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THEMA: Death Parade - Meine Gedanken zum Anime [ACHTUNG: Spoiler]

Death Parade - Meine Gedanken zum Anime [ACHTUNG: Spoiler] 1 Woche 2 Tage her #833752

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Death Parade (und Death Billards)

Vielleicht kennt ihr diesen Text von mir schon, denn ich habe ihn auch als Kommentar unter dem Anime verfasst. Ich möchte zum Nachdenken anregen, deshalb setze ich ihn auch ins Forum. Fühlt euch frei, eure Gedanken zu Death Parade (und Billards) bzw. zur Thematik Afterlife zu äußern.

Bitte bleibt höflich zueinander. Diese Thematik empfindet jeder anders - und da sie sich weder beweisen noch widerlegen lässt, gibt es demzufolge auch keine richtigen oder falschen Antworten. Jeder hat seine eigene Meinung über dieses Thema und ich möchte hier lediglich meine Gedanken zum Anime und zum Thema äußern. Wenn das zu einer guten Diskussion führt, ist das umso besser.

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Ich habe Death Parade nun das zweite Mal gesehen (dazwischen lagen sicherlich 3 Jahre). Beim ersten Mal verzichtete ich noch auf einen Kommentar meinerseits, da ich bei meinen Vorrednern eigentlich alles Relevante gefunden habe. Nun, nachdem ich ihn das zweite Mal gesehen habe, möchte ich allerdings doch einige Worte los werden. Betrachtet dies also bitte nicht als Bewertung, sondern lediglich als meine eigenen, persönlichen Gedanken. Dies dient in erster Linie auch nur den angestauten Gedanken und Gefühlen, die dieser Anime in mir ausgelöst hat.
Zuletzt sei noch gesagt, dass ich den Manga nicht kenne. Ich habe nur den Anime (und die OVA) gesehen.

Vorwort

Death Parade ist ein großartiger Anime. Meine ursprüngliche Bewertung (in meiner externen Liste) habe ich nun von 8/10 auf 10/10 erhöht. Das hat auch so seine Gründe.
Einerseits habe ich beim ersten Mal nicht gleich alles auf Anhieb verstanden. Der Anime bietet sehr viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen, was es in meinen Augen sehr schwierig macht, alles gleich beim ersten Mal zu verdauen. Da auch recht viel Zeit zwischen den beiden "Watches" liegt, ist es offensichtlich, dass einige Aspekte mehr oder minder in Vergessenheit geraten sind. Bei diesem Durchlauf habe ich wesentlich mehr Zeit gebraucht, um mich in die einzelnen Fälle zu versetzen.
Andererseits denke ich jetzt über diverse Aspekte völlig anders, als dies noch vor 3 Jahren der Fall war. Ich habe mich selbst in dieser Zeit stark verändert und habe nun eine andere Sicht auf gewisse Dinge. Gerade die Thematik Tod und was danach folgt, war für mich schon immer präsent. Es war (und ist) ein Interessenfeld, dem ich gerne näher auf den Grund gehen möchte. Keiner weiß, was nach dem Tod folgt. Ich habe zum Beispiel keine Angst vor dem Tod selbst. Allerdings möchte ich möglichst nicht qualvoll sterben. Ich glaube, dass sich jeder im Laufe seines Lebens einmal fragt, was der eigentliche Sinn dahinter ist. Wir leben und wir sterben. Aber wofür leben wir eigentlich? Warum arbeiten wir und müssen Geld verdienen? Warum versuchen wir, auf der Karriereleiter möglichst hoch zu klettern? Warum gründen wir Familien, bauen Freundeskreise auf? Ich glaube, dass jeder Mensch am Ende seines Lebens etwas von sich hinterlassen möchte, dass er möchte, dass sich jemand an ihn erinnert, damit sein Leben nicht bedeutungslos war. Wir haben Religionen, diverse Glaubensrichtungen und erforschen die Vergangenheit. Aber wofür tun wir das alles? Klar, einerseits suchen wir den Fortschritt und möchten aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, aber andererseits... Nun. Wir suchen alle nach einem gewissen Sinn. Nicht umsonst glauben wir daran, dass wir nicht alleine im Universum sind oder dass es irgendeine Form von Schicksal, göttlicher Fügung oder anderen vorbestimmten Dingen gibt.

