Rezension: Hakuouki
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Der Autor: Hijikata-Chizuru



Der Anime: Hakuouki

Geschichte – viele unter euch werden dieses Wort mit dem langweiligen Geschichtsunterricht der Schule assoziieren. Ihr werdet an mehr oder weniger spannende Dokus denken oder es mit irgendein geschichtliches Halbwissen verbinden, da man sich die ganzen Ereignisse der Vergangenheit sowieso nicht merken kann. Doch ab und zu kann Geschichte wirklich spannend sein. Sie kann faszinieren und interessant sein. Vergangenes ist vorbei und dennoch ist es da, es ist passiert und ein Teil dieser Welt. Auch Medien wissen, dass die Geschichte mit all ihren Zeitperioden und Handlungen beeindrucken und fesseln kann. Selbst im Anime-Bereich ist dies schon längst keine Neuheit mehr. Historisch angelehnte Titel bekommen zwar nicht so viel Aufmerksamkeit wie die durchdachten Fantasie-Werke kreativer Autoren, aber vereinzelt tauchen sie dennoch auf und überraschen mit ihrer historischen Grundlage. Ein solches Beispiel wäre der Anime Hakuouki – ein Historical-Drama rund um die Samuraigruppe der Shinsengumi.

Bei dem Werk handelt es sich um eine Adaption des gleichnamigen Otome-Spiels, welche im Frühling 2010 von Studio Deen ausgestrahlt wurde. Der Anime umfasst 12 Episoden und besitzt noch zwei weitere Staffeln sowie zwei weitere Filme.

Ein Otome-Spiel ist, für diejenigen, die es nicht wissen, ein Spiel, in der eine Protagonistin versucht, eine romantische Beziehung zwischen ein oder mehreren männlichen Figuren einzugehen. Aber kein Grund zur Verwunderung! Dieser Anime ist kein üblicher Männer-Harem und konzentriert sich nicht ausschließlich auf die Beziehung der Charaktere, sondern bringt die Ernsthaftigkeit der historischen Tatsachen hervor. Aber dazu später noch.



1860 – das baldige Ende der Edo-Periode in Japan, Samurai-Schutztruppen und dem Shougunat. Einige unter euch hätten allein durch diese Worte erahnen können, um was es sich hierbei handelt, denn all diese Begriffe werden mit einer bestimmten und bekannten Samurai-Miliz der damaligen Zeit in Verbindung gebracht – der Shinsengumi. Doch auch für diejenigen, die damit zuerst nichts hätten anfangen können, ist Hakuouki ein guter Einstieg in die damalige Zeit. Im Anime fängt alles damit an, dass Chizuru, die Tochter eines Arztes, in Sorge um ihren Vater ist. Dieser musste aufgrund der Arbeit sein Zuhause verlassen, versprach ihr allerdings jeden Tag einen Brief zu schreiben. Nachdem nun kein Lebenszeichen mehr von ihm auftaucht, begibt sich das 16-jährige Mädchen verkleidet als junger Mann auf die Suche nach ihm und wird sogleich Zeugin eines brutalen Kampfes zwischen einer kleinen Gruppe von Samurai und einem beinahe unmenschlichen Mann. Doch für das, was sie gesehen hat, muss sie verhört und eventuell zum Schweigen gebracht werden.

An der Zusammenfassung merkt der Zuschauer bereits, dass viele verschiedene Aspekte in dem Werk zusammenkommen. Es ist ein historisch angelehntes Drama, keine Frage. Die Informationen, die in dem Anime über die Shinsengumi vorkommen, stimmen mit vielen Punkten der Realität überein. Dennoch gibt es Fantasie-Aspekte, wie beispielsweise die vorig erwähnten „Unmenschen“. Auch das wird eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen und der romantische Aspekt der Handlung rund um Chizuru und den Jungs bekommt ebenfalls etwas, aber nicht allzu viel, Beachtung. Es wird viel mit Action und Splatter gearbeitet. Somit ist die Adaption eine bunte Mischung verschiedener Genres, allen voran Historical.

