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THEMA: Kinder der Nacht (FSK 18)

Kinder der Nacht (FSK 18) 3 Monate 4 Wochen her #796974

Kinder der Nacht

Genre: Vampire, Dark Fantasy, Urban, Horror, Romance, Splatter, Slice of life, Survival

Ideen-Thread
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Leitung
Zimbobo, cyberware


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Jeremiah Jennings
Im Wrack der Demeter mit den anderen Verdammten

In einer milden Juni-Nacht erhob sich der runde Mond über den Ozean und tauchte die Küste in in ein unheimliches silbriges Licht. Sein Spiegelbild wurde regelmäßig durch sanfte Wellen gebrochen, die auf Grund der Gezeiten schon weit vor der Küste brachen. Unweit des steinigen Strandes, lag ein großer lädierter Zweimaster in leichter Schieflage, auf einer Sandbank, die im Moment im Trockenen lag. Der vordere Mast war gebrochen und verband das obere Deck mit den weichen, matschigen Sand. In wenigen Stunden würde die See zurückkehren und sich holen was ihr rechtmäßig zustand.

Jeremiah erwachte aus seinem traumlosen Schlaf. Mit einem Ruck erhob er sich und riss die Augen auf. Merkwürdiger Weise musste er sich nicht an die Dunkelheit gewöhnen. Er fragte sich ob dies am Mondlicht lag das durch die geborstene Wand seiner Kajüte schien. Es wirkte so anders, doch konnte er seinen Eindruck nicht in Worte fassen und bevor er sich weiter darüber Gedanken machen konnte, bemerkte er das Chaos, welches von seiner Kabine Besitzergriffen hatte. Sein Hab und Gut, medizinische Versorgungsgüter und seine Instrumente lagen willkürlich verteilt im Raum. Doch bevor er sich fragen konnte was geschehen war, erinnerte er sich schon bruchstückhaft daran. Ein Sturm, Schreie, Panik, ein dunkler Schemen, der sich schneller als das Auge es erfassen konnte bewegte. Die Erinnerung verblasste doch die Angst vor diesem Unbekannten blieb. Jeremiah’s Mund fühlte sich plötzlich staubtrocken an. Panisch sah er sich um und lauschte in die Nacht hinaus. Doch er vernahm nichts, das Schiff war es still wie ein Grab, nichtmal seinen eigenen Herz konnte er pochen hören, und es schlug mit sicher wie verrückt. Dieses Detail ignorierend, bewegte er sich vorsichtig zum Loch darauf bedacht leise zu sein. Ein Blick nach draußen verriet ihm, dass das Schiff offenbar gestrandet war und das Meer mehrere hundert Schritt entfernt zu sein schien, ebenso wie der Strand. Am liebsten hätte er sich durch diese Öffnung gezwängt, wäre zum Stand gerannt und hätte sich aus dem Staub gemacht, doch hielten ihn sein berufliches Ehrgefühl und sein Glauben davon ab. Auf dem Weg zur Tür, hob der Wundarzt eines seiner Werkzeuge auf. In eine Hand hielt er das Messer mit der anderen, öffnete er vorsichtig die Tür.
Während er das Unterdeck betrat und sich einen Überblick verschaffte, flüsterte Jeremiah ein Gebt an den Herren. Vereinzelte Spalten und gebrochene Planken ließen gerade so viel Licht hinein, dass man grobe Umrisse erkennen konnte. Es herrschte die gleiche Unordnung wie in seiner Koje und der Boden schien mit Schemen bedeckt zu sein. Vorsichtig näherte sich der Wundarzt einen der Körper und begann diesen in Augenschein zu nehmen. Durch einen Spalt hellte der Mond das Antlitz einer hübschen Frau. Als sein Blick an ihrem Hals hängen blieb, ahnte Jeremiah schon, dass für sie jede Hilfe zu spät kam. Ein genaues abtaste bestätigte seinen Verdacht, ihr Genick war gebrochen. Als er so über ihren Hals strich bildetet er sich ein, dass ihr Duft in seine Nase stieg und ihm lief das Wasser im Munde zusammen, er bleckte sich die Zähne. Doch bevor sein Instinkt die Kontrolle übernahm, hörte er aus dem hinteren Teil ein Knarzen. Geschwind wie eine Katze sprang er auf und schaute in die Richtung aus der das Geräusch kam. „Bei Gott ein Überlebender“ raunte Jeremiah. Hastig lief er zu dem Mann und beim Vorbeigehen nahm er wahr, dass für viele Andere jede Hilfe zu spät kam. Teilweise waren ihre Körper zerfetzt oder wiesen solch schweren Wunden auf, dass nichtmal ein Wunder ihnen noch helfen konnte. Doch zu seinem Erstaunen gab es kaum Blutspuren die auf dieses Massaker hindeuteten. Ein normaler Mensch wäre bei diesen Anblick entsetzt geflüchtet, doch hatte er so viele Seeschlachten miterlebt, Verwundete versorgt, was Amputationen und ausbrennen von Stümpfen mit einschloss, dass er nur ein flaues Gefühl im Magen spürte. Der Überlebende war ein älterer Herr, nach einer kurzen Untersuchung stellte der Schiffsarzt mit Erstaunen fest, dass der Mann völlig unverletzt zu sein schien, aber relativ flach atmete. So dass man keinen Luftzug spüren konnte. Aus einer der Hängematten die es hier zuhauf gab nahm er ein Kissen und schob es den alten Mann unter den Kopf. Mehr konnte er vorerst für ihn nicht tun. Anschließend begann er die Toten, die am schlimmsten zugerichtet waren mit den Hängematten abzudecken. So arbeitete er sich nach und nach bis zum Oberdeck vor und fand weitere Überlebende. Auch sie wiesen keine Verletzungen auf, was einen starken Kontrast zu den schlimm zugerichteten Toten abgab. Wer in Gottesnamen vermochte so etwas zu tun?

Als er in Gedanken versunken, darauf wartete dass die Anderen erwachten, trauerte er um diejenigen, die es nicht geschafft hatten. Auch gute Freunde die er während der zweimonatiger Überfahrt gemacht hatte, waren darunter.
IT-ler mit Fachrichtung Rollenspiel und Dauerdaddeln - Und die Moral von der Geschicht: Zocken lohnt sich, schlafen nicht
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Kinder der Nacht 3 Monate 4 Wochen her #796980

Elena Awingh
Im Laderaum der Demeter

Mondlicht schien auf das zarte Gesicht der schlafenden Schönheit. Ihr Schlaf schien friedlich und traumlos, ein Hauch eines Lächelns war auf ihren Lippen zu erkennen. Ihr schlaffer Körper lag zwischen zwei Kisten im unteren Teil des Schiffs, den selten jemand betrat. Für lange Zeit war es totenstill, doch dann begannen die ersten dumpfen Schritte von oben zu ertönen. Erst waren es nur wenige, als würde jemand unsicher durch die Gänge wandern und nach einer Erklärung für diese Tragödie suchen, die bald auch die noch nicht erwachte junge Dame beschäftigen würde. Die Schritte wurden lauter, bestimmter und zahleicher. Immer mehr erwachten aus ihrem Schlaf. Endlich öffneten sich auch die Augen des Mädchens. Träge blinzelnd versuchte sie, sich aus ihrer unbequemen Lage zwischen den Kisten zu erheben. Ihr war unwohl und nach dem Nickerchen zwischen den Kisten müsste ihr Körper eigentlich geschwächt sein, aber sie fühlte sich seltsam gut. Besser als je zuvor, um genau zu sein. Ihr Kopf stieß an die Decke des Laderaums, als sie sich zu ihrer vollen Größe erheben wollte. Sie ließ ihren Blick durch den Raum schweifen und runzelte die Stirn. Sie befand sich im Laderaum, wie konnte sie da überhaupt was sehen, obwohl die Lampen offensichtlich kaputt waren? Sie bemertke, in was für einem Zustand der Raum sich befand, die Spalten und Risse, durch die schwaches Mondlicht sickerte. Das Schiff, auf dem sie sich zwei Monate lang aufgehalten hatte, war gestrandet und in einem jämmerlichen Zustand. Sie lauschte den Schritten, die sie aufgeweckt hatten.
//Ich bezweifle, dass es in dieser Situation noch jemanden interessieren wird, ob ich für die Fahrt bezahlt habe oder nicht//, dachte sie, und machte sich auf den Weg zum Deck über ihr. Beim Anblick eines scheeweißen Armes, der einsam auf der Treppe lag, machte ihr Herz einen Sprung, nur um in einem wahnsinnigen Tempo weiterzuklopfen. Einen dazugehörigen Körper entdeckte sie nicht. //Wie kann ein Arm bei einem Schiffsunglück so weit von seinem Körper entfernt landen?// Sie schauderte. //Vielleicht ist derjenige ja schon davonspaziert.//
Hastig und mit einem schrecklichen Gefühl in der Brustgegend stieg sie über das Glied hinweg weiter aufwärts. Wie die Schritte prophezeit hatten, liefen auf diesem Deck viele Menschen umher. Einige langsam und verwirrt, als hätten sie noch nicht erkannt, in was für einer Lage sie steckten, andere panisch. Die meisten suchten vor allem nach weiteren Überlebenden, um sich austauschen und beraten zu können. Für Elena war das gar nicht nötig. Sie hatte mit einem Blick durch eine der unzähligen Spalten im Schiff bereits erfasst, dass sie sich auf einer Art Insel befanden und der einzig sinnvolle nächste Schritt war, gemeinsam oder in Gruppen an die Küste des Strandes zu waten. Sie würde warten müssen, bis der Kapitän des Schiffs und die anderen priveligierten Passagiere zu dem selben Schluss wie sie kamen. Falls sie noch am leben waren. Sie dachte darüber nach, das nächsthöhste Deck zu erkunden, aber die Erinnerung an den geisterhaften Arm hielt sie davon ab. Die Leichen hier waren alle bedeckt und sie wusste nicht, ob es auf den anderen Decks genauso war. Andererseits schien es den meisten auf diesem Deck genauso zu gehen, sonst wären sie sicherlich auch schon auf Erkundungstour gegangen. Sie lehnte sie an die Wand und dachte nach. //An sich gibt es für mich keinen Grund, nach irgendwas zu suchen. Aber irgendwas ist seltsam. Sehr seltsam, nur es will sich mir einfach nicht eröffnen! Das Rätsel hinter diesem wahrlich eigenartigen Unglück...//
Sie seufzte und konzentrierte sich einfach auf das Atmen. Es fiel ihr ungewöhnlich schwer, aber angesichts der im Allgemeinen befremdlichen Situation verschwendete sie daran keine weiteren Gedanken. //Okay, ich schaue jetzt unter eine der Leichen. Wenn sie schlimm aussieht, rühre ich mich nicht vom Fleck, bis jemand das Kommando übernimmt. Wenn nicht, sehe ich mich um//, beschloss sie. Natürlich war ihr bewusst, dass sie anhand einer einzigen Leiche nicht mal ansatzweise erahnen konnte, wie die anderen zugerichtet waren. Die Schäden konnten von Deck zu Deck auch komplett andere Ausmäße haben, auch wenn sie erwartete, dass es nach oben hin besser werden würde. Aber im Grunde ging es ihr eher darum, eine schnelle und eindeutige Entscheidung zu fällen. Auf dem Boden lagen Körper, die komplett in Laken oder Ähnlichem eingewickelt waren, aber auch welche, denen jemand lediglich ein Tuch über das Gesicht gelegt hatte. Natürlich konnte Elena sich denken, dass die komplett verdeckten Körper schlimmer aussahen als die, bei denen man es nur für nötig befunden hatte, das Gesicht zu bedecken. Langsam und vorsichtig hob sie mit zittriger Hand die Decke an, die jemand über einen der Toten gelegt hatte. Sie sah eine Hand hervorlugen. Dann einen Arm. Die Schulter.
Der zerfetzte Brustkorb. Mit einem erstickten Schrei ließ sie die Decke wieder hinuntergleiten. Sie hielt sich die Hände vor den Mund und kniff die Lippen zusammen. //Das sah übel aus//
Sie nahm ihren Mut zusammen und riss die Decke komplett weg. Es war ein Mann mit braunem Haar, er war jung und hätte vermutlich noch ein schönes Leben gehabt. Zumindest ließ sein teurer Anzug das vermuten. Für einen Moment schweiften Elenas Gedanken zu der Brieftasche, die er eventuell noch bei sich trug und all dem Geld, das sie darin finden würde. Aber s ie würde keinen Toten ausrauben und das nicht nur, weil sie ihn nicht mehr berühren wollte als zwingend nötig. Es war schlichtweg unmoralisch und auch wenn ihr bislang keiner auch nur einen Funken Beachtung zu schenken schien, wäre es nicht gerade vorteilhaft für sie, wenn sie jemand dabei beobachten würde. Es war schon fragwürdig genug, dass eine junge Frau Interesse an einer zerfetzten Leiche zu zeigen schien. Der Anblick war widerlich, aber sie zwang sich, genau hinzusehen. Nach ein paar Minuten war es gar nicht mehr so schlimm wie im ersten Moment. Mit einem zittrigen Atemzug sog sie Luft in ihre Lunge und atmete angestrengt wieder aus. Es wäre sicherer, einfach hier zu verweilen und abzuwarten. //Es dauert aber noch eine ganze Weile, bis jemand kommt und für Ordnung sorgt. Früher oder später werden die anderen Passagiere ohnehin ebenfalls die anderen Decks untersuchen wollen. Da kann ich ebenso gut eine der ersten sein...//
Zögerlichen Schrittes näherte sie sich der Treppe, die nach oben führen würde. Sie setzte den Fuß auf die erste Stufe, doch bevor sie weitergehen konnte, schoss das Bild der zerfetzten Brust ihr in den Kopf. Sie hatte das grausame Bild genau vor Augen und wurde von einer leichten Übelkeit befallen. Sie verharrte auf der ersten Stufe und musste mit sich kämpfen. Würde es weiter oben überhaupt etwas interessantes zu sehen geben? Letztlich würden Leute wie der Kapitän die Gesamtsituation ohnehin viel besser erfassen können als irgendein Mädchen.
//Es hat sich offensichtlich nur ein tragisches Unglück ereignet. Es fällt mir zwar schwer zu glauben, dass dabei der Brustkorb eines Mannes so schlimm zerfetzt werden kann, während ich alles völlig unbeschadet verschlafe, aber ich interpretiere da wirklich zu viel hinein.//
Erschöpft vom inneren Kampf ließ sie sich auf die Stufe sinken. Sie legte den Kopf auf die Knie und wartete.


