Rezension: Aku no Hana (Die Blume des Bösen)
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Der Autor: Layna



Der Anime: Aku no Hana

Kaum ein Anime polarisierte in letzter Zeit so sehr wie Aku no Hana, nur leider überwogen dabei die Negativwertungen bei Weitem. Nach Ausstrahlung der ersten Folge erreichte er eine Durchschnittswertung von unter 5/10! „Eine so schlechte Bewertung“, so werden nun einige einwerfen, „kann nur für einen wirklich schlechten Anime sprechen“. Ach ja? Vorweg möchte ich anmerken, dass ich Aku no Hana nicht geradezu für ein Meisterwerk halte, aber der Shitstorm, welchen er zu Beginn über sich ergehen lassen musste, ist absolut ungerechtfertigt. Lasst mich euch überzeugen.

Doch zunächst etwas zum Inhalt. Dieser zentriert sich auf den Literaturfanatiker Kasuga, welcher in Nanako Saeki , einem Mädchen aus seiner Klasse, verliebt ist. Eines Tages gibt er dem Drang, etwas Persönliches von ihr besitzen zu wollen, nach, und nimmt sich ihrer Sportkleidung an, als er alleine im Klassenraum zurückblieb und diese sah. Ursprünglich hatte er vor, diese möglichst bald heimlich wieder zurückzulegen. Doch gerade Sawa Nakamura hat ihn bei seinem Diebstahl beobachtet und kann nicht widerstehen, ihren Spaß aus der Erpressung von Kasuga zu gewinnen. Sie ist verbittert, von der eigenen Existenz gelangweilt und erpicht darauf, die heile Welt anderer niederzubrennen. Der Psychoterror beginnt. Kasuga selbst hält Saeki für eine reine, heilige Schönheit, Nakamura versucht diese Vorstellung einzureißen und ihn zu einem Perversen umzupolen, ihn vor ihr bloßzustellen. Für Kasuga beginnen ganz neue Selbsterfahrungen, schlechte sowie gute…

Der geheimnisvoll und literarisch anspruchsvoll klingende Titel Aku no hana (Die Blume des Bösen) trügt zwar, da sich dahinter ein Anime verbirgt, der für den ein oder anderen abschreckend banal und alltäglich auszusehen scheint, doch genau dies soll sich als das Interessante an dem Werk herausstellen. Trotz der einfachen Story, welche genauso auch vor eurer Nase geschehen könnte, gehört der Anime nicht bloß dem Genre Slice of Life an, es handelt sich doch um ein Bisschen mehr. Der Anfang ist etwas träge. Um mitzufiebern, muss man mehr als 1-2 der insgesamt 13 Folgen schauen, zumindest bis zur Hälfte sollte man sich vorwagen. Die exzentrische Nakamura, welche von jedem gefürchtet und gemieden wird, bringt mit ihren Forderungen Kasuga gegenüber immer neue Wendungen mit ein, oft auch unerwartete. Der Anime demonstriert, dass es nicht immer eines drohenden Weltunterganges bedarf, um Spannung zu erzeugen, unser Alltag enthält ebenfalls genug davon.
Der Gedichtband „Les Fleurs du Mal“ (Die Blume des Bösen) vom französischen Schriftsteller Baudelaire zieht sich wie ein roter Faden durch die Serie. Korrekt, zunächst einmal wurde sie nach diesem Band benannt. Auf dem Cover befindet sich eine schwarze, einäugige Blume, welche man ständig irgendwo wiederfindet, ob in der Opening- und Endinggestaltung, später in leicht surrealistischen Szenen der Serie oder sogar in den Lyrics des Endings, sie ist immer präsent. Es ist Kasugas Lieblingswerk und es symbolisiert inhaltlich Nakamuras Innenwelt. Es hat geradezu den Anschein, als seien die beiden schicksalhaft miteinander verbunden, da sie genau das verkörpert, was sein Lieblingswerk zum Inhalt hat – den Weltschmerz, der Hin- und Hergerissenheit zwischen dem Guten und Bösen und der Faszination an Letzterem.