Was die Figuren anbelangt, so hat der Anime, sollte man sich etwas näher mit der Shinsengumi befasst haben, beachtlich ins Schwarze getroffen. Chizuru nehme ich für den Moment aus der Beurteilung heraus, da ich auf ihren Charakter im Späteren besonders eingehe. Die Serie beschäftigt sich im Großen und Ganzen vor allem mit neun Figuren der damaligen Zeit, welche auch genauso in der Realität existierten. In der Adaption steht außerdem Hijikata Toshizou, der damalige Vize-Kommandat der Samuraigruppe, besonders im Vordergrund. Jegliche Charaktereigenschaften, welche von den Personen bekannt waren, wurden übernommen und eingebaut. So ist beispielsweise Hijikata, welcher im realen Leben als „Teufel der Shinsengumi“ betitelt wurde, eine sehr strenge Figur und seine Liebe zum Gedichte schreiben ist ebenfalls übernommen worden. Die ruhige Art vom Anführer Kondou Isami und dass die eigentliche Führung auf Hijikata zurückzuführen ist, ist in der Bearbeitung des Werkes ebenfalls mit eingeflossen. Außerdem wurden die Tatsachen, dass Okita Souji, Saitou Hajime und Nagakura Shinpatchi in der Realität als stärksten Kämpfer der Truppe angesehen wurden, sowie das Alter der Krieger übernommen, sodass Toudou Heisuke wirklich der jüngste und kleinste der Gruppe ist. Es kommen wirklich sehr viele Kleinigkeiten zusammen, welche in der Gesamtheit sehr eindrucksvoll wirken. Hinzukommend sind die Figuren mit ihren individuellen Charakteren an sich bereits sehr sympathisch und lebendig, sodass sie einem schnell ans Herz wachsen.



Um nun auf die Protagonistin und ihre Charakterumsetzung zu kommen, so sieht es da etwas weniger rosig aus. Der Titel entstammt eines Otome-Spiels. Wie gesagt sucht sich dort unsere Chizuru im Spiel einen Mann für eine Beziehung aus, was der Zuschauer im Anime merkt. Nicht weil sich Chizuru an jeden Charakter heranmacht, ganz im Gegenteil, eher weil sie so einfach gestrickt ist. Sie ist naiv, offen und besorgt um jeden Charakter. Doch der größte Kritikpunkt daran: Sie ist hilflos und muss ständig gerettet werden. Für Menschen, welche empfindlicher auf solche Charaktere und Protagonisten reagieren, sollte dies nicht unerwähnt bleiben. Doch auch Chizuru wird einem nach und nach sympathischer, dadurch, dass sie sich mit den anderen entwickelt und stärker wird.

Dass das Werk größtenteils die Genres Action und insbesondere Historical behandelt, merkt man nicht nur am Plot, sondern auch an der Menge an Informationen, die auf den Zuschauer niederprasseln. Teilweise wird diese Fülle an Informationen so groß, dass man nicht mehr Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden kann und es zu Verwirrung kommt. Daher benötigt diese Serie Aufmerksamkeit und durchaus auch das Mitdenken des Zuschauers. Manche Informationen werden wie Puzzleteile in die eigenen Hände gelegt, die man nun eigenständig in die passende Form setzen soll.

Was die Animation betrifft, so ähnelt sie der eines Videospiels. Oft werden sehr schön ausgearbeitete Bilder gezeigt, welche helfen, die Situation zu überblicken. Aus heutiger Sicht ist die Animation definitiv nicht die beste, doch ist sie für einen Anime von 2010 durchaus angemessen . Gerade die Kampfszenen sind äußerst flüssig anzusehen, aber gerade außerhalb dieser Kämpfe, kann die Animation etwas lasch wirken. Der Zeichenstil repräsentiert die Gefühlswelt der Charaktere sehr gut und besonders Naturbilder werden sehr schön dargestellt. Letztendlich sind es solide und durchschnittliche Zeichnungen und Animationen.