All hail Pudding.
アル ハイル プリン

Kinder der Nacht 3 Monate 4 Wochen her #796984

Charlotte Goodwyn
Im Wrack der Demeter mit den anderen Überlebenden

Als sie ihre Augen aufschlug, war es still.
Gleichzeitig dröhnte in ihren Ohren das laute Rauschen der Wellen. Waren die Wellen wirklich so ohrenbetäubend laut gewesen? Es schien für den ersten Moment nicht mal sonderlich dunkel zu sein, als Charlotte langsam ihren Körper aufrichtete, denn sie konnte perfekt sehen.

Beinahe automatisch trugen ihre Beine sie irgendwo hin, sie konnte selber noch nicht wirklich sagen, wohin. Es schien wie ein eigenartiger Traum zu sein, oder noch eher wie eine Desillusion, denn gerade fühlte sich alles weder wahr noch falsch an. Was war passiert? War das wirklich die Realität?
Sie sah sich um. Anscheinend befand sie sich noch auf dem Schiff und die Passagiere lagen verstreut herum. Manche im wahrsten Sinne des Wortes verstreut, so schienen wahllos irgendwelche Extremitäten und sonstigen Körperteilen herumzuliegen.
Charlotte hielt sich ihre Hände vor den Mund, um ein lautes Aufschreien zu vermeiden, als sie die Körperteile einer bestimmten Person sah.
„Oh Herr, hab Gnade mit uns“, brachte sie wie erstickt hervor und bekreuzigte sich. Sie hastete zu der Leiche, von der sie glaubte, dass es ihr Vater wäre. Die Augen waren aufgerissen und sein Mund schien einen letzten Schrei von sich gegeben zu haben, bevor er qualvoll starb.

Die junge Frau empfand so viel Trauer, doch sie konnte nicht weinen. Sie hatte geahnt, dass ihr Vater sterben würde, denn nach dem Tode ihrer Mutter und ihres Bruders war es einfach kein Wunder, dass es nun ihren Vater traf. //Und bald trifft es auch mich.// dachte sie verbittert.
Erst jetzt fiel Charlotte auf, dass sie unverletzt war. Ihr kompletter Körper war wie durch ein Wunder unversehrt. Erneut stellte sie sich die Frage, was wohl passiert sei. Doch je mehr sie versuchte, darüber nachzudenken, desto verschwommener wurde alles.

Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Jeremiah Jennings, der Schiffsarzt, ging herum und untersuchte die Überlebenden, die nun alle langsam zu sich kamen. Endlich schritt er auch zu Charlotte, wobei er bis auf „Merkwürdig“ kein einziges weiteres Wort sagte. Er untersuchte sie schnell und stellte, genauso wie sie vorhin, fest, dass sie komplett unversehrt war. So ging Jennings also weiter und erledigte weiter seine Arbeit.
Charlotte entfernte sich ein wenig vom Leichnam ihres Vaters. Es tat ihr nicht gut, direkt neben ihm zu sein. So setzte sie sich ein gutes Stück weiter weg von ihm und starrte in den dunklen Himmel.
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Kinder der Nacht 3 Monate 4 Wochen her #796990

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Jehan D'airelle
Im Wrack der Demeter mit den anderen Verdammten

Dunkelheit, die ihn umgab, ihn aus seinem bisherigen Zustand riss und zurück in die Realität verfrachtete. Er blinzelte, versuchte seine Umgebung auszumachen, scheiterte daran jedoch kläglich. Wirre Gedanken und Erinnerungen, die erbarmungslos auf ihn einschlugen. Ein leises Keuchen entrann seinen trockenen, blassen Lippen, als er sich mühsam aufzurichten versuchte. Erneutes Scheitern, weshalb er sich wieder auf den Rücken fallen ließ und die Augen schloss. Schmerz, der ihn heimsuchte, seinen ganzen Körper belagerte. Der schöne Jugendliche verzog das Gesicht, blinzelte ein weiteres Mal und wandte den Kopf schließlich auf die Seite, versuchte zu verstehen, was mit ihm und somit mit den anderen Passagieren geschehen war. „Vincent“, flüsterte er schwach. Seine Kehle fühlte sich ungewohnt trocken an, führte herbei, dass er kurzzeitig nach Luft schnappte, sich dabei an den Hals griff. „Vincent“, ein erneuter Versuch den genannten Mann ausfindig zu machen. Er öffnete langsam die Augen und suchte leicht zitternd die Gegend ab. Schock, der sich schließlich auf sein Gesicht stahl. Leblose Augen, die seinem Blick standhielten.

Es vergingen einige Sekunden der Stille, ehe der junge Franzose panisch nach Luft schnappte, sich jedoch nicht von der Stelle bewegte. So lag er neben der Leiche jenes Mannes, dem er all sein Glück verdankte. Sein rechter Arm streckte sich schwach in dessen Richtung aus. Ein Schock, aus dem er sich nicht zu befreien wusste. Er öffnete die Lippen einen kleinen Spalt, sah dem gefallenen Mann unverändert starr entgegen. Dieser bot einen schrecklichen, grausamen Anblick. Ein metallischer Geruch, der ihm in die Nase stieg, ihn allerdings nicht aus seinem Zustand zu befreien wusste. Eine einzige Träne, die sich stattdessen ihren Weg zu seinem Kinn bannte. So bemerkte er auch nicht die Situation, die sich um ihn herum abspielte, ihn vermutlich aus seinem Schock gerissen hätte. Seine rechte Hand legte sich schwach auf die Wange seines Adoptivvaters. Die Sinne des schönen Jugendlichen spielten verrückt, doch sein Kopf erschien unheimlich leer. Der Schmerz, der seinen Körper heimgesucht hatte, war plötzlich verschwunden, nicht länger von Bedeutung. Absolute Leere, die sich über den Jugendlichen legte, diesen immer weiter gen Abgrund trieb. Nichts von all dem hier ergab Sinn.

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Kinder der Nacht 3 Monate 4 Wochen her #796993

Nicholas Barnewell
Im Wrack der Demeter

Als die sanften Strahlen des hellen Mondes das Gesicht von Nicholas erreichten, schlug dieser reflexartig seine Augen auf. Er atmete tief ein und seine Augen schmerzten, da er sie zu schlagartig aufgerissen hatte. Es fühlte sich an, als ob in seinen Augen etwas geplatzt war, das nicht platzen sollte. Doch aus irgendeinem Grund ließ dieser Schmerz schnell wieder nach und seine Sicht verbesserte sich binnen weniger Sekunden schlagartig. Für Nicholas Gewohnheit, im Dunkeln nahezu nichts sehen zu können, war diese Verbesserung wie ein Wunder für ihn. Denn er war in der Lage bei Nacht zu sehen. Ob er eine Gehirnerschütterung erlitten hatte? Er wusste es nicht.
"Nicholas..", eine Stimme, die ihm bekannt vorkam, erklang in seinem Kopf. Jedoch wusste er nicht, woher diese Stimme kam. Er konnte nicht einmal einschätzen, ob diese Stimme weit entfernt oder in seiner Nähe war. Ob sie von außen kam oder ob sie aus einem Kopf kam. Aber darüber zerbrach er sich anfänglich nicht den Kopf denn nachdem die Stimme in seinem Kopf auch seinen Geist wachgerüttelt hatte, bemerkte er erst, in welcher Lage er sich befand.
Nicholas hatte keine Erinnerungen an das, was vor seinem Erwachen passiert war, aber er war sich sicher, dass er auch gar nicht wissen wollte, was überhaupt passiert ist. Um ihn herum lagen mehrere Kisten, einige schienen nass, andere waren zerbrochen. Er selbst lag in einigen Trümmern dieser Kisten. Wo genau er sich befand konnte er nicht sagen, denn zurzeit konnte er sich selbst auf seinen Orientierungssinn nicht verlassen.

