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THEMA: Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime

Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 5 Tage her #827804

Guten Abend,

gerne diskutiere ich über Sachen, die ich an Anime liebe. Jedoch denke ich, dass man als Liebhaber*in von Anime und Manga auch einen kritischen Blick auf das Medium werfen muss. Die Frage, die ich in diesem Thread an alle interessierten User*innen stellen möchte, ist folgende: Wird sexuelle Belästigung in Anime normalisiert oder gar glorifiziert? Hat Anime als Medium ein Problem mit der Darstellung von sexueller Gewalt?

In meinen Augen ist die Antwort bedrückenderweise ein klares Ja.
Um mein Argument zu veranschaulichen, sollte wohl zuerst geklärt werden, in welcher Form sich sexuelle Belästigung/Gewalt darstellt. Hierzu möchte ich zwei bekannte Tropen aus vielen Anime, die mir persönlich besonders aufstossen, hinzuziehen. Zuerst soll die Trope des zufälligen Betatschens (oder auch the accidental perv) genannt werden. Dies läuft meist so ab, dass die männliche Figur "durch reinen Zufall und bestimmt ungewollt" in die sekundären oder primären Geschlechtsteile einer weiblichen Figur mit seinem Gesicht oder seinen Händen "hineinfällt". Solche "Unfälle" dienen lediglich dazu, um sexuelle Interaktionen ohne Zustimmung der belästigten Figur darzustellen. Dies soll wohl schlussendlich dazu geschehen, um die Rezipient*innen zu erfreuen - demzufolge reiner Fan Service.
Bei der zweiten Trope handelt es sich um den liebenswerten Perversling (oder auch the loveable perv). Hierbei handelt es sich um einen häufig vorkommenden Archetyp von Animefiguren, welche schon in den beliebtesten Anime in Erscheinung getreten sind (z.B. Master Roshi aus Dragonball oder Mineta aus My Hero Academia). Im Gegensatz zur ersten Trope handeln diese Charaktere intentional. Hier werden also vollkommen beabsichtigt weibliche Figuren sexuell belästigt bzw. sexueller Gewalt ausgesetzt. Dies wird dann erst recht äusserst problematisch, wenn man bedenkt, dass solche Momente einen belustigenden Mehrwehrt haben sollen und dass die liebenswerten Perverslinge als positive Figuren gezeichnet werden. Man soll sich die Szene ansehen und die zur Schau gestellte Belästigung/Gewalt lustig finden. Man soll ein empathisches Verhältnis zu den Peverslingen entwickeln. Man soll verstehen, dass das keine widerwärtigen Leute sind, dass sie durch den magischen Zufall andere Figuren begrapschen und dass die darauffolgende Reaktion eine karikierte und unberechtigte Überreaktion ist. Es soll amüsant sein.

Für beide dieser Tropen fallen wohl jedem von uns etliche Beispiele ein. In der Quintessenz verbleibt aber nur etwas: Sexuelle Belästigung/Gewalt wird als witzig, amüsant und häufig als unschuldiger Zufall dargestellt. Wenn ich nun bedenke, wie Medien nicht nur die Gesellschaft reflektieren, sondern auch einen Einfluss auf die Gesellschaft üben, so wird das Problem offensichtlich, inwiefern solche Tropen in Form von Szenen und Figuren sexuelle Gewalt verharmlosen bzw. normalisieren.

Wie denkt ihr darüber? Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr (wohl zum x-ten mal) solche Szenen und Figuren seht?
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 5 Tage her #827806

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Wassily schrieb:
Wie denkt ihr darüber? Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr (wohl zum x-ten mal) solche Szenen und Figuren seht?

Gar nichts. Ganz einfach. Und ich sehe hier auch absolut kein Problem.

Jeder normal denkende und geistig gesunde Mensch kann Medien von dem realen Umgang mit seinen Mitmenschen unterscheiden. Der Mensch ist der Erste der an falschen Aktionen die Schuld trägt, nicht das Medium dahinter. Ein Mensch kann sich soweit beeinflussen lassen wie er es eben zulässt.
Außerdem sehe ich vor allem die Zuschneidung rein auf Anime sehr kritisch. Vergewaltigung/Folterung usw. wird z.B. auch manchmal in westlichen Filmen sehr gerne hergenommen, wenn auch verschiedenen Grades.

Ich finde es eher schlimm wie das Medium Anime jetzt teilweise von der westlichen Gesellschaft als potenzielles Vergewaltigungsmedium dargestellt wird, vorallem von einer ganz gewissen Bewegung mit ihrem Hashtag.

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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 4 Tage her #827810

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Noire. schrieb:
Ein Mensch kann sich soweit beeinflussen lassen wie er es eben zulässt.
Ein Mensch -gearde auch ein Minderjähriger- wird immer beeinflusst, ob er es nun bewusst "zulässt" oder nicht. Dass du darin kein Problem siehst, ist dein gutes Recht, allerdings haben Medien/ Sprache und generell Bilder Einfluss auf uns. Es stimmt, dass diese Problematik nicht nur Animes betrifft, und dass eine zu einseitige Betrachtung nicht weiter hilft.

Nun zum Thema selbst. Ich bin in der Vergangenheit auf ähnliche Kritik an fate/ zero -einen meiner lieblings anime- gestoßen. Wer fate/ zero kennt, wird sich an einige Szenen, die sexuelle Gewalt oder generell Gewalt enthielten, erinnern. Einzelne Szenen für sich allein betrachtet mögen -wie auch bei Neon Genesis Evangelion- "problematisch" sein, was sich mMn aber bei einer Betrachtung im Kontext auflöst. Und selbst wenn es einen Anime an der nötigen Tiefe/ Reflexion fehlen sollte, würde ich das von dir (@Wassily) Angesprochenene noch als ziemlich harmlos betrachten. (harmlos wenn auch vllt. problematisch) Muss ja auch nicht alles super anspruchsvoll sein, was man sich anschaut. Zum Beispiel zum Entspannen können auch die eher "klischeebeladenen" Animes dienen, was für einen Erwachsenen wiegesagt harmlos sein dürfte. Ich denke aber nicht, dass man diese Probleme -bei nicht eindeutigen Sachverhalten- einfach loswerden könnte, vor allem da man hier nur schwer eine Linie ziehen kann, was geht und was nicht.
Ein Urteil darüber ob Anime und Manga im Vergleich zu anderen Medien ein größeres Problem mit der Glorifizierung von sexueller Gewalt, etc. hat maße ich mir nicht an, ich sehe allerdings auch kein Problem in diversen Tarantino-Streifen, Gewalt auf der Leinwand kann und darf Spaß machen, was aber selbstverständlich nicht alles rechtfertigt.
Wassily schrieb:
Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr (wohl zum x-ten mal) solche Szenen und Figuren seht?
Je nachdem, wie der konkrete Anime im Einzelfall mit solchen Szenen umgeht, breche ich ihn entweder ab oder denke mir nur genervt/ gelangweilt meinen Teil, manchmal sind solche Szenen aber auch schlicht unterhaltsam, oder aber ein Anime setzt sich mit der Problematik auseinander/ erzählt eine Erwachsene Geschichte, in der das Gezeigte "Sinn" macht und nicht nur bloß Mittel zum Zweck (in diesem Fall stumpfe Unterhaltung) ist. Guilty Crown wäre so ein Beispiel für einen Anime den ich abgebrochen habe.
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Letzte Änderung: 2 Wochen 4 Tage her von DaviDwithD.
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 4 Tage her #827811

Noire. schrieb:
Jeder normal denkende und geistig gesunde Mensch kann Medien von dem realen Umgang mit seinen Mitmenschen unterscheiden. Der Mensch ist der Erste der an falschen Aktionen die Schuld trägt, nicht das Medium dahinter. Ein Mensch kann sich soweit beeinflussen lassen wie er es eben zulässt.

