Rezension: Devil May Cry
Der Autor: Aston



Der Anime: Devil May Cry

Devil May Cry – Auf der Erde ist die Hölle los!

Filmische Umsetzungen von Videospielen sind heutzutage leider selten als gelungen zu betrachten. Man denke hierbei vor allem an Uwe Boll, der sich unter anderem für die Verfilmungen von „Far Cry“ oder gar „Postal“ verantwortlich zeichnet und damit als einer der schlechtesten Regisseure der Gegenwart gilt, was ihm nicht zuletzt durch die Verleihung der Goldenen Himbeere bestätigt wurde. Aber auch der Kinofilm zu „Max Payne“ aus den Staaten konnte weltweit nur bedingt überzeugen. Wie es scheint, stehen Spielverfilmungen unter einem schlechten Stern. Oder darf man doch noch hoffen?

Hören wir auf, den Teufel an die Wand zu malen. Die oben genannten Beispiele waren allesamt Streifen mit realen Schauspielern. Die letzte Hoffnung ruht daher auf unserem Lieblingskulturgut aus Japan: Animes! Und wenn sich ein Studio wie Madhouse, welches immerhin auch den Anime zu „Death Note“ produziert hat, der Sache annimmt, dann kann doch nur großes Kino dabei herauskommen, oder?
Devil May Cry basiert auf der gleichnamigen Videospielreihe, welche erstmals 2001 erschien. Ich selbst habe es zwar nie gespielt, mich aber dennoch ein wenig darüber schlau gemacht. Trotzdem möchte ich mich an dieser Stelle schon einmal bei jedem Fan der Reihe für meine vermutliche Unwissenheit entschuldigen.
Dreh- und Angelpunkt der Serie ist der Halbdämon Dante, der Sohn des Dämonen Sparda und seiner menschlichen Mutter. Sparda selbst stellte sich vor 2000 Jahren gegen seine eigene Brunft und versiegelte das Tor zwischen der Welt der Menschen und der der Dämonen, welche bis dahin ungehindert unsere Welt betreten und unsere Vorfahren, mal ganz nett und leger ausgedrückt, piesacken konnten. Nein, Spaß beiseite, Sparda hatte unseren Ahnen damit einen immensen Gefallen getan. Doch nach all der Zeit treiben sich immer noch vereinzelte Vertreter, oft sogar als Menschen getarnt, in unserer Welt herum. Dante verdient sich seinen Lebensunterhalt damit, eben diese „Überbleibsel“ zu beseitigen. In seiner Agentur, die den gleichen Namen wie der Anime trägt, wartet er Pizza mampfend und Strawberry Sundae's schlemmend darauf, dass sein Freund Morrison, ein in die Jahre gekommener, aber immer noch fitter und unglaublich höflicher Gentleman, ihm neue Aufträge besorgt. Die hat Dante auch bitter nötig. Vorzugsweise durch Glücksspiele hat sich der Mann mit den markanten weißen Haaren nämlich einen immensen Schuldenberg angehäuft, was ihn aber in keinster Weise aus der Ruhe bringt. Um genau zu sein, würden er und Alucard aus Hellsing aufeinandertreffen, könnte ihre Coolness ein schwarzes Loch erschaffen, das unsere zarte Existenz auslöschen würde, aber nur wenn wir Glück hätten. Im schlimmsten Fall würde die Aura der beiden eine Diktatur von Vergötterung und Möchtegerns auf der Welt hervorrufen. Das erinnert einen doch gleich an Team Rocket aus Pokémon („Wir wollen über die Erde regieren“ - „Und unseren eigenen Staat kreieren.“). Aber ich schweife ab.
Dantes ruhige Tage sind allerdings gezählt, als er die Mission aufgetragen bekommt, Patty Lowell, ein junges Mädchen, das als Waisenkind aufwuchs, aber angeblich als uneheliche Tochter eines reichen Mannes die Erbin seines Vermögens sein soll, zum Anwesen ihres vermeintlichen Vaters eskortieren zu dürfen. Ich sprach von Coolness und so ist es nicht verwunderlich, dass Dante eher genervt als erfreut über einen neuen Job ist. Zugegeben, ich hätte auch eine Arschruhe, wenn ich zwei besondere Pistolen mit den stylischen Namen „Ebony“ (Ebenholz) und „Ivory“ (Elfenbein) und das legendäre Schwert meines dämonischen Vaters, welches passenderweise den Titel „Rebellion“ trägt, geerbt hätte. Nein, ganz im Gegenteil ist es eher das kecke und selbstbewusste, kleine Mädchen, das Dante den ein oder anderen Nerv kostet. Und wäre das nicht schon genug des Ärgers, endet der Tag auch noch damit, dass sie bei ihm einzieht. Armer Dante. Wenigstens hält sie seinen Saustall von Agentur für so unerträglich, dass sie freiwillig sauber macht.