Was allerdings überdurchschnittlich wirkt, ist die Musik. Opening und Ending sind in jedem Fall gut gewählt und der Soundtrack verleiht den Szenen einen intensiven Nachgeschmack. Es wird viel mit sanften Gesängen gearbeitet und versucht überwiegend emotional zu wirken. Gewiss gibt es auch hier Szenen, in denen der Soundtrack nicht so sehr heraussticht, sodass der Zuschauer ihn nicht wirklich bemerkt. Dafür ist er allerdings auch nie zum falschen Zeitpunkt angewendet worden und speziell einzelne Charaktersoundtracks sind überwältigend.

Letztendlich lässt sich sagen, dass Hakuouki ein äußerst guter Historical Anime geworden ist, der, basierend auf einem Otome-Spiel, nicht wie ein üblicher Männer-Harem wirkt und dem Zuschauer die Geschichte der Shinsengumi näher bringen kann. Gleichzeitig glänzt er mit einigen Fantasieeinlagen und reißt den Zuschauer mit der Handlung in seinem Bann. Zweifelsohne ist dies eine sehr sehenswerte Adaption eines guten Otome-Spiels und eine Empfehlung für Personen, welche das Historical-Genre mögen.

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Die letzten 10 Kommentare zu dieser Rezension:


VitatoMorte
Ich liebe den Anime und hab auch alle Spiele dazu gespielt. Zwar ist die Story immer die selbe aber ich Liebe die Endings! Es ist wirklich traurig, dass am Ende alle sterben aber das bedeutet auch, dass das Anime tatsächlich, bis zu einem gewissen Grad, versucht historische Tatsachen wiederzuspiegeln. Ich bin ein großer Fan von Chizuru die entwas Naive startet, sich später aber zu einer taffen Protagonistin entwickelt. Außerdem fokosiert das Anime nicht zu sehr auf Liebe, wie die meisten anderen Reverse-Harem, sondern auf Chizurus Erwachsenwerden.
Jeder der Charaktere hat eine einzigartige Persönlichkeit und eine eigene Ausstralung. Man begleitet sie durch höhen und teifen, durch starke und schwache Momente.
Meiner Meinung nach hebt sich Hakouki durch seine Lebhaften Charaktere die alle ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Wünsche haben, von anderen Shinsengumi-Animes ab. Die Charaktere werden dort einfach einem bestimmten Typus zugeordnet und dieser wird übertrieben Ausgelebt. Wie zum Beispiel Hijikatas strenge oder Saitos Schweigsamkeit.
Außerdem Liebe ich die Musik, insbesondere die Openings. *o-gj*


Luchsia
Als ich mir diese Reihe angesehen habe, hatte ich echt noch keine ahnung, wie schnell sich alles ändern kann von Familie zu Feinden zu tot.

Es fängt alles ganz harmlos an, ein Mädchen verkleidet sich als Junge und versteckt sich vor Angreifern bis ein Mann sie entdeckt und sie mitnimmt zum Anwesen des Clans.
Alles beginnt recht typisch, normal, freundlich, friedlich, alle halten zusammen, sind eine große Familie und wollen dem Mädchen helfen ihren Vater zu finden.
Dann beginnt langsam das unheil, von Folge zu Folge geht es immer mehr zugrunde, was anfangs so fröhlich war, sterben nun immer mehr Mitglieder und auch von den Hauptcharakteren sterben sie alle nach einander.
Das Ende von der ganzen Reihe war zwar vorhersehbar aber dennoch finde ich es ziemlich....scheiße. Der Anime is gut aber das echt alle sterben, find ich etwas gemein. Nicht mal die Liebe hat am Ende eine chance bekommen zu existieren.
So eine krasse Wandlung von der Story her in einem Anime habe ich bisher selten gesehen.