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THEMA: Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt!

Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 2 Wochen her #832035

  • Mystico-chan
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Die Demo, wo diese Schüler schwänzen gehen für die Umwelt!

So kann man dies beschreiben.
Was hält ihr von der Idee für die Umwelt zu schwänzen?
Das wird am Freitag gemacht. Daher kommt der Name her.]
Was ist? Denkst du, dass in meinen Beiträgen IRGENTWAS vernünftiges drinne steht?
Erwarte doch nicht ZU viel von mir!

Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 2 Wochen her #832040

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Das wir mehr auf die Umwelt achten sollten finde ich auch so aber warum ausgerechnet wir Deutsche? Wir machen vielleicht 2% der ganzen Welt aus.
Ich habe gehört das immer mehr Menschen an Krebs erkranken aber wen wunderts.
Geld regiert die Welt
Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.


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Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 2 Wochen her #832042

Diese einfältigen Schüler sollten dabkbar dafür sein, dass sie überhaupt in die Schule gehen können. Die wird schließlich mit unserem hart erarbeitetem Geld finanziert. Viel schlimmer als die ganze Schwänzerei ist ja dieses heuchlerische Engangement für die Umwelt. Wenn irgendwo ein Eisbär auf seiner Eischolle aufgrund Eismangels verreckt, dann ist das blöd gelaufen, aber kein Grund zu flennen. Da wollen die Schüler irgendwelche Tierchen retten, vergessen dabei aber komplett, dass übertriebener Umweltschutz millionen von Arbeitsplätzen kostet. Da werden Dinge wie der Kohleaustieg gefordert, durch den sofort tausende Menschen auf der Straße landen. Und wer bezahlt dann eure Schule? Tja, dann könnt ihr an allen anderen Tagen auch streiken. Die dummen Schüler können sich ja gar nicht vorstellen, was es bedeutet seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Sie werden auch kaum eine solche Erfahrung machen können, da es bald soweiso keine unbefristeten Arbeitsplätze mehr geben wird. Sie können also gar nicht wissen, was sie denn armen Arbeitern mit ihren Vorderungen antun würden.

Man macht heute ja total auf Digitalisierung von Schulen. Das braucht wieder Strom ohne Ende. Und woraus wird Strom gemacht? Richtig, aus Kohle. Also genau aus dem Zeug, das unsere lieben Schüler verbieten wollen. Ohne Kohle kein Strom. Erneuerbare Energien? Viel zu teuer! Man pumpt jetzt schon zu viel Geld in die Schulen, dann sollten die doch wenigstens billigen Kohlestrom nehmen. Eure Schule macht ihren Strom selbst? Denkt ihr, die Solarzellen auf dem Dach gab es gratis?
Es gibt ja auch immer so Leute, die behaupten, man könnte alles mit Windparks lösen. Manche fangen sogar an sich Windräder in den Garten zu stellen. In meine Garten kommt kein Windrad! Und in den von meinem nachbarn auch nicht! Die Dinger verschandeln doch die ganze Landschaft. Wisst ihr was ihr lieben Tierschützer? Windräder häckseln Vögel. Aber unsere heimischen Vögel sind euch ja egal, Hauptsache dem Eisbär geht es gut. Man kann die ja im Meer bauen? Toll und wie kommt der Strom dann zu euch? In dem eine Leitung durch meine Garten gelegt wird. In meinen Garten kommt keine Leitung!

Der Klimawandel kommt und wird uns alle töten! Ja, dann wär endlich mal Ruh'. Seid doch froh, wenn es wärmer wird. Immer rummeckern, dass es so kalt ist und dann nicht wollen, dass es wärmer wird. Außerdem hat dem Klimawandel doch auch gar nichts mit Kohle zu tun. Das ist eine ganz natürliche Entwicklung an der wir nichts ändern können. Die Schüler haben doch keine Ahnung von sowas. Fragt doch mal die, die es wissen müssen! Die ganze Klimaforscher und Wetterexperten sollten es doch besser wissen. Das tun sie? Sie unterstützen die Schulschwänzer? Die müssen doch wissen, was sie damit den Leuten antun, die sie damit in die Armut stürzen! Die haben selbst alle befristetet Verträge und gönnen niemanden lebenslange Sicherheit. Das muss es sein! Die denken nur an sich selbst!

