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THEMA: Warum gibt es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit?

Warum gibt es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit? 1 Jahr 7 Monate her #784622

Hallo. Ich finde es recht schade, dass es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit gibt. Die Rede ist nicht von Visual Novels/Dating Sims, sondern von "normalen" Videospielen. Mit "echter Entscheidungsfreiheit" meine ich, dass der Spieler nicht nur ein paar Kleinigkeiten oder das Ende, sondern die gesamte Handlung selbst verändert. Also so wie bei Until Dawn oder der Mass Effect-Reihe. In langen RPGs wäre sowas mit Sicherheit schwierig und aufwendig, aber vor allem in Horror-Spielen würde sich das doch recht leicht umsetzen lassen und auch absolut passen.
Warum gibt es dann also so vergleichsweise wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit?

Warum gibt es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit? 1 Jahr 7 Monate her #784633

Weil der Aufwand gewisse Entscheidungen in viele mögliche Richtungen darzustellen sich schlicht nicht rentiert. Punkt.
Das Programmieren völlig neuer Assets und das Schreiben/Anpassen der Handlung zur jeweiligen Entscheidung würde einen Aufwand und Ressourcen benötigen, die aufzubringen aus wirtschaftlichen Gründen eines Studios kontraproduktiv sein würden. Denn seien wir mal ehrlich: Wer würde ALLES davon sehen? In Zeiten wo laut (Achievement-)Statistiken so etwa 70-80% der Spieler die Games nach rund einer Viertelstunde links liegen lassen, geschweige denn bis zum Ende kommen, kann man von Studios gleich verlangen ihr Geld zu verbrennen. Selbst in Mass Effect sind Entscheidungen ja nur Makulatur und werden nur in einem Rahmen aufgegriffen, der für jede verfügbare Entscheidung austauschbar ist. Ob z.b. um das Leben des einen oder anderen Charakters geht, der Verbliebene wird in den meisten Fällen die Abläufe ausführen, die sonst der Andere ausführen würde. Und auf die Story generell wirkt sich da ja nichts aus. Höchstens auf kleine Unterschiede wer/wo/was/wann/wie sagt oder tut. Viel mehr ist es eine gute Illusion, dem Spieler die Auswirkung seiner Entscheidungen vorzugaukeln und gerade Bioware haben gute Übung darin. Was wie ich finde natürlich nichts schlechtes ist.
Ähnlich verhält es sich ja auch bei Telltale, die in der Hinsicht am meisten Herumtricksen. Trotzdem spiele ich ihre Spiele sehr gerne und um auf etwas zuvor erwähntes zurückzukommen: Ich spiele sie nur einmal und habe danach immer sehr wenig Interesse auf einen erneuten Durchlauf nur um zu "gucken was möglich wäre". Tales from the Borderlands hat in der Richtung einiges geboten wie ganz verschiedene Levelabschnitte oder "Zustände" von Charakteren, dennoch hab ich auch das bisher nicht wieder angefangen, denn ich habe es auf "meine" Weise beendet und damit ist es gut. Auch bei Quantic Dream Spielen entscheidet der Ausgang einer Situation nicht groß über den eigentlichen Verlauf, so unterschiedlich manche Ausgänge dann auch sein mögen.
Ein anderes Beispiel, was vielleicht eher in die von dir gemeinte Richtung geht, könnte Witcher 2 sein, wo du im Mittelteil aufgrund einer Entscheidung ein jeweils vollkommen anderes Areal besuchst und das Andere ohne erneutes Durchspielen gar nicht erst zu Gesicht bekommst.
Im Grunde kann man sagen, dass du in Games nicht die Freiheit hast welchen Weg du gehst, sondern WIE du ihn gehst.

Selbst jene textbasierten Games haben soweit ich das sagen kann ihren eigenen groben Verlauf. Nur können Entscheidung dort viel mehr zur Geltung kommen (z.b. in Planescape Torment), da nichts neu progammiert/erschaffen werden muss, sondern man schriftlich leicht etliche sich ergebene Nuancen behandeln kann.

Aber mal aus persönlicher Neugier: Was wäre für dich denn eine "echte Entscheidungsfreiheit"?


Prost übrigens.
Letzte Änderung: 1 Jahr 7 Monate her von Kaidan.
Folgende Benutzer bedankten sich: Fullmetalfan

Warum gibt es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit? 1 Jahr 7 Monate her #785989

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Naja, was heißt "echte" Entscheidungsfreiheit... Wie Kaidan schon sagte, wird das im Grunde nur "simuliert", einfach weil es wohl unter keinem auch nur annähernd lohnenswerten Aufwand möglich wäre, sowas wirklich realitätsnah zu halten. Natürlich gibt es Spiele wie Mass Effect, Witcher etc. wo man dann und wann mal eine Entscheidung treffen kann, um die Story in eine gewisse Richtung zu lenken. Dennoch folgt man auf die Weise nicht seinem eigenen Weg, sondern schlicht einem anderen, der jedoch ebenfalls von den Entwicklern implementiert werden muss. Zumindest wenn die Spiele noch eine halbwegs brauchbare Story erzählen sollen, ist es nicht möglich, komplett frei zu sein, weil das alles durch die Entwickler auch noch berücksichtigt werden muss.