Doch kommen wir einmal näher auf das Konzept von Devil May Cry zu sprechen. Der 12-folgige Anime ist episodisch aufgebaut, was heißt, dass jede Folge eine eigene Story hat, die innerhalb dieses Zeitumfangs auch abgeschlossen wird. Im Klartext bedeutet das also, Dante erhält einen Auftrag, Dante fährt zum Zielort und mischt ein paar Dämonen auf, Dante fährt wieder nach Hause. Dies mag auf den ersten Blick ziemlich monoton und langweilig klingen. Ich will euch nichts vormachen, der geneigte Animegucker, der eher nach einer fesselnden Story sucht, wird auch genau diesen Eindruck bekommen. Nichtsdestotrotz haben sich die Macher aber dennoch aus meiner Sicht sehr bemüht, trotz diesen eintönigen Grundaufbaus Abwechslung in die Storys zu bringen. So zum Beispiel jagt Dante einmal einem besessenen Motorradfahrer hinterher, der seine Kontrahenten in illegalen Straßenrennen unsanft in den Graben schickt, während er ein andermal den Auftrag bekommt, einen angeblich bösen Dämonen zu töten und dabei feststellt, dass dieser sich gegen seinen wirklich bösen Meister gewandt und die Liebe zu einem Menschen gefunden hat und ihn deswegen leben lässt. Natürlich nicht ohne die zuckersüße Begründung, dass das Kennenlernen der Liebe ausreichend sei, um als Mensch weiterzuleben. Es trieft, ich weiß, aber ich sagte ja, nicht unbedingt ein innovatives aber dennoch recht abwechslungsreiches Konzept. Gelegentlich tauchen auch andere Charaktere aus den Spielen auf, so z.B. die Dämonenjägerin Lady, die sich zuerst spinnefeind mit Dante war und bei der er einen großen Teil seiner Schulden angehäuft hat, und Trish, einer Dämonin, zu der Dante eine sehr eigene Beziehung führt, da ihr irgendein finsterer Herrscher das Aussehen seiner vermutlich toten Mutter verpasst hat. Trotz allem fragt man sich mittlerweile bestimmt, ob denn der Anime einfach nur eine Aneinanderreihung von Aufträgen ist, die dann einfach nach 12 Episoden aufhören. Jein. Ein hauchdünner roter Faden zieht sich trotz allem durch die Geschichte, wenngleich der Zuschauer der einzige ist, der es wieder mal mitkriegt. Während Dantes Missionen trifft man immer wieder auf den Dämon Sid, der aussieht, als hätte sein Gesicht mal Begegnung mit einem Bügeleisen gemacht. Dieser Zeitgenosse ist so aalglatt wie feige und dank seiner kleptomanischen Züge steckt er gerne einige unscheinbare, dämonische Artefakte ein, die Dante nach seinen Vollstreckungen zurücklässt. Warum zur Hölle wüsste ich auch gerne. Ich meine, wieso lässt Dante die Überbleibsel liegen oder übersieht er sie schlicht und weg? Des einen Dummheit ist des anderen Freud, und in diesem Fall sind wir die Glücklichen. Sidi Boy verleibt sich nämlich dank der Artefakte in einem Anflug von Größenwahn die Mächte des Oberteufels Piccolo ..äh Abigail ein und ist auf einem Zerstörungstrip á la Freezer in Dragonball Z. Natürlich konnte das ganze nicht ohne das besondere Amulett von Pattys Mutter, die zufälligerweise noch in der Stadt war, es aber ihrer Tochter nicht sagen konnte, vonstattengehen. Manchmal muss man eben auch einfach Glück haben.

Wie schaut nun die ernüchternde Bilanz aus? Devil May Cry ist in erster Linie Action (mit Splatter). Im Vergleich zu Hellsing fehlt leider eine wirklich durchgehende Story, wenngleich die Einzelaufträge unterhaltsam gestaltet sind. Ironischerweise sind der größte Wermutstropfen aber die Kämpfe. Verurteilt mich, weil ich durch Dragonball Z eventuell verdorben bin, was die Dauer solcher Auseinandersetzungen angeht, aber hier waren sie für meinen Geschmack einfach zu kurz. Meistens ist ein Hieb des Schwertes mit dem Totenkopf im Griff oder eine Salve aus den Pistolen mit den stilvollen Namen notwendig und es ist wieder Ruhe im Karton. Anschließend würde jeder Zahnarzt den geschundenen Dämonen gerne seine Dienste anbieten, mit Dollarzeichen in den Augen, versteht sich.
Wer sich also für eine dennoch präsentierbare Videospielumsetzung interessiert, Abstriche in Logik und Handlungstiefe machen kann und auf obercoole und lässige Protagonisten steht, wird bei Devil May Cry durchaus unterhalten.