In erster Linie möchte ich auch nicht das Argument aufstellen, dass Leute, die solche Szenen sehen, automatisch nach diesem Vorbild handeln. Das halte ich ebenfalls für unsinnig. Jedoch ist es naiv zu behaupten, dass die Medien, die wir konsumieren, keinen Einfluss auf uns üben. So etwas geschieht auch nicht direkt und unvermittelt, vielmehr wird ein ideologischer Nährboden gezüchtet, welcher uns bestimmte Ideen als gut oder schlecht präsentiert. Zum ideologischen bzw. moralischen Einfluss von Medien auf die Gesellschaft gibt es auch einige Studien, die das bestätigen können.
Wenn wir schon bei moralischem Einfluss sind: Die von mir genannten Beispiele (MHA und Dragonball) sind ja Shounen Anime, also Anime, die an eine junge, männliche Zuschauerschaft vermarktet werden. Der Zusammenhang von Medieneinfluss und Personen im kindlich-jugendlichen Alter ist wohl so offensichtlich, dass ich dazu nichts mehr schreiben muss, aber was interessant an solchen Shounen Anime ist, sind die klaren moralischen Ideen, die transportiert werden (gilt natürlich nicht für alle Shounen Anime!). Die Guten und Bösen sind meistens klar markiert und was das "Richtige" ist, wird den Rezipient*innen auch klar vermittelt. Ob der Moraldiskurs seinen Platz in Shounen Anime nun findet, um die Zielgruppe zu erziehen, sei dahingestellt. Jedoch sollte klar sein, dass es kritisch ist, wenn Figuren, die sexuelle Gewalt verüben, als "gute Personen" dargestellt werden. Man gibt der Idee des Mannes, welcher sich seine sexuellen Wünsche ungeachtet der Gefühle seines Gegenübers erfüllt, einen gesellschaftlich akzeptablen Platz.
Wer immer noch glaubt, dass der "grapschende Mann" eine Fantasievorstellung aus der Animewelt ist, darf sich gerne diesen Artikel durchlesen:
Should Japanese men have the right to molest women on the train? A close friend of the Prime Minister writes, “Yes!”
Hierbei handelt es sich um die Aussage des Beraters von Shinzo Abe, der behauptet, dass Männer die eigentlichen Opfer sind, wenn sie Frauen im Zug begrapschen, weil sie ihr natürlicher Trieb automatisch dazu zwingt. Eine echte Person mit enger Verbindung zu Japans mächtigstem Mann sagt so etwas im vollen Ernst.

Noire. schrieb:
Außerdem sehe ich vor allem die Zuschneidung rein auf Anime sehr kritisch. Vergewaltigung/Folterung usw. wird z.B. auch manchmal in westlichen Filmen sehr gerne hergenommen, wenn auch verschiedenen Grades.

Der Vergleich mit westlichen Filmen ist reinster Whataboutism. Solche Darstellungen gilt es auch in der westlichen Film- und Fernsehindustrie zu kritisieren und auch diese Industrie ist zweifelsohne problembehaftet. Das macht das von mir beschriebene Problem bei Anime und Manga aber deswegen nicht weniger bedenklich. Es handelt sich nicht um etwas, das man in wenigen Ausnahmefällen aufschnappen kann. Es sind immer wiederkehrende Motive, die in etlichen beliebten Anime auftauchen und dabei zumeist positiv konnotiert werden.
Im Übrigen ist auch dein Beispiel von der Darstellung einer Vergewaltigung nichts an und für sich Problematisches. Man kann Gewalt und Unterdrückung in Kunst und Medien darstellen, jedoch bestimmt die Art und Weise, wie es schlussendlich aufgenommen wird. Gerne nenne ich hier meinen Lieblingsfilm von Satoshi Kon Perfect Blue als Beispiel, der eine explizite Vergewaltigungsszene beinhaltet, jedoch lässt die Darstellung dieser Szene zu keinem Zeitpunkt darauf schliessen, dass es sich hierbei um etwas Positives oder gar Amüsantes handeln könnte.


Noire. schrieb:
Ich finde es eher schlimm wie das Medium Anime jetzt teilweise von der westlichen Gesellschaft als potenzielles Vergewaltigungsmedium dargestellt wird, vorallem von einer ganz gewissen Bewegung mit ihrem Hashtag.

Ich bin mir nicht sicher, auf was du hier hinaus willst. Ich denke auch, dass in der westlichen Gesellschaft kein kohärentes Bild des Mediums Anime gezeichnet wird, aber so verhält es sich mit einigen künstlerischen Unterhaltungsmedien wie z.B. Gaming oder einigen Musikgenres. Nur weiss ich nicht, welche Bewegung mit ihrem Hashtag Anime so darstellt. Wenn es aber um sexuelle Gewalt geht, kenne ich die Bewegung #MeToo. Wusstest Du, dass eine solche Bewegung in Japan nun auch ihren Lauf nimmt? Diese läuft unter dem Hashtag #WithYou und ist besonders spannend, wenn Du dich mit japanischem Feminismus ernsthaft auseinandersetzen möchtest. Hier ist ein Link zu einem interessanten Artikel, der keinen schlechten Einstieg bietet: In Japan It's Now #WithYou

Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 4 Tage her #827817

Ich muss gestehen, habe mir über deine beschriebene Problematik nie wirklich viele Gedanken gemacht. Die erste Frage, die ich mir hierbei gerade stelle, ist, warum genau ist diese sexuelle Präsenz in Animes eigentlich so groß? Nun, das führe ich mal auf die gleiche Ursache zurück, die viele Aspekte der Anime- und Mangawelt in Japan prägt. Die Japaner sind ein auf Höflichkeit und Regeln getrimmtes Volk. Sozialer Status, Anstand und ein normgerechter Umgang miteinander bilden Grundlage vieler Aspekte des japanischen Alltags. Das Medium Anime ist eine Chance, aus dieser von regeln dominierten Gesellschaft auszubrechen und speziell das dominante Auftreten der Sexualität ist eine Art und Weise, wie dies geschieht. Damit will ich überhaupt nichts rechtfertigen, das ist nur eine von mir gerade zusammengeschusterte Erklärung, wie es dazu kommt.

Empfinde ich es als problematisch, wenn Mineta alles in seiner Macht stehende tut, um die Mädels beim Baden zu beobachten? Hm.... schwierig. Betrachte ich Mineta, Muten-Roshi, Jiraiya, der perverse Opa von Ranma und wer sonst noch so alles da draußen rumwuselt als Einzelfall, kann ich hier nur mit „Nein“ antworten. Ob ich ihr Gebaren nun urkomisch, völlig nebensächlich oder sogar als nervig empfinde, am Ende sind es einfach Gags, die eine lustige Stimmung erzeugen sollen. Oder eben Fan-Service, wenn der Protagonist aus Versehen in die Brüste diverser Mädchen fliegt und die Hände aus merkwürdigen Gründen eine gefühlte Ewigkeit dort verweilen. Wie gesagt, als Einzelfall betrachtet. Aber ich kann nicht leugnen, dass es sich hier nun mal nicht um Einzelfälle handelt, was du ja selbst breit ausführst. Dass das Medium Anime in seiner Gesamtheit eine Verharmlosung gegenüber sexueller Gewalt propagiert, würde ich trotzdem in Zweifel ziehen. Dafür sehe ich persönlich einfach viel zu sehr den Helden jeder Geschichte als moralisches Vorbild in dieser Beziehung. Muten-Roshi ist ein alter Perversling? Aber Son Goku dafür die Unschuld in Person! Mineta ist ein kleiner Lustmolch? Aber Midoryia weis wahrschenlich nicht mal, wie man „schmutzig" buchstabiert! Naruto kommt als kleiner Lausebub mit dem Sexy-Jutsu daher. Wenn es ernst in der Liebe wird, zeigt er sich aber von einer äuserst ernsten und seriösen Seite. Offensichtlich spreche ich hier nicht von typischen Ecchi-Animes. Diese sind nochmal ein ganz anderes Thema, das finde ich aber auch nicht unbedingt hierher gehört, wenn du von sexueller Gewalt redest. Wie Frauen dort dargestellt werden, kann durchaus eine Diskussion wert sein. Aber hier spielen in den seltensten Fällen schlechtes Benehmen des männlichen Parts eine tragende Rolle. Die Mädels in High School DxD, um mal ein populäres beispiel zu nennen, sind zumindest nicht wirklich männlicher Gewalt ausgesetzt.

So zumindest meine persönliche Sichtweise der Dinge. Aber vielleicht gehe ich da auch einfach zu naiv ran, weil ich selbst zu unsensibel bin. Sexuelle Gewalt ist ein großes Thema und wird viel zu oft heruntergespielt und egalisiert. Ein kritischer Blick ist da niemals verkehrt. Allerdings sollte man bei allen kritischen Blicken trotzdem nicht zu voreilig sein, etwas eigentlich harmloses zu verurteilen.
Letzte Änderung: 2 Wochen 4 Tage her von MrSalomon.
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 4 Tage her #827824

Wird sexuelle Belästigung in Anime normalisiert oder gar glorifiziert? Hat Anime als Medium ein Problem mit der Darstellung von sexueller Gewalt?

Die Antwort auf beiden Fragen lautet schlicht NEIN. Und damit ist diese unnötige Diskusion auch schon zuende.
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 4 Tage her #827825

Wassily schrieb:
: Wird sexuelle Belästigung in Anime normalisiert oder gar glorifiziert?

Nein. Reicht doch mal langsam.

Mir ging es schon auf die Nerven, dass ständig irgendwelche Moralapostel und, oder Gutmenschen immer und überall ihre negative, subjektive Meinung gegenüber Ecchi beisteuern müssen. Und das hier? Das hier bietet genau diesen Menschen nochmal ne Bühne.
Ganz einfach. Wenn ihr Ecchi oder derartiges nicht mögt, dann schaut es doch bitte einfach nicht. Beschäftigt euch vor mir aus erst gar nicht damit.