Klar gibt es Spiele, bei denen es beispielsweise auch soweit geht, dass für eines von möglichen Enden beispielsweise berücksichtigt wird, "wie" man durch das Spiel gegangen ist (Bioshock beispielsweise), was da ja auch nochmal eine Rolle spielt. Auch gibt es beispielsweise Tyranny, wo du vor Spielbeginn die Möglichkeit hast, ein paar Entscheidungen zu treffen, die im Grunde die Spielwelt bzw. den Handlungsverlauf beeinflussen, so dass du dadurch eine andere Spielwelt, andere Abschnitte etc. geboten bekommst, als jemand, der andere Entscheidungen getroffen hat. Aber auch hier hätte man, sollte man es oft genug durchspielen, wohl alles gesehen, wo wir wieder bei dem Punkt wären, dass man sowas eben nicht komplett frei machen kann. Was in der Hinsicht ganz interessant werden dürfte, ist wohl Kingdom Come Deliverance, das sich bisher in den Previews sehr mit seinem KI-System brüstet und das in dem Bezug wohl wirklich sehr simulationslastig und vergleichsweise realistisch werden soll, eben auch was die Welt angeht. So soll es dort möglich sein, dass man NPCs, die im späteren Spielverlauf erst von Bedeutung werden, schon früher über den Weg laufen könnte, da sie eben ihre eigenen Tagesabläufe in der Spielwelt haben und das nicht alles geskriptet ist und sie nur kommen, wenn man ihre Quest triggert und hinterher wieder spurlos verschwinden oder wie in Witcher 3 als Platzhalter dienen.
Kaidan schrieb:
Prost übrigens.

In diesem Sinne: Kipp einen für mich mit.
Ihr macht gerne Musik, findet jedoch niemanden, der Eurer als Bandmitglied würdig ist? Ihr habt es satt, dass euer Duschvorhang der einzige ist, der sich an eurer Kreativität ergötzen kann? Klickt jetzt, dankt mir später. ;3

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Letzte Änderung: 1 Jahr 6 Monate her von Fullmetalfan.

Warum gibt es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit? 1 Jahr 6 Monate her #786372

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Prost übrigens.
Cheers, der Herr ~

Moin,
der einleitende Satz, welcher auch zwei Posts über mir steht begründet deine Frage, die im Titel gestellt und im Beitrag vertieft wird, eigentlich schon grundlegend.
Es wäre schlicht und einfach viel zu kosten- und zeitaufwendig ein solches Spiel auf für den Markt zu konzipieren. Du müsstes bei jedem Entscheidungspunkt tausende von Möglichkeiten durchspielen, die in Frage kommen könnten, weil irgendjemand sicher auf die Idee käme einen Spielzug zu machen, der bei einer 1%igen Wahrscheinlichkeit liegt.

Ich finde, wie Fullmetalfan schon meinte, die Spiele, welche den zurückgelegten Weg berücksichtigen sehr fortschrittlich und erstaunenswert. Vielleicht sind solche Spiele, wie du sie dir wünschst, in wenigen oder mehreren Jahren verfügbar.
Es gibt einige Titel, wie das von Fullmetalfan angesprochene, Bioshock, Dishonerd (soweit ich weiß), Life is Strange, etc. die einem gewisse Möglichkeiten bieten frei zu entscheiden oder Handlungswege und Taten zurückzuverfogen.

Tonight, I'll show you a sweet dream...

Warum gibt es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit? 1 Jahr 6 Monate her #786655

Hm Entscheidungsfreiheit bei Spielen? Hört sich für mich irgendwie in Richtung Sandbox Spiel an, keine Ahnung wieso. Ich denke, wenn man das angeht, sollte man aufpassen, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht und es dem Spieler langweilig wird.
Der Durchschnittspieler will nämlich an der Hand genommen werden und braucht eine Story. Wenn der nämlich das Gefühl hat, sich in der Welt zu verlaufen und nichts mehr zu tun hat wird ihm langweilig und er sucht sich ein anderes Spiel.

Das mit dem Programmieraufwand haben Fullmetallfan und Kaidan ja schon gut erklärt. In manchen Spielen hat man ja einmal die Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen, welche das Ending beeinflusst. Dafür muss man schon 3 Storystränge programmieren. Geht man jetzt weiter und lässt den Spieler ein 2tes Mal entscheiden wären es 9, beim dritten Mal 27 usw.

Um das wirklich so zu verwirklichen dürfte man nur die Spielwelt und die NPCs programmieren und das gesamte System interagiert frei und wird von der CPU berechnet. Ich kenn mich nicht so tief mit der Materie aus aber ich vermute, dass das ein Rechner für Zuhause nicht schafft zu berechnen.

Trete heute noch dem Neptunia Club bei.schreibe einfach mir per PM
Letzte Änderung: 1 Jahr 6 Monate her von Neptune8192.

Warum gibt es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit? 1 Jahr 6 Monate her #786911

Klar kann das der Rechner schaffen, es kommt halt auf die Größe an.
In kleinen Maßen wird es schon gehen, aber der Aufwand füür die Programmierer selbst ist eben sehr groß. Man müsste es dann so programmieren, dass die wichtigen NPCs immer eine logische und nachvollziehbare Reaktion haben, und diese völlig ad hoc zu berechnen ist utopisch, da man ja dafür die richtigen Rahmenbedingungen erst schaffen muss.
Man kann eine gewisse Anzahl von Reaktionen vorprogrammieren, die dann durch ein spezielles Event ausgelöst werden, aber niemals in der Fülle dass völlige Entscheidungsfreiheit möglich wird.

Aber völlige Entscheidungsfreiheit wäre ja auch etwas völlig Neues für den Spieler, denn man kennt es ja nicht aus dem realen Leben.
Im Grunde passen eben Aufwand und Ergebnis nicht zusammen. Ich denke nicht dass so etwas spaßig ist.

Warum gibt es so wenig Spiele mit echter Entscheidungsfreiheit? 1 Jahr 6 Monate her #787639

Der Aufwand ist viel größer, außerdem glaube ich, dass sich viele Spieler von solchen Spielen eher überfordert fühlen. Vor allem AAA Action Games werden ja immer mehr auf Casuals zugeschnitten (so werden die Shooter immer linearer, etc).
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