein, und für die anderen eine unkontrollierbare Chimäre mit verschiedenen Auswirkungen, die sich wie eine Krankheit ausbreitet. Denn die User büßen rasch an Kontrolle ein und sehen sich einer Willkür von schleierhaften Bevollmächtigten eines komplexen Systems entgegen, die die Zügel in der Hand halten und die Benutzer indoktrinieren. Dabei verliert das Flair des Realen für viele an Reiz, und die Menschen ziehen sich vermehrt in die Wired zurück. Irgendwann ist für sie das, was die Wirklichkeit eigentlich ausmacht, bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden. Nach einiger Zeit lässt sich ihre Quintessenz von derjenigen der Wired nicht mehr unterscheiden. Zurück bliebe eines Tages das Trugbild einer funktionierenden Gesellschaft: ein virtueller Albtraum.

Es gibt verschiedene negative Eigenschaften einer vernetzten Welt. In unserer Zeit spielen mehr und mehr Datenkraken wie Google Inc. und Facebook eine Rolle. Die Visionen des Silicon Valley, nach deren wir irgendwann in einer paradiesischen Wohlfühlgesellschaft leben könnten, in der jeder Mensch ständig umsorgt wird, sind eines dieser vorstellbaren Szenarien. Alles geschieht dann frei nach dem Motto: „Es ist allseits bekannt, was für dich das Beste ist. Du brauchst dich darum nicht zu sorgen.“ Das heißt, es wird versucht, dem Einzelnen zu helfen, dass sein Leben nach Plan verläuft. Es wird sich also darum bemüht, zu verhindern, dass sich Lebensgeschichte ereignet, weil man von den Überraschungen ferngehalten werden soll. Schlussendlich würden die Leute aufhören, sich weiter zu entwickeln, da es dazu an Widerstand und Reibung fehlt.

Alles wird immer komplexer und unverständlicher, was heutzutage mehr denn je zu spüren ist. Unsere Kleinen lernen schon in den Kinderschuhen, mit den neuesten Geräten umzugehen, während die Eltern die nötige Aufklärung vermissen lassen oder selbst kaum mit dem Fortschritt hinterher kommen. In der scheinbar grenzenlosen Freiheit des Internets, in der wir uns fortbewegen, begeht unser Geist die tollsten Narrheiten, die so weit ausarten können, dass es unser Leben für immer zerstört. Oder es wird stückhaft durch andere niedergerissen. Unter dem Deckmantel der Anonymität wissen boshafte Menschen das Terrain für sich zu nutzen und nicht selten vermögen sie es, unsereinen mit in den Abgrund zu ziehen.

So viel als Vorgeschmack für diejenigen, die sich tiefer mit der Materie beschäftigen wollen. Die eine Wahrheit lässt sich in der Serie jedoch nicht ausmachen, denn sie ist laut einstimmigen Auffassungen im Web frei interpretierbar. Ich liebe Erzählungen, die es einem nicht so einfach machen. Doch der Versuch, diesen Kosmos an Deutungsmöglichkeiten voll auszuschöpfen, würde den Rahmen dieser Rezension überspannen und am Ende doch keinen Sinn ergeben. Dieses Werk ist wie kein zweites auf vielfältige Ansichten angewiesen. Ihr teilt andere Sichtweisen oder möchtet dem noch etwas hinzufügen? Nur zu, ich wäre gespannt. Doch jeder sollte seine eigenen Erfahrungen damit machen und dem Drang, andere Meinungen durchzulesen, zunächst nicht nachgeben. Es ist dasselbe wie mit einem Ort, den man zum ersten Mal besucht; manchmal ist es besser, alleine und ohne bekannte Gesichter auszuschreiten. Denn so gelingt womöglich ein bedeutungsvolles Aufeinandertreffen von Personen, das mit Begleitung nicht möglich gewesen wäre.

Glücklicherweise kam Serial Experiments Lain mit dem Jahre 1998 genau zur rechten Zeit. Wäre es später erschienen, hätte es nicht mehr diese Wirkung eines Vorreiters erzielt und die heutigen Probleme einer vernetzten Welt nicht prophezeit, sondern eher nur dargestellt. Mit den mehreren, teilweise miteinander verzweigten Geschichten von Charakteren zeigt es, wie divers diese Welt die Leute beeinflussen kann, welche ehemals nur zur Kommunikation und zum Austausch von Informationen da sein sollte. Denn als ergänzende Meta-Ebene für das echte Leben sollte die Wired ursprünglich den Alltag der Menschen lediglich etwas erleichtern.