Und wenn ich schon den Titel dieses Thread lese... Wenn wir danach gehen findet man nicht nur im Medium "Anime" so etwas.
Ganz ehrlich da finde ich die heutigen Sendungen wie " Berlin Tag und Nacht " schlimmer. Das sind nämlich waschechte, menschliche Schauspieler, die einem meistens wirklich ein schlechtes Vorbild sind.
Aber keines davon ist doch verpflichtet eine Vorbildfunktion einzunehmen.
Um ehrlich zu sein ist es sogar mal erfrischend sowas zu sehen, weil dies nicht den langweiligen Alltag wiederspiegelt.
Imoutos are Love ~ Imoutos are Life ~ <3
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 4 Tage her #827827

MrSalomon schrieb:
Ich muss gestehen, habe mir über deine beschriebene Problematik nie wirklich viele Gedanken gemacht. Die erste Frage, die ich mir hierbei gerade stelle, ist, warum genau ist diese sexuelle Präsenz in Animes eigentlich so groß? Nun, das führe ich mal auf die gleiche Ursache zurück, die viele Aspekte der Anime- und Mangawelt in Japan prägt. Die Japaner sind ein auf Höflichkeit und Regeln getrimmtes Volk. Sozialer Status, Anstand und ein normgerechter Umgang miteinander bilden Grundlage vieler Aspekte des japanischen Alltags. Das Medium Anime ist eine Chance, aus dieser von regeln dominierten Gesellschaft auszubrechen und speziell das dominante Auftreten der Sexualität ist eine Art und Weise, wie dies geschieht. Damit will ich überhaupt nichts rechtfertigen, das ist nur eine von mir gerade zusammengeschusterte Erklärung, wie es dazu kommt.

Interessante Perspektive! Natürlich müssen wir uns auch vor Augen führen, dass wir hier einen aussenstehende, westlichen Standpunkt einnehmen, aber deine Erklärung ist durchaus sinnig. Aktuell herrscht jedoch auch in Japan eine politische Debatte, inwiefern mit sexueller Belästigung und Gewalt umgegangen werden soll. So sagte der japanische Finanzminister Taro Aso: "Sexuelle Belästigung ist kein Verbrechen in Japan.", was zu grossen Protesten und der #WithYou-Bewegung führte. Insgesamt herrscht in Japan jedoch nach wie vor eine äusserst patriarchalische Gesellschaftsstruktur, was in gewissen traditionellen Vorstellungen wie etwa dem Konzept des dasonjohi verwurzelt ist. Es besagt im Prinzip nicht mehr und nicht weniger als "Respekt für den Mann, Verachtung für die Frau". Teils aus dieser Logik heraus (Traditionen sind heilig. Sexismus ist ein Teil der Tradition, also soll auch der Sexismus gewahrt werden) entspringt das strukturelle Verharmlosen von sexueller Gewalt und Belästigung.

MrSalomon schrieb:
Empfinde ich es als problematisch, wenn Mineta alles in seiner Macht stehende tut, um die Mädels beim Baden zu beobachten? Hm.... schwierig. Betrachte ich Mineta, Muten-Roshi, Jiraiya, der perverse Opa von Ranma und wer sonst noch so alles da draußen rumwuselt als Einzelfall, kann ich hier nur mit „Nein“ antworten. Ob ich ihr Gebaren nun urkomisch, völlig nebensächlich oder sogar als nervig empfinde, am Ende sind es einfach Gags, die eine lustige Stimmung erzeugen sollen. Oder eben Fan-Service, wenn der Protagonist aus Versehen in die Brüste diverser Mädchen fliegt und die Hände aus merkwürdigen Gründen eine gefühlte Ewigkeit dort verweilen. Wie gesagt, als Einzelfall betrachtet. Aber ich kann nicht leugnen, dass es sich hier nun mal nicht um Einzelfälle handelt, was du ja selbst breit ausführst. Dass das Medium Anime in seiner Gesamtheit eine Verharmlosung gegenüber sexueller Gewalt propagiert, würde ich trotzdem in Zweifel ziehen. Dafür sehe ich persönlich einfach viel zu sehr den Helden jeder Geschichte als moralisches Vorbild in dieser Beziehung. Muten-Roshi ist ein alter Perversling? Aber Son Goku dafür die Unschuld in Person! Mineta ist ein kleiner Lustmolch? Aber Midoryia weis wahrschenlich nicht mal, wie man „schmutzig" buchstabiert! Naruto kommt als kleiner Lausebub mit dem Sexy-Jutsu daher. Wenn es ernst in der Liebe wird, zeigt er sich aber von einer äuserst ernsten und seriösen Seite. Offensichtlich spreche ich hier nicht von typischen Ecchi-Animes.

Das stimmt auch. Anime wie Naruto oder My Hero Academia habe ich besonders genossen, auch wenn in diesen Anime Archetypen von Charakteren vorkommen, die ich in diesem Thread bereits kritisiert habe. Solche Charaktere sind für mich auch kein Grund einen ansonsten sehenswerten Anime zu boykottieren, jedoch nerve ich mich genügend darüber, aber davon sollte man sich auch nicht das Gesamterlebnis versauen lassen. Ich schlage lediglich vor, dass man sich darüber Gedanken machen und ein gesellschaftlich so brisantes Thema, das so präsent in unserem Lieblingsmedium ist, offen diskutieren und kritisieren sollte.

Issei-Hyoudou16 schrieb:
Mir ging es schon auf die Nerven, dass ständig irgendwelche Moralapostel und, oder Gutmenschen immer und überall ihre negative, subjektive Meinung gegenüber Ecchi beisteuern müssen. Und das hier? Das hier bietet genau diesen Menschen nochmal ne Bühne.
Ganz einfach. Wenn ihr Ecchi oder derartiges nicht mögt, dann schaut es doch bitte einfach nicht. Beschäftigt euch vor mir aus erst gar nicht damit.

Bisher wurde hier doch gar nicht spezifisch über Ecchi Anime diskutiert? Meiner Meinung nach darf und soll erotische Unterhaltung auch in Anime und Manga ihren Platz finden. Was man davon hält, verbleibt als Geschmacksfrage. An dieser Stelle sollten aber eindeutig sexuellen Inhalten von sexueller Gewalt unterschieden werden. Die Darstellung von Nacktheit oder sexuellen/erotischen Interaktionen mit Zustimmung sind in meinen Augen keiner Diskussion wert, da sie vollkommen in Ordnung sind. Problematisch wird es, wenn es sich in sexuelle Gewalt wandelt, diese positiv konnotiert wird oder als gerechtfertigt dargestellt wird.
Die darauffolgende Argumentation erscheint mir dann doch bedenklich. Ich persönlich denke, dass man in einem Diskussionsforum (und auch im Alltag) jeder Meinung eine "Bühne bieten" darf. Durch Kritik und Dialog kann man als Mensch und Gesellschaft wachsen. Ich freue mich in diesem Thread über jede Meinung und jedes Argument unabhängig davon, ob ich dem zustimme. Andererseits halte ich es für keine Lösung, wenn man den Ansatz "Wenn es dir nicht gefällt, schau weg" zu vertreten. Wenn jemandem Rassismus, Gewalt und Krieg nicht gefällt, soll er sich dann einfach "gar nicht erst damit beschäftigen"? Ich denke nicht. Auch wenn wir alle Anime lieben, dürfen wir Probleme, wenn wir welche entdecken, offen ansprechen und darüber diskutieren.

Issei-Hyoudou16 schrieb:
Und wenn ich schon den Titel dieses Thread lese... Wenn wir danach gehen findet man nicht nur im Medium "Anime" so etwas.
Ganz ehrlich da finde ich die heutigen Sendungen wie " Berlin Tag und Nacht " schlimmer. Das sind nämlich waschechte, menschliche Schauspieler, die einem meistens wirklich ein schlechtes Vorbild sind.
Aber keines davon ist doch verpflichtet eine Vorbildfunktion einzunehmen.
Um ehrlich zu sein ist es sogar mal erfrischend sowas zu sehen, weil dies nicht den langweiligen Alltag wiederspiegelt.