Und wenn nicht? Wenn sie doch Recht haben? Dann sollten wir was tun! Was kann ich tun? Ich fahr morgens immer mit meinem großen SUV zur Arbeit. Der frisst schon viel Sprit. Aber der kann auch so toll durchs Gelände fahren. Aber ich fahr nur in der Stadt. Ich könnte auch mit dem Zug fahren. Aber die kommen immer zu spät. Und da sind immer so viele andere Menschen im Zug, schrecklich! Da fahr ich doch lieber mit dem Auto. Ich fliege jeden Urlaub nach Thailand. Mal in Deutschland Urlaub machen? Ich weiß nicht, dass ist doch immer so teuer. Ach, es ist doch sowieso egal, ob ich was mache oder nicht. Wenn es nicht alle tun, bringt es doch sowieso nichts! Die sollen mal die Kohlekraftwerke abstellen, die machen doch viel mehr Dreck, als mein kleines Auto! Dafür gehen die Schüler auf die Straße? Dann geh ich sie dort unterstützen. Fridays for Future!

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Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 1 Woche her #832054

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AnimeWelt schrieb:
Das wir mehr auf die Umwelt achten sollten finde ich auch so aber warum ausgerechnet wir Deutsche?
Und so kann sich jeder aus der Verantwortung ziehen, bis wir beim größten Umweltsünder angekommen sind - und selbst da muss es ja nicht zwangsweise heißen, dass die Menschen selbst die größten Umweltsünder sind, sondern die Konzerne. Wieder eine gute Ausrede gefunden. :^)

Fridays for Future ist für mich wirklich so ein Thema, dem ich sehr zwiegespalten gegenüber stehe. Ich habe die Aktion anfangs wirklich sehr positiv aufgenommen und finde ich auch gerade den Einsatz von Greta Thunberg, die ja massiv Gegenwind bekommt, einfach lobenswert. Mehr für das Klima tun und vor allem mehr Bewusstsein dafür schaffen, kann nur in unser aller Sinne sein. Und ja, ich finde nicht einmal schlimm, dass das in der Schulzeit statt findet, denn die Argumentation ,dass es sonst einfach keinen interessieren würde, ist in meinen Augen vollkommen legitim. Ich bin ehrlich: ich wäre damals nicht auf die Straße gegangen, vor allem nicht, wenn das Wetter vielleicht schlecht ist und man sich da einen abfriert - dann lieber bis 13 Uhr in die Schule gehen und ab nach Hause. Als Schüler war mein Engagement für solche Sachen einfach nicht vorhanden - da ging es eher darum, was bequem war. Demonstrieren hat da sicherlich nicht dazu gehört.

Aber es gibt dennoch auf beiden Seiten Sachen, die mir an dieser ganzen Debatte sauer aufstoßen:

Whataboutism - jetzt auch in jeder beliebigen Diskussion gratis erhältlich
Ich sag wie es ist: mich widert es bei vielen Themen regelrecht an, wie sich Leute aus der Verantwortung ziehen wollen, in dem immer wieder behauptet wird: "Wenn du das nicht perfekt machst, dann hast du auch kein Recht, dich darüber zu beschweren!". Findet man in vielen Themen wieder, seien es Essensgewohnheiten, Plastikverbrauch, Minimalismus oder genereller Umweltschutz. So viele Menschen sprechen anderen das Recht ab, die zumindest versuchen, etwas zu verändern - und tun selbst nämlich auch gar nichts außer sich Gedanken darüber zu machen, warum andere Menschen etwas nicht tun dürfen.
Auch bei Fridays for Future liest man das gerade in den sozialen Netzwerken auffällig oft: "Demonstrieren, aber Hauptsache alle zwei Jahre ein neues Handy kaufen" oder "Demonstrieren, aber sich mit dem Auto in die Schule fahren lassen" - das mag sicherlich nicht realitätsfern sein, aber ich halte es für gewinnbringender, die Gesellschaft auf diese Themen aufmerksam zu machen. Selbst, wenn man eben nicht der 100% Öko ist, den sich viele Wünschen.
Eines ist doch sehr wahrscheinlich: Schüler werden sich aufgrund dieser Demonstrationen sicherlich Gedanken darüber machen, wie sie selbst etwas verändern können. Und selbst wenn sie es aktuell noch nicht tun, ist das für mich schon ein Schritt in die richtige Richtung.
Alle anderen Nörgler, die Leuten das Recht zum Demonstrieren aufgrund von etablierten Lebensweisen (die sie ohnehin selbst auch noch vertreten) verbieten wollen, sollten sich in meinen Augen ein Stückchen abschneiden.