Zeichnerisch besticht der Anime vor allem durch spezielle künstlerische Eigenheiten. Auf den ersten Blick liefert er solide, aber nicht besonders auffallende Charakterdesigns. Lain dagegen ist eine einzigartige Figur. Auf markante Weise ist es gelungen, die verschiedenen Persönlichkeiten von Lain durch besonders gegensätzliche Gesichtszüge hervorzuheben. Egal ob schüchtern, selbstsicher oder grotesk, die verschiedenen Versionen des Mädchens kommen anschaulich zur Geltung. Die Hintergründe mögen sicherlich den einen oder anderen stören, da sie sehr undeutlich und auf das Nötigste reduziert ausfallen. Oft werden ganze Häuser oder Personen nicht näher abgebildet oder absichtlich dunkel gehalten, um eine noch bedrückendere Atmosphäre zu schaffen. Während Lain morgens ihren Schulweg antritt, repräsentieren farbige Punkte die Präsenz der Wired in der Realität. Sogar ihr Schatten wird teilweise davon eingenommen.

Auf musikalischer Ebene blieb mir vor allem das OpeningDuvet“ der britischen Rockband bôa in bester Erinnerung. Das Intro fängt die Stimmung perfekt ein: Gefühle der Einsamkeit, Melancholie und Traurigkeit schwingen mit und werden durch eine fabelhafte Stimme noch weiter angeheizt. Der restliche Soundtrack ist von psychedelischem und befremdlichem sowie – man glaubt es kaum – leicht hoffnungsvollem Ambiente. Die meiste Zeit über hören wir jedoch nur ein Summgeräusch von Hochspannungsleitungen, vor allem bei Lains Spaziergängen durch die Stadt. Dieser Ton kann bisweilen ein wenig an den Nerven zehren, da er aber passend wirkte, konnte ich darüber hinwegsehen.

Serial Experiments Lain ist ein richtungsweisendes Werk, hat aber kein Bestreben, in irgendeiner Weise mit verschönernden Tricks hervorzustechen. Gleichwohl wird nicht jeder mit dem Anime sein Glück finden. Ihr solltet es bereits bemerkt haben: Für einen gemütlichen Abend, der unterhaltsam und mit leicht verdaulicher Kost ausklingen soll, eignet sich diese Serie definitiv nicht. Ich selbst kann nur unumwunden sagen, dass mich die Handlung sehr beeindruckt hat. Denn sie ist, was sie eben ist. Ein Experiment. Sie zeichnet die abartige Entgleisung eines vollkommen durch die Wired verbundenen Alltags nach, der in Zukunft unserer Wirklichkeit sehr nahe kommen könnte. Und nebenbei liefert sie nachdenklichen Menschen einen Spielplatz von Möglichkeiten, auf dem sie im Sandkasten nach Interpretationen graben können. Die eine Murmel finden sie trotzdem niemals.

Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage.

RamboJack

Letzte Änderung: 3 Jahre 1 Woche her von Jack..

Serial Experiments Lain 3 Jahre 10 Monate her #739954

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Danke für die Rezension, RamboJack.
*o-gj*
Einer der Anime, den ich schon lange auf meiner Liste habe, denn ich mir schon oft ansehen wollte, es aber nie getan habe;) Obwohl ich einmal fast ......... naja es waren 30Minuten;) Ist Jahre her.

Definitiv einer der Anime, die einen künstlerischen, experimentellen Weg verfolgen, sieht man schon den paar Bildern.

Für wenn ist dieser Anime? Wer sollte einen solchen Anime ansehen? Ich glaube dieser Anime fällt unter die Kategorie "Für Fans von anderen Werken" und "Kennt man Ihn nicht, dann hat man ein klein Wenig der Animewelt nicht gesehen".

Ich bin solchen Werken immer skeptisch gegenübergestanden, kann ihnen aber auch immer etwas abgewinnen.