Dieses Argument ist erneut nichts als Whataboutism. Mit dieser Argumentationsstruktur könnte man auch behaupten, dass man Hitler nicht kritisieren sollte, weil es ja Stalin gab. Es geht mir auch nicht darum, dass Animefiguren eine Vorbildfunktion einnehmen sollen. Es ist nicht die Aufgabe der Kunst, moralisch zu erziehen. In Anime sollen moralisch schlechte, gute wie auch undefinierbare Charaktere ihren Platz finden. Jedoch halte ich es mindestens für diskussionswürdig, wenn etwas eindeutig Negatives (hier: sexuelle Gewalt) einer positiv konnotierten Figur zugeschrieben wird oder als witziger Gag in die Szene eingebaut wird. Dann stellt sich die Frage, was für einen Einfluss so etwas auf die Rezipient*innen hat (ob Medien einen Einfluss auf Personen haben, habe ich schon im vorherigen Beitrag diskutiert, also unterlasse ich es mal, mich zu wiederholen).

Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 3 Tage her #827857

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Wassily schrieb:
Dieses Argument ist erneut nichts als Whataboutism. Mit dieser Argumentationsstruktur könnte man auch behaupten, dass man Hitler nicht kritisieren sollte, weil es ja Stalin gab. Es geht mir auch nicht darum, dass Animefiguren eine Vorbildfunktion einnehmen sollen. Es ist nicht die Aufgabe der Kunst, moralisch zu erziehen. In Anime sollen moralisch schlechte, gute wie auch undefinierbare Charaktere ihren Platz finden. Jedoch halte ich es mindestens für diskussionswürdig, wenn etwas eindeutig Negatives (hier: sexuelle Gewalt) einer positiv konnotierten Figur zugeschrieben wird oder als witziger Gag in die Szene eingebaut wird. Dann stellt sich die Frage, was für einen Einfluss so etwas auf die Rezipient*innen hat (ob Medien einen Einfluss auf Personen haben, habe ich schon im vorherigen Beitrag diskutiert, also unterlasse ich es mal, mich zu wiederholen).

Dennoch liegt der Vergleich mit ähnlichen Medien nahe, findest du nicht? ... Auch wenn der gute Issei-Hyoudou16 das hier auf denkbar schlechte Weise getan und deinen Denkanstoß wohl - sei es bewusst oder unbewusst - fehlinterpretiert hat (woran die semi-aussagekräftigen Anglizismen eventuell nicht unschuld sind^^), liegt er mit der Implikation nicht falsch, dass sich die von dir beschriebene Form der sexuellen Belästigung hauptsächlich und mit verschwindend geringen Ausnahmen auf ein spezifisches Anime-Genre reduziert und selbst da, obwohl relativ weit verbreitet, nicht in allen Fällen auftritt sondern wie du eben sagst als Trope/Cliché vorkommt oder eben mittlerweile teils auch unterminiert wird.

Genau an dieser Stelle lädt mich das dann natürlich ein, die Gedanken schweifen zu lassen und zu überlegen ob wir das in anderen Kulturkreisen in ähnlicher Form kennen und möglicherweise noch weniger wahrnehmen, weil wir selbst als Teil dieser Kultur dem gegenüber vielleicht auch eher desensibilisiert sind. In den Sinn kommt mir da als erstes das (zumindest meines Wissens) zum Glück immer weniger auftretende Film-(Sub-)Genre des Torture-Porns á la Saw und Hostel, in dem es letztendlich auch nur um Gewalt der Gewalt willen geht, während sexuelle Belästigung als ... ja ich will schon sagen als Comedy-Element in westlichen Medien ein großes rotes Stop-Schild mit sich trägt weil es sonst einen Shitstorm ungeahnten Ausmaßes geben würde. Aber Foltern und Ausweiden - Ne, ist kein Problem, "Mir gefällt's nicht, aber jedem das seine.", hört man auch da gerne.

Hier bitte ich dann auch mich nicht misszuverstehen, denn damit will ich die Verharmlosung von sexueller Belästigung in einer Anime-Sparte nicht gutheißen oder rechtfertigen, sondern sie vielmehr in Relation zu unseren anderen Formen der Unterhaltungsmedien allgemein stellen und den Scheinwerfer eventuell sogar nochmal komplett herumdrehen und auf den Zuschauer und dem scheinbar allgemein im Menschen innewohnenden Voyeurismus richten, der sich leider nicht nur in Unterhaltungsmedien sondern auch im alltäglichen Leben immer wieder zeigt.

Kann man vielleicht auch bei diesem Thema im Hinterkopf behalten und zumindest in die Diskussion miteinfließen lassen. :)
Letzte Änderung: 2 Wochen 3 Tage her von Knives.
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 2 Tage her #827885

@Wassily
Wird sexuelle Belästigung in Anime normalisiert oder gar glorifiziert? Hat Anime als Medium ein Problem mit der Darstellung von sexueller Gewalt?
Aus meiner bescheidenen Sicht ein klares Nein, zumindest nicht so, wie du diese Problematik darstellst. Deine Bespiele, mit der du deine These stützt, wiedersprechen selbiger. Was ich damit meine und welches Problem ich mit dem jeweiligen Beispiel an sich habe, führe ich deshalb detailliert auf.
Zuerst soll die Trope des zufälligen Betatschens (oder auch the accidental perv) genannt werden. Dies läuft meist so ab, dass die männliche Figur "durch reinen Zufall und bestimmt ungewollt" in die sekundären oder primären Geschlechtsteile einer weiblichen Figur mit seinem Gesicht oder seinen Händen "hineinfällt". Solche "Unfälle" dienen lediglich dazu, um sexuelle Interaktionen ohne Zustimmung der belästigten Figur darzustellen. Dies soll wohl schlussendlich dazu geschehen, um die Rezipient*innen zu erfreuen - demzufolge reiner Fan Service.
Ich bin mir nicht direkt im klaren, warum Passagen mit Zufall in Anführungszeichen setzt. Selbstverständlich sind solche Szenen mit zufälligem Betatschen von den Machern beabsichtigt, aber im Kontext der Handlung geschehen diese zufällig. Mir fallen mehrere Beispiele ein, indem ein männlicher Protagonist stolpert und zufällig auf dem Ausschnitt einer Frau landet. Die Frau hat dafür nicht ihr Einverständnis gegeben. Soweit so gut, aber der Stolpernde genauso wenig. Sollte er den Sturz nicht geplant haben, geschieht diese Handlung ebenso sehr gegen seinen Willen wie gegen den der Frau, auf der er landet. Hier von sexueller Belästigung oder gar von Gewalt zu sprechen, halte ich schon für äußerst grenzwertig. Es ist keine Belästigung, wenn man unglücklich stolpert und dadurch ebenso unglücklich landet. Natürlich kann sich die Frau im ersten Moment belästigt fühlen, aber diese Handlung geht dabei nicht von dem Typen aus, der blöd landet, er ist ebenso ein Opfer der Umstände und hat niemanden belästigt. The accidental perv ist meiner Meinung nach ein Begriff, der in sich unstimmig ist. Ein Charakter kann vielleicht zufällig ein Perverser sein, aber er kann sich nicht zufällig pervers verhalten. Eine perverse Handlung wird durch ihre Intention zu einer solchen pervers. Ich habe diesbezüglich auch ein Beispiel aus dem Anime Chrono Crusade. Ich verpacke es sicherheitshalber in einen Spoiler, aber eigentlich kann ihn auch jeder, der den Anime noch nicht kennt, lesen, da er nur eine einzige, vergleichsweise belanglose Situation innerhalb der Geschichte behandelt.
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Bei der zweiten Trope handelt es sich um den liebenswerten Perversling (oder auch the loveable perv). Hierbei handelt es sich um einen häufig vorkommenden Archetyp von Animefiguren, welche schon in den beliebtesten Anime in Erscheinung getreten sind (z.B. Master Roshi aus Dragonball oder Mineta aus My Hero Academia). Im Gegensatz zur ersten Trope handeln diese Charaktere intentional. Hier werden also vollkommen beabsichtigt weibliche Figuren sexuell belästigt bzw. sexueller Gewalt ausgesetzt. Dies wird dann erst recht äusserst problematisch, wenn man bedenkt, dass solche Momente einen belustigenden Mehrwehrt haben sollen und dass die liebenswerten Perverslinge als positive Figuren gezeichnet werden. Man soll sich die Szene ansehen und die zur Schau gestellte Belästigung/Gewalt lustig finden. Man soll ein empathisches Verhältnis zu den Peverslingen entwickeln. Man soll verstehen, dass das keine widerwärtigen Leute sind, dass sie durch den magischen Zufall andere Figuren begrapschen und dass die darauffolgende Reaktion eine karikierte und unberechtigte Überreaktion ist. Es soll amüsant sein.
Auch bei diesem Beispiel finde ich deine Interprätation etwas eigenwillig. Denn dass solche Charaktere wie Mineta nicht wiederwärtig sein sollen, wird durch den Witz nicht untergraben. Ganz im Gegenteil: seine Perversionen sind in diesem Fall der Witz. Es wird mit ihm innerhalb der Serie immer wieder auf die Spitze getrieben, wie weit er gehen würde, um sich an Frauen ranzumachen, dabei scheitert er jedoch des öfteren, bekommt Schläge, wird weckgejagt oder beleidigt. Die Mädchen aus My Hero Academia sehen in ihm genau das, als was er porträtiert wird: einen Perversen. Seine Taten werden nicht gebilligt oder gar glorifiziert. Es wird überdeutlich klar gemacht, dass sich so niemand verhalten sollte und die Strafe für sein unsägliches Verhalten ist der Witz. Es macht Spaß ihn scheitern und verzweifeln zu sehen. Man lacht gerade über ihn, weil er ein solch schamloser Charakter ist und man ihm von Herzen gönnt, dass er auf die Schnauze fliegt. Man sympatisiert zwar in einem gewissen Maße mit ihm, weil er uns zum Lachen bringt und wir Charaktere lieb gewinnen, die uns zum Lachen bringen, aber das liegt auch daran, dass Mineta an sich auch ein nicht ernst zu nehmender Charakter ist. Sein Charakter und sein Verhalten sind einfach zu absurd. Und nur weil er zu den Guten gehört, wird uns zu keinem Zeitpunkt suggeriert, dass das, was er macht, okay ist. Glaubst du man würde immer noch mit ihm sympatisieren, wenn er ernsthaft sexuelle Gewalt auf eine Frau ausüben würde? Glaubst, man würde über ihn lachen, wenn er jemanden vergewaltigen würde?
Wird sexuelle Belästigung in Anime normalisiert oder gar glorifiziert?
Nein, weder das Verhalten von Mineta noch von dem Herrn der Schildkröten wird als normal angesehen, auch nicht in der fiktiven Welt, in der sie leben. Sie werden für ihr Verhalten gerade von den weiblichen Charakteren angefeindet und es ist gerade lustig, weil das nicht normal, sondern absurd lächerlich ist. Auch diese Unfälle, bei denen Charaktere zufällig Brüste berühren sind halt einfach so unglücklich und offensichtlich konstruiert, dass man gar nicht auf die Idee kommt, das könnte irgendwie normalisiert werden. Die weiblichen Charaktere würden sich ja auch kaum darüber aufregen, wenn es normal wäre und da sie es verurteilen, wird es auch nicht glorifiziert.
Hat Anime als Medium ein Problem mit der Darstellung von sexueller Gewalt?
Selbst wenn deine These an sich stimmen würde, so sähe ich es dennoch als höchst fragwürdig dieses "Problem" auf das komlplette Medium zu beziehen. Es gibt Anime, in denen solche Stellen nicht vorkommen und umgekehrt auch Reallife Bücher, Filme, Serien und generell alle Arten von Medien, die solche Inhalte thematisieren. Warum also den Fokus auf Anime im speziellen legen? Ich finde gerade die Abstraktheit von Anime eigenen sich äußerst gut, um die Absurdität der Situationen hervorzuheben und zu zeigen, dass das weit weg vom echten Leben ist und selbst wenn es das echte Leben wäre, so sind diese Handlungen auch in den Anime als verwerflich angesehen worden.

