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THEMA: Prinzessin Mononoke inspiriert von Stephen King?

Prinzessin Mononoke inspiriert von Stephen King? 4 Monate 2 Tage her #817126

Aloha alle zusammen,

Ich lese zur Zeit den dritten Band von Stephen Kings "Der dunkle Turm" Reihe und mir ist eine doch recht prägnante Parallele zu "Prinzessin Mononoke" aufgefallen.

Zu Beginn des Buches (bzw nicht lange nach Beginn) trifft die Gesellschaft um den Revolvermann Roland auf einen riesigen Bären. Dieser wird als uralter Wächter beschrieben, welcher zwar Rache ausübt, sollte jemand versuchen, ihn zu töten, jedoch den Menschen im Allgemeinen eher neutral gegenüber steht. Im Buch ist dieser jedoch "von einem Dämon besessen". Er ist von Parasiten (Würmer) befallen, welche ihn verrückt und zornig machen und ihm aus dem Maul quellen.

Das hat mich nun doch sehr an den Eber Okoto aus dem sechs Jahre später erschienenen Film "Prinzessin Mononoke" erinnert, also frage ich mich folgendes:

Ist diese Darstellung der Besessenheit aus irgendeiner japanischen Mythologie (Shintoismus, etc) entsprungen oder könnte man sich hier tatsächlich an Kings Werk orientiert haben?

Ich würde mich auf jeden Fall über die eine oder andere fachkundige Antwort freuen. :)

Prinzessin Mononoke inspiriert von Stephen King? 4 Monate 2 Tage her #817130

Naja,
ob es wahrscheinlicher ist, dass Hayao Miyazaki eher ein größerer Stephen King Fan war, anstatt sich bei japanischer Mythologie zu bedienen ist ja eher fraglich. (:
Ich denke du hast da einfach eine zufällige Parallele entdeckt, die nicht unbedingt auf einander aufbaut.

Die Leitmotive von Prinzessin Mononoke kannst du gerne hier ( de.ghibli.wikia.com/wiki/Analyse:Shintoi..._Prinzessin_Mononoke - hmmm.. die Verlinkungsfunktion scheint derzeit defekt zu sein.) näher ausgeführt bekommen.
Und meine Erinnerungen an den dunklen Turm sind zwar nicht hundert prozentig präsent, aber ich meine es wird auf die genauere Herkunft des Bären eingegangen bzw. erwähnt und dass er nicht der Einzige "seiner Art" ist, der nicht mehr wie vorgesehen "funktionierte".
Dass etwas oder jemand in einer Wächterfunktion durch Einflüsse dem Wahnsinn verfällt, ist in Geschichten ja auch kein allzu innovativer Einfall, den man darauf zurückführen muss, dass sich jemand "an dem was zuerst da war" orientiert hat.
Letzte Änderung: 4 Monate 2 Tage her von Kaidan.

Prinzessin Mononoke inspiriert von Stephen King? 4 Monate 11 Stunden her #817214

Hey! Tatsächlich habe ich eine gesamte vorwissenschaftliche Arbeit über das Thema "Der Shintoismus in Hayao Miyazakis Filmen" geschrieben. In der ging ich auch auf Prinzessin Mononoke ein. Im Film werden zwei Eber verunreinigt, Okkoto und Nago.

Bei Nago geschieht das durch eine Eisenkugel. Eisen hat generell eine verheerende Wirkung auf ostasiatische Dämonen, Geister und Götter. So wird Nago auch hier verunreinigt. Ist also eine Parallele zum Shintoismus. (Andererseits muss auch gesagt werden, dass die japanische Schöpfungsgeschichte damit verbunden sein könnte. Dabei heiraten Izanami und Izanagi und zeugen nach dem Hochzeitsritus alle möglichen Götter, bis der Feuergott Izanamis Schoß verbrennt - sie stirbt. Izanagi trifft in der Totenwelt auf seine Frau, die verwest und voller Maden ist. Ein natürlicher Verwesungsprozess allerdings - die Parallele wäre also ein bisschen weit hergeholt.
Eine andere Version besagt außerdem, dass sie sich in eine Furie verwandelt und ihrem Mann zusammen mit ein paar anderen Leichen nachjagt.)

Zu Okkoto: Okkoto stirbt durch eine Verletzung und Verunreinigung.

Hintergrund der Verunreinigung im Shintoismus:
Im Japanischen nennt man das Verunreinigen durch Tod, Blut oder Krankheit "kegare".
Bernhard Scheid, der Japanologie an der Uni Wien studierte, schreibt, dass einheimische Kami mit diesen Dingen möglichst wenig konfrontiert werden sollten. Speziell, da laut Scheid kegare für die gesamte Gemeinschaft negative Folgen hat. Aus diesem Grund gibt es auch zahlreiche Reinigungsrituale, Sauberkeit ist generell ein wichtiges Thema in Japan, aber auch für den Shintoismus von Bedeutung.

Diese Besessenheit soll eher darstellen, was die Verunreinigung laut dem Shintoismus anrichtet. Denke also eher nicht, das Stephen Kings "Der dunkle Turm" dahintersteckt. Rein zeitlich gesehen wäre es möglich, da seine Bücher vor Prinzessin Mononoke (1997) herauskamen.

Übrigens, so als Fakt nebenbei: Das Wort mononoke (物の怪) ist ein Begriff für Dämonen, Geister und Gespenster, und damit auch ein Synonym von Yōkai, Yuurei und Oni zusammen. Die enge Verbundenheit sieht man also schon im Titel wieder.
Eventuell hilft dir der Originallink zu Bernhard Scheid weiter, wenn du dich ein bisschen reinlesen willst: www.univie.ac.at/rel_jap/an/Grundbegriffe/Shinto#Kegare
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