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THEMA: Realismus in Spielen?

Realismus in Spielen? 6 Monate 3 Wochen her #815927

Hallo,
Als Anlass zu diesem Thema nahm ich mir zwar den Release von dem Spiel Kingdom Come: Deliverence, jedoch soll es nicht nur darum gehen, sondern das Thema Realismus in Spielen generell behandeln. Nun denn, KCD war so eine Art Spiel, die schon im Vorfeld einen Authentizitätshype nach sich zogen und dem Entwickler gleich eine erfolgreiche Kickstartekampagne bescherten. Ob das der Hauptgrund war oder die Leute -wie ich- eher an dem historischen Szenario interessiert waren, sei mal dahingestellt. Ein Spiel wo man gezwungen ist zu essen und zu schlafen, sich gar zu waschen und das Kampfsystem gewollt sperrig ist, denn schließlich spielt man darin nur einen Schmiedesohn im Mittelalter und soll sich dementsprechend fühlen.


Ungeachtet wie die finale Qualität des Spiels aussehen mag, frag ich mich da ob ein realistisches Spiel gleich ein besseres Spiel ist?
Gewinnt ein Spiel für euch durch jene Faktoren etwas oder spielt ihr gerade wegen des unrealistischen Faktors?
Möchte man wenn man spielt denn wirklich auf jeden Aspekt des realen Lebens achten? Sind die Schritte in diese Richtung gleich ein Qualitätsmerkmal?
Natürlich bin ich mir vollauf bewusst, dass ein Spiel nie hundertprozentig realistisch sein kann wie natürlich auch, dass der "Spaß", den man daraus zu ziehen vermag etwas ganz individuelles ist.
Und welche Spiele machen das Eurer Meinung nach besonders gut (oder eben schlecht)?


Mir persönlich gibt das im Detail überhaupt nichts. Solche Dinge sind für mich zumeist eher lästige Tätigkeiten, die mir nur durch Leisten und Buffs kenntlich gemacht werden und mir nur paar Knopfdrücke abringen oder schlimmstenfalls unnötige Zeit rauben, die ich lieber in das Weiterkommen investiert hätte. Zugegeben, KCD lässt da tatsächlich viel Freiraum, bis man zu hungern beginnt dauert es seine Zeit und Schlafen tut man sowieso entweder des Speicherns willen oder weil die Nächte zu dunkel sind. Anhand dessen finde ich, dass diese Mechaniken nicht einmal da zu sein hätten brauchen, denn durch seine Welt wird das Spiel authentisch genug und es würde nicht authentischer werden wenn man die komplette Schiene in Sachen Realismus fahren würde und z.b. aufs Klo gehen müsste etc. Meiner Ansicht nach würde das nur nerviger werden.
An und Für sich (um mal einen Schritt weiter zu gehen) bräuchte ich in Spielen nicht einmal Inventarbegrenzung bzw. Gewicht der Items. Ich erinnere mich noch wie angenehm es z.b. in Gothic war die komplette Freiheit über sein Inventar zu haben, aber auch wie wenig es mir in vielen anderen Spielen gibt (z.b. Skyrim) in einem Dungeon zu sein und festzustellen, das keine Ausrüstung mehr reinpasst und man entweder was rausschmeißen oder zum Händler laufen muss.
Ein Negativbeispiel ist da für mich vor allem der Hardcore-Modus aus Fallout: New Vegas mit dem ich z.b. rein gar nichts anfangen konnte und nach nicht allzu lange abgebrochen habe. Dort wurden angesprochene Mechaniken leider auf die nervige Art und Weise präsentiert, die ich meine und wo zu Hunger und Müdigkeit noch Durst hinzukam. Wenn es nicht grad die Sims sind, möchte ich in solchen Spielen meinen Schwerpunkt lieber nicht auf diese Dinge legen. Wie bei einem Film wo man all das nur in den nötigsten Fällen zu sehen kriegt, kann ich mich auch bei Spielen damit arrangieren, dass die Charaktere ihren Bedürfnisbefriedigungen im Kontext der Erzählung schon irgendwann nachgehen werden - auch wenn es die von mir gespielte Figur ist.