Als wichtiger Träger und Lenker der Atmosphäre dient die musikalische Untermalung, das allein ist ja nichts Neues. Doch mir war das selten so bewusst wie bei Aku no Hana! Die 4 Openings sind wohl kaum typisch für einen Anime und schon gar nicht das Ending (Asa-Chang – A last flower). Die Lyrics wirken teilweise verstörend und wirr. Die Lieder lösten bei mir eine enorme Wirkung aus, ließen mich diesen vom Alltagsleben geprägten Anime von einer ganz anderen, mysteriöseren und dunkleren Seite erleben. Das Ending geht mir zudem regelrecht unter die Haut. Ich mag dieses Eigene an ihm, doch gerade Spezielles birgt ein großes Risiko, nicht von der Masse angenommen zu werden. Das ist ein Phänomen, welches bei Aku no Hana gleich mehrmals auftritt, wie in der musikalischen Untermalung, so auch bei Zeichenstil und Animation…

Denn nun kommen wir zu dem Punkt, welcher der vorrangige Grund für die nahezu flächendeckende Abneigung gegen diesen Anime zu sein scheint. Lasst mich zunächst erklären, wie diese Serie animiert wurde, denn allein das ist unkonventionell. Hinter dem Aussehen der Charaktere stecken reale Menschen, denn die Serie wurde zunächst mit Schauspielern aufgenommen, das gedrehte Material anschließend von Zeichnern abgezeichnet. Dieses Verfahren nennt man Rotoskopie und ist im Grunde nicht neu, wurde aber im Laufe der Filmgeschichte selten verwendet.
Wie wirkt sich diese Technik nun auf die Optik der Serie aus? Die Charaktere sehen aus wie echte Menschen, nur farblich im schlichten Anime-Stil gehalten. Allein das scheint vielen Leuten sauer aufzustoßen, denn man findet hier keine einem Ideal nach designten Charaktere vor, sondern welche, die ganz „normal“ aussehen. So ist es das erste Mal, dass mir ein japanischer Anime-Charakter unterkommt, der auch aussieht wie ein Japaner! Wie revolutionär. Dass das ungewöhnlich ist und einer gewissen Eingewöhnungsphase bedarf, ist nur verständlich, ich war anfangs sehr skeptisch, aber auch etwas neugierig und fasziniert.
Die Animation wirkt nicht ganz flüssig, vermutlich hat der Anime weniger Bilder pro Minute als der Standard. Das kann auf den ersten Blick billig wirken, doch auch hier muss ich ein paar gute Worte einlegen: Stört es euch nicht manchmal auch, dass bei Animes sekundenlang die exakt gleiche Szene zu sehen ist und sich z.B. nur der Mund bewegt? Bei Aku no Hana wurde jedes Bild einzeln gezeichnet und es hat den Anschein einer durchgängigen Bewegung, Standbilder als solche gibt es eher selten, selbst sehr ruhige Szenen wurden oft animiert. Zwar scheinen die Bilder leicht stockend ineinander überzulaufen, doch genau das lässt die jeweilige Szene noch lebendiger wirken, man nimmt jede einzelne Bewegungsänderung klar wahr. Das macht nun mal den individuellen Charme des Aussehens dieser Serie aus.

Das waghalsige Unternehmen, ein so experimentelles Werk zu animieren, begann das Produktionsstudio ZEXCS. Es basiert aber auf einem Manga von Shūzō Oshimi, dieser erscheint seit 2009 im Bessatsu Shōnen Magazine.

Als ich die letzte Folge des Animes fast fertig gesehen hatte, baute sich ein enttäuschtes Gefühl auf. Etwas fehlte. Die letzte Folge besteht leider, abgesehen von einigen kurzen Sequenzen, fast nur aus Rückblicken. Die Serie hat kein finales Ende, bleibt irgendwie zu offen. Besänftigt hat mich dann doch die Aufschrift zum Ende der letzten Episode: „Ende von Teil 1“. Ob wohl noch ein weiterer Teil geplant ist?
Nun wo der Anime seinen (vorzeitigen) Abschluss fand, fallen die Bewertungen übrigens besser aus, pendeln sich bei etwa 7-8 Punkten ein, was ich für weit angebrachter halte. Nur bei Proxer liegt sie leider nur bei knapp über 5, etwas enttäuschend.


