Rezension: Hotarubi no Mori e
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Der Autor: Layna



Der Anime: Hotarubi no Mori e

Die bildgewaltigen Werke des Masterminds Makoto Shinkai gehören nicht zu den abendfüllenden Filmen, sind in der Animeszene jedoch zweifellos legendär; so etwa The Garden of Words und 5 Centimeters per Second. Den Reiz bieten nicht nur die kunstvollen Zeichnungen und Animationen, sondern ebenso die sensiblen Geschichten, die durch die Kürze der Filme beweisen, dass eine kompakte Story ohne überflüssige Sequenzen Emotionen am gelungensten zu bündeln weiß. Ebendas ist auch die Stärke des 2011 publizierten Films Hotarubi no Mori e, dem ein sensibler Plot mit dem richtigen Tempo glückt, nur mit etwas mehr Magie versehen. Der renommierte Regisseur des Films, Takahiro Omori, erlangte nicht etwa durch Filme seine Bekanntheit, sondern durch Serien wie Baccano! und Durarara!!. Zweifellos beweist er auf dem unerforschten Gebiet des Kurzfilms ein gutes Fingerspitzengefühl.

Seit früher Kindheit fährt das Mädchen Hotaru Jahr für Jahr den Sommer über zu ihrem Onkel in dessen idyllische Heimat, einem Dorf, welches von Natur umsäumt ist. Mit sechs verläuft sie sich im dortigen Wald des Berggottes. Ängstlich und tränenerfüllt findet ein maskierter junger Mann sie dort vor und führt sie aus dem Wald. Sogleich verrät er Hotaru, dass die Berührung eines Menschen seiner Existenz ein Ende setzen würde, denn er sei ein Geist. Sie beschließt, den geheimnisvollen und mysteriösen Geist namens Gin am nächsten Tag erneut aufzusuchen. Für Gin, den Wald und dessen Geister entwickelt sie eine Faszination und so kommt es, dass sie jährlich im Sommer mit ihm Zeit im Wald verbringt. Selbst als junge Frau fährt sie mit ihren Besuchen fort, obwohl sie und der langsam alternde Geist jedes Mal von Neuem das Risiko einer zufälligen Berührung und seinem Ende eingehen.

Gin scheint anfangs teilnahmslos gegenüber Hotarus frischer, lebensfroher Art und lässt sich nicht von ihrem begeisterungsfähigen und sprunghaften Charakter anstecken. Doch trotz seiner scheinbaren Gleichgültigkeit wird zunehmend deutlich, dass sie ihm mehr und mehr ans Herz wächst. Mit den Jahren bauen sich Vertrauen und Offenheit auf, so erzählt er ihr von den Mysterien seiner Vergangenheit und zeigt ihr das Geistersommerfest, während sie wiederum von ihren Plänen erzählt, nach Abschluss der Schule in die Nähe zu ziehen.

Die Stärken des Animes liegen zweifellos nicht in der Komplexität der Story oder Charaktere, doch die Serie hat auch nicht den Anspruch, hiermit zu punkten. Vielmehr ist die Geschichte etwas vorhersehbar und baut die Spannung durch Zeitsprünge und die fortlaufende Entwicklung der Beziehung beider zueinander auf. Mit der Zeit gleicht sich das Alter von Hotaru und Gin an und aus Freundschaft erwächst mehr. Durch die Kürze des Filmes gibt es keine unwichtigen Szenen oder langgezogene Dialoge, vielmehr entwickelt sich die Story schnell und bleibt auf das Wesentlichste beschränkt. Trotzdem gibt einem der 45 Minuten umfassende Anime keinesfalls das Gefühl voranzuhetzen. Das Tempo bleibt auch für einen ruhigen Film der Genres Slice of Life und Romance sehr angenehm. Einzig unbefriedigend mag der abrupte Schluss sein, welcher die sich zuspitzende Tragik gegen Ende nicht ganz würdig auszuklingen vermag.

Das Genre Slice of Life scheint zunächst in einem Anime, wo Übernatürliches einen wichtigen Platz einnimmt, unpassend. Doch schnell gewinnt man den positiven Eindruck, wie natürlich sich die Geister und Gin in die seichte Story um die alljährlichen Sommerbesuche von Hotaru eingliedern, wodurch auch der kleine Mystery-Anteil dem kein Abbruch verschafft.

Die Grundlage des Dramas bietet der gleichnamige Manga des Autors Yuki Midorikawa aus dem Jahre 2003, der neben der Vorlage des Films noch drei weiteren Kurzgeschichten erzählt. Der Mangaka dürfte durch Natsume Yuujinchou bekannt sein, denn dieses Werk war Inspiration einer bisher drei Staffeln umfassenden Animeserie des gleichen Titels, die sich einer mittelgroßen Popularität erfreut. Die Filmadaption zu Hotarubi no Mori e wurde erstmals am 17. September 2011 in Japan ausgestrahlt. Hierzulande ist der Film nicht lizenziert, wenngleich durch Höhe und Anzahl von Bewertungen heraussticht, dass sich der unter Produktionsstudio Brains Base fabrizierte Anime sehr großer Beliebtheit erfreut.