Ein Wort noch zu den Kämpfen... gegen fordernde Kämpfe und solche wo schon 2-3 Gegner zur Bedrängnis werden können, kann ich durchaus begrüßen und finde, dass z.b. in KCD es durchaus fordernd und gleichzeitig komplex ist und gerade als Abwechslung von anderen Spielen, gefällt mir das. Wenn aber Kampfsysteme Überhand nähmen, die hingegen NUR so realistisch wie möglich zu sein versuchen würden, würde es mich durchaus schnell nerven.
Allerdings sind die Kampfmöglichkeiten in Spielen nun mal auch auf die Anforderung des jeweiligen Kampfsystems ausgelegt, womit ich sagen will, dass wenn man in Kämpfen nur gegen wenige/einzelne Gegner eine Chance hat, dann wird man dementsprechend auch auf so viele treffen. Man stelle sich nur das KCD-Kampfsystem in einem Dynasty Warriors vor. ;__;

Ich muss jetzt gerade in RPGs wahrlich keine Doppelsprünge und derartiges vollführen können und ein geerdetes Szenario wie KCD gefällt mir da mit seiner Art echt gut, aber ich würde auch gut mit leben wenn Spiele nicht versuchen würden mir Zeit mit Dingen rauben zu wollen, die ich schon für meine Bedürfnisse in der Realität kaum habe.^^
Wer aber wirklich großer Fan davon ist, dem sei zu DAS HIER geraten.^^
Letzte Änderung: 6 Monate 3 Wochen her von Kaidan.
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Realismus in Spielen? 6 Monate 3 Wochen her #816012

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Je länger ich darüber nachdenke, desto schwieriger wird es deine Fragen zu beantworten - da bin ich wohl letzten Endes etwas zwiegespalten.

Mein erster Gedanke war "Kommt einfach drauf an, welche Art Spiel bzw. welches Genre man spielt", aber selbst da könnte ich nicht pauschal sagen, dass ich es gerne möglichst realistisch hätte oder dass es mir komplett egal wäre. Je nach Genre und Setting würde ich da nämlich auf unterschiedliche Aspekte des Realismus wert legen bzw. eben auch keinen Wert legen.

Generell müssen die Dinge für mich einfach innerhalb der jeweiligen Spielwelt und des Settings Sinn ergeben bzw. wenn es um Spielmechaniken geht eben gut und zumindest halbwegs glaubwürdig umgesetzt sein. Nehmen wir dafür einfach mal Skyrim als Beispiel: Wenn da meine Fähigkeit in Schleichen dermaßen hoch ist, dass ich selbst am helllichten Tag einen Schritt direkt vor einem NPC hocken und dem mit dem Bogen ins Gesicht schießen kann, nur um ein "Hmm, must have been the wind" zu hören, dann zehrt das auch in einem Spiel mit Drachen und Magie doch ein wenig an meiner Immersion.^^

So etwas wie Inventarbegrenzung bzw. Gewicht von Gegenständen find ich grundsätzlich eigentlich auch nicht schlecht - aber auch hier wieder - wenn es denn eben gut/glaubwürdig umgesetzt ist. Wenn mein Charakter mit zunehmendem Gewicht proportional langsamer wird und dadurch nicht mehr so gut ausweichen kann (wie etwa in Dark Souls 2), denk ich mir "Hm, OK ergibt Sinn, warum nicht". Wenn ich aber wegen zu viel Gewicht plötzlich wie in Skyrim nur noch im Schneckentempo gehen kann, aber nachdem ich eine Blume weggeworfen hab, dann wieder mit meinen 5 Stahläxten und 10 Lederrüstungen im Gepäck mit pantherhafter Agilität durch die Gegend hüpfen kann, holt mich das auch wieder aus meiner Vertiefung.

Andere Dinge sind wiederum einfach Geschmackssache, vor allem wenn sie optional sind, wie der von dir erwähnte Hardcore-/Survival-Modus von New Vegas. Für mich war das beispielsweise der einzige Aspekt, der das Spiel halbwegs interessant gemacht hat - ansonsten wäre es nämlich zumindest meiner Ansicht nach einfach nur ein schlechteres Fallout 3 gewesen. Für jemanden, der in RPGs (als alter Pen&Paper Enthusiast^^) aber eben gerne mal solche Roleplay-Runs macht, ist sowas immer gerne gesehen. Dass sich New Vegas dadurch auch generell komplett anders spielt (eben weil man regelmäßiges Essen, Trinken und Schlafen miteinplanen muss), gibt dem Spiel auch allgemein nochmal Wiederspielwert - auch wenn ich natürlich verstehe dass es nicht jedermanns Sache ist.

In anderen Genres wie FPS kenn ich mich zwar nur bedingt aus, könnte mir aber vorstellen, dass die Spieler da womöglich wert auf realistisches Waffenverhalten und Ballistik legen, während andere Aspekte vermutlich wieder vollkommen egal wären. Speziell in Simulationen (sei es nun Landwirtschaft, Flugzeug, Eisenbahn, whatever^^) spielt ein möglichst realitätsnaher Inhalt aber wieder ne tragende Rolle.