Und das führt mich auch zum nächsten Punkt:
Sind die Forderungen überhaupt realistisch?
In meinen Augen setzen sie vor allem an den falschen Punkten an. Hochtrabende Slogans wie "Stoppt die Braunkohle" o.ä. sind oftmals auf den Schildern zu lesen, aber ich persönlich finde, dass man diese Demonstrationen eher dazu nutzen sollte, dass die Gesellschaft an sich vielleicht eher über das Konsumverhalten nachdenkt. Wenn sich jeder nur über sein eigenes Verhalten Gedanken macht, dann wäre der Umwelt schon geholfen - stattdessen findet man hier recht alternativlose und vielleicht auch zu frühzeitige Forderungen an die Politik, die für mich sehr unreflektiert und unbedacht wirken. Manchmal hat man berechtigterweise das Gefühl, dass die Schüler sich da einfach zu wenige Gedanken machen und so einige Parolen der Grünen einfach ohne wenn und aber in die Welt hinausrufen.
Und ja: ich setze voraus, dass die Schüler als allererstes bei sich selbst anfangen und schauen, was sie in ihrem Alltag verändern können. Ich möchte allerdings pauschal niemanden abstreiten, dass er das nicht tut - pauschalisieren kann und darf man hier einfach nicht. Dennoch: in einem benachbarten Ort haben ebenfalls solche Demonstrationen stattgefunden, nur leider haben die Schüler wohl vergessen, ihren ganzen Müll wieder mitzunehmen. Das ist der Sache natürlich absolut nicht zuträglich und schadet dem Ganzen eher.

Insgesamt betrachtet gibt es für mich keinen legitimen Grund, wieso man nicht zuerst auch bei sich selbst anfangen sollte. Forderungen an die Politik sind natürlich auch notwendig, diese halte ich aber nur dann für zuträglich, wenn sie durchdacht und vor allem mit guten Alternativen belegt sind. Wir können nicht alles einstampfen, und uns in der Entwicklung einfach Jahrzehnte zurückwerfen - für mich persönlich müssen da intelligente und tragbare Lösungen her, die aber oftmals leider noch nicht wirklich erforscht bzw. gut durchdacht sind. Ich finde dennoch das Engagement der Schüler löblich und hoffe, dass die kommende Generation deutlich mehr für den Umweltschutz tut, als es aktuell der Fall ist.
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Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 1 Woche her #832057

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Es ist schade, dass die mediale Debatte auf den einen Aspekt verkürzt wird, ob es auf einer moralischen Ebene vertretbar ist, die Schule zu schwänzen, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Dabei sollte doch eigentlich außer Frage stehen, dass - sofern du nicht gerade Autos/Polizisten/Asylbewerberheime anzünden gehst - politisches Engagement gesellschaftlich ein hohes Gut ist, welches durchaus auch solche Mittel rechtfertigt. Eine politische Meinung an sich und der Wille, sich dafür einzusetzen, ist sehr viel wert, zumal ich den Preis dafür "Einmal freitags die Schule schwänzen" eher als eine Bagatelle einschätzen würde. Ich habe auch Verständnis dafür, dass es den Initiatoren darum geht, die Sache ganz bewusst sehr öffentlichkeitswirksam mit viel medialem Wirbel aufzuziehen, um Aufmerksamkeit zu wecken, dass inmitten des ganzen Hintergrundrauschens überall trotzdem deine Stimme gehört wird. Dass Menschen auf die Straße gehen, dass Bewegung in eine politische Debatte kommt - daran gibt es nichts auszusetzen, in dieser Hinsicht ist der Protest legitim.
Das ist das Gute. So. Kommen wir jetzt zum weniger Guten, das wird leider etwas länger dauern.