Die Animation ist für einen Film alles andere als überwältigend. Sie entspricht eher dem gehobenen Durchschnitt einer Serie und weist keinerlei kreative Besonderheiten auf. Hotarubi no Mori e wurde aber auch nicht etwa japanweit in den Kinos vor riesigem Publikum ausgestrahlt, sondern bescheiden in lediglich zwei japanischen Lichtspielhäusern gezeigt. Entsprechend klein wird das Budget gewesen sein, worunter primär die kostspielige Animation leiden muss.
Die Landschaft ist stets liebevoll und detailliert ausgearbeitet und vermag den Punkt der durchschnittlichen Animation etwas zu überspielen. So sind oftmals wundervolle Szenerien des Waldes zu bestaunen. Lebendiges Grün und abwechslungsreiche Schauplätze lassen ihn ebenso wie der helle Lichteinfall und die aufgebaute Atmosphäre in einem freundlichen und idyllischen Licht erstrahlen. Die Zeichnungen mancher Geister wirken gelegentlich etwas ulkig. Die Menschen wurden in einem angenehmen aber gewöhnlichen Zeichenstil dargestellt, von dem man das Gefühl bekommt, er sei einem vertraut. Am ehesten ähnelt er natürlich der Serie Natsume Yuujinchou, schließlich stammen beide Werke ursprünglich aus der Feder des gleichen Mangaka. Gin erinnert sogar leicht an den Protagonisten Natsume Takashi.

Der Schluss des Animes wird durch ein Ending abgerundet. Die ruhigen Klavierklänge zur Stimme Sizzle Ohtakas rücken gegenüber des Inhaltes eher in den Hintergrund. Das gilt auch für den Rest der musikalischen Untermalung. Sie ist passend eingesetzt, bietet einem aber keinen herausstechenden OST.

Insgesamt wartet Hotarubi no Mori e mit einer kurzen aber umso runderen Story auf. Zwar kann es optisch ganz und gar nicht mit den anfangs erwähnten Werken von Makoto Shinkai mithalten, doch die Story erreicht ein ähnliches emotionales Niveau. Ich würde den Film nicht einer begrenzten Zielgruppe empfehlen. Natürlich kommen Romance- sowie Slice of Life-Fans hier eher auf den Geschmack als solche, die sich den Genres eher abgeneigt fühlen, doch grundsätzlich ist er für einen ruhigen Abend mit Lust auf etwas Gefühlsbetontes sehr gut geeignet; Ab und an hat doch jeder mal Lust auf Derartiges. Neben dem Knabberzeug empfehle ich euch, ein paar Taschentücher bereitzulegen! Viele werden sie sicher brauchen. Viel Vergnügen!

Layna~

KommentierenDanke!


Die letzten 10 Kommentare zu dieser Rezension:


Sassi1710
Gute Rezension :)

Ich gehöre auch zu denen, die am Ende weinen mussten *o-cryrun* So ein wundervoller Film, mit so einem traurigen Ende... Ich könnte ihn mir immer wieder ansehen, einfach weil die Story wirklich toll ist.

45 Minuten ist zwar recht kurz für einen Film, aber länger hätte dieser auch wirklich nicht sein müssen. Es ist alles enthalten und so wie er ist, ist er umwerfend!


SakuraAiCho
Boaah... die Rezesion ist ja mal geil. *--* Daumen hoch!
Und nun zum Anime.. obwohl dieser Anime (film) nur 45 Minuten gedauert hat, war der richtig putzig :3
Und meine ältere Schwester hat 'n bisschen (bisschen viel) gespoilert weswegen ich am Ende nicht heulen konnte, weil ich es eh schon wusste und es dann nur noch halb so traurig war -.-´ D:
Doch finde den richtig gut... es war halt kurz aber es wäre nur unnötig gewesen, wenn es länger wäre o:

Aufjedenfall kann ich diesen Anime jeden Drama/Romance-Liebhaber (wie ich, hihi) empfehlen ;D
Die 45 Minuten sind es Wert! :D - LG sakura


CodeGears
gute rezension,
ich hab den anime (film) vor paar monaten angeschaut und muss immer noch darüber weinen.
so ein trauriges ende *o-büde* *o-noooo2* *o-heul*
ein anime erster klasse kann man nur weiter empfehlen wenn man auf drama steht aber auch an leuten die kein drama mögen *o-gj*
*o-bye*


Rainy-tan
Gute Nacht, Laynator :3

Eigentlich hatte ich nicht vor, jetzt zu jeder Rezension was zu schreiben, aber als ich gesehen habe, dass hier einer meiner liebsten Filme rezensiert wird, da musste ich einfach! ._.