Kaum ein Anime kann diesen um seine Originalität übertreffen, er lässt mich fasziniert und verzweifelt nach mehr schreiend zurück. Wie schon erwähnt ist die Serie an sich vielleicht kein Meisterstück, verdient aber allein wegen dem nahezu revolutionären Stil Anerkennung. Und die kann man meinem durchweg fast nur positiven Worten hoffentlich auch zu Genüge entnehmen. Ich würde mir etwas mehr Mut von den Produzenten wünschen, was neue Techniken und Animationsstile angeht, doch die schlechte Reputation von Aku no Hana zeigt leider, dass Werke wie dieses immer eine experimentelle Nische in der Welt der Animes einnehmen werden, da sie sich nicht rentieren. Umso mehr bin ich erpicht darauf zu erfahren, ob ich ein paar von euch überzeugen oder umstimmen konnte, lasst es mich wissen! Meine Arbeit ist getan, wir lesen uns in meiner nächsten Rezension.

Eure Layna~

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KommentierenDanke!


Die letzten 10 Kommentare zu dieser Rezension:


tora0yuki
Ich finde grade die realistische Darstellung der Charaktere sehr positiv, weil es mal was anderes ist
und es zu ernsteren Themen viel besser passt.
Die Story war schon etwas verstörend, aber gleichzeitig packt sie einen.
Ich würde mich auf jeden Fall freuen wenn sich in Zukunft mehrere an dieser neueren Technik bedienen würden.


NanoCharlotte
Dieser Aninme klingt sehr interessant^^. Genau diese Animation regt mich doch dazu an, diesen Anime zu schauen. Vor allem ist es doch gar nicht soo hässlich, es ist halt ungewöhnlich. Ich werd' ihn auf jeden Fall noch gucken!


obiner
Layna schrieb:
obiner: Du bist nicht zufällig auch bei Chinurarete-subs? xD
Ja, es wurde sehr still während der letzten Folgen. Minutenlange Sequenzen, in denen nichts passierte. Manchmal habe ich mich auch ein wenig gelangweilt. Wenn man ein ungeduldiger Mensch ist, geschieht das schnell. Wenn man jedoch die Geduld besitzt, diese Szenen auf sich wirken zu lassen, können sie einem trotzdem gefallen, es ist nicht so, als seine sie schlecht oder einfallslos.
Die Blume als Symbol fand' ich auch super, zusammen mit den OPs, dem ED und den Elementen in der Story war sie ein wichtiger Indikator dafür, einen so banalen Anime zu etwas gutem werden zu lassen.

Aye =) Bin ich, wenn auch noch nicht lange =)

Ich fand es ätzent in zu QC da mir für eigentlich einen so emotionalen anime einfach zu wenig emotionen rüberkamen.
Sie schreit ihrn an er soll verschwinden, dann werden lieblos 3 ma ihren namen gesagt und hinterher gerannt ... ääää lol xD


Layna
Reedfly: Es ist meine 7. Rezension, die ich im Namen der Redaktion veröffentliche xD
Zum Storyverlauf und den Charakteren habe ich kaum Worte fallen lassen, da hast du recht. Diese Punkte sind bei mir etwas in den Hinterkopf gewandert, da ich in der Rezo andere Prioritäten gesetzt habe. Aber ich neige allgemein dazu, zu wenig zu den Charakteren zu sagen, ich sollte mir das angewöhnen, es ist schließlich ein wichtiger Punkt.

xX-.-Xx: Interessantes Vid, allerdings stimme ich dir nur eingeschränkt zu. Wie kommt es, dass es trotzdem viele Menschen gibt, die den Anime mögen und kein Problem mit seiner Optik haben? Nun, ich bin mir sicher, dass es viel eher eine Sache der Erwartung und der Gewöhnung ist. Wenn man sich einen Anime anschaut, erwartet man den entsprechenden Zeichenstil vorzufinden, bei Aku no Hana wurden die meisten diesbezüglich enttäuscht, denn es handelt sich bestimmt nicht um einen konventionellen Zeichenstil für einen Anime. Die meisten Zuschauer haben ihn außerdem nach der ersten Folge abgebrochen, Zeit zum dran gewöhnen gaben sie ihn nicht. Das Video mag interessant und aufschlussreich sein, differenziert aber nicht genügend, es gibt so viele andere Faktoren die gefallen und nicht gefallen beeinflussen.