Mit einem Stöhnen rappelte er sich auf. Zu seiner Verwunderung war sein Stöhnen völlig überflüssig, denn er hatte weder Schmerzen, noch fiel ihm das Aufstehen schwer, obwohl er fest damit gerechnet hatte, irgendeinen Schmerz zu spüren. Er streckte sich und schob die ganzen Kisten, die vor ihm herumlagen zur Seite. Als er sich den Weg jedoch freigeschaufelt hatte, blieb er wie angewurzelt an seinem Platz stehen. Denn vor ihm lag etwas, das einst ein Mensch gewesen war.
Ein lebloser Körper, dessen Brustkorb aufgerissen wurde. Ein lebloser Körper, dessen Herz und Lunge nicht mehr an Ort und Stelle waren. Ein lebloser Körper, der nicht einmal mehr einen Rumpf besaß. Und ein lebloser Körper, dessen Schädel ebenfalls nicht mehr vollständig war. Für Nicholas war dieser Anblick kein einfacher. Der Gestank machte ihm jedoch nichts, da ihm der Gestank von Leichen und totem Fleisch nichts ausmachte. Auf seiner Farm war es völlig normal, dass einige Tiere zerfleischt wurden oder auch gestorben waren. An den Geruch gewöhnte man sich. Auch, wenn der Leichengestank von Menschen bestialischer war als der seiner Tiere.
Nachdem er seinen Blick von dem zerfleischten Etwas abgewendet hatte, kam gleich das nächste freudige Bild. Einige Meter weiter hing ein Mensch, dessen Arme auf brutale Weise abgetrennt wurden an einem Mast, der sich an der Wand des Wracks befand. Dass unter der Leiche kein Blut aufzufinden war störte ihn in diesem Moment überhaupt nicht.
"Guter Gott", er schien schockiert. Er wusste nicht, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. "Ist dies ein weiterer Test von dir?", dachte er sich. Denn immerhin schien Gott ihn seit einiger Zeit jeden Tag aufs Neue zu testen. Doch diesmal wollte er willensstark bleiben. Diesmal wollte er weder Gott, noch sich enttäuschen. Er faltete die Hände und sprach ein kurzes Gebet für die beiden Menschen, die ihr Leben auf so grausame Weise verloren hatten.
"Nicholas..", kurz, nachdem er mit seinem Gebet fertig war, erklang erneut diese seltsame Stimme in seinem Kopf. Und kurz darauf schmeckte er etwas metallisches, das sich in seinem Mund befand. Er spuckte es aus und als er bemerkte, dass es Blut war, das er soeben ausgespuckt hatte, wurde ihm mulmig.
"Ich wollte ein neues Leben anfangen. Ich habe dieses Unheil überlebt. Gott hat Pläne für mich!" Er versuchte sich zu beruhigen, sich selbst einzureden, dass alles in Ordnung ist und dass dies vielleicht einfach nur Blut, oder auch Salzwasser war, das vom Schiffsuntergang irgendwie in seinem Mund gelangt war. Immerhin spürte er an seinem Körper keine Schmerzen und nach einem kurzen Betrachten seines Körpers stellte er überraschenderweise fest, dass er keinerlei Verletzungen davongetragen hatte. Zwar war seine Kleidung zerrissen, aber er hatte andere Sorgen als zerrissene Kleidung.
Plötzlich bemerkte er ein kleines Flackern, das sich an der Öffnung des Wracks befand, in dem er aufgewacht war. Ein Flackern, das einer Silhouette glich. Eine Silhouette, die aussah wie ein Mensch. Aber nicht wie ein erwachsener Mensch, sondern wie ein Kind.
"Nicholas..", erneut die Stimme. Und erneut das Flackern. War es Gott, der ihm den Weg nach draußen zeigen wollte? War es Gott, der ihm den neuen Lebensweg zeigen wollte? Hatte Gott endlich einen Plan für ihn? Mit einem großen Grinsen im Gesicht sprintete er in Richtung Flackern und als er das Schiff verlassen hatte, schlug ihm die frische, aber doch so kalte Nachtluft entgegen. Doch die frische Nachtluft bestand nicht nur aus der Brise des Salzwassers und der neu erlangten Freiheit. Nein, etwas weitaus saftigeres lag in der Luft. Der frische Geruch von Blut, welches aus irgendeinem Grund sehr appetitlich erschien.

Die Farbe Rot [ Zum Anzeigen klicken ]
“I still don't know what it really means to grow up. However, if I happen to meet you, one day in the future, by then, I want to become someone you can be proud to know.”
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Letzte Änderung: 3 Monate 4 Wochen her von Fish..

Kinder der Nacht 3 Monate 4 Wochen her #797019

Cailean Cullen
Auf dem Wrack der Demeter

Caileans Kopf hämmerte wie verrückt als er langsam aus einer tiefen schwärze erwachte. als er die Augen Öffnete war der Mond am Himmel und für ihn sah es aus als würde sich dieser immer wieder im vier Monde aufteilen. nach einer weile merkte der junge Mann das er alles verschwommen sah. für einen Moment hatte er gedacht das dies eine sehr schräge Art der Hölle war.
mit einem Ächsen setzte er sich auf und rieb seine Augen. nach einigen weiteren Augenblicken war die Sicht wieder klar und nun kehrten auch die ersten Erinnerungen zurück.
sie waren in einem Sturm geraten, der Kapitänin hatte den befehle gegeben das Deck zu sichern. mit einigen anderen Matrosen surrte Cailean die tauen wieder fest damit sich das segel nicht löste. das letzte an das er sich erinnern konnte war das sich eins Los gerissen hatte und danach wurde alles schwarz.
langsam stand er auf und sah sich in dem schwachen Mondlicht an. seine Augen hatten sich schnell n die Dunkelheit gewöhnt. sein Hemd war zerrissen, was er sich nicht so wirklich erklären konnte aber es war auch egal da cailean keine Verletzungen an seinem Körper feststellen konnte. es tat auch nichts weh. so sah er sich auf dem deck um. es war viel zerstört und einer der beiden mäste hatte das neue Land begrüßt.
//mit dem Ding kommen wir nicht mehr sonderlich weit.// der Schotte sah sich weiterhin um und fand auch etwas was nicht sehr schön zum ansehen war. einer der Matrosen lag auf dem boten und war von einem recht großem Stück holz durchbohrt worden.
//uhhh..... wie kann das der Sturm gewesen sein? denk lieber nicht darüber nach Cailean. das hättest auch du sein können.// was ihn doch etwas wunderte das er es etwas gelassener hin nahm. es war doch schon etwas schockierend aber noch besser als wäre er gestorben.
so sah er sich weiter auf dem deck um in der Hoffnung das es noch andere überlebende gab. dabei sah er auch immer mal wieder über die Reling ob jemand im Schlamm lag oder vom Wasser angespült wurde.
das Festland hatte er auch gesehen doch machte sich dann ein anderer Gedanke breit. //sind wir hier auf der richtigen Insel?// "hallo? ist noch jemand da? halloho?" // bei einem Sturm kann man schnell vom Kurs abkommen.// er rief weiter und sah sich langsam auf dem oberem deck weiter um.
//vielleicht gehe ich wenn hier niemand ist ein Deck tiefer.//
Cailen wollte aber noch nicht so wirklich nach unten gehen. da er es sich schon denken konnte das es da unten auch nicht viel besser aussah. so sah er er soch lieber ein mal Öfter über die Reling um jemandem in dem Dreck zu erspähen. doch sah er niemanden zumindest konnte er such nicht so viel erkennen.
//entweder die See hatte sie sich geholt oder sie wurden von dem Schlamm verschlungen...// dieser gedankte behagte ihm auch nicht wirklich.
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Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797046

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Charles Gilbert Harris (Im Wrack der Demeter - im Schlick neben der Demeter)