Was mir aber leider viel zu kurz kommt, ist eine tiefere Auseinandersetzung mit den konkreten Inhalten der Bewegung... was natürlich unter Umständen darauf zurückzuführen sein könnte, dass es schlichtweg fast keine konkreten Forderungen gibt. Es geht um Klimaschutz, einen früheren Kohleausstieg, "die" Politiker sollen jetzt endlich mal was machen, ... und weiter? Was genau bedeutet denn eigentlich diese "ganzheitliche Lösung", die immer wieder angesprochen wird? Greta Thunberg bleibt sehr vage und ungenau, was das Vorgehen betrifft, wie eigentlich denn nun ihrer Meinung nach ihre "Klimakrise" aufzuhalten ist, und das ist wahrscheinlich auch durchaus so beabsichtigt, um niemanden vor dem Kopf zu stoßen.

Stattdessen haben wir sehr viel von dieser grünen Untergangsrhetorik, immer wieder wird die Klima-Apokalypse herbeibeschworen, warum für die Zukunft in der Schule lernen, wenn es schon bald vielleicht überhaupt gar keine Zukunft mehr geben wird. Und genau diese Panikmache vor einer unmittelbar bevorstehenden Katastrophe halte ich für eine sehr gefährliche Tendenz dieser Bewegung. Ja, der Klimawandel wird aller Voraussicht nach negative Auswirkungen auf uns haben und ja, es ist höchste Zeit, effektive Maßnahmen zu ergreifen - aber der Weltuntergang steht uns glücklicherweise nicht bevor, weder bei 2° Erwärmung, noch bei 3°C, nicht mal bei 4°C. Die Menschheit ist dank ihrem Erfindungsreichtum bemerkenswert gut dazu in der Lage, sich an veränderte Umweltbedingung anzupassen und selbst unter extremen Bedingungen zu überleben. Das bedeutet nicht, dass wir uns gemütlich im Liegestuhl zurücklehnen und einfach dem Klimawandel "wird schon nich so schlimm werden" zuschauen sollten. Aber zu einer sachlichen Diskussion um mögliche sinnvolle Lösungsansätze tragen vollkommen überzogene Äußerungen über eine angebliche Klima-Apokalypse nichts, und zwar wirklich gar nichts bei. Das einzige, was eine solche Hysterie bewirkt, ist dass sich ein ganz anderes Klima aufheizt, und zwar das politische Gesprächsklima, und das ist nun wirklich das letzte, was wir im Moment brauchen.

In diesem Zusammenhang fällt auch das ausgeprägte Schwarz-Weiß Schema des zentralen Narrativs der Bewegung auf: Hier die unschuldigen, um ihre Zukunft besorgten Schüler, die Guten, dort die untätigen, fahrlässigen Politiker (als ob "die Politiker" eine homogene Gruppe sind, die alle der gleichen Meinung sind), die bösen Alten. Greta Thunberg gibt das auch offen zu und erwidert, dass es in dieser Frage eben nur ein Schwarz und ein Weiß gibt: Entweder Überleben oder unsere eigene Auslöschung. Aber genau so einfach ist das es eben nicht: Der Weltuntergang im Sinne von "Milliarden Menschen tot" steht uns eben nicht bevor, und die Bekämpfung des Klimawandel rechtfertigt eben nicht jedes Mittel, eine Einschränkung der individuellen Freiheit von jedem. Die Initiatoren übersehen, dass es durchaus eine wichtige Grauschattierung gibt: Ja, wir sollten gegen den Klimawandel vorgehen - aber das bedeutet doch nicht, dass wir deswegen einen Freifahrtschein für extreme Maßnahmen ausstellen sollten. Die gesamte Bewegung steht ideologisch auf sehr wackeligen Füßen.