amu-jiji
Ich muss ja sagen das mir diese Animierung gar nicht gefällt *o-omg*
sie macht mir eher Angst *o-angst*
und ich hab nicht wirklich den drang diesen Anime zu gucken *o-puh*
sorry aber ich lass mich nicht so schnell umstimmen *o-Dx*


xX-.-Xx
Leider habe ich den Anime nach der ersten Folge abgebrochen (und ich wusste nichts von schlechten Bewertungen). Eigentlich hat sich die Story für mich interessant angehört, ich konnte sie in dem Anime aber leider nicht direkt (erste Folge...) wiederfinden. Generell ist nicht viel passiert. Wen hierzu auch noch der gewöhnungsbedürftige Animationsstil kommt... An diesem hat mich vorallem gestört: Die fehlenden Emotionen + alle Charaktere sehen ein bisschen gestört aus + niedrige Bildrate.

Hierzu empfehle ich auch jedem einmal das hier anzuschauen:
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. Ich denke dieser Effekt spielt hier eine große Rolle. Die Charaktere sind richtigen Menschen zu ähnlich. Deswegen fällt uns sofort jede Kleinigkeit auf die irgendwie nicht stimmt. Außerdem fehlen die übertriebenen Emotionen der üblichen Animation UND die Feinheiten die man in einem echten Menschen sehen würde werden nicht rübergebracht.

Alles in allem würde ich der ersten Folge auch nur eine 5 geben. Da es aber eben nur die erste Folge ist und ich vermutlich keinen Gefallen an dem Genre finde habe ich mich einer Bewertung enthalten. Jeder der die erste Folge sieht wird eh wissen das er den Anime nicht mehr weiterschauen möchte, außern er steht wirklich auf soetwas.

Video eingespoilert - Layna (;


Reedfly
Ich melde mich nochmals ganz kurz, bevor ich zu Bett gehe.
Da ich eher deine Meinung kritisiert habe, möchte mich kurz Entschuldigung und dir richtiges Feedback für deine glaube erste(?!) Rezension geben.
Ich lese gerne Rezensionen, da sie Kritik zum Buch/Film/Anime geben und man sich so besser vorstellen kann den Anime gucken zu können. Dabei ist deine Rezension ziemlich gelungen. Mich würde nur noch die Storyverlauf interessieren. Du hast natürlich was zum Inhalt gesagt und auch immer zwischen durch erwähnt, dass es ab der Hälfte besser wird, aber ein Allgemeiner Storyverlauf tut immer gut. Auch solltest bisschen mehr zu den Charaktären was sagen (auch wenn sie nicht der wichtige Aspekt ist.
Aber wie gesagt, sonst fand ich deine Rezension lesenswert :)

ach ich mag es auch, wenn mein seine persönliche Meinung bzw. Emotionen schon am Anfang schreibt, aber das ist meine persönliche Meinung und ist eigentlich Standards gemäß Falsch :D


oLOJoshua
Layna, ich schaue zu dir auf, das muss ich dir ehrlich mal gestehen. Ich lese und höre deine Rezos verdammt gerne, die der anderen sind mir ehrlichgesagt egal. Ich weiß auch nicht wieso. Ich weiß es zu schätzen, dass du dir solche Mühe machst. Du bist klasse, bitte mach weiter! Ich schaue mir jeden der Animes an. Ich könnte sogar meine Scham überwinden und Boku uno pico schauen, wenn du ihn rezensieren würdest. Hör nicht auf, sonst würde Proxer langweilig werden <3

Grüße,
Joshua


CursedLie16
Genau so, wie du es in deiner Rezension nieder geschrieben hast, empfinde ich auch für den Anime.
Ich finde ihn nicht abstoßend oder allgemein schlecht, aber eben auch, dass er kein Meisterwerk ist.
Diese unheimliche und andere Umgebung, zum Vergleich von anderen Animes, finde ich persönlich sehr gut getroffen.
Und allein, dass jedes Bild abgezeichnet wurde, verdient meinen Respekt.
Ebenfalls hat mich das Ending oft Gänsehaut bescheren lassen. Die Openings waren für mein Geschmack auch recht okay.
Letztendlich war der Anime endlich mal etwas anderes, worüber ich froh war. Doch am Ende konnte ich keine Bewertung abgeben, da ich nicht recht wusste, wie ich ihn jetzt genau einordnen soll.
Aber ich kann ihn empfehlen, für die, die mal von dem typischen Stil von Animes, abschweifen wollen und etwas Neues erleben möchten.