Zum Abschluss habe ich noch ein Beispiel für dich, dass aufzeigen sollte, dass durch Anime sexuelle Gewalt keinesfalls verharmlost wird. Es geht wieder um den Anime Chrono Cruserade und im Gegensatz zum ersten Beispiel, ist hier der Spoiler etwas größer.
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 2 Tage her #827897

Faustus schrieb:
Ich bin mir nicht direkt im klaren, warum Passagen mit Zufall in Anführungszeichen setzt. Selbstverständlich sind solche Szenen mit zufälligem Betatschen von den Machern beabsichtigt, aber im Kontext der Handlung geschehen diese zufällig. Mir fallen mehrere Beispiele ein, indem ein männlicher Protagonist stolpert und zufällig auf dem Ausschnitt einer Frau landet. Die Frau hat dafür nicht ihr Einverständnis gegeben. Soweit so gut, aber der Stolpernde genauso wenig. Sollte er den Sturz nicht geplant haben, geschieht diese Handlung ebenso sehr gegen seinen Will wie gegen der der Frau, auf der er landet.

Die Anfühungszeichen ironisieren den Zufall solcher Szenen. In einem Kunstwerk gibt es keine Zufälle. Wenn wir nun über Anime sprechen, dann sollte wohl klar sein, dass Autor*innen den Verlauf von Szenen vollständig durchdenken und selbstständig verfassen. Du sprichst es selbst an: Es ist von den Macher*innen beabsichtigt. Wenn du hierbei die in solchen Szenen inhärente Apologetik als Argument verwendest (der Mann führe die sexuelle Gewalt unwillentlich aus, also ist er unschuldig), vernachlässigst du die Botschaft und den Zweck hinter solchen Szenen. Hier wird nicht der Zufall um des Zufalls willen präsentiert, sondern es wird eine bestimmte Komik aus dieser Darstellung gezogen. Diese besteht einerseits im "unglücklichen Zufall selbst", andererseits aber umso stärker in der Reaktion der verletzten Figur. Du erwähnst ja, dass die Konsequenz meist in "Anfeindungen" durch den weiblichen Charakter besteht, aber wenn man einen genauen Blick darauf wirft, fällt auf, dass die Reaktion häufig als unverhältnismässige Überreaktion gezeichnet wird. Die überspitzte Reaktion soll witzig sein, man soll Mitleid mit dem Mann haben, der für die Situation nichts kann - und genau an dieser Stelle kommt es zur Verharmlosung durch ein verdrehtes Schuldverhältnis innerhalb eines komischen Kontexts. Das wäre nun die Botschaft hinter dieser Art von Szenen, der Zweck hingegen lässt sich leicht erklären: Fan Service. Solche Szenen tragen nichts zum Narrativ des Anime/Manga bei, also werden sie eingebaut, um den Figuren einen Grund zu geben, in einen erotischen Kontakt zu geraten und dadurch im Endeffekt die Zuschauer*innen zu erfreuen.
Die Komik als Zweck solcher Darstellung zu setzen, wie du es in deinem ersten Spoilertext machst, erscheint mir unsinnig. Tollpatschigkeit ist keine humoristische Revolution. Seitdem die Dick und Doof-Filme der 30er und 40er Jahre und die Mr. Bean-Sketches der 90er Jahre aus dem Fundus tollpatschiger Momente wohl das Maximum ausgeschöpft haben, ist die Formel dahinter nicht mehr besonders mystisch. Genau deshalb kann man auch nicht davon sprechen, dass solche Szenen witzig sein sollen. Die Szene des zufälligen Grapschers gab es schon zu oft und ein Witz wird nicht lustiger, je öfter man ihn erzählt. Neon Genesis Evangelion führte bereits vor über 20 Jahren eine hervorragende Dekonstruktion dieser Trope durch (Ep. 5), trotzdem haben wir in den letzten 20 Jahren zig Anime zu sehen bekommen, die immer noch auf diese Trope zurückgreifen, und der Grund liegt nicht im Witz hinter dieser Szene. Man sucht eine Entschuldigung, um zumeist weibliche Figuren sexuell zu bedrängen und der Zufall spielt lediglich den Sündenbock dabei.

Faustus schrieb:
Auch bei diesem Beispiel finde ich deine Interprätation etwas eigenwillig. Denn dass solche Charaktere wie Mineta nicht wiederwärtig sein sollen, wird durch den Witz nicht untergraben. Ganz im Gegenteil: seine Perversionen sind in diesem Fall der Witz. Es wird mit ihm innerhalb der Serie immer wieder auf die Sppitze getrieben, wie weit er gehen würde, um sich an Frauen ranzumachen, dabei scheitert er jedoch des öfteren, bekommt Schläge, wird weckgejagt oder beleidigt. Die Mädchen aus My Hero Academia sehen in ihm genau das, als was er porträtiert wird: einen Perversen. Seine Taten werden nicht gebilligt oder gar glorifiziert. Es wird überdeutlich klar gemacht, dass sich so niemand verhalten sollte und die Strafe für sein unsägliches Verhalten ist der Witz. Es macht Spaß ihn scheitern und verzweifeln zu sehen. Man lacht gerade über ihn, weil er ein solch schamloser Charakter ist und man ihm von Herzen gönnt, dass er auf die Schnauze fliegt. Man sympatisiert zwar in einem gewissen Maße mit ihm, weil er uns zum Lachen bringt und wir Charaktere lieb gewinnen, die uns zum Lachen bringen, aber das liegt auch daran, dass Mineta an sich auch ein nicht ernst zu nehmender Charakter ist. Sein Charakter und sein Verhalten sind einfach zu absurd. Und nur weil er zu den Guten gehört, wird uns zu keinem Zeitpunkt suggeriert, dass das, was er macht okay ist.
[...]
Nein, weder das Verhalten von Mineta noch von dem Herrn der Schildkröten wird als normal angesehen, auch nicht inder fiktiven Welt, in der sie leben. Sie werden für ihr Verhalten gerade von den weiblichen Charakteren angefeindet und es ist gerade lustig, weil das nicht normal, sondern absurd lächerlich ist.