Abschließend kann ich also sagen, dass es zumindest zu einem gewissen Ausmaß auf das Genre ankommt, ob eine Entwicklung in Richtung noch mehr Realismus den Spielen potentiell zuträglich sein könnte. Letztendlich ist die Art, wie diese realitätsnahen Elemente ins Spiel eingebunden werden, weitaus wichtiger - nämlich im Idealfall so, dass sie sowohl im Hinblick auf Spielmechaniken glaubwürdig transportiert werden, als auch generell im Hinblick auf Setting und die Spielwelt nicht deplatziert wirken.
Letzte Änderung: 6 Monate 3 Wochen her von Knives.
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Realismus in Spielen? 6 Monate 3 Wochen her #816019

Ich persönlich denke, dass Realismus Spielen eher schadet. Natürlich gibt es Ausnahmen. Bei Simulations und Survival Spielen wünscht man sich natürlich ein gewisses Maß an Realismus. Man will schließlich eine unbekannte Situation nachstellen, die so aber auch wirklich passieren könnte. Für viele Spiele trifft dieser Wunsch aber genau nicht zu. Ich will in Spielen Dinge vorgelegt bekommen, die der Fantasie anderer entspringen, die ein hohes Maß an Kreativität bezeugen. Ein vollständig realistisches RPG wäre für mich die Hölle. Man will sich ein anderes, virtuelles Leben aufbauen und nicht in der Realität hängen bleiben.

Bleiben wir erstmal bei RPGs. Generell soll der Spieler in eine andere Rolle schlüpfen und eine andere Welt erkunden. Für die Entwickler stellt sich nun die Frage, wie man eine interessante Spielmechanik mit gelungener Immersion verbindet. Realismus kann dabei helfen, Dinge aus dem echten Leben mit dem Spiel zu verknüpfen. Irgendwie ist ein gewisses Maß an Realismus also zwingend erforderlich. Ein total surreales Spiel wird den Spieler kaum zur Immersion anregen. Aber wie bereits zuvor erwähnt, es braucht ein 'gewisses Maß'. Manche Dinge müssen realistisch oder zumindest realistisch nachvollziehbar sein, damit man etwas mit ihnen anfangen kann. Bewegungen sollten ähnlich gestaltet sein, wie im echten Leben, die visuelle Wahrnehmung sollte mit der gewöhnlichen kompatibel sein und so weiter. Viele kleine Dinge, die in Spielen schon fast selbstverständlich sind. Vor allem in der Gestaltung der Umwelt, vor allem in der graphischen, kann man darüber hinaus noch viele weitere realistische Elemente einbringen, ohne die Spielmechanik einzuschränken.

Ein Kernmerkmal vieler RPGs ist heutzutage wohl das Kampfsystem. Hier muss es zwingend zu einer Abkehr von der realität kommen. Ich bin so frei, zu behaupten, dass es kein spielbares realistisches Kampfsystem geben kann. Allein schon deswegen, da man mit Maus und Tastatur spielt. Viele Spiele versuchen mit detailreichen Animationen und vorgefertigten Bewegungsabläufen den Eindruck eines realistischen Kampfes zu vermitteln, aber meistens führt das auf der anderen Seite dazu, dass man Teile,des Kampfes nicht selbst kontrolliert. Hier muss man natürlich abwägen, ob ein Kampf ein zentrales Element der Erzählung oder der Spielmechanik sein soll. Also soll der Kampf an sich Hauptmerkmal des Spiels sein oder soll es sich nur um einen Teil der Geschichte oder des Settings handeln. Je mehr man zu zweiterem tendiert, desto weniger Freiheit muss ich in meiner Steuerung haben. Ich persönlich finde solche Einschränkungen eher störend, aber mir ist klar, das viele Spieler solche Dinge mögen. Um etwas vom Realismus wegzugehen: Ich denke es geht hier mehr um Glaubwürdigkeit. Ist, in der aktuellen Situation und basierend der Umwelt im Spiel, eine solche Interaktion nachvollziehbar? Um diese Frage mit ja zu beantworten, bedarf es keinem Realismus. Es geht mehr darum, dass Dinge in der künstlichen Wirklichkeit des Spiels nachvollziehbar sind. Dinge in unserer Wirklichkeit nachvollziehbar zu machen ist eine Möglichkeit dies zu erreichen, aber weder die einzige noch die beste.