Charles schlug die Augen auf. Er blinzelte mehrmals. Wo war er? Wie war er hier her gekommen? Mühsam rappelte sich er ältere Herr auf. Das kalte, weiße Licht des Mondes, dass durch einige Fugen, Ritzen und Löcher in der Bordwand nach innen drang, bot ihm einen Anblick des Grauens. Vor ihm lagen bestimmt ein Dutzend Menschen auf den ächzenden Planken des Schiffes verteilt. Einige waren unnatürlich verdreht, während wieder andere mit Hängematten bedeckt worden waren. Erst jetzt bemerkte er das Kissen, dass ihm wohl die selbe Person unter den Kopf geschoben hatte, die sich auch dieser armen Seelen angenommen hatte.
"Guter Gott!", stöhnte der Mann, als seine Benommenheit nachließ und ihm langsam dämmerte, in was für einer Situation er sich befand. "Was ist hier geschehen?" Er machte einige unsichere Schritte. Seine Beine fühlten sich komisch an. Sein Schritt war ungewohnt schnell und kraftvoll. Fast so, als wäre er wieder 20. In der Ferne hörte er das Rauschen der Brandung und aus der anderen Richtung drangen die nächtlichen Geräusche der Wildnis. Beides war ungewohnt laut. Es tat ihm in den Ohren weh. Sein Schädel begann zu dröhnen und zu hämmern. Er taumelte und fiel. Mit dem Gesicht landete er direkt neben der jungen Frau, mit der er sich vor kurzem noch unterhalten hatte... oder dem, was noch von ihr übrig war. Aus glanzlosen Augen sah sie ihn an. Der Brustkorb war fast vollständig nach innen gebogen. In seiner Zeit auf See hatte Charles viele schreckliche Dinge gesehen. Er wusste, was Kanonenkugeln mit Menschen machten, das jedoch, war neu. Auch die Schäden der Schiffswand wiesen nicht auf einen Angriff hin.
Er konzentrierte sich, versuchte sich an das zu erinnern, was geschehen war. Er erinnerte sich an den Austausch mit der jungen Frau, die sehr interessante Ansichten bezüglich der Auslebung des Gottesglaubens hatte. Er erinnerte sich auch an den aufziehenden Sturm und die Schreie, die plötzlich vom Oberdeck nach unten drangen. Er war aufgesprungen, so schnell dies für einen Mann seines Alters noch möglich war. Als er gerade nach oben gehen wollte, bemerkte er ein schwarzes Etwas vor seinen Augen, das viel zu schnell vorbeihuschte. Dann ein dumpfer Schlag gegen den Kopf. Er erinnerte sich an die ungeheure Kraft, die ihn von den Beinen riss und quer durch das Unterdeck schleuderte. Danach nichts mehr.
Der Schweiß stand ihm auf der Stirn. //Was für eine Ausgeburt der Hölle war das nur gewesen?// Er wischte mit der Hand darüber, stellte dann jedoch fest, dass sein Schweiß eine merkwürdig rötliche Farbe aufwies. Charles zitterte am ganzen Leib, doch sein Brustkorb hob und senkte sich nicht so stark, wie er es in dieser Situation eigentlich tun sollte. Er faltete die Hände und begann zu beten. "Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern. Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße, um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Amen."
Nun, da er sich durch die Hilfe Gottes wieder einigermaßen beruhigt hatte, schloss er vorsichtig und respektvoll die Augen der Verstorbenen und sprach ein kurzes Totengebet, um ihrer Seele den Weg an Gottes Seite zu weisen. Er stand erneut auf. Sein Magen fühlte sich flau an, die Beine waren merkwürdig schwach und doch stark. Erst jetzt bemerkte er, dass er aufrecht stand. Es war Jahre her, dass er sich zuletzt voll ausstrecken konnte. Im Alter war er immer krummer geworden, doch auf einmal stand er wieder in seiner vollen Größe da. Fast so, als wäre er wieder 20. Nichts von alle dem ergab Sinn. Der Kopf schmerzte ihm noch immer vom Tosen der Wellen und den Geräuschen der Nacht, die vom Festland her an sein Ohr drangen. Er konnte nicht klar denken.
"Arnold!", entfuhr es ihm plötzlich. Was war mit seinem Freund und Mentor geschehen? War er noch am Leben oder zählte auch er sich zu den zahlreichen Toten? "Bitte Gott, lass ihn leben!", flehte er gen Himmel. Er eilte von Person zu Person. Er schloss Augen und sprach Gebete, in der ständigen Sorge, seinen Freund unter den Toten zu erblicken. So arbeitete er sich nach oben, vorbei an benommenen Überlebenden und dutzenden Leichen. Einige von ihnen schrecklich zugerichtet. Er hatte gehofft, nie wieder solche Grauen erblicken zu müssen, doch anscheinend hatte Gott einen anderen Plan für ihn.
Nachdem er sich durch die beiden Unterdecks gearbeitet hatte, erreichte er schließlich das Oberdeck. Auch hier war der Tod allgegenwärtig. Er ließ den Blick schweifen. Entsetzt erblickte er das Gesicht Maries, die mit verdrehtem Hals in der Reling hing. "Oh Gott.", stöhnt er. Für Arnolds Frau kam jede Hilfe zu spät. Sein Magen zog sich zusammen. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit. Eine Vorahnung, die schreckliches vermuten ließ. Panisch eilte er weiter, suchte nach Arnold. Nach dem Mann, der sein Leben gerettet hatte. Und dann fand er ihn.
Im Schlick der Sandbank, auf der das Schiff aufgelaufen war, lag ein Mann im Schatten des Rumpfes. Ohne darüber nachzudenken, sprang Charles über die Reling in die Tiefe. Beim Aufprall auf den weichen, nassen Schlick fuhr ein scharfer Schmerz durch seine Knöchel. Er verlor das Gleichgewicht und fiel mit dem Gesicht voraus in den Schlamm.
"Arnold! Arnold, wach auf!" Er hielt seinen Freund in den Armen, schüttelte ihn verzweifelt. "Arnold!" Dicke Tränen flossen ihm aus den Augen. "Wieso Gott! Wieso hast du ihn genommen? Wieso ihn und nicht mich?", schrie er gen Himmel. Er umklammerte seinen Retter noch fester und weinte bitterlich. Nachdem er all seine Tränen vergossen hatte, bemerkte er einen süßlichen Duft, der ihm in die Nase stieg. Der Duft roch verlockend. Noch nie zuvor hatte er etwas vergleichbares wahrgenommen. Instinktiv suchte er nach der Quelle des Geruchs und starrte schon bald darauf auf die offene Wunde an Arnolds Hals, aus der in dicken Strömen das Blut floss. Wie hypnotisiert starrte Charles darauf. Sein Magen knurrte und er leckte sich unwillentlich über die Lippen. Sein Mund näherte sich der Wunde, dann stoppte er abrupt.
//Was ist nur mit mir los?// Ungläubig starrte er auf den älteren Mann, den er noch immer in den Armen hielt. Sein eigenes Verhalten verwirrte ihn, doch allem voran widerte es ihn an. "Was... ich... ich..." Erneut knurrte sein Magen, diesmal jedoch deutlich lauter. Das Blut roch noch süßer als zuvor. Seine Sicht begann zu verschwimmen, alles drehte sich. "Nein! Was...? Was geschieht mit mir?" Er konnte spüren, wie ihm die Kontrolle über seinen eigenen Körper entrann. Er hörte ein leises Klickgeräusch, fühlte, wie sich etwas in seinem Oberkiefer bewegte. Dann schoss sein Kopf nach vorne. Die paar Zähne, die ihm noch geblieben waren, bohrten sich in den Hals seines Mentors. Gierig schlang er das schmackhafte Rot hinunter. Der süße Geschmack war wie eine Droge. Er konnte nicht genug davon bekommen. Er konnte nicht aufhören. Dann jedoch, kam nichts mehr. Er hatte alles ausgetrunken.
Erschrocken stieß er sich von seinem Opfer weg. Diesmal hob und senkte sich sein Brustkorb heftig. Ungläubig starrte er die Leiche an. Er griff sich vorsichtig an die Zähne, spürte lange, spitze Fänge. Dort, wo vor vielen Jahren seine Eckzähne waren, bevor er sie verloren hatte. "Was? Oh Gott! Was habe ich getan!" Er griff sich mit den Händen an den Kopf, krallte seine Finger förmlich in diesen. "Vergib mir, Herr! Vergib mir, Arnold. Was ist nur in mich gefahren? Hat der Satan von mir Besitz ergriffen?" Taumelnd stand er auf. Den Blick fest auf Arnolds Leiche gerichtet, torkelte er rückwärts. Er rutschte aus und fiel erneut hin. "Gott!" Schwer atmend und verschreckt lag er im Schlick neben dem Wrack. Er wollte weinen, doch die Tränen kamen nicht. "Was habe ich nur getan? Was bin ich nur für ein Monster?"
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Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797079

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Jehan D'airelle
Im Wrack der Demeter mit den anderen Verdammten

Er starrte unverändert geschockt in das blasse Gesicht seines Adoptivvaters. Die Hand, die sich auf dessen Wange gelegt hatte, verkrampfte sich unwillkürlich. Was war bloß geschehen? Wie war er in diese Situation geraten? Fragen, die erstmals in ihm aufkamen und ihn auf grausame Weise quälten. Fragen, die er sich nicht erklären konnte und die somit keine sinnvollen Antworten bekommen würden. Der Jugendliche rappelte sich leise keuchend auf, hielt allerdings inne, als ihm erneut ein süßer Geruch in die Nase fiel, seine ohnehin schon verrückt spielenden Sinne plötzlich auf eine
ganz andere Ebene brachten. Er nahm den unwiderstehlichen Duft gierig auf, weitete jedoch die Augen, als er die eigentliche Quelle ausmachte. Sein
Blick hing wie festgenagelt auf seinem Adoptivvater fest. Ein zur Schau gestellter Hals, den man zuvor wohl bestialisch aufgerissen hatte. Ein Drang, der plötzlich in ihm aufkam, als er das längst getrocknete Blut eine ganze Weile lang betrachtete. Jede Faser seines Körpers schrie plötzlich nach der roten Lebensessenz. Es war, als hätte er seinen Verstand verloren, als hätte der Teufel seinen Kopf mit unheilvollen Gedanken übersät. Der Franzose schluckte und näherte sich schließlich der aufgerissenen Wunde seines Adoptivvaters. Spitze Fangzähne, die zum Vorschein kamen, ihn jedoch nicht an seinem Vorhaben hinderten. Er schien plötzlich wie in Trance zu sein. Blut, Blut, Blut. Seine Sinne spielten verrückt, ließen vernünftige Gedanken nicht länger zu. Sein Kopf schoss nach vorne, dann bohrten sich seine Fangzähne in das Fleisch des anderen. Seine Augen weiteten sich unnatürlich, als der süße Geschmack seinen Gaumen umwarb. Ein Schwindel, der ihn überkam und den letzten Rest seiner Vernunft ausmerzte. Blut, Blut, Blut.

Er ließ kurz von seinem Adoptivvater ab und verdrehte unnatürlich die Augen. Sein gesamter Mund war dunkelrot verfärbt und Blut floss über sein Kinn, seine Kehle hinab, bis es unter seinem dunklen Hemd verschwand. Ein bestialischer Anblick, hätte ein anderer vermutlich gemeint. Der schöne Knabe keuchte leise, schnellte dann hervor und vergrub die Fangzähne abermals in die frisch aufgerissene Wunde des anderen. Für einen kurzen Moment
wurde ihm schwarz vor Augen. Alles in ihm drehte sich. Aus der Ferne vernahm er Stimmen, was bedeuten musste, dass auch andere überlebt hatten, doch sein Durst, seine Gier war zu stark. Gierig krallte er die Finger in die Schultern des Edelmannes. „Vergib mir, Vincent...“, flüsterte er schließlich.
Letzte Änderung: 3 Monate 3 Wochen her von kaminoko.

Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797101

Linda Rinatington
Auf dem Oberdeck der Demeter mit den anderen Überlebenden


Ein schwarzer Rabe saß auf dem noch stehenden Mast. Er sah sich um. Dieser Vogel hatte die Schiffart von Anfang an begleitet, auch wenn viele ihn für das Böse in Person gehalten hatten und es seine Besitzerin sehr viel Mühe, Aufwand und Worte gekostet hatte die Anderen davon zu überzeugen, dass er keine Verheißung des Teufels war. Nun thronte er über dem beschädigten Frack der Demeter, als ob es das Werk des Bösen gewesen war. Mit einem kraftvollen Flügelschlag erhob er sich von der Stange auf der er gerade noch über das beschädigte Schiff gewacht hatte und lies sich elegant auf das Oberdeck gleiten. Er hatte ein bestimmtes Ziel, eine junge Frau mit Ebenholz schwarzen Haaren. Er landete auf ihrer Brust und legte seinen Kopf nach links und dann nach rechts. Dann wieder das Gleiche. Sein Schauspiel wiederholte er ein paar mal. Doch die junge Frau reagierte nicht. Der Rabe stieß ein Krähen aus, er bemerkte das die Lebensgeister von Linda langsam wiedererwachten. Ein weiteres Krähen folgte und wieder eines in immer kürzeren Abständen.
Linda hörte von weitem das Krähen ihres Raben Sonit. Erst leise doch dann wurde das Krähen immer lauter und folgte in immer kürzeren Abständen. „Sonit es ist noch Nacht…“ murmelte sie vor sich hin als ob sie ihr tierischer Begleiter gerade aus dem Tiefschlaf gerissen hätte. Doch immer noch krähte der Rabe weiter. Irgendetwas musste nicht stimmen, denn ansonsten wäre ihr Haustier nicht so unruhig. Linda fühlte sich wie benommen oder auch schlaftrunken. Gerade als sie sich aufsetzen wollte traten Erinnerungsfragmente in ihren Kopf.
Sie war nicht zuhause, stimmt sie war auf einem Schiff. Der Demeter auf der Überfahrt in die neue Welt. Eine Welt ohne die ständige Heimsuchung des Todes ihres Mannes. Doch ein Sturm war aufgekommen. In ihrem Kopf hörte sie Schreie. Verzweifelt, voller Angst und Schrecken. Blitze die durch den Himmel zuckten und der Donner der im Inneren ihres Kopfes dröhnte. Etwas Weißes blitzte vor ihrem inneren Auge auf. Danach schwärze und Dunkelheit.
Noch benommen setzte sie sich auf öffnete die Augen. Der Rabe war auf ihr Bein ausgewichen. Lindas Kleidung war zerfetzt und aufgerissen. Gerade so das nötigste wurde noch bedeckt. Sie brauchte einige Sekunden um sich überhaupt einmal zu finden. Verwirrt und noch leicht benommen sah sie sich um. Die Demeter war zerstört. Ein Mast war umgeknickt und im Wasser gelandet. Dann glitt der Blick der jungen Frau auf ihre Beine und Arme. Sie sah ihre zerfetzte Kleidung, aber nicht eine einzige Wunde. Dann sah sie auf Sonit und ihr wurde schlagartig die Realität bewusst.
Sie lag zwischen Leichen und Leichenteilen. Zerfetzte Gliedmaßen, Knochenstücke und direkt vor ihr lag ein Kopf doch der zugehörige Körper fehlte. Sie wollte schreien doch die Kehle schnürte sich ihr augenblicklich zu und sie brachte nur ein schweres schlucken zusammen. Ihr Körper war für einen Moment wie eingefroren. Sie sah wieder auf Sonit. „W-Was ist hier passiert?“ Der Rabe sah sie einfach nur an ehe er auf ihre Schulter flog. Er schmiegte sein Köpfchen an das ihre, als wollte er sie beruhigen.
Linda stand auf, sie hatte erwartet von Schmerzen durchfahren zu werden, geschwächt zu sein und dem Tod nahe. Doch sie fühlte sich gut. Keine Schmerzen und gut ausgeruht. Wieder glitt ihr Blick über das zerstörte Oberdeck. Da hörte sie ein „Hallo? Ist noch jemand da“ Linda sah sich um. Ein Mann den sie schon öfter gesehen hatte, einer der Matrosen stand auf dem Oberdeck aber sie wurden von einigen Leichen und Gliedmaßen voneinander getrennt. Sonit krähte um Cullen auf Linda aufmerksam zu machen.
Linda bemerkte den Gestank des Todes, Sonits Krähen nahm sie nicht wirklich wahr. Diesen Geruch hatte sie schon einmal gerochen, als man die Leiche ihres Mannes aus dem Hause geholt hatte. Dieser süßlich, stinkende Geruch. Auf der einen Seite drehte es ihr den Magen um. Auf der Anderen hatte dieser Geruch etwas, etwas das ein Verlangen in ihr auslöste. //Was ist hier los… Heiliger Vater was geht hier vor sich… auf welche Probe stellst du uns? // Dieser Geruch wirkte irgendwie betörend und abstoßend zugleich. Ihr Mund wurde trocken und ihre Hände ballten sich zu Fäusten so dass sich ihre Fingernägel in ihre Handflächen gruben. Dieses Verlangen das sie gerade überkam war ihr komplett neu, dieser süßliche und abstoßende Geruch zog sie doch tatsächlich an. Was war nur mit ihr los. Sie machte einen Schritt auf den Kopf zu der sie mit weit aufgerissenen, leeren Augen anstarrte, dieser Anblick, Lindas Magen drehte sich wieder um. Doch etwas in ihr wollte zu diesem Kopf. Sie schluckte. Dann zuckte ihr Kopf zurück und sie war wieder in der Realität angekommen. Sonit hatte sie knapp hinter dem Ohr gepickt.
Linda schüttelte den Kopf kurz und sah sich wieder um. Leichen und Leichenteile überall, ein Matrose war sogar am Mast aufgespießt. So viel tot auf einmal, das war für Lindas Magen zu viel. Ohne weiter darüber nachzudenken lief sie zur Reling und das was noch in ihrem Magen gewesen war entleerte sich. Ihre Augen trafen auf dem Schlick als sich ihr Magen wieder halbwegs beruhigt hatte. In ihrem Kopf drehte sich alles nur um eine Frage. Was war hier passiert. Sie fixierte die ruhig da liegende Sanddecke mit ihrem Blick. Ein weit aus besserer Anblick als den, den sie hinter sich haben würde. Hier sah sie nur den Sand in dem das Schiff fest saß und in nicht all zu weiter ferne den Strand

Ihre Gedanken kreisten. //Was ist hier nur passiert… wieso bin ich noch am Leben… das ist ein Wunder des Herren, ein Wunder. Aber wieso werden wir vor diese Prüfung gestellt? // Dann wurde ihr Kopf schlagartig leer. Sie atmete tief und gab ihr bestes sich nicht noch einmal zu übergeben als sie an den Ausblick hinter sich dachte.

Danke an Blacky für die tolle Sig ^-^
Letzte Änderung: 3 Monate 3 Wochen her von Kuroi-Hira.

Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797184

Thomas Jackson – Wrack der Demeter
feat Jeremiah und Elene Awingh


Thomas erinnerte sich an die Worte, die ihm damals sein Befehlshaber vor seiner ersten Schlacht mitgab. „Erst im Angesicht des Todes zeigen Menschen ihr wahres Gesicht“.Und obwohl dieser Mann kurze Zeit später im Gefecht verstarb und er sich nicht mehr an seinen Namen erinnern konnte waren es jene Worte, die ihn von nun an sein ganzes Leben begleiten sollten. In unzähligen Schlachten hatten sie sich bewahrheitet. Thomas erinnerte sich an jeden einzelnen von ihnen. Jeder Mann, der unter seinem Kommando gefallen war. In Momenten als die Luft vom Geruch des Schwarzpulver erfüllt war und das Donnern von Kanonen in ihren Ohren hallte. In diesen Momenten sah Thomas gestandene Männer innerhalb von wenigen Augenblicken von ihrer Angst zerfressen werden. Und auch er dachte er würde wissen was es heißt Angst zu haben. Wie sehr er sich doch geirrt hatte.

Langsam öffneten sich die Augen des alten Soldaten und Thomas sah wie der seichte Mond die kalte Nacht in einen blauer Schleier hüllte. Das Geräusch von zirpenden Grillen und leisen Schritten über das Deck des Schiffes drang in sein Ohr . Nur fragmenthaft konnte Thomas sich daran erinnern was geschehen war als ob ein dichter Nebel über seinen Gedanken lag. Instinktiv tastete sich Thomas den eigenen Körper ab um nach Verletzungen zu fühlen ohne dabei die Augen vom Mond zu nehmen. Er hatte noch nie wirklich darauf geachtet doch an diesem Abend wirkte der Mond wunderschön, gar bezaubernd. Thomas fühlte einen seltsamen Frieden. War er tot? Sah so das Ende aus? Langsam hob er die Hände vor sein Gesicht und bemerkte, dass sie kein bisschen blutig waren.
//Also bin ich nicht tot?// dachte sich Thomas mit einem fast schon ironischen Unterton. Tatsächlich war er bis eben sich ziemlich sicher gewesen, dass er gestorben war. Nur wusste er nicht wie. Ohne sich zu beeilen richtete er sich langsam auf und schaute sich um. Das erste was ihm auffiel waren die unzähligen von Laken bedeckten Menschen, die um ihn herum lagen. Die schmutzigen und durchnässten Laken waren kaum mehr als ein provisorischer Sichtschutz aber zumindest wusste Thomas nun, dass er nicht der einzige Überlebende war. Sobald er dies realisierte begann er von neben sich plötzlich Bewegung wahrzunehmen.

An der vorderen Seite des Schiffes, dort wo der Bug spitz zulief, sah Thomas einen auf der Reling sitzenden Mann. Einen Mann mit dem sich Thomas auf der Überfahrt relativ gut verstanden hatte und den er nun aufgrund seiner charakteristischen Kleidung als jenen identifizieren konnte.
Vor ihm saß Mr. Jennings, der Wundarzt.

Noch immer halb im Delirium gefangen wusste Thomas nicht wirklich was er tun sollte.Er versuchte ein paar Schritte zu gehen bevor ihm der Kopf plötzlich anfing weh zu tun und er sich die Schläfe haltend wieder auf die Knie sank. Vereinzelt sah er verschwommen Bilder. Ein Sturm. Eine schemenhafte Gestalt. Ein blutbefleckter Boden. Es ergab alles keinen Sinn. Plötzlich wurde seine Vision von einem lauten Schrei unterbrochen. Ein Schrei der ihn gleich einer Kugel traf. Vom Schrei aus seinem Halbschlaf ähnlichem Zustand gerissen kehrte Klarheit in seine Gedanken zurück und er begann sich teilweise zu erinnern.
Sie waren auf dem Weg nach Salem gewesen als ihr Schiff in einen Sturm gekommen war, wo sie irgendetwas angegriffen hatte.
Sofort zog Thomas das Lacken von einer der Leichen um sich zu vergewissern.
„guter Gott...“ Das was er sah vergewisserte ihn in seiner Annahme und machte ihm zugleich Angst.
Vor ihm lag der geschlachtete Kadaver eines Menschen. Der Figur nach zu Urteilen schien es sich dabei um einen Mann mittleren Alters zu handeln, doch das war, dass einzige was er erkennen konnte. Denn die Person vor ihm war bis zum unkenntlichen verstümmelt. Fehlende Gliedmaßen, ein eingedrücktes Gesicht und Spuren die so aussahen als ob ein wildes Raubtier diesen armen Mann gerissen hätte. Er verdeckte die Leiche wieder und eilte sofort unter Deck. Warum wusste er selber nicht so genau. Vielleicht war es mittlerweile einfach zur Angewohnheit geworden das Bedürfnis zu haben andere zu beschützen. Thomas eilte die Treppen der Demeter herunter. An unzähligen weiteren Leichen vorbei. Dass er dabei nicht ausrutschte glich einem Wunder, denn die Truppenstufen waren entweder zerstört oder durch Wasser, welches in das Schiff eingedrungen war nass und rutschig. Als er schließlich unten ankam konnte er seinen Augen nicht trauen. Im Laderaum des Schiffes saß eine junge Frau. In Mitten von Leichen und Wasser saß sie mit ihrem Kopf in den Knien auf den Boden des Deckes. Noch hatte sie ihn nicht bemerkt. Thomas machte vorsichtig ein paar Schritte vorwärts in ihre Richtung. Das knarrende Geräusch von durchgeweichten Holzplanklen machte sie schließlich auf ihn aufmerksam. Und obwohl Dunkelheit unter Deck herrschte und die einzigen Lichtquellen ein paar Löscher in der Schiffswand waren von denen kleine Mengen Mondlicht in den Raum eindringen konnten, konnte Thomas als sie den Kopf hob ihr Gesicht erkennen. Sie war 17 oder 18. Für Thomas kaum mehr als ein Kind.
„Kind, bleib ganz ruhig. Ich will dir nichts tun“ versuchte er sie zu beruhigen.
Ihr Gesichtsausdruck war kalt und neutral. Nur gelegentlich konnte Thomas Anzeichen von Verzweiflung hinter der eisernen Miene durchscheinen sehen. Es wunderte ihn nicht. Schon oft hatte er Menschen gesehen, die nachdem sie unter Schock standen apathisch wurden.