Schöne Grüße
Sniperace

Serial Experiments Lain 3 Jahre 10 Monate her #739991

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Hmmm,

ist ja interesant grade erst heute habe ich den Anime entdeckt und direkt auf meine "To watch list" gesetzt. Da kommt mir deine Rezension grade richitg, daher erstmal ein Danke für dein Beitrag :)

Ist schon Schade wie gute "alte " Anime einfach nicht mehr so aktiv im Gedächtnis der Leute sind und damit die Mundpropaganda einfach nicht mehr greift.

Ich werde mir den Anime aufjedenfall in meiner nächsten " Animephase" angucken.

Serial Experiments Lain 3 Jahre 10 Monate her #740006

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Meiner Meinung eine gut gelungene Rezension, die den Geist und die Thematik der Serie stark deutlich macht und gut einfängt, was bei einem komplexen Werk wie Serial experiments Lain in keinster Weise eine einfache Aufgabe ist.

Geht es um einen Klassiker, dann möchte man natürlich wissen was ihn auszeichnet. Gerade bei diesem Werk ist das die facettenreiche, aber schwierige Darstellung eines ohnehin schon schwierigen Themas, oder genauer des Themengebiets. Denn in Lain finden wir eine große Vielzahl an Fragen und Aspekten, die behandelt werden. Als Fan des Werkes interessiert mich natürlich eine Erläuterung dieser Themen und deren interpretativer Ansatz, worauf zunächst nur wenig Wert gelegt wurde. Aber wie der Autor bereits beschrieb ist es ein breites Feld mit offenen Strängen, deren Inhalt man als Zuschauer deuten muss und eher individuell versteht. Dafür ist die Beschreibung der Situation, der Welt und der Bezug zur Realität umso umfangreicher. Gerade Letzteres ist ein entscheidender Punkt was den Anime betrifft, gerade weil er eine Wirkung in der Realität erzielen soll.

Persönlich zählt Lain zu meinen Lieblingswerken und ist seit langer, langer Zeit unangefochtener Kandidat meiner Top 10 Liste und wird es vermutlich bleiben, bis ein komplexeres, tiefgründigeres Werk erscheint, das mich eher begeistert. Denn genau das ist Segen und Fluch der Serie, die Geschichte selbst ist nämlich zweitrangig. Was wichtiger erscheint ist, wie die Geschichte auf den Zuschauer wirkt und was er daraus erfährt, und dazu werden die Problematiken offen dargestellt. Daraus ergibt sich ein hoch kompliziertes Konstrukt, das den Zuschauer zwar fesselt und zum Nachdenken anregt, aber wie in der Rezension beschrieben auch den Durst nach Antworten letztendlich nicht befriedigt. Vor allem dann, wenn man für sich selbst keine zufriedenstellenden Antworten findet oder schlicht nicht weiß, wie man einen Handlungsstrang denn interpretieren soll, führt das zu Frust und Langweile. Und doch ist die Komplexität am Ende umwerfend und lässt ein mulmiges Gefühl und den Drang, mehr erfahren und reflektieren zu wollen. Und das ist es, was ich an Lain schätze, denn wenn ein Anime es schafft, den Zuschauer derartig zu beeinflussen hat er es verdient ein Meisterwerk genannt zu werden.

Dabei sind die Themen, die Lain anspricht bis heute aktuell, weshalb ich dem Autor nicht vollständig zustimmen möchte wenn er 1998 als perfektes Erscheinungsjahr nennt. Realität und Fiktion wird wahrscheinlich ein ewig ein bedachtes Thema sein. Selbstfindung, Gesellschaft, Soziologie, Gott und das Wesen des Menschen haben im Vergleich zu vor 20 Jahren auch wenig, wenn überhaupt an Relevanz verloren. Und werden sie so vielseitig behandelt wie in diesem Anime ist das auch gar nicht wichtig, denn mit der ergänzenden Kunst ergibt sich bei Lain ein zeitloses Werk.

Letztlich empfehle ich die Serie daher jedem, der eine intelligente, abwechslungsreiche und ansprechende Geschichte sucht, der viel nachdenkt und Freude in Interpretation und Alternation findet oder der einfach nur auf der Suche nach etwas Frischem, Anderen oder Nonkonformen ist.