Wenn man dann etwa bei Gretas berühmt-berüchtigten Kernenergie-Posting etwas zwischen den Zeilen liest, bekommt man irgendwann einen schon etwas besseren Eindruck davon, was in der Vorstellung der Fridays for Future-Demonstranten am besten als konkrete Maßnahme passieren soll. Es ist im Prinzip alter Wein in neuen Schläuchen, im Wesentlichen wird hier die olle Kamelle von der "Großen Transformation" wiedergekäut. Wandel. Energiewende, Verkehrswende, Agrarwende. Das hört sich alles so schön an. Wir alle fahren Elektroautos, Sonne und Wind liefern unseren Strom, der freundlich lächelnde Bäcker reicht uns unsere vegetarischen Lebensmittel aus der Region. Und ich kann verstehen, dass einige Schüler dieser Vision einiges abgewinnen können, insbesondere wenn sie einer derartigen Indoktrination von allen Seiten ausgesetzt sind.

Letztendlich aber basieren diese Vorstellungen alle auf einer Fehlannahme: Das, was sie meistens als "unsere bisherige westliche Lebensweise", die Wurzel allen Übels oder so ähnlich beschreiben, dass wir immer mehr wollen, immer mehr Wachstum, uns nicht mit dem status quo zufrieden geben, ist in keinerlei Hinsicht etwas Schlechtes. Genau diese Einstellung ist vielmehr eher der Grund dafür, dass wir es innerhalb von wenigen hundert Jahren geschafft haben, das dunkle vorindustrielle Zeitalter mit all seinen Seuchen, Hungersnöten, Armut und Elend zu überwinden und wir jetzt über zivilisatorische Errungenschaften verfügen, die noch vor wenigen Jahrzehnten vollkommen unvorstellbar gewesen wären. Das Problem ist, dass die meisten (auch die erwachsenen) Anhänger von Fridays for Future sich nicht ganz im Klaren sind, was der beschworene große Wandel tatsächlich bedeuten wird. Fest steht, auch wenn Langstrecken-Luisa gerne davon ablenken will, dass wir alle uns in unserer Lebensweise einschränken und wir im Alltag verzichten müssen, wenn wir die Emissionen von Treibhausgasen senken wollen, zumindest auf die Art und Weise, wie es sich die Initiatoren vorstellen. Und zwar ganz erheblich. Das bedeutet nichts weniger, dass wir durch Deindustrialisierung bewusst einen wirtschaftlichen Zusammenbruch riskieren. Das bedeutet, dass wir Menschen in ihrer Freiheit und in ihrem Grundrecht beschneiden, sich von A nach B zu bewegen. Das bedeutet, dass wir Menschen dazu zwingen werden müssen, weniger Fleisch zu essen. Das bedeutet, dass elektrischer Strom, das Alltäglichste der Welt, entweder zum teuren Luxusgut wird oder dass es regelmäßig großflächige Stromausfälle gibt, wenn die Sonne mal nicht scheint und der Wind nicht weht. Vielleicht werden wir dem Klima zuliebe tatsächlich jedem Bürger nur noch drei Flugreisen pro Jahr erlauben dürfen.