Zur seiner Überraschung stand sie plötzlich auf und antwortete in einem unerwarteten, höflichen Ton.
„Was würde ein Mann ihres Standes wohl von mir wollen“
Sichtlich verwirrt machte Thomas noch ein paar Schritte nach vorne wobei er versuchte sich zwischen sie und die Leichen zu stellen, sodass sie diese nicht mehr im Blickfeld hatte.
„ Ich habe dich schreien gehört und wollte sehen ob alles in Ordnung ist“
Als sie bemerkte, dass Thomas die Leichen verdeckte wirkte sie sichtlich erleichtert.
„Kein schöner Anblick, aber es geht mir gut, kein Grund zur Besorgnis“
Keine Angst lag in ihrer Stimme. Tatsächlich wirkte sie sehr entspannt. Und jetzt wo Thomas sie etwas näher mustern konnte, wurde ihm auch klar warum. Sie befand sich mit Sicherheit unter Schock. Thomas trat heran und faste ihr sanft an die Schulter und schaute ihr in die Augen.
„Kind, du stehst unter Schock. Komm ich bring dich hinauf“

Als er das sagte bröckelte für einen Moment ihre Fassade und das verängstigte Kind, das Thomas sah, wurde für einen Moment sichtbar. Zögerlich und unsicher fragte sie mit wackelnder Stimme
„sind die Leichen dort auch alle bedeckt?“

Selbstverständlich wusste er was zu tun war. Er musste sie so weit von den Leichen weg schaffen wie er nur konnte.
Thomas der schon in seiner Vergangenheit mit ähnlichen Situationen konfrontiert war versuchte sie so gut wie er nur konnte zu beruhigen.
"du brauchst dir keine Sorgen machen um die Leiche. Die sind alle bedeckt"

Seine Worte fanden Anklang. Thomas sah wie im Angesicht seiner Worte etwas lächelte und der Schock anfing etwas nachzulassen.

Ohne zu zögern und noch immer mit dem Arm an ihrer Schulter und die Leichen verdeckend führte er sie nach Oben aufs Oberdeck wo nun auch noch mehr Überlebende zu sich gekommen waren.
In Mitten dieses ganzen Chaoses suchte Thomas eine Stelle die er als ruhig und trocken empfand und ließ sie sich dort hinsetzen.
„Es wird alles gut Kind. Das verspreche ich“ In diesem Moment fiel ihm ein, dass er noch gar nicht nach ihrem Namen gefragt hatte. Vielleicht war sie mit ihrem Ehemann oder mit ihren Eltern aufs Schiff gekommen.
„Sag Kind, wie ist dein Name?“

Die junge Frau antwortete sichtlich zögernd „ah...Elena und sie sind Thomas Jackson. Sie sind auf dem Schiff als hervorragender Soldat bekannt“
Als er diese Worte hörte, konnte er nicht anders als etwas zu lächeln. Es war wahr, dass viele ihn an Bord als ehemaligen Soldat kannten, doch hatte ihn noch nie jemand als hervorragend bezeichnet.
„ich bin ehemaliger Soldat Kind“ schmunzelte er „und hast du auch einen Nachnamen?“



"Ah, verzeiht... Awingh.“ presste diese quitschend und leicht errötend vor.
Wieder lächelte der alte Mann nur Müde bevor er sie wieder anschaute. Und mit einem ernsthaften und doch zugleich sanften Ton anfing zu reden.
„Elena Awingh. Das ist ein schöner Name. Keine Sorge Elena Awingh. Alles wird gut. Ich verspreche es“

Leicht erstaunt über die vertrauliche Geste und den sanften Ton seiner Stimme blickt sie ihm dankbar in die Augen und flüstert "das hoffe ich auch. Danke"

Thomas löste sich von ihr und stand auf. Er konnte es nicht nicht erklären aber die Tatsache, dass er dieser Frau geholfen hatte erfüllte ihn mit einem warmen Gefühl. Thomas merkte wie seine Kräfte wieder zu ihm zurück kehrten. Kräfte, die er schon als verlorengegangen an sah.
„Keine Sorge“ wiederholte er nur, doch dieses mal war Kraft und Sicherheit hinter seinen Worten. So als ob er wie der Fels in der Brandung bereit war den kommenden Sturm zu überstehen.

Und damit verließ er das Mädchen und ging auf den Schiffsarzt zu während er seine Gedanken sammelte. Die Jahre als Soldat hatten doch noch ihr Gutes. Am Deck an den Leichen seiner Mitreisenden entlang wandernd, konnte sich Thomas zumindest für den Moment sammeln und einen klaren Kopf fassen. Für ihn war klar was zu tun war.

Der Schiffsarzt, der gerade dabei war einer Leiche die letzte Ehre zu erweisen indem er ihr die Augen schloss, war so tief in seine Arbeit vertieft, dass er Thomas nicht kommen hörte.

Thomas stellte sich hinter ihn. „Wie schlimm ist der Mr.Jennings. Wie viele haben überlebt?“
Jeremia Jennings. Der Wundarzt, der sie auf dem Schiff begleitet hatte drehte sich um und sah ihn mit ernster Miene an. „Ich befürchte, dass es weniger als zehn sind. Habt ihr euch die Wunden angesehen? Es wirkt so als ob ein Raubtier sie zerfetzt hätte aber ich kenne mich damit nicht aus“

Thomas schluckte als er das Ausmaß des Schadens begriff. //nur zehn sollen überlebt haben?/
„Ja und auch mir ist kein solches Tier bekannt. Habt ihr eine Obduktion durchgeführt?“
„Nein dafür war noch keine Zeit. Abgesehen davon sollten wir hier weg. Unsere Vorräte sind so gut wie aufgebraucht und bei der Anzahl an toten herrscht akute Seuchengefahr“


„ich stimme zu“ willigte Thomas ein „aber vorher sollten wir nach anderen Überlebenden suchen. Ich bin dafür, dass eine Gruppe hier bleibt während die andere Gruppe vorne am Strand ein Lager aufschlagen sollte“


„Nun gut“ Jeremiah schien nicht begeistert von der Idee zu sein erst einmal zu warten aber offensichtlich sah auch ein, dass die Gruppe nicht so einfach abreisen konnte „aber wir sollten wirklich schnell aufbrechen. Salem sollte nur wenige Meilen von uns entfernt sein und ohne Trinkwasserquelle überleben wir hier draußen nicht lange“

Und mit diesen Worten eilte der Wundarzt unter Deck und ließ Thomas oben alleine.
Dein Waifu ist trash !!
Rumkontrolle ist viel zu op!!!

Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797290

Charlotte Goodwyn
Im Wrack der Demeter

Der Nachthimmel war wunderschön. Der Mond leuchtete hell und tauchte alles in ein silbernes Licht, was jedoch gleichzeitig auch ein gespenstisches Gefühl abgab. Und es war wahrlich gespenstisch, wenn man inmitten von unzähligen Leichen in einem Schiffswrack saß. Vor allem wenn der eigene Vater, den es in gefühlt tausend Einzelteile zerfetzt hatte, nicht mal einen halben Meter von einem selbst entfernt lag.
Der Gestank der Leichen brannte in Charlottes Nase. Es war ein widerlicher und zugleich perverser Geruch. Widerlich, weil es nach Blut und Fäkalien und der eintretenden Verwesung stank, und pervers, weil es auch angenehm süßlich roch. Charlotte kannte diesen Geruch nicht. Sie war noch nie mit so vielen Toten auf einmal in Kontakt gekommen. Den toten Körper ihrer Mutter hatte man damals sehr schnell beerdigt und ihrem toten Bruder ist dasselbe widerfahren, als man seinen Leichnam aus dem kalten Fluss zog.

Charlottes Blick wandte sich vom Nachthimmel ab. Sie hatte bereits zu lange in diesen gestarrt. Stattdessen blickte sie den Mast an, auf dem ein toter Körper aufgespießt war. Es war kein besserer Anblick. Charlotte verzog ihren Mund und kämpfte mit der Übelkeit, die in ihr aufstieg. Es wäre fatal, wenn sie auch noch anfangen würde, sich hier neben den Leichen zu übergeben. Deswegen hielt sie inne, schloss die Augen und versuchte, sich auf ihren Herzschlag zu konzentrieren. Doch je mehr sie es versuchte, desto unruhiger wurde sie. Die junge Frau konnte einfach ihren Herzschlag nicht mehr spüren. Sie musste verbittert lächeln. Nichts schien real zu sein und dieses Gefühl, innerlich gestorben zu sein, musste wohl ihrem Körper vortäuschen, kein Herz mehr zu haben.

Langsam erhob sich Charlotte, denn sie ertrug es nicht mehr, hier zusammengekauert herumzusitzen. Ihr Mund fühlte sich schrecklich trocken an und sie vernahm zusätzlich noch einen eigenartigen metallischen Geschmack. Nicht, dass dieser unangenehm war, aber sie wollte lieber ihren Mund mit ein bisschen Wasser ausspülen. Sollte sie wieder auf den Schiffsarzt treffen, dann würde sie ihn um Wasser bitten. Allerdings kamen der Frau Zweifel, ob überhaupt noch frisches Wasser da war. So wie der Sturm dieses Schiff zugerichtet hatte, wäre es doch nur logisch, wenn alle übriggebliebenen Vorräte nun auch komplett zerstört waren.

//Was mach ich eigentlich hier?//, fragte sie sich. Die Antwort war doch eigentlich so simpel und klar, denn es hatte einen einzigen Grund, warum sie auf dem Weg in die neue Welt war: Weil ihr Vater es so wollte. Und nun war ihr Vater tot und sie am Leben. Ausgerechnet er war tot, obwohl er so sehr mit seinen Glaubensbrüdern hier her wollte und sie war am Leben, obwohl sie in der Heimat bleiben wollte. War dies die Strafe dafür, dass sie vor der Abreise gebetet hatte, dass irgendetwas passieren sollte, damit sie England nicht verlassen mussten? War dies die schreckliche Ironie des Schicksals? War dies Gottes Bestrafung?
Charlotte konnte sich keine Antwort darauf geben. Sie wusste nur, dass es für sie als alleinstehende, junge Frau ohne Familie gefährlich war. Hätte sie bloß einen Ehemann gefunden, dann könnte sie immer noch in der Heimat sein. Es gab auch eine Zeit, in der sie begehrt war, sogar bevor sie das Bluten angefangen hatte. Ein paar Bewerber soll es gegeben haben, denn sie wussten, dass sie von der Apotheke profitieren würden. Dort gab es seltene Heilkräuter und hochwertige Tinkturen, die man zu einem guten Preis verkaufen konnte. Und die Familie Goodwyn wäre sogar für den Großteil der Kosten einer Hochzeit aufgekommen! Aber das war alles vor Mutters Tod und vor Gilberts Schulden. Danach wollte sie niemand mehr, nicht mal die armen Bauersfamilien. Nun müsste Charlotte als alte Jungfer sterben.
Rötlich schimmernde Tränen liefen ihr übers Gesicht. Sie wollte all dies gar nicht. Doch Charlotte war eine weinerliche Frau voller Kummer und Sorgen.

Sie ging zur Reling und blickte nach unten. Zwei Personen lagen unmittelbar in der Nähe im Schlick. Waren sie tot? Nein, die eine Person schien zu wimmern.
Charlotte kletterte über die Reling, hielt sich allerdings noch gut an ihr fest. Es war nicht so weit bis zum Boden, ihr sollte also nichts passieren. Sie machte sich also zum Absprung bereit. „In Ordnung. Dann eins… zwei… drei… und!“
Mit dem Gesicht als erstes landete sie im Dreck, ein paar Meter von der Person entfernt.
Na toll, was für eine Bruchlandung.
Peinlich berührt rappelte sich die Frau auf, klopfte sich den Dreck aus der Kleidung, wischte sich diesen ebenfalls aus dem Gesicht und spuckte den Sand aus ihrem Mund aus. Beschämt sah sie zum Mann und näherte sich diesen. Sofern sie sich richtig an seinen Namen erinnerte, war dies Charles Gilbert Harris. Ja, das musste er sein, denn sein Zweitname lautete genauso wie der Name ihres Bruders. Der ältere Mann lag also im Schlick und sah so aus, als hätte er ein Gespenst gesehen.
„Verzeiht mir für meine unelegante Landung. Geht es Ihnen gut? Sind Sie verletzt? Darf ich Ihnen aufhelfen?“, fragte Charlotte freundlich und hielt Harris ihre Hand hin.
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Letzte Änderung: 3 Monate 3 Wochen her von sempiternal.

Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797301

Cailean Cullen
Auf dem Wrack der Demeter

Der junge Matrose wanderte noch immer auf den obersten deck der Demeter zwischen den Leichen umher. Der Geruch, diese süße Fäulnis, kannte er bereits. Es war nicht unüblich gewesen auf der jagt ein verfaulendes Tier zu finden aber etwas störte ihn doch.
Cailean hatte sich zwar daran mehr oder weniger gewöhnt, da er um seinen Geruch zu überdecken selbst mit dem Fleisch eingerieben hatte. Es stinkt zwar bestialisch und lockt fliegen an aber verschreckt die beute nicht sofort.
Dieses mal war es aber anders er verspürte kein wenig ekel oder anderes sondern.... Hunger. Es war ein Heißhunger der in ihm entfachte. Doch war es nicht das Fleisch nach dem es ihm lüstete sondern das noch feuchte Blut was auf dem Boden war.
//es riecht hier so gut... besser als alles was ich jemals riechen durfte.// der metallische Geruch war deutlich in der Luft zu vernehmen. Cailean zog ihn ein und atmet dann langsam wieder aus.
Seine Gedanken waren nicht mehr bei den überlebenden sonder bei dem Lebenssanft der hier vergossen wurde.
Nach einigem hastigen blicken entdeckte er einen Körper der nicht völlig zerfleischt war. Langsam kniete sich der schotte hin und murmelte etwas. Es war ein stoß Gebet für eine gute Jagt und für die gute Beute.
Sanft hob er den Körper an und sah auf den Hals des jungen Mannes. Sein jede Faser seinen Körpers wollte das Blut. Er wollte es nur sonder brauchte es auch.
Langsam öffnete sich sein Mund und immer weiter. Es kamen einige spitze fang zähne zum Vorschein. Es war schon fast so als würde sich sein Kiefer gleich ausklinken. Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit Biss er zu.
Es war ein berauschendes Gefühl. Cailean konnte es nur ansatzweise damit vergleichen als er sein erstes Tier erlegt hatte. Jeder Schluck war eine wohltat, auch wenn es nicht mehr all zu frisch ist war es doch köstlich. Es fühlte sich so an als würde ihm Honig den Rachen hinunter laufen. Dick, klebrig und süß. Warum war das Blut nur so süß?
Nach dem letzten Schluck ließ Cailean von dem jungen ab. Er hatte keinen tropfen verschwendet. So ließ er diesen aber auch liegen, wie Innereien eines ausgenommenen Tieres die er nicht brauchte.
Seine Lippen waren noch leicht benetzt, im Mondlicht sah man das rot in seinem Bart.
Mit einer zufriedenem Lächeln strich er sich eine Strähne aus dem Gesicht.
Satt und fast wie ein einem Rausch sah er auf den Mond.
Dann riss ihn etwas aus seinen Träumereien. //... was war das?// Er realisierte erst jetzt was grade geschehen war. //welche bösen Geister haben besitzt von mir ergriffen?// Cailean bekreuzigte sich drei mal und murmelte das Vater unser.
Doch er wusste das es sich gut angefüllt hatte, schon fast zu gut.
Ein krächzen war zu hören und das war nicht sehr unbekannt. // der Rabe...// ihm wurde klar das ihn dieser aus seinen Gedanken gerissen hatte.
„hallo ist hier jemand? Hallo.“ langsam bekam er doch ein ungutes Gefühl. //was war das und hat mich jemand dabei gesehen?// hastig ging er von der Leiche weg und rief weiter. Vielleicht gab es noch andere. Erstmal ging er in Richtung des Krähens.
//warum habe ich das Blut getrunken...// es war schon so als würde es ihn nicht wirklich schockieren. Als wäre es ganz natürlich.
Er hatte zuvor schon mal Blut getrunken aber es war Tierblut was zu überleben ganz normal war. Doch das eben war etwas anderes... es ging viel zu weit. //dafür werde ich in der Hölle brennen aber erst mal schauen ob noch jemand lebt.//
Warnung: Spoiler! [ Zum Anzeigen klicken ]
Letzte Änderung: 3 Monate 3 Wochen her von fukushu-Kage.

Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797324

Jeremiah Jennings
Im Wrack der Demeter, erwähnte Personen: Pater Harris, Linda Rinatington & Sumit, Thomas Jackson, Elena Arwingh

Eine frische Brise wehte durch sein Haar, während er gedankenversunken einfach nur da saß. Er fühlte sich traurig, aber auch nutzlos. Für die Dahingeschiedenen hatte er eben sowenig tun können wie für die Überlebenden. All seine Kenntnisse waren in dieser Situation nutzlos. Zusätzlich fühlte er sich überfordert. War es ein Segen, dass sie überlebt hatten oder waren sie von Gott verdammt worden? //Hoffentlich weiß Pater Harris darauf eine Antwort// Den alten Mann schätze Jeremiah sehr. Zum einen ist es eine beachtliche Leistung in dem hohen Alter diese Reise zu wagen. Zum anderen wirkte der Glaube des Predigers unerschütterlich.

Stumpfe Schritte und das Knarzen von Holz deuteten darauf hin, dass die anderen langsam erwachten. Sie alle taten Jeremiah leid, weil sie gleich dem Schrecken begegnen würden den er selbst schon hinter sich gebracht hatte. Wie zur Bestätigung ertönte ein hoher Schrei, der Stimme nach zu Urteilen von einer Frau zu kommen schien. Gerne hätte er ihnen allen diesen Anblick erspart, doch lag dies außerhalb seiner Möglichkeiten.
Der Rabe Sonit, versuchte lautstark seine Besitzerin zu wecken. Eine junge Frau die Jeremiah nur all zu komisch vorkam. Mittlerweile war er auch davon überzeugt, dass der Rabe ein schlechtes Omen, eine Warnung war. Vielleicht wollte der Herr sie so vor diesem Unglück bewahren? Er stellte wieder fest, dass er nicht gut im Deuten solcher Dinge war und hoffte das der Pater das ins rechte Licht rücken konnte.

Etwas später, er kümmerte sich mittlerweile um die Toten, weil das Nichtstun langsam unerträglich wurde, trat Mr. Jackson an ihn heran. Mit Thomas, einen alten Veteranen, verstand Jeremiah sich ausgesprochen gut. Gemeinsam sprachen sie über die merkwürdigen Verletzungen und darüber was als nächstes zu tun sei. Thomas wollte weiter nach Überlebenden suchen, während Jeremiah eher dazu neigte das Überleben der Gruppe sicher zu stellen. Vor allem, da er keine Ahnung hatte wo sie sich genau befanden. Beide Männer einigten sich rasch auf einen Konsens und macht sich sogleich daran, das Vorhaben umzusetzen.

Mit ernsten Gesichtsausdruck ging der Wundarzt unter Deck und versuchte jeden den er begegnete aufmunternd zu zunicken. Manche murmelten Gebete und bekreuzigten sich. Oder riefen die Namen ihrer Angehörigen. Im Krankenzimmer angekommen, welches auch als seine Koje diente, zog er nach einer kurzen Suche einen großes Seesack aus den Überresten einer Truhe hervor. Dankbar darüber, dass das robuste Leder das Unglück unbeschadet überstanden hatte. Bei seiner Suche, nach seinen Instrumenten und brauchbaren Vorräten entdeckte er eine intakte Öllampe. Als er schließlich auch seine Zunderdose fand, dauerte es nicht lange bis in der Lampe ein Feuer brannte und zum ersten mal in der Nacht das Schiff mit Licht erfüllte wurde. Irgendwie bereitete die Flamme ihm ein Unbehagen, was Jeremiah sich nicht so recht erklären konnte. Und im Lichtschein wirkte alles so klar und deutlich. Es dauerte eine Weile bis er alle Teile seines, aus Damaszener Stahl gefertigten, Chirurgen-Bestecks eingesammelt hatte. Behutsam hielt der ehemalige Marinearzt ein besonders feines Messer in der Hand und erinnerte sich daran wie er das Set von einem Medicus im Orient geschenkt bekommen hatte. Das Muster wirkte heute besonders prächtig und detailreich und schimmerte komischer Weise in einem leicht violetten Ton. Vorsichtig schob er das Stück in die passende Tasche aus Kamelleder. Nach dem hier nichts mehr zu tun gab, ging er mit der Lampe und dem bereits halb gefüllten Seesack zum Einstieg zum Laderaum. Im Schein der Lampe wirkte die Szenerie unwirklicher, doch irgendwie ertragbarer. War es doch ein Zeichen von Schutz und Geborgenheit.

Ohne den Ledersack und mit erhobener Lampe stieg er hinab. Kisten und Fässer waren teils zerbrochen und türmten sich teilweise zu einem großen Haufen auf. <Oh je, wie soll ich in dieses Chaos nur meine Seekiste finden?> Am Heck des Schiffes sammelte sich etwas Wasser, das einem am tiefsten Punkt etwa bis zu den Knien ging. Die Schatten die durch das Lichtspiel erzeugt wurden ließen diesen Ort unheimlicher wirken. Er hing die Laterne an einen Haken in der Decke und begab sich auf die suche nach seinem Hab und Gut. Während der langen Reise war er nicht oft hier unten gewesen. Die arme Elena Arwingh verbrachte fast die ganze Überfahrt in diesem Loch. Allerdings ist es im Vergleich zur üblichen Vorgehensweise eine recht milde Bestrafung für einen Blindenpassagier. Dennoch hielt er dies für kein gottgefälliges Verhalten, ein jungen Mädchen hier unten festzuhalten. Deshalb deckt er sie auch, als sie immer wieder eine andere Erkrankung vortäuschte um aus dem dunklen und stickigen Laderaum zu entkommen. Jeremiah genoss die Unterhaltungen mit ihr, die auf Grund ihres Freigeistes oft in hitzige Diskussionen ausarteten, welche jedoch nie ein gewisses Niveau unterschritten. Einmal versuchte er sogar ihr eine Therapie für frische Luft auf dem Oberdeck zu verordnen, doch das wurde selbst den gutmütigen Kapitän zu bunt.