Zwar behauptest du, meine Argumentation widerspreche sich selber, aber in diesem Abschnitt formulierst du, dass der "liebenswerte Perversling" (hier: Mineta) gleichzeitig widerwärtig als auch sympathisch ist. Natürlich werden Akte der sexuellen Gewalt nicht als Heldentaten gefeiert, selbst in Japan, wo ein Grossteil der Gesellschaft bezüglich solcher Thematiken äusserst rückständig ist, könnte man so etwas nicht ausstrahlen. Die Normalisierung geschieht hier unterschwellig, indem man eben die Charaktertropen eines Perverslings mit sympathisierender Komik vermischt. Die Idee eines solchen pervertierten Verhaltens wird hierbei nicht gleichzeitig durchgeführt und akzeptiert, sondern wird in auf eine verharmlosende Weise zwar getadelt, aber all ihre Figuren verlieren niemals ihren gesellschaftlichen Platz als akzeptierter Teil der moralisch-guten Akteure. (Den unterschwelligen Einfluss von Medien habe ich auch schon kurz in meiner Antwort zum Post von Noire. angedeutet). Dadurch, dass solche Figuren (wie du selbst sagst) nicht ernst genommen werden, wird auch das, was sie tun, nicht ernst genommen. Der Ernst von sexueller Gewalt wird durch die Komik in Unernst verkehrt, also nimmt das Medium das damit einhergehende Problem nicht ernst und sexuelle Gewalt wird verharmlost und normalisiert.

Faustus schrieb:
Glaubst du man würde immer noch mit ihm sympatisieren, wenn er ernsthaft sexuelle Gewalt auf eine Frau ausüben würde? Glaubst, man würde über ihn lachen, wenn er jemanden vergewaltigen würde?

Der Begriff sexuelle Gewalt beinhaltet weit mehr als nur Vergewaltigung. Es beginnt bereits bei ungewollten Berührungen und Anmachen (weiteres dazu kann man auf vielerlei Internetseiten zu diesem Thema finden). Unsere Beispielfigur (Mineta) ist also ein klarer Fall von Ausübung von sexueller Gewalt an weiblichen Figuren.

Faustus schrieb:
Selbst wenn deine These an sich stimmen würde, so sähe ich es dennoch als höchst fragwürdig dieses "Problem" auf das komlplette Medium zu beziehen. Es gibt Anime, in denen solche Stellen nicht vorkommen und umgekehrt auch Reallife Bücher, Filme, Serien und generell alle Arten von Medien, die solche Inhalte thematisieren. Warum also den Fokus auf Anime im speziellen legen? Ich finde gerade die Abstraktheit von Anime eigenen sich äußerst gut, um die Absurdität der Situationen hervorzuheben und zu zeigen, dass das weit weg vom echten Leben ist und selbst wenn es das echte Leben wäre, so sind diese Handlungen auch in den Anime als verwerflich angesehen worden.

Also selbst wenn meine Argumentation richtig ist, so sollten wir das Ganze ignorieren, weil es ja auch in anderen Medien Beispiele für ähnliche Probleme gibt? Ich denke eher weniger (siehe meine Antworten zum Whataboutism anderer User*innen). Dass es Anime gibt, die sich (zum Glück!) nicht an solchen Tropen bedienen, negiert nicht das Problem derjenigen Anime, die es eben doch tun.
Warum den Fokus auf Anime legen? Einerseits weil wir uns hier in einem Anime und Manga-Forum bewegen und andererseits weil das Problem weitaus omnipräsenter als in vielen westlichen Unterhaltungsmedien ist, was man möglicherweise auf die patriarchalen Strukturen der japanischen Gesellschaft zurückführen kann (siehe meine verlinkten Artikel dazu). Vor allem aber weil wir als Liebhaber*innen von Anime und Manga einen ehrlichen Umgang mit diesem Medium pflegen sollten. Unsere Auseinandersetzung damit sollte nicht aus einem unreflektierten Konsumverhalten bestehen, vielmehr, finde ich, sollte man die präsentierten Ideen und Konzepte gründlich diskutieren.

Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 1 Tag her #827901

@Wassily
Du sprichst es selbst an: Es ist von den Macher*innen beabsichtigt. Wenn du hierbei die in solchen Szenen inhärente Apologetik als Argument verwendest (der Mann führe die sexuelle Gewalt unwillentlich aus, also ist er unschuldig), vernachlässigst du die Botschaft und den Zweck hinter solchen Szenen.
An diesem Punkt ein kleiner Verständigungsfehler: Ich meinte mit meiner Aussage nicht, dass der Mann die sexuelle Gewalt unwissentlich ausführt, wie du es interprätiertst, sondern selbst Opfer einer höheren Gewalt ist. Demnach ist er an sich unschuldig.
Hier wird nicht der Zufall um des Zufalls willen präsentiert, sondern es wird eine bestimmte Komik aus dieser Darstellung gezogen. Diese besteht einerseits im "unglücklichen Zufall selbst", andererseits aber umso stärker in der Reaktion der verletzten Figur. Du erwähnst ja, dass die Konsequenz meist in "Anfeindungen" durch den weiblichen Charakter besteht, aber wenn man einen genauen Blick darauf wirft, fällt auf, dass die Reaktion häufig als unverhältnismässige Überreaktion gezeichnet wird.
Wie du in deiner Antwort, bereits anmerkts, genau auf diese Komik, die dem Zufall geschuldet ist, will ich hinaus. Und ja die Reaktionen, die darauf folgen, sind meistens Überreaktionen. Man muss aber an dieser Stelle auch bemerken, dass die Zufälle für gewöhnlich auch, nennen wir sie mal, Überzufälle sind. Solche Zufälle, wie es sie im normalen Leben eigentlich nicht gibt und dem entsprechend ist es nur logisch, auch die Reaktion, die auf ein solches Ereignis folgt, übertrieben darzustellen. Das Stilmittel der Übertreibung, das sowohl auf den Zufall und die auf ihn folgende Reaktion angewandt wird, sorgt außerdem dafür, dass das komplette Szenario unwirklicher erscheint. Und das ist umso besser, weil es dem Zuschauer noch einmal verdeutlicht, dass er oder sie hier lediglich ein Fantasyprodukt konsumiert, das keinesfalls Anwendung im realen Leben findet. Es macht es umso einfacher die Komik dahinter zu verstehen und das gesehene auf eben jene zu beschränken.
Die überspitzte Reaktion soll witzig sein, man soll Mitleid mit dem Mann haben, der für die Situation nichts kann - und genau an dieser Stelle kommt es zur Verharmlosung durch ein verdrehtes Schuldverhältnis innerhalb eines komischen Kontexts.
Ja und nein. Ja, die Reaktion soll witzig sein, aber nein, eine Verharmlosung findet nicht statt, denn das Mitleid gegenüber der Figur kann durchaus gerechtfertigt sein, da diese in diesem Beispiel, wie ich mehrmals erwähnt habe, nichts dafür kann. Sie ist ein Opfer der Umstände und auch wenn diese von den Machern so inszeniert wurden, welche Botschaften lassen sich dann daraus ableiten: Dass man jemanden nicht vorverurteilen, sollte dem ein Missgeschick passiert sein könnte? Das wäre keine schlechte Botschaft. Oder willst du darauf hinaus, dass es die "sexuelle Belästigung" besser macht, wenn es nicht beabsichtigt wurde? Falls ja, muss ich dir hier wiedersprechen. Dass es den weiblichen Charakteren diese Situation zurecht unangenehm ist, kann man als Betrachter verstehen. Gerade weil wir dieses Unangenehmsein nachempfinden können, können wir auch ihre Reaktion verstehen, auch wenn sie überspitzt dargestellt ist. Damit der Witz so funktionieren kann, wie er es tut, ist unsere Emphathie für beide in der Situation gefangenen Figuren dringend erforderlich. Wir haben auf der einen Seite Mitleid für den Jungen, auf der andere aber auch Verständlis für die Wut des Mädchens. Die Situation wird dadurch nicht verharmlost, da sie beiden offensichtlich unangenehm ist, also keine wünschenswerte Situation. Wir können nur darüber lachen, weil es uns nicht selbst passiert und dem entsprechend, wären uns solche Situationen selbst auch unangenehm, gleichgültig welche Rolle wir dabei annähmen. Unter einer Verharmlosung verstehe ich, dass etwas als nicht so schlimm dargestellt wird. Aber das wird es. Wäre es nicht ein Tabubruch, würde die Reaktion, das Unbehagen und die Situationskomik nicht daraus entstehen.
Das wäre nun die Botschaft hinter dieser Art von Szenen, der Zweck hingegen lässt sich leicht erklären: Fan Service. Solche Szenen tragen nichts zum Narrativ des Anime/Manga bei, also werden sie eingebaut, um den Figuren einen Grund zu geben, in einen erotischen Kontakt zu geraten und dadurch im Endeffekt die Zuschauer*innen zu erfreuen.
Nun, ich will nicht abstreiten, dass es in der Regel wirklich meistens nur Fanservice ist, auch wenn ich ein Beispiel gegeben habe, dass die Situation für mehr als nur Fanservice ausnutzt, sondern eine Überleitung bildet. Aber das ist gar nicht mein Punkt. Selbst wenn es nur Fanservice ist: Was wäre so schlimm daran? Es ist Service für die Fans. Es ist das, was Fans solcher Szenen sehen wollen. Warum sollte man als Produzent den Konsumenten nicht genau das liefern, was sie wollen? Dass das nicht jeder unterhaltsam findet ist mir klar. Ich selbst bin auch kein großer Ecchi-Fan, aber warum sollten sich nicht andere daran erfreuen bzw. was ist so verkehrt daran, dass diese Inhalte spezifisch auf eine bestimmte Fangruppe zugeschnitten sind? Die, die nichts damit anfangen können, können ja was anderes gucken.
Die Komik als Zweck solcher Darstellung zu setzen, wie du es in deinem ersten Spoilertext machst, erscheint mir unsinnig. Tollpatschigkeit ist keine humoristische Revolution. Seitdem die Dick und Doof-Filme der 30er und 40er Jahre und die Mr. Bean-Sketches der 90er Jahre aus dem Fundus tollpatschiger Momente wohl das Maximum ausgeschöpft haben, ist die Formel dahinter nicht mehr besonders mystisch. Genau deshalb kann man auch nicht davon sprechen, dass solche Szenen witzig sein sollen. Die Szene des zufälligen Grapschers gab es schon zu oft und ein Witz wird nicht lustiger, je öfter man ihn erzählt.
Es geht auch gar nicht darum eine humoristische Revolution zu schaffen oder mystisch zu sein. Diese Komik wird verwendet, weil es Fans gibt, die sie immer noch feiern und wo es eine Nachfrage gibt, da gibt es auch ein Angebot. Kann sein, dass diese Art der Komik längst überholt, von anderen perfektioniert und seit mehr als einem halben Jahrhundert ausgelutschter als sonst was ist. Ob sich jemand von den mehr oder weniger gleichen Comedymomenten in Anime noch unterhalten lässt oder nicht, liegt dann in den Augen des Betrachters. Auch ein tausendmal erzählter, ausgelutschter, in deinen Augen schlecht vorgetragener Witz, ist immer noch ein Witz. Auch ein schlechter Witz ist nur ein Witz und nicht ernst gemeint. Nur weil du nicht darüber lachen kannst, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass es ernst gemeint und eine Botschaft dahinter steckt, die sexuelle Gewalt verherrlicht. Und doch, solange man darüber lachen kann, kann man davon sprechen, dass diese Szenen witzig sein sollen. Selbst wenn niemand darüber lacht und die Witze auch echt schlecht sind, solange es die Intention der Macher ist, einen Witz zu erzählen, dann sollen diese Szenen witzig sein. Ob sie dann auch wirklich witzig sind, ist eine andere Sache. Ich kann wirklich nur allzu gut verstehen, dass man über diesen Humor nicht lachen kann, aber nur, weil man es selbst nicht als witzig empfindet, kann man deshalb nicht sagen, dass es nicht doch witzig gemeint war.
Neon Genesis Evangelion führte bereits vor über 20 Jahren eine hervorragende Dekonstruktion dieser Trope durch (Ep. 5), trotzdem haben wir in den letzten 20 Jahren zig Anime zu sehen bekommen, die immer noch auf diese Trope zurückgreifen, und der Grund liegt nicht im Witz hinter dieser Szene. Man sucht eine Entschuldigung, um zumeist weibliche Figuren sexuell zu bedrängen und der Zufall spielt lediglich den Sündenbock dabei.
Warum sollten die Macher nach Ausreden suchen, um weibliche Figuren zu bedrängen? Wir reden hier über ein Produkt, womit man Geld macht und das seine Abnehmer findet. Diese Art von Humor verkauft sich und Sex sells bekanntlich immer noch am besten. Daher kombinieren die Macher häufig Sex mit Humor, finden ihre Abnehmer und machen damit Geld. Daran ist überhaupt nichts verwerfliches und ich sehe auch nicht, wie die Macher, sich irgendwelcher Ausreden bedienen. Es ist ja wohl jedem Zuschauer klar, dass diese Zufälle von den Machern gezielt eingesetzt werden und es weiß so ziemlich jeder, was Fanservice ist.
Zwar behauptest du, meine Argumentation widerspreche sich selber, aber in diesem Abschnitt formulierst du, dass der "liebenswerte Perversling" (hier: Mineta) gleichzeitig widerwärtig als auch sympathisch ist.
Ja das tue ich und ich habe auch angemerkt warum. Zum einen weil seine Figur durch Abstraktion gar nicht wie eine richtige Person wahrgenommen werden kann. Man mag ihn als Animecharakter und selbst das nicht direkt, wegen seiner Perönlichkeit, die abstoßen soll, sondern viel mehr wegen der Situationen, die uns dieser Charakter beschert. In Filmen finde ich es auch richtig cool, wenn der Antagonist ein paar wirklich krasse Aktionen gegen die Helden liefert. Ich feiere ihn dann, weil er die Dramaturgie vorantreibt, weil er eine Gefahr für den Helden darstellt, was die Handlung spannender macht und weil er durch seine Inszenierung irgendwie cool wirkt. Ich mag Darth Vader, weil er einen glaubwürdigen Bösewicht darstellt, dass heißt aber nicht, dass ich seine Ideale Teile oder diese verharmlost werden. Nur weil ich die Figur Darth Vader im Kontext ihrer Geschichte Star Wars gut gelungen finde, bedeutet das nicht, dass ich Genozide gutheiße, wie er sie in dem Werk verübt. Und das Selbe gilt für diese Perversen. Es kommt auf den Kontext in einer bewusst künstlich inszenierten Wirklichkeit an. Und gerade, dass solche Zufälle und solche Überspitzungen und solche überzeichneten Charaktere auftauchen, macht überdeutlich, dass es nicht wirklich ist und demnach auch keine Verharmlosung ist, weil es nämlich zu dem realen Sachverhalt der sexuellen Gewalt kaum realen Bezug nimmt, zumindest nicht in diesen Comedyszenen. Die Problematig wird lediglich aufgegriffen und ins lächerliche verdreht. Das heißt nicht, dass die reale Problematik, dadurch harmloser erscheint, da diese in der Realität in deutlich anderen Formen auftritt und der Anime durch seine übertriebene Inszenierung sich von dieser Wirklichkeit bewusst abgrenzt.
Der Ernst von sexueller Gewalt wird durch die Komik in Unernst verkehrt, also nimmt das Medium das damit einhergehende Problem nicht ernst und sexuelle Gewalt wird verharmlost und normalisiert.
Anknüpfend an das, was ich zuvor geschrieben habe: Wie kann eine künstliche Situation, die so offensichtlich außerhalb der Norm unserer realen Welt liegt, ein Problem normalisieren, wenn doch klar ist, dass das, was wir sehen, nicht real ist und dass es nicht den Anspruch hat real zu sein? Bereits in meiner ersten Antwort, bin ich darauf eingegangen, dass diese Situationskomik von ihrer Absurdität lebt und das Absurde kann niemals normal sein und es hat auch nicht den Anspruch sich als Norm zu etablieren, denn dann wäre es normal und wenn es normal wäre oder zumindest so wirken würde, würden es die Leute nicht mehr anschauen.
Der Begriff sexuelle Gewalt beinhaltet weit mehr als nur Vergewaltigung. Es beginnt bereits bei ungewollten Berührungen und Anmachen (weiteres dazu kann man auf vielerlei Internetseiten zu diesem Thema finden). Unsere Beispielfigur (Mineta) ist also ein klarer Fall von Ausübung von sexueller Gewalt an weiblichen Figuren.
Mit Vergewaltigung habe ich zugegebenermaßen ein sehr extremes Beispiel geliefert, weil es halt auch sehr eindeutig ist. Natürlich gibt es noch andere Arten der sexuellen Gewalt. Ich habe das Beispiel genommen, weil Vergewaltigung ein klarer Fall ist. Womit ich mit meinem Beispiel hinaus wollte ist, dass seine Perversion in einem bestimmten Rahmen bleibt. Die Macher kreieren zudem ganz bewusst Situationen, in denen er scheitert. Sein Handeln wird, wie ich auch mehrmals geschrieben habe, als unsittlich präsentiert und als Strafe für seine Ausübungen sexueller Gewalt, bekommt er oft die Auswirkungen körperlicher Gewalt zu spühren. Das soll aber keine Verharmlosung seiner Person oder der Tat an sich darstellen. Wie gesagt funktioniert das Szenario, weil es den Zuschauer amüsiert, wie Mineta das bekommt, was er verdient. Ich kann durchaus verstehen, dass es manchen problematisch vorkommt, sexuelle Gewalt in einen Akt der Komik miteinzubinden. Allerdings bleibt mein Argument mit der Absurdität und der Unwirklichkeit bestehen, die verhindert, soetwas normalisieren zu können.
Also selbst wenn meine Argumentation richtig ist, so sollten wir das Ganze ignorieren, weil es ja auch in anderen Medien Beispiele für ähnliche Probleme gibt? Ich denke eher weniger (siehe meine Antworten zum Whataboutism anderer User*innen). Dass es Anime gibt, die sich (zum Glück!) nicht an solchen Tropen bedienen, negiert nicht das Problem derjenigen Anime, die es eben doch tun.
In diesem Falle gibt es wohl wieder ein Verständigungsproblem, für das ich mich entschuldigen möchte. Ich möchte dir gar nicht abschlagen darüber zu reden, inbesondere, da wir auf einer Animeplattform sind und das Thema Anime betrifft, wie du es selbst angemerkt hast. Mein Argument sollte mit nichten darauf hinauslaufen, dass es okay ist, weil andere es auch machen und man sich deshalb nicht damit auseinander setzen sollte. Im Gegenteil. Eine solche Art der Argumentation finde ich selbst nicht zielführend. Meine Aussage bezog sich spezifisch auf deine Aussage:
Hat Anime als Medium ein Problem mit der Darstellung von sexueller Gewalt?
Du beziehst dich selbst bei deiner Fragestellung auf das Medium Anime und ich habe mich einfach nur gefragt, warum du speziell Anime als Medium also als Gesamtes ansprichst, da es ja auch Anime gibt, die auf sexuelle Anspielungen gänzlich verzichten. Hättest du geschrieben: Haben manche Anime (oder auch viele Anime) ein Problem mit der Darstellung sexueller Gewalt?, dann wäre ich darauf überhaupt nicht näher eingegangen. Jedoch schließt du durch deine Wortwahl alle Anime mit ein bzw. implitzierst durch deine Antwort, dass das Medium als ganzes generell ein Problem damit hat und diese Generalisierung finde ich fehl am Platze. Denn du beantwortest dir deine eigene Frage mit einem Ja und deshalb meine Frage: Warum hat das Medium Anime ein Problem mit sexueller Gewalt, wenn es auch Anime ohne die Darstellung von solcher Gewalt jenem Medium zugehörig sind. Ist es im Sinne deiner Fragestellung wirklich angebracht, dass Medium in seiner Gesamtheit zu hinterfragen, oder wäre es nicht sinnvoller spezifisch die Anime zu hinterfragen, die mit diesem Problem zu tun haben, statt andere Anime, die im Grunde nichts mit der Thematik zu tun haben, miteinzubeziehen. Sicherlich kann man es sich fragen, man sollte sich alles fragen dürfen, nur dass du dann darauf mit Ja antwortest, somit ein Urteil über das Medium als Ganzes abgibst und daraus folgend auch Anime verurteilst, die damit eigentlich nichts am Hut haben, fand ich kritikwürdig und habe es deshalb hinterfragt. Die Fokussierung auf die Thematik im Animebereich als solche, sollte dabei gar kein Teil meiner Kritik sein. Den Umkehrschluss zu Filmen, Büchern und Serien habe ich lediglich gezogen, um meinen Standpunkt damit zu verdeutlichen. Nämlich dass es sowohl Bücher gibt die sexuelle Gewalt aufgreifen und welche, die es nicht tun, ebenso wie du es bei Anime ansprichst und dass das Medium als solches daher nicht der ausschlaggebende Faktor ist, sondern die einzelnen Werke, die diesem Medium angehören. Das dieses Beispiel jedoch für Missverständnisse sorgte, tut mir leid. Ich hoffe, ich konnte mich jetzt klarer fassen.