Kritik am Afterlife

Gewisse Dinge waren mir von vornherein klar, wie zum Beispiel, warum Schiedsrichter im besten Fall keine Gefühle haben sollten, bzw. warum Menschen nicht über Menschen richten können.
Ich habe da für mich die Parallele zu Therapeuten und Pflegern in der Psychiatrie gezogen. Sie werden jeden Tag mit so viel Leid, Trauer und Schmerz konfrontiert, dass sie selbst ein Ventil brauchen, um Abstand gewinnen zu können. Andernfalls würden sie irgendwann selbst an der Last zerbrechen, egal wie abgrenzungsfähig und distanziert sie sind. Jeder Mensch, der zu menschlichen Gefühlen und Empathie fähig ist, wird unweigerlich an den Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten anderer Menschen zugrunde gehen, lässt er sich nicht selbst helfen.
Einer der Pfleger in der Psychiatrie hat mir erzählt, dass viele seiner Kollegen nicht länger als ein paar wenige Jahre dort auf der Station arbeiten. Entweder lassen sie sich nach einiger Zeit auf eine andere Station versetzen oder wechseln in einen ganz anderen Bereich. Die Belastung, jeden Tag mit so vielen verschiedenen Menschen und Persönlichkeiten zu tun zu haben, welche unterschiedlichsten, mehr oder minder heftigen Schicksalsschlägen erlegen waren, setzt jedem Pfleger zu.
Auch ein Richter muss schwere Entscheidungen treffen. Mord mag moralisch immer Mord sein, aber seine Gründe sind nicht immer gleichzusetzen. Es ist sehr schwierig, dabei unparteiisch und distanziert zu bleiben. Die Frage, ob ein Urteil gerecht ist oder nicht, kommt ja schließlich auch auf den Verurteilten selbst an.

Death Parade setzt sich in den (leider nur) 12 Folgen mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Abgründen von Menschen auseinander. Zudem gibt es auch deutliche Kritik an dem bisherigen Afterlife-System. Ist es wirklich richtig, gefühllose Marionetten zu haben, welche über das Schicksal toter Menschen bestimmen? Wird das Urteil der geprüften Seele wirklich gerecht? Die Methoden, die zur Urteilsfindung genutzt werden, werden von Decim (durch Chiyuki) im Laufe der Serie auch in Frage gestellt. Das beste Beispiel bieten dafür die Folgen mit den beiden Mördern. Beide haben aus dem selben Motiv gemordet: Rache. Einer wollte seine vergewaltigte Schwester rächen, der andere seine ermordete Frau. Der Polizist tötete den Mörder seiner Frau, wurde danach aber zum selbsterklärten Schiedsrichter über die Verbrecher. Er verlor seine ursprüngliche Motivation und sah sich zu höherem Berufen. Der Mord veränderte ihn grundlegend. Konnte ich anfangs noch Verständnis für ihn aufbringen, erschien er mir am Ende der Folge wie ein gewissenloses Monster, welches Unrecht geschehen lässt, nur um das Unrecht zu beweisen.
Der junge Mann, welcher seine Schwester rächen wollte, wurde auch zum Opfer dieser gewissenlosen Tat, denn durch den Polizisten wurde die Schwester erst vergewaltigt. Schließlich hätte dieser das Unglück noch vereiteln können.
Hier ist allerdings nun eine Interpretation meinerseits. Durch die Aufklärung am Ende der Folge, war der junge Mann so von Hass und Verzweiflung zerfressen, dass er dem Polizisten unsäglichen Schmerz zufügen wollte. Chiyuki versuchte, den jungen Mann davon abzuhalten, schaffte es allerdings nicht, da der Polizist ihn immer weiter provozierte. Am Ende sieht man, nachdem er dem Polizisten alle seine Organe zerstörte, dass er dasselbe schreckliche Grinsen zeigt, was der Polizist nach seinem ersten Mord zeigte. In diesem Moment, so glaube ich, wurde er selbst zu so einer Person. Da leider nicht gezeigt wurde, wo beide am Ende gelandet sind, gehe ich davon aus, dass beide im Void gelandet sind. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass nur der Polizist dorthin verbannt wurde und dem jungen Mann noch eine Chance gegeben wurde.
Decim, welcher zwar über Emotionen verfügt, diese jedoch nicht versteht, zweifelt fortan an dem System.