Viel Glück bei der Jagd,
Aston

KommentierenDanke!


Die letzten 10 Kommentare zu dieser Rezension:


Faustus
Eine gut Bewertung, wenngleich ich als Zocker noch mehr zu bemängeln hätte.
Abstriche in Logik und Handlungstiefe sind bei Devil may Cry auch in den Spielen manchmal zu erwarten, dafür aber trupfen diese mit unterhaltsamen un individuellen Endbossen auf, was die Kämpfe ein ganzes Stück unterhaltsamer macht. Und von der Hintergrundgeschichte bekommt man in der Serie auch nur Bruchstückhaft etwas mit. Die eigenen Einfälle, wie etwa die neuen Charakter, wzB. der Gentleman, haben mir dagegen gefallen. MJedoch hätte man von Madhouse wirklich mehr erwarten können.


enklave
Nicht schlecht Aston nicht schlecht Vorallem bist du der einzige den ich kenn
der sich mit Videospielen genau so gut wenn nicht besser auskennt als ich du
Respekt danke das du den Anime Vorgestellt hast hätte ihn sonst bestimmt übersehen und währe bei so ner weiteren Ecchi Geschichte
gelandet was mich oft ziemlich amüsieren kann
Nun das ist ein echt großer haufen Denn du da geschrieben hast und deinen Humor hast du nebenbei auch nicht vergessen :)
Werd ihn mir jetzt sobald ich zeit hab angucken auch wenn er nicht Ohne Fehler und schwächen ist aber schwamm drüber
ich hab Farcry und Postal aber vorallem Farcry von Uwe boll Überlebt also kann mich nichts mehr so entäusschen
(vergessen wir nicht die Mortal Kombat Filme O.o)
Danke dir
LG enklave
Und schreib mir doch mal wieder ne PN wenn du zeit hast
(bin selber zu faul dazu dich anzuschreiben :D)


miku788
Ich habe mir DevilMayCry zusammen mit meinem Bruder angesehen und es hatte und sehr gut gefallen tja die animaton halt blutige kampfszenen aber ab und zu schadet ein brutaler anime ja nicht ne :D
aber so brutal war ja nun auch nicht es ging es hat einen gewissen scharm der jeden kampflustigen gefallen würde *o-gj*


DotKite
Schön zusammen gefasst *o-gj* auch wenn ich finde das DMC total besser als DBZ is meine meinung halt aber trotzdem top *o-gj*


Taychii
Das alle durchzulesen hat mir gezeigt das auch nur Text eine spannende Geschichte darstellen kann. Ich gib dir ein Daumen hoch für dein Geschichte. Du hast mir gezeigt das auch dein Text andere überzeugen können, dass mann diesen Anime gucken kann. Du hast mir die Aufmerksamkeit gegeben diesen Anime zu gucken. Schade das es nur auf English übersetz ist und es ab 18 Jahren gilt. *o-pwn* Aber wegen dem 1 Monat bevor ich 18 werde mach ich mir doch keine sorgen.

Zitat zum Text:
- Ausführlich geschrieben
- Verständlich und lesbar

Genau gesagt; super gemacht, mach weiter so. *o-hero*


XCruzadorX
Gute Einleitung, nicht zu viel,man kommt also gut rein. Im Hauptteil vielleicht nicht mehr so viel abschweifen vom eigentlichen Thema, da man den so leicht den Faden verlieren kann. Der Schlussteil ist auch gut zusammengefasst und bringt mit dem Fazit alles gut zu Ende. Hat sich angenehm gelesen, weiter so!


Seals
Ganz großes Kino. Ja das ist es :)
Ich kenne neben Devil May Cry nur noch Persona 4 (The Animation), welches vom Spiel zum Anime umgesetzt wurde. Da ist aber Persona 4 eindeutig besser als Devial May Cry, im spiel so wie im Anime ;) ^^ Nach meiner Meinung zumindest. Die Comedy ist jedoch in Devil May Cry höher ausgelegt als in Persona 4...Naja, lassen wir das vergleichen.
Kommen wir zum Fazit. Devil May Cry ist eingelungender Anime, der nur gelungen werden konnte! Er verspricht viel Spannung und lustige Szene.
Darauf erstmal ein Strawberry Sunday. Chears. :)
lg Seals


animenooob
Wow nicht schlecht Aston.

Ein hervorragender Leistung für deine erste Recommandation *o-gj*

Ich würde ja mehr dazu schreiben aber es ist spät *hust*
Aufjedenfall mach weiter so und viel Freude in deiner neuen anstellung.

LG
Animenooob