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Letzte Änderung: 1 Woche 4 Tage her von Faustus.
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 2 Wochen 22 Stunden her #827958

Wassily schrieb:
Wird sexuelle Belästigung in Anime normalisiert oder gar glorifiziert? Hat Anime als Medium ein Problem mit der Darstellung von sexueller Gewalt?
Nein, überhaupt nicht. Ein Anime wird dadurch sogar noch sehenswerter.
Könntest du bitte aufhören mit den Gender-Sternchen?

Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 1 Woche 5 Tage her #828054

Wird sexuelle Belästigung in Anime normalisiert oder gar glorifiziert?

Ich würde auf jedenfall sagen normailisiert, glorifiziert finde ich schwer zu beurteilen. Allgemein würde ich aber sagen, dass ein großteil der Animes die Frau/ die Mädchen nur über ihr Interesse / Verlangen an dem Protagonisten definiert und weniger durch ihre eigenen Ziele und Motivationen. Insbesondere viele "Schwester Charaktere" leiden darunter und sind gewöhnlich unterentwickelt, oder haben keine eigene Persona. Gerade in diesem Bereich wird die Sexuelle Beziehung zu seiner kleinen Schwester als prinzipell etwas falsches dargestellt, aber das wird immer wieder durch die Schwester aufgeweicht. Insbesondere würde ich die Reaktion auf die sexuelle Belästigung kritisieren, weil es oftmals ein "unterschlucken" darstellt.

Des Weiteren finde ich die Tatsache tragisch, dass den Handlungen der männlichen Charaktere oft verziehen werden, weil sie ja eigentlich der "good guy" sind, aber die Frau/ das Mädchen das immer nur erst einsehen muss. So funtionieren nunmal Interaktionen im echten Leben nicht. Wenn man jetzt sagt "Ja so verhalten sich die Leute im echten Leben doch eh nicht" hat damit recht, trotzdem Beeinflusst es die Zuschauer, gerade jüngere. Genauso wie gezeigt wurde, dass Romance Filme bei Mädchen falsche Erwarten wecken oder Pornos falsche erwartungen bei Jungen wecken, so können auch Animes das Verhalten der Zuschauer negativ beeinflussen.

Hat Anime als Medium ein Problem mit der Darstellung von sexueller Gewalt?

Ich verstehe primär sexueller Missbrauch unter sexueller Gewalt, daher würde ich sagen Anime als Medium hat kein explizites Problem mit sexualler Gewalt hat. Aber hierbei ist die Defintion entscheidend. Während die einen schon einen forschen Kuss als secuelle Gewalt sehen, ziehen andere die Grenze erst später. Vergewaltigungen kamen bisher in meinen geschauten Serien sehr selten vor und zählen für mich damit schon zum Einzelfall. Der sehr vom Quellmaterial abhängig ist. Entsprechend würde ich die Frage mit nein beantworten.

Auch wenn man sagen muss, dass es Serien gibt, die sexuelle Gewalt sehr explizit zeigen. Diese expliziete Darstellung ist in meinen Augen ein großes Problem, eben weil nicht die Vergewaltigung thematisiert wird, sondern der Sex als solches. Aber das scheint die meisten Menschen nicht zu stören, man ist dann ja nur eine "Pussy" wenn einem das nicht gefällt oder die Feminismus/Gender Debatte fängt dann wieder an. Für mich persönlich gibt es einfach kein Grund irgendwas sexuelles explizit darzustellen, ob nun gewalt involviert ist oder nicht.
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Sexuelle Belästigung/Gewalt in Anime 1 Woche 4 Tage her #828144

Der Anime ist nur ein Medium, genauso wie normaler Film, Bücher oder Comic. Es dient dazu die Ideen die man hat weiterzugeben. Das Problem ist nur dass unser Gehirn sich viele Sachen vorstellen kann die Krank und abscheulich sind. Zum Glück ist Anime ein Medium mit dem man so etwas darstellen kann ohne dass tatsächlich Personen zu Schaden kommen.

Dennoch muss man aufpassen das solche Werke nicht an bestimmtes Publikum gelangen. Deshalb gibt es auch FSK. Auch wenn ich hier bemerken möchte, dass viele Filme oder Spiele die heute mit FSK 12 oder 16 kommen noch vor einigen Jahren mit FSK 18 gekennzeichnet worden wären. Da scheint man der jungen Generation doch einiges mehr zuzumuten als dies früher der Fall war.

Menschen die Gewalt bzw. Sexuelle Gewalt toll finden gab es immer und wird es wohl auch immer geben. Ich persönlich versuche solche Werke zu meiden.
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