Ginti, Harada und Mayu

Auch die Geschichte um Ginti, Mayu und Harada lässt sehr viel Interpretationsspielraum. Wirkt der Fall anfangs noch recht klar, wird er in der 11. Episode dann doch sehr tiefgründig und außerordentlich schwierig. Mayu ist nach dem Todesspiel eigentlich eine Kandidatin für die Wiedergeburt, während Ginti Harada ins Nichts verbannt. Da Mayu allerdings Gintis Einstellung über die Menschen auf den Haufen wirft, behält er sie zunächst bei sich. In der elften Episode schließlich muss er das Urteil doch fällen.
Ich nehme an, dass Ginti Decim verachtet, da dieser eine völlig andere Einstellung hat, als er selbst. Zudem ist Ginti ein Schiedsrichter ohne richtige Emotionen (obwohl er ja dauernd wütend, jähzornig, genervt und frustriert ist). Er versteht Decims Denkweise nicht, bis er schließlich mit Mayu konfrontiert wird. Da scheint auch er das erste Mal an dem System, oder zumindest an seinem eigenen System, zu zweifeln.
Da er Mayus Entscheidung, sich für Harada zu opfern, nicht nachvollziehen kann, stellt er sie in der 11. Episode auf eine letzte Probe. Im Austausch für eine andere Seele, würde er Harada wieder zurückholen und beide in die Wiedergeburt schicken. Mayu muss sich entscheiden, ob sie eine ihr unbekannte Person verdammt und Harada somit rettet, oder ihn aufgibt.
Es ist nicht ersichtlich, welche Entscheidung sie am Ende getroffen hat. Am Ende der Episode, stehen beide im selben Aufzugsschacht (was auch bis dahin im Anime sonst nie geschehen ist). Der Einfachheit halber stelle ich den Dialog einmal wortgetreu nach:

Mayu: Wohin komme ich jetzt?
Ginti: Dorthin, wo Haradas Seele ist.
Mayu: Und er wird wirklich wieder aufwachen?
Ginti: Ja. Ich habe noch eine Frage. Was bedeutet dir Harada?
Mayu: Mein Leben.
Ginti: Und was wäre dein Leben dann ohne ihn gewesen?
Mayu: Was? Willst du mich jetzt verarschen?
Ginti: Antworte mir. Was wäre es gewesen?
Mayu: Woher soll ich das wissen? Braucht man unbedingt einen Sinn im Leben?
Ginti: Du hast es immer noch nicht kapiert.
Mayu: Und du? Was ist mit dir? Aus welchem Grund tust du das alles hier?
Ginti: Es gibt keinen tieferen Sinn. Ich bin einfach Schiedsrichter.
Mayu: Ihr könnt einem einfach nur Leid tun.
Ginti: Wie bitte?
Mayu: Ich habe mir das alles wenigstens selbst ausgesucht. Mag sein, dass mein Leben nicht von großer Bedeutung war, aber ich habe selbst entschieden, es Harada zu widmen. Allein das ist doch etwas wert.
Ginti: Dann ist es ja gut. (Laut einem englischen Artikel, wäre die genaue Übersetzung eigentlich: "Es wäre schön, wenn das so wäre")

Danach schaltet die Maske über dem Fahrstuhl von "Wiedergeburt" zu "Void" und beide fahren ins Nichts. Man sieht, wie sich die Haut ablöst und Harada kurz vor dem Auflösen seine Augen öffnet. Im Nichts angekommen, vereinigen sich ihre Seelen und beide verschwinden im Nichts.

Eine Möglichkeit wäre, dass Mayu den Unbekannten, welcher unglaubliche Ähnlichkeit mit Light Yagami (Death Note) hat, tatsächlich geopfert hat. Das würde Gintis Einstellung, dass alle Menschen egoistisch sind und sich ans Leben klammern, bestätigen, weshalb er beide ins Nichts schickt. Dass die Maske zunächst auf "Wiedergeburt" steht, könnte ein Täuschungsversuch sein, um Mayu weiszumachen, dass sie tatsächlich wiedergeboren werden.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass Mayu den Unbekannten nicht geopfert hat und sich freiwillig dazu entschied, mit Harada ins Nichts zu fahren. Allerdings würde das nicht erklären, wieso die Maske dann zunächst "Wiedergeburt" zeigte und wieso Harada tatsächlich erwachte. Hätte sie diesen Handel abgelehnt, wäre Haradas Seele im Void verloren geblieben, weshalb er die Augen gar nicht öffnen hätte können.

Eine dritte Möglichkeit wäre, dass Mayu den Unbekannten nicht geopfert hat. Da Harada allerdings aufgrund seiner vergangenen Taten und seinem Versuch, Mayu hinab zu stoßen, zu 100% ins Void verbannt werden muss, entschied Mayu sich, auf jeden Fall bei Harada zu bleiben. Als eine Art Belohnung gibt Ginti ihr die Hoffnung auf eine gemeinsame Wiedergeburt und ermöglicht ihr, Harada noch ein letztes Mal erwachen zu sehen. Als sich der Fahrstuhl schließt, springt die Maske auf "Void" um, da Ginti Haradas Urteil nicht widerrufen kann/will, weshalb beide ins Void verbannt werden.