Kommen wir zu Shootern, die hier ja auch schon angesprochen wurden. Realistische Shooter sind generell schlecht. Ich spiel einen Shooter nicht, weil ich ein möglichst realistisches Gefühl davon haben will, jemanden abzuschießen. Viele Shooter neuere tendieren leider dazu, sehr realistisch zu sein. Damit machen sie jedoch die Kernidee kaputt, die hinter dem Genre steckt: Ein schnelles unterhaltsames Spiel, in dem taktisches Vorgehen, Geschick und Reaktionsgeschwindigkeit auf die Probe gestellt werden. Realistische Shooter werden schnell frustrierend. Man zielt perfekt auf einen Gegner, schießt und trifft nicht, weil der Lauf noch warm ist und deshalb die Kugel eine Kurve fliegt. Noch schlimmer wird es, wenn Dinge wie wackeln dazukommen. Diese Dinge kann ich im Spiel nicht beeinflussen, also warum sollten sie da sein? Wenn ich eine echte Waffe in der Hand habe, wackel ich, weil ich versuche die Waffe zu stabilisieren, es aufgrund mangelnden Trainings aber nicht schaffe. Aber dennoch reagiert die Waffe auf jede meiner Bewegungen. Das Wackeln in vielen Spielen ist jedoch vollkommen zufällig. Dadurch zerstört der Realismus vollständig die Spielmechanik. Es gibt noch eine Reihe anderer Faktoren, die nicht realistisch sein sollten, es aber leider oft sind. Der Post wird aber schon zu lang, sodass ich darauf nicht auch noch herumreiten will.

Als letztes noch Strategiespiele. Diese sind ein wunderbares Beispiel, wie man mit Realismus umgehen kann. Ein Strategiespiel ist von vorne herein schon unrealistisch. Es ist unmöglich, als einzige Person mit einer solchen Menge an Information umgehen zu können und präzise und effizient zu reagieren. Deshalb vereinfachen viele Spiele sehr stark. Allerdinngs picken sie sich einzelne Aspekte heraus, die dann doch realistisch gestaltet sind. So kann ein Spiel gezielt den Fokus auf Dinge lenken, die als besonders interessant emfunden werden. Ein Beispiel: Anno 1503. Das Spiel fügt den Siedlern nach und nach immer mehr Bedürfnisse hinzu, die der Spieler erfüllen muss. Der Spieler muss sich überlegen, wie diese Bedürfnisse erfüllt werden müssen. Auf Dinge wie ein realistisches Kampfsystem oder eine sinnvolle Einteilung der klimatischen Zonen achtet das Spiel jedoch nicht. Andere Spiele hingegen legen viel Wert auf ein realistisches Kampfsystem, aber kaum Wert auf die Generierung der nötigen Einheiten. Während viele Spiele hier das Richtige tun, gibt es jedoch auch hier Fälle von übermäßig realistische Spielen. Dadurch wird jedoch der Fokus viel zu breit und man verliert schnell den Spaß am Spiel.

Zusammenfassend kann ich sagen: Realismus hat seine Berechtigung und trägt positiv zu einem Spiel bei, jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Realistische Elemente, die darüber hinaus hinzugefügt werden, schränken nur unnötig die Spielmechanik ein und wirken sich langfristig negativ auf den Spielspaß aus. Man kann also durchaus sagen, dass es Spiele gibt, die überrealistisch sind und dadurch unspielbar werden. Aber es gibt auch Spiele, denen ein kleines bisschen mehr Realismus gut tun würde.

Signature by Tharmeza
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Realismus in Spielen? 6 Monate 3 Wochen her #816121

Ich glaube daß zuviel Realismus in einem Spiel ganz einfach den Spaß eleminiert. Ich mein... nehmen wir gerade Kingdom Come... wäre das wirklich realistisch, dann wär man einfach nur am sterben. Weil man mit solchen Waffen zu kämpfen halt einfach nicht an einem Tag lernt, und auch nicht in einer Woche oder einem Monat. Oder wenn man dann mit seiner tollen glänzenden Rüstung und seinem blinkenden Schwert rumrennt, und dann kommt ein Bettler mit einem Speer und killt einen mit dem ersten Stoß trotz Rüstung und teurem Schwert und Training. und und und... weil einfach der Speer viel länger ist als dein Schwert und du deswegen keine Chance hast. xD
Oder nehmen wir mal einen Shooter.... das wäre man beim ersten Schuss hin. nix mit health-balken.... egal mit welcher waffe und so lange man im groben den oberkörper trifft ist auch relativ egal wohin man schiesst.

das würd einfach keinen spaß mehr machen
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