Ich wünsche jedem der durch die Rezension oder den Kommentaren überzeugt wurde viel Spaß bei Sehen der Serie.
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Serial Experiments Lain 3 Jahre 10 Monate her #740277

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Diese Rezension ließt sich wie eine mittelmäßige Deutschklausur. :(

Deshalb gebe ich auch Feedback nach den Kriterien unseres ehemaligen Deutsch-LKs:

Punk 1: Füllwörter. Eine Rezension ist kein Roman von Thomas Mann! Die Sätze sind aufgrund von Füllwörtern zu lang und zum Teil auch zu verschachtelt.

Hier:

www.schreiblabor.com/fuellwoerter-test/

Versuche deine Aussagen auf das Wesentliche zu reduzieren.

Punkt 2: Leserführung.

- Offene Fragen sind gut, aber nur, wenn sie auch im Laufe der Rezension beantwortet werden können bzw. du darauf eingehst. In dieser Rezension sind es meiner Meinung nach zu viele.
- Dann scheinst du Thematisch zu schwanken. Das "zentrale Thema" wird bei dir durch "nun zum zentralen Thema" eingeleitet. Vom vorherigen Abschnitt gab es keine passende Überleitung, wodurch das zentrale Thema deplaziert wirkt. Insgesamt erkenne ich kaum Struktur und inhaltliche Gewichtung der Abschnitte innerhalb der Rezension. Es wird mir als Leser nicht deutlich, welche Message du mir übermitteln wolltest.
- Einsatz von Synonymen Bsp.
Wirklichkeit konkurriert? Was macht die Realität überhaupt aus?
Zeigt zwar deine Vokabelkenntnisse der deutschen Sprache, aber wirkt auf mich als Leser eher verwirrend, wenn du im nächsten Satz auf ein Synonym springst. Die beiden Sätze sollten doch aufeinander aufbauen.


Punkt 3:
- abgedroschene Floskeln
Serial Experiments Lain ist ein richtungsweisendes Werk

Klingt wie aus einem Heft für die Abiturvorbereitung entnommen. ^^
Betrachtet man die Hauptgeschichte in seinen wichtigsten Elementen
Hilfe :O... warum sollte man überhaupt etwas in unwichtigen Elementen betrachten? ^^


Punkt 4: Unklare Formulierungen
Glücklicherweise kam Serial Experiments Lain mit dem Jahre 1998 genau zur rechten Zeit. Wäre es später erschienen, hätte es nicht mehr diesen bahnbrechenden Effekt gehabt.

Warum gerade dieses Jahr? Welcher bahnbrechende Effekt? (der Effekt selbst wird nicht konkret benannt) Warum bahnbrechend?
Deshalb wirkt die Story wie ein Experiment; wie eine fragmentarische Erzählung, die auch kurze Lebensabschnitte von anderen Charakteren darstellt und sie bewusst teilweise mit der Haupthandlung verbindet oder einfach nicht zu Ende weiterspinnt.
Welche Folge hat das jetzt? Welche Wirkung? Wozu hast du es erwähnt?

Punkt 5: Inhalt
- japanische Gesellschaft/Lifestyle/Kultur -> Gesellschaftskritik

Diesen Punkt erachte ich noch als wichtig für eine vollständige Rezension. Es nützt sich über die japanische Kultur jener Zeit zu informieren, dadurch eröffnen sich erst viele Interpretationsebenen zB. die Bedeutung der Kuscheltiere, der "süßen" Lain oder auch der Kommunkation in der Familie

Punkt 6: Wiederholungen
Zum Anfang hangelt sich das Werk bedächtig vorwärts,
paar Sätze weiter .
Zum Anfang der meisten Folgen beobachten

auch das Wort "Werk" kommt sehr oft vor..




Ich weiß, dass das Schreiben nur ein Hobby ist und dass trotzdem sehr viel Mühe in einer Rezension dieser Länge steckt. Aber Quantität ist eben nicht Qualität. Dennoch weiß ich deine Mühe zu schätzen, sonst würde ich kein Kommentar hinterlassen. Betrachte meine Kritik daher als Anregung die Qualität verbessern zu können. Alles kann, nichts muss. ;)


Liebe Grüße,
Mia
Letzte Änderung: 3 Jahre 10 Monate her von blankverve.
Folgende Benutzer bedankten sich: Oldsnake91, Carl-Friedrich-Gauss

Serial Experiments Lain 3 Jahre 10 Monate her #740553

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@Croomar:

Vielen Dank für deinen Kommentar. :)

Croomar schrieb:
Als Fan des Werkes interessiert mich natürlich eine Erläuterung dieser Themen und deren interpretativer Ansatz, worauf zunächst nur wenig Wert gelegt wurde. Aber wie der Autor bereits beschrieb ist es ein breites Feld mit offenen Strängen, deren Inhalt man als Zuschauer deuten muss und eher individuell versteht.