Egal, wie es nun tatsächlich aussah: Mayu hat definitiv einen tiefen Eindruck bei Ginti hinterlassen. Am Ende der 12. Episode sieht man sogar, dass er eine Puppe nach ihr fertigt.

"Blumenkopf" und Nona

Das System des in Death Parade gezeigten Jenseits baut darauf, dass 2 Menschen, die im selben Augenblick sterben, von den Schiedsrichtern beurteilt und anschließend entweder ins Void oder zur Wiedergeburt geschickt werden. Alle Schiedsrichter (ausgenommen Decim) sind emotionslos. Den Schiedsrichtern scheinen die Betreuer (also Nona) übergeordnet zu sein. Neben den Schiedsrichtern gibt es auch noch die Informationsabteilung, welche sowohl die Verstorbenen verwaltet als auch die Erinnerungen zusammensetzt und zusammenfasst, damit die Schiedsrichter eine Grundlage für ihr Urteil bekommen.

Die Rolle des "Blumenkopfs" (ich habe seinen Namen vergessen) erschließt sich mir nicht vollkommen. Er scheint über Nona zu stehen und bezeichnet sich in eine der ersten Folgen als Wesen "was am nächsten zu Gott steht". Allerdings scheint auch er eine Marionette zu sein.
Der "richtige" Gott dieser Welt scheint jedoch verschwunden zu sein.
Über die (Nach)Welt ist generell nicht viel bekannt. Da ich den Manga nicht gelesen habe, kann ich das nicht belegen oder widerlegen.
"Blumenkopf" gibt in einer der späteren Episoden die Information, dass die Schiedsrichter aus modifizierten Seelen der ins Void verbannten bestehen, deren Erinnerungen und Emotionen gelöscht wurden. Ihre Puppen scheinen sich auch von denen der zu Beurteilenden zu unterscheiden. Bei Chiyuki sieht man, dass sie sich nach 3 Monaten aufzulösen beginnt, während Decim bereits seit fünf Jahren Schiedsrichter ist und sich nicht auflöst.

Nona hat Decim quasi "erschaffen". Sie nahm ihm zwar die Erinnerungen, pflanzte ihm jedoch menschliche Emotionen ein. Sie ist der Überzeugung, dass es verschiedene Wege zur Urteilsfindung gibt und ist sichtlich an Decim interessiert. Sie verfolgt seine Aktivitäten genaustens und manipuliert auch hin und wieder gewisse Begebenheiten, um herauszufinden, wie er reagiert. Es war zum Beispiel ihre Idee, ihm die beiden Mörder zuzuweisen. Sie veranlasste auch Quin, eine ehemalige Schiedrichterin (Decims Vorgängerin), welche nun in der Informationsabteilung arbeitet, Chiyukis Erinnerungen wieder zusammenzusetzen.
Nona scheint an dem System, wie es zu dem Zeitpunkt besteht, stark zu zweifeln und wünscht sich eine Veränderung. Sie möchte wohl dafür sorgen, dass die Schiedsrichter über Emotionen verfügen sollen, damit sie "näher am Menschen" sind. Da Schiedsrichter technisch gesehen weder leben noch sterben und auch aufgrund fehlender Emotionen keine Empathie zeigen können, seien die Urteile ungerecht. Schließlich könne ein Schiedsrichter nicht nachempfinden, was es bedeute, Kummer und Schmerz zu erleiden und welche Konsequenzen dies für ihr Verhalten (und das der Seelen?) habe.
Sie hinterfragt ganz klar das derzeitige System, scheint jedoch die Methoden, die Seelen unter starken Stress zu setzen, zu befürworten.
Dass Decim über Emotionen verfügt, versucht sie vor "Blumenkopf" zu verheimlichen, da dieser offensichtlich das jetzige System eisern verteidigt.

Ich möchte gerne mehr über die Welt im Afterlife erfahren. Das Quindecim ist offensichtlich nicht der einzige Ort, an dem Urteile gefällt werden. Abgesehen von der Informationsabteilung und den Urteilsstätten ist so gut wie nichts über diese Welt bekannt. 12 Folgen reichen bei Weitem nicht aus, um sowohl die Welt als auch ihre Akteure richtig kennen zu lernen.
Zwar gibt es mehr als genug Interpretationsspielraum, doch am Ende blieben mir zu viele unbeantwortete Fragen, auf die ich mir eine Antwort gewünscht hätte. Mich würde beispielsweise interessieren, wieso der Gott verschwand und was genau die Motive des "Blumenkopfs" sind. Mich würde auch interessieren, wie genau die Seelen der ins Void verbannten, wiederbeschafft werden können. Die leeren Marionetten werden im untersten Stockwerk entsorgt, aber die Seelen befinden sich ja im unendlichen Nichts - nach Gintis Aussage dazu verdammt, auf ewig in die Tiefe hinab zu stürzen, mit nichts außer purer Verzweiflung, Angst, Wut und allen anderen negativen Gefühlen, während die Seelen bei vollem Bewusstsein sind.