Ich selber habe den Film vor wenigen Wochen gesehen und kann dir zustimmen, dass es wohl nicht die Optische Intensität wie The Garden of Words und 5 Centimeters per Second hat. Der Film baut einzig und allein auf unseren Emotionen. Er hat sonst nichts, was er uns markantes bieten kann. Nichts außer seiner leicht dramatisch angehauchten Story. Vielleicht will uns Hotarubi no Mori e auch genau das zeigen. Es braucht nicht die beste Animation und die herausragendsten Künstler um uns zu bewegen, um uns zu zeigen, dass es auf andere Dinge ankommt.

Das Einzige, was ich an Hotarubi no Mori e kritisieren würde, ist die Länge. Aber nicht die Länge, weil es mir als „Fan“ einfach zu kurz war, sondern die Länge, die man hätte nutzen können, um die Beziehung der zwei Charaktere zu intensivieren.
Schon klar, dass der Film auch so ein dramatischer Toptitel ist, jedoch bin ich sicher, hätte er einiges mehr bewegen können, hätte er uns mehr von unseren beiden Protagonisten gegeben.

Zum Ende möchte ich eigentlich nicht viel sagen. Es war vorhersehbar. Nicht, dass es genau so passiert, aber der eigentliche Knackpunkt der Handlung. Aber mal ganz ehrlich, wir, die wir den Film gesehen haben, wussten es allen von Anfang an und haben trotzdem zumindest glasige Augen gehabt!

Ansonsten stimme ich nicht unbedingt zu, dass Gin „gleichgültig“ war. Ich glaube, er war einfach ruhiger als Hotaru. Emotional war es dasselbe für ihn, wie bei Hotaru. Ich denke nur an die Stelle ziemlich am Anfang, wo Hotaru vom Baum fiel. Er wollte, aber er konnte nicht...
Vielleicht ist es an dieser Stelle aber auch reine Interpretationssache.

Zur Form deiner Rezension lässt sich auch nicht viel bemängeln. Es fühlte sich an, als wäre deine Rezension in verschiedene Einzelrezensionen geteilt. Zuerst wer überhaupt für den Film verantwortlich ist, dann Handlung, Bewertung und Einzelheiten. Mir fehlten so ein bisschen die Übergänge, die diese Teile miteinander verbinden. Es liest sich manchmal etwas holprig, aber vielleicht ist das auch nur mein persönliches Empfinden.

Übrigens sind die Schauplätze von Hotarubi no Mori eh Originalschauplätze, soweit ich gesehen habe. Wenn mich tumblr jetzt nicht anlügt, dann der Kamishikimi Kumanoimasu Schrein in Japan. :3
Find' ich irgendwie immer wieder schön. Solche Referenzen gibt es ja auch in Noragami und AnoHana.
Ich schweife vom Thema ab.

Genug geschrieben.


Zeroena
Sehr schöne Rezension :)

Hab den Film auch schon gesehen, ist etwas her.
Ich hab ihn als empfehlung bekommen und kann ihn auchnur weiterempfehlen!

Sehr schöne kurze geschichte mit viel liebe und herz :)


CursedLie16
Hach, ich liebe deine Rezensionen, Layna.
Wie immer sehr schön geschrieben und beinhaltet alles, was ich mir auch gewünscht habe.
Ich habe den Film schon öfters angeschaut, weil ich ihn einfach wunderschön finde. Er ist nicht zu lang, weshalb er eben für zwischendurch genau passend ist. Ebenfalls musste ich am Ende immer weinen. Neben der Story habe ich mich aber auch in die Soundtracks verliebt. Wenn ein Anime/Anime Film Soundtracks enthält, die ich sofort mag, hat er gleich gepunktet. Für mich ist das sehr wichtig.

Jedenfalls, eine tolle Rezension und weiter so! (:


Danaris
Ich habe den Film vor zwei Monaten gesehn und fand ihn zwar kurz, aber definitiv ausreichend. Er ist echt süß gemacht finde ich. Vorallem die Geister! Eine sehr schöne, wenn auch ein bisschen kitschige Geschichte, die bei mir schnell in meine Top10 eingezogen ist.
Daher find ich auch die Rezension sehr passend... wobei mir noch nichtmal aufgefallen ist wie hübsch der Hintergrund tatsächlich ist :D


LachendeLeiche
Okay, diese Rezension hat mich überzeugt! Ich werde mir den Film ansehen.
Die Rezension ist so geschrieben, dass alles wichtige drinnen ist. Auch ist gut darauf geachtet worden, dass nicht zu viele kleine Details mit drin sind. Also eine sehr gut gelungene Rezension. Ein großes Lob. :)


Feuerrune1
Meiner Meinung nach eine sehr gelungene Rezension. Sie beschreibt das Werk in allen wichtigen Einzelheiten und gibt einen guten Überblick üder das Werk und seine Hintergründe. Auch das Fazit ist kurz und zeigt nochmal, ob es es wert ist, sich Hotarubi no Mori e anzusehen.

Das Werk selbst gehört zu den schönsten, die ich bisher gesehen habe und ich hoffe, dass ich noch andere ähnlich gute finden werde.
Das Ende war zwar vorhersehbar, aber kam trotzdem überraschend und anders als erwartet. Ein gelungenes Werk.