Ich kann verstehen, dass du als Fan gerne mehr über sämtliche philosophische und psychologische Themen, die im Anime angesprochen werden, erfahren hättest. Zusätzlich dazu, dass sich viele Szenen einfach individuell interpretieren lassen, würde eine Interpretation dieser Materie in einer Rezension über das Ziel hinausschießen. Denn darüber ließe sich gut und gerne eine mehrteilige Hausarbeit schreiben. Zweitens möchte ich auch Leser, die das Werk nicht kennen, dazu anregen, einen Blick hinein zu riskieren und nicht, abgeschreckt und überwältigt von dieser Vielfalt, sofort das Handtuch werfen zu wollen.

Croomar schrieb:
Dabei sind die Themen, die Lain anspricht bis heute aktuell, weshalb ich dem Autor nicht vollständig zustimmen möchte wenn er 1998 als perfektes Erscheinungsjahr nennt.

Du hast völlig recht, wenn du Serial Experiments Lain ein zeitloses Werk nennst. Das sollte in der Rezension auch mehr als deutlich geworden sein, dass ich diese Ansicht teile. Ich habe mir gedacht, dass diese Stelle eigentlich klar sein sollte. Offensichtlich war sie das aber nicht und ich hätte sie weiter ausformulieren sollen. Also vielen Dank für den Hinweis. Dann also die Klarstellung. Der Anime an sich ist selbstverständlich zeitlos, aber ich halte das Erscheinungsjahr 1998 für genau richtig. So nimmt die Serie nämlich für sich in Anspruch, ein Vorreiter zu sein und die ganzen damit einhergehenden Probleme, welche inzwischen deutlich vervielfacht und verkompliziert auftreten, prophezeit zu haben. Daraus ergibt sich auch diese anhaltende Relevanz.

Wäre das Werk jedoch heutzutage erschienen, glaube ich nicht, dass es solch eine Faszination mit sich gebracht und die Menschen derart zum Nachdenken angeregt hätte. Es ist in unserer Zeit längst angekommen, dass eine vernetzte Welt Probleme birgt. Auch wenn viele Menschen es tolerieren, nicht wahrhaben wollen oder nicht gut genug aufgeklärt werden. Man hätte die Serie vermutlich nie so dafür geschätzt, was sie bietet, und hätte sie nach einem trügerischen Motto "Kenn ich schon, das braucht mir niemand mehr zu sagen" auch nie in der Form kritisch hinterfragt.

Deshalb erachte ich Serial Experiments Lain als zeitlos, aber sehe das Erscheinungsdatum 1998 als den bestmöglichen Premiere-Zeitpunkt an, den der Anime haben konnte. Und daraus ergibt sich für mich dieser bahnbrechende Effekt. Der Effekt, einen Anime loben zu wollen für das, was er zeigt. Und das immerhin für die damalige Zeit! Hier kann man selbstverständlich immer noch anderer Meinung sein. Und solltest du eine andere Ansicht haben, nach der du glaubst, dass Serial Experiments Lain im Jahr 2016 eine ähnliche oder vielleicht sogar bessere Resonanz (und hier spreche ich nicht nur von der Resonanz in Zahlen, sondern auch von der persönlichen, individuellen Resonanz: Was macht der Anime für mich aus? Welchen Stellenwert erreicht er für mich?) erzielt hätte, würde ich dir nicht sofort widersprechen. Schließlich kann man nie wissen. Das ist jedenfalls meine Meinung.

MfG RamboJack
Letzte Änderung: 3 Jahre 10 Monate her von Jack..

Serial Experiments Lain 3 Jahre 4 Monate her #768483

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Sehr ausführliche Rezensionen.Das ist eines von vielen Animes die auf mich sehr interessant wirken.Ich finde das Setting hört sich echt gut an aber bisher habe ich es mir noch nicht angeschaut.Das sollte ich unbedingt mal nachholen!
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