Beim durchstöbern der Fracht schreckte Jeremiah eine Katze auf, die ihn erst anfauchte und dann panisch das Weite suchte und ihr frisch gefangenes Festmahl zurück ließ. Er sah ihr nach, als ihm plötzlich dieser angenehme Geruch in die Nase stieg. Er bückte sich und hob die Ratte auf. Blut tropfte aus der Wunde am Hals, welches Jeremiah mit seiner anderen Hand auffing. Ein wohliger Schauer lief durch seinen ganzen Körper als er das Blut aufleckte. Und dann gab es kein halten mehr. Gierig vergrub er seine Zähne in die Ratte und saugte sie bis zum letzten Tropfen leer. Für einen Moment der viel zu schnell endete fühlte er sich wie in Ekstase. Sein Rausch endete so schnell wie er gekommen war. Als er über sich Schritte hörte, warf er angewidert von sich selbst, die Ratte beiseite. //Was ist nur in mich gefahren?// Da er immer noch Fell im Mund hatte spülte er sich den Mund mit Wasser aus und wusch sich sogleich die Hände. Vom salzigen Geschmack musste er sich beinahe übergeben. Er nahm die Lampe und verließ eilig, ohne seine Habe, den Laderaum. Aus zwei grünlich schimmernden Augen blickte die Katze ihm glücklich hinterher und machte sich so gleich über die Ratte her. Er nahm seinen Ledersack und machte sich auf den Weg nach oben. Dabei war er so in sich gekehrt, dass er viele andere unheimliche Ereignisse nicht wahrnahm.
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Letzte Änderung: 3 Monate 3 Wochen her von cyberware.

Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797495

Violaine Lefevre
im Wrack der Demeter, oberes Unterdeck

Ein süßer Geruch kam Violaine in die Nase, als sie langsam die Augen öffnete. Blinzelte. Noch war alles ruhig um sie herum – sehr ungewöhnlich, ganz eindeutig, dennoch genoss sie die Abwechslung. //Lieber werde ich vom Geruch frischer Hefeschnecken geweckt als von dem Glockengedudel, dass es sonst morgens gibt//, dachte sie. Aus ihrem Gähnen machte sie keinen Hehl. Egal wie lange sie schlief, müde war sie fast immer. Besonders nach den letzten Tagen, weswegen sie auch früher ins Bett gegangen war als alle anderen. Ihr Sohn hatte über sie gelacht, aber das war wohl der Tribut, den man als alte Frau zahlen musste – und den zahlte sie gern, sterben wollte sie schließlich noch lange nicht.
„Abigail, wir müssen...“, Violaine suchte nach dem richtigen Wort. „Ah, Aufwachen, ja?“
Stille antwortete ihr. Normalerweise wären ihre Enkelkinder mittlerweile schon längst um die Beine geschwärmt, hätten geradezu auf den Moment gewartet, in dem sie Violaine belästigen durften.
„Theodore?“ Sie sprach es absichtlich französisch aus. Ihre Schwiegertochter und auch ihr Sohn hassten es, wenn sie das tat. Und Vio? Machte es deswegen nur umso mehr Spaß. „Louise?“ Eigentlich war das kein Ort für eine alte Frau wie sie, es war ihr am Anfang echt schwer gefallen von dort aus aufzustehen und morgens aufzustehen war eine Tortur … trotzdem schwang sie aus ihrer Hängematte, als wäre sie 31 und nicht 61 Jahre alt.
„Wo seid ihr-...“
Ihre nackten Füße traten in eine nasse Pfütze. //Immerhin eine Sache, die offenbar nicht anders ist//, dachte sie fast schon erheitert während sie die Flüssigkeit achtlos auf dem Boden loswurde und ihre uralten Schuhe anzog. //Kinder heutzutage//, sie schüttelte ihren Kopf. Mittlerweile waren sie so groß, das sie ohne viel Firlefanz in sie hineingleiten konnte. Nicht einmal bücken musste sie sich dafür.
Und dann wurden ihre Bewegungen langsamer während sie gleich mehrere Dinge gleichzeitig wahrnahm. Sie konnte sehen, sie konnte nichts hören und es roch überall nach dem süßlichen Etwas, dass sie geweckt hatte.
Normalerweise konnte Violaine nicht sehen, nicht gut hören, dafür hatte sie ihr Geruchssinn nie im Stich gelassen. Vorsichtig näherte sie sich der Hängematte, die ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter gehörte.
Zwei Personen lagen drin und sie atmete auf, rüttelte an ihren Körpern … das Netz raschelte lauthals, die Kleider waren aufgerissen, der Stoff an mancher Stelle blutgetränkt. Als Violaine ihre Haut berührte, war sie kälter als jede Winternacht.
Violaine sprang zurück, rutschte dank der nassen Pfütze fast aus. //Dann ist es vielleicht doch nicht Louises irdisch gewordene Angst//, dachte Violaine fast schon bitter.
Sie weigerte sich, weiter auf die Leiche ihres Sohnes zu schauen. Stoisch ging sie das Deck ab, zwang sich zur Suche nach den letzten Verbleibseln ihrer Familie. Die dämmerartige Dunkelheit wich langsam, ihre Augen schienen sich an den Dunst hier zu gewöhnen.
Sie wünschte, sie hätten es nicht getan.
Direkt am Aufstieg zum Oberdeck sah sie, neben ein paar anderen ihr unbekannten Menschen, zwei kleine Körper liegen. Blass, und wie hätte es auch anders sein können, toter als ihr eigener Glaube an Gott.
„Hätte ich vorher an dich geglaubt, würde ich spätestens jetzt damit aufhören“, murmelte Violaine auf französisch. Ein Stich durchfuhr sie, mittlerweile nur allzu bekannt. Ihr Bruder, ihr Vater, ihre eigene Familie … das Schicksal hatte ihr damaliges Versprechen wohl ein kleines bisschen zu ernst genommen.
Aber jetzt war sie hoffentlich in Amerika, und dort würde sie glücklich werden. Konzentriert stieg Vio die Treppe hinauf, blinzelte wie wild bei dem plötzlichen Licht.
Sie konnte nicht die einzige sein, die dieses Massaker überlebt hatte – nicht nur ihre Familie war tot. Bestimmt gab es hier irgendwo noch Leute, und die würde sie jetzt suchen.
Letzte Änderung: 3 Monate 3 Wochen her von Julkikay.

Kinder der Nacht 3 Monate 3 Wochen her #797497

Linda Rinatington
Auf dem Oberdeck der Demeter, Erwähnte Personen: Violaine Lefevre, Cailean Cullen, Jeremiah Jennings

Linda stand immer noch an die Reling gelehnt, Sonit saß auf ihrer Schulter. Langsam aber sicher beruhigte sich ihr Magen. Sie sog die kühle Nachtluft durch die Nase ein und atmete ruhig durch den Mund wieder aus. So versuchte sie sich zu entspannen und sich auf den Anblick gefasst zu machen den sie gleich haben würde, wenn sie sich umdrehte.
Ein Meer voller Leichen. Sie atmete noch einmal tief durch ehe sie sich umdrehte und das ganze Oberdeck voller Leichen erblickte. Es war ein schrecklicher Anblick. Aber was genau hier passiert war, daran konnte sie sich einfach nicht erinnern. Der Sturm war in ihrem Gedächtnis noch präsent, aber danach bis zum Aufwachen war alles schwarz. Doch ein Sturm konnte doch nicht so viele Menschen auf einmal dahinraffen.
Sie sah den Mann um den Sonit vorhin geflogen war um auf Linda aufmerksam zu machen, doch er schien beschäftigt zu sein. Linda hatte nach wie vor weiche Knie und begann zu Beten. Sie murmelte in ihrem Kopf den Rosenkranz auf und ab und auf und ab.
Nur vorsichtig lies die junge Frau ihren Blick über Deck gleiten. In der Hoffnung noch weitere Überlebende zu erblicken. Da hörte sie ein dumpfes Geräusch als ob jemand im Schlamm gelandet wäre, aber Lindas Beine wollten sich vor lauter Schreck immer noch nicht einen Millimeter bewegen.
Mit zitternder Hand begann sie Sonit, ihren Raben, etwas zu streicheln. Dann krähte der Rabe auch schon wieder. „Halt den Mund!“ fauchte sie dem edlen, schwarzen Tier auf ihrer Schulter zu. Es würde Linda nicht wundern, wenn man ihr die Schuld an dem ganzen geben würde, immerhin hatte sie einen Unglücksboten auf ihrer Schulter sitzen.
Sie atmete nochmals tief ein und aus und langsam begannen sich ihre Beine in Bewegung zu setzten. Sie konnte doch nicht einfach dumm rumstehen. Das ein paar Leute überlebt hatten, hatte sie bereits gemerkt, denn auf dem Oberdeck regten sich einige Menschen. Sie sah sich währenddessen weiter auf dem Deck um und sah wie Jeremiah unter Deck ging und kurz darauf betrat eine alte Dame das Oberdeck. Im Mondlicht konnte Linda ihr Gesicht nicht genau erkennen, aber sie vermutete das auch ihr der Schrecken in den Knochen stecken würde. Der junge Mann der nicht unweit weg von ihr stand, schien mit dem Anblick ziemlich gut klar zu kommen.
Linda wünschte sich gerade nichts mehr als das irgendjemand die Situation auflösen würde. Wenn der Pater aufs Deck kommen würde, oder der Captain. Irgendjemand, der all das einfach erklären konnte. Der erklären konnte was passiert war und ihren Glauben wieder stärkte. Denn im Moment zweifelte Linda sehr, wieso mutete Gott ihnen etwas Derartiges zu. Das konnte sie beim Besten willen nicht verstehen.
Sollte es eine Strafe sein, wenn ja wofür, wofür wollte er all diese gläubigen und gottestreuen Menschen bestrafen. Oder wollte er sie prüfen, es musste einfach eine Prüfung sein. Etwas Derartiges würde der barmherzig Gott doch nicht antun, oder? Sie umfasste mit einer Hand, den Anhänger ihrer Kette, ein kleines goldenes Kreuz, welches sie von ihrem verstorbenen Mann bekommen hatte. Sie murmelte nochmals den Rosenkranz und schickte dann noch ein paar Stoßgebete Richtung Himmel, in der großen Hoffnung Gott würde sie früher oder später erhören, oder sie einfach aus diesem Albtraum wecken.
Sollte sie unter Deck gehen und nach dem Pater suchen? Er würde doch sicher eine Antwort auf die ganze Situation wissen. Ihr kam es so vor als würde die Zeit langsamer vergehen als sonst. Als ob die Zeit in Zeitlupe an ihr vorbeiziehen würde.

Sonit erhob sich von ihrer Schulter und flog zuerst eine Runde über das Deck ehe er beschloss unter Deck zu fliegen. Dabei wäre er fast gegen die alte Dame geknallt aber im letzten Moment noch ausgewichen. Er stieß ein fast schon wütenden Krähen aus als er etwas hinter ihr und außerhalb ihrer Reichweite war. Es wirkte fast so als würde er sich fragen was sich die alte Dame denn einbildete sich ihm einfach in den Weg zu stellen. Sonit flog den Korridor entlang bis er beim gewünschten Raum ankam und setzte sich dort auf eine Aufgerissene Planke. Er krähte. Was in dieser Situation nicht gerade glückbringend war. Linda hatte schon sehr darum kämpfen müssen das Sonit überhaupt mitkommen durfte, denn Raben galten als Unglücksboten. Und sein Krähen konnte man hören, zwar nur, wenn man genau hinhörte, aber w

Linda hatte gar nicht so schnell reagieren können wie Sonit weggeflogen war. //Verdammt…// Sie wollte ihm nach. Das letzte was Linda in dieser Situation gebrauchen konnte war, dass man sie wegen Sonit noch für alles verantwortlich machte. Immerhin hatte sie den Raben mit aufs Schiff genommen.

Danke an Blacky für die tolle Sig ^-^
Letzte Änderung: 3 Monate 3 Wochen her von Kuroi-Hira.
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