Was die Methode zur Urteilsfindung betrifft, teile ich die Meinung Nonas halbwegs. Ich verstehe durchaus, dass das wahre Gesicht der Menschen erst in Extremsituationen ans Licht kommt. Andererseits werden die schlechten Eigenschaften eines Menschen dadurch auch erst geweckt. Da die "Opfer" zunächst durch den Schock nicht wissen, dass sie schon Tod sind, schwebt durch die Todesspiele die Angst vor dem Tod offen im Raum. Die Schiedsrichter dürfen die Wahrheit hinter dem Spiel erst enthüllen, wenn die Erinnerungen wieder zurückgekehrt sind. Durch die anfängliche Unwissenheit werden die Seelen dazu getrieben, an den Spielen teilzunehmen. Zwar konnten wir sehen, dass nicht jedes Spiel so grausam war (zum Beispiel in der Folge mit den Kindheitsfreunden), aber letztlich geben die Schiedsrichter alles dafür, das Böse zu Tage zu fördern.

Ich finde allerdings gut, dass hier nicht das klassische "Gut und Böse" dargestellt wird. Nicht jeder Mensch ist nur "gut" oder nur "schlecht". Den Menschen machen so unglaubliche viele Dinge aus, dass es durchaus auch extremere Methoden braucht, um festzustellen, wie ein Mensch wirklich ist.
Starke Emotionen können uns zu Handlungen zwingen, die wir im klaren Kopf niemals umsetzen würden. Ein sanftmütiger Mensch kann im Angesicht des Todes und der Verzweiflung zu einem Berserker werden, werden nur die richtigen Knöpfe gedrückt. In jedem Mensch lauert ein dunkler Abgrund. In meinen Augen kommt es allerdings nur darauf an, ob wir dem widerstehen, oder ob wir das zulassen.

Nachwort:

Da mir langsam die Zeichen ausgehen, werde ich nun zu einem Ende kommen.
Death Parade hat in mir Gedankengänge und Emotionen erweckt, mit denen ich mich tagelang befassen könnte. Die Darstellungsweise des Afterlife, der Wiedergeburt und des Void sind Ansichten, die ich durchaus teile, wenn auch mit Vorbehalt. Sämtliche Charaktere sind äußerst vielschichtig gestaltet, was ich in wenigen Animes in dieser Form bisher gesehen habe. Allerdings gibt es auch wahnsinnig viele Fragen, die am Ende offen bleiben - zumindest wenn man so auf Hintergründe fixiert ist, wie ich es bin. Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr Folgen oder mehr Staffeln geben würde, um das Potenzial noch weiter auszubauen. Ja, der Anime mag durchaus seine kleinen Macken haben, aber das riesige Potenzial, die gebrachte Darstellung und die hitzige Diskussion mit mir selbst in meinem Kopf sind allemal seine 10/10 wert.

Death Parade bietet seeeeehr viel Spielraum für eigene Interpretationen, was ich an sich auch sehr gut finde. Ich finde, es macht dumm, wenn man alles vorgekaut bekommt.
Ob es nun sowas wie Schicksal, göttliche Fügung, ein Leben nach dem Tod oder etwas in der Art ist, können wir nicht beweisen, aber auch nicht widerlegen. Und ob unser Leben wirklich einen tieferen Sinn hat, vermag ich auch nicht zu sagen. Mir selbst würde es schon Angst machen, wenn wirklich alles nur reiner Zufall und völlig bedeutungslos wäre. Ich klammere mich an den Glauben, dass ich nicht völlig umsonst lebe (oder gelebt habe). Selbst wenn es so etwas wie "Himmel" oder "Hölle" oder "Wiedergeburt" nicht geben sollte, hoffe ich doch trotzdem, dass dies nicht alles war, dass es danach nicht einfach zu Ende ist.
Mein Leben ist lebenswert, weil ich es für lebenswert befinde~

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Und noch eine Zugabe:

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Letzte Änderung: 1 Woche 2 Tage her von Black-Harmonics.
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