Aber damit nicht genug. Denken wir das Szenario doch einmal konsequent weiter. Was machen wir dann eigentlich mit diesen Umweltsündern, die es trotzdem, trotz aller Bekehrungsversuche wagen, ein saftiges Steak zu essen, mit der Familie in den Urlaub zu fliegen oder einen Diesel zu fahren? Verbieten wir es ihnen? Bestrafen wir sie für ihre Umweltsünden? Sind sie schlechte Menschen? Und was passiert eigentlich, wenn jemand wie Donald Trump gewählt wird, der alle mühsam errungenen Anstrengungen zum Klimaschutz kurzerhand komplett über den Haufen wirft? Brauchen wir am Ende vielleicht sogar tatsächlich eine Art technokratische Öko-Diktatur, in der Klimaexperten das Sagen haben und keine gewählten Volksvertreter, die das Emissionsziel gefährden könnten? Der "Schritt in eine nachhaltige Zukunft" ist mitnichten ein Schritt vorwärts, sondern ganz im Gegenteil ein riesiger Sprung zurück. Das, genau diese Fragen sollten im Mittelpunkt der Debatte stehen - und nicht, ob es jetzt richtig ist, für Demos die Schule zu schwänzen.
Letzte Änderung: 1 Monat 1 Woche her von Nicht_Peter.
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Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 1 Woche her #832062

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Man hört ja immer wieder, dass die Jugend von heute nicht mehr protestieren kann.
Meiner Meinung nach könnte da wirklich etwas dran. Oder liegt es viel mehr daran, dass das Protestieren für die Umwelt einfach nicht mehr cool ist heute?
Ich glaube, wären die Proteste außerhalb der regulären Schulzeit, wäre es dort ziemlich leer vermutlich.
Auch machen die Proteste auf mich einen ziemlich gesteuerten Eindruck. Fast so, als ob man den Kindern im Rahmen des Erdkundeunterrichts zum Protestieren geschickt hätte.
Ich habe gerade mal bei meiner früheren Schule nachgeschaut. Die waren damals sehr streng und hatten jede Form von Freizeit abgelehnt, sogar der Abigag ist abgeschafft worden (auf die letzten zwei Stunden nach dem Unterricht verschoben). Bei den Umweltprotesten machen sie aber mit natürlich, haben sogar medienwirksam die Busfahrt organisiert. Ich wette, die haben da immer einen Lehrer mitgeschickt, der dann irgendwas von Treibhausgasen erzählt hat.

Die Proteste an sich finde ich ziemlich sinnlos, um ehrlich zu sein.
Der einzige, was wirklich eine Änderung bewirken würde, wäre das Wiedereinschalten der Kernkraftwerke. Das wird aber von den Umweltaktivisten schon aus Prinzip abgelehnt, weswegen man am Ende nur noch mit nicht gehbaren Wegen dasteht.
Abgsehen davon wäre es interessant zu sehen, ob die Befürworter plötzlich die Seite wechseln, sobald sie die Stromrechnung selbst bezahlen oder ein Auto kaufen müssen.

Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 1 Woche her #832066

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Jeder der seine Augen nicht vor der Realität verschließen will, sollte sich etwas mit dem Klimaschutz befassen.
Dies ist meiner Meinung nach allerdings nicht Grund genug, um regelmäßig der Schule fernzubleiben. Natürlich dient dies als Mittel um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erzeugen, das ist im Rahmen von politischen Engagement auch durchaus verkraftbar, allerdings nur unter der Prämisse, dass es sinnvolle Resultate und eine zufriedenstellende Auseinandersetzung mit dem Thema gibt. Schließlich sollen Proteste nicht nur die restliche Bevölkerung zum Engagement ermuntern sondern auch einen Lernprozess ankurbeln.
Ich glaube eben diese Prämisse wird jedoch nicht erfüllt, anstatt neue alternative Handlungsweisen vorzubringen, werden extreme Argumente vorgebracht, welche teilweise niemals durchsetzbar wären.
Auch wenn man "die Politik" als langsam und etwas fehleranfällig bezeichnen kann, sind Politiker dennoch Vertreter des Volkes. Sie müssen sowohl wirtschaftliche als auch soziale Perspektiven betrachten. Menschen sind auf ihr eigenes Wohl fixiert, das bringt die Politik in eine Patt Situation. Wenn sie schnelle Maßnahmen ergreifen, leidet zumeist die Wirtschaft und es entstehen neue Proteste, weil die Benachteiligten dieser Maßnahmen sich unfair behandelt fühlen. Ergreifen sie allerdings nur sehr träge und langfristig geplante Maßnahmen, sind sie auf einmal wieder die "Umwelthasser".
Zuvor habe ich die vorgebrachten Argumente als extrem bezeichnet, damit meinte ich genau diesen Sachverhalt wo nur die Argumente der eigenen Position betrachtet werden.
Das erinnert mich immer an das Teufelsquadrat aus Wirtschaft. Man muss halt lernen, verbessert man einen Standpunkt, wird ein anderer leiden.
Es ist nicht beides möglich. Anstatt also Argumente vorzubringen, die jeder mit einem Fernseher schon auswendig kennt, wäre es meiner Meinung nach wesentlich lukrativer die zeitlichen und finanziellen Ressourcen in neuere Technologien zu investieren.
Während gerade die jüngeren natürlich eher weniger das Geld oder Know-How dafür haben, wäre eine Beschäftigung damit, sowohl für eine spätere wissenschaftliche Karriere oder den Chemie, Biologie oder selbst Physik Unterricht unglaublich fördernd. Mit neueren Technologien meine ich weniger die wohlbekannten E-Autos oder Solarzellen, sondern weniger geläufige wie die "Ideonella sakariensis", Plastik fressende Bakterien (auch schon etwas bekannter). Denn nicht nur durch Reduktion von Müll und Schadstoffausstoß kann der Klimawandel bekämpft werden. Es ist auch möglich den Abbau der "schädlichen Endprodukte" zu fördern, natürlich heißt das nicht, dass man deren Ausstoß nicht verringern sollte.

Am Ende nochmal ein kurzes Resümee, politisches Engagement ist in einer Demokratie unabhängig vom Thema höchstes Gut. Es muss allerdings eine nicht von Schlagwörtern dominierte Diskussion als Basis vorliegen und ein "positives" Gesamtresultat entstehen, da ich dies jedoch bei "Fridays for future" nicht erkennen kann, halte ich es überbewertet und würde eine andere Vorgehensweise bevorzugen.
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Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 1 Woche her #832174

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...anschauen. An sonsten herrscht in Deutschland Schulpflicht, wenn geschwänzt wird sollte das irgendwann mal Konsequenzen haben. Aber ich prophezeie es: wirds in dem Fall nicht, weil es ganz im Sinne der Regierung ist.


Edit by Knives:
Video eingespoilert.
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Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 1 Woche her #832196

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Nicht alle Forderungen der Kids sind unvernünftig.
www.faz.net/aktuell/politik/ausland/waru...pricht-16099744.html

Fridays for future - Eure Meinung ist gefragt! 1 Monat 1 Woche her #832241

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FridaysForFuture ist absoluter Mist.
Bin selber erst frisch aus der Schule und nun im Studium, war aber schon immer dagegen.

Wieso bin ich dagegen?
- Absolut unrealistische Forderungen (z.B. klimaneutraler Personen und Warentransport od. den Versuch ab 2030 weder Kohle- noch Atomkraft zu beziehen).

- Doppelmoral: Ich wohn gut 20-25km von Mainz entfernt und ein großer Teil meiner Schule, der größten in ganz RLP, macht sich jeden Freitag auf und fährt nach Mainz. Dann gibt es noch die ganz schlauen die zum "Klimastreik" nach Berlin gefahren sind, per Bus, 600km hin und zurück gesamt. Das ist kein Klimastreik wenn man weit mehr CO2 ausstößt als man einspaart, falls man überhaupt irgendwann was verändern würde.

- Die Kinder tun es nur damit sie sich gut fühlen und keine wirklich schweren Dinge machen müssen: Kauft kein Flaschenwasser mehr und ernährt euch lokal und vegetarisch. Fahrt Fahrrad. Aber nein, das ist ja viel schwerer als Freitags keine Schule zu haben.

- Ich finde den traurigen Versuch schlimm mit kleinen Kindern, die NICHTS über ein Thema wissen, aber knuffig aussehen für eine politische Agenda zu werben. Das Anbiedern verschiedener Politiker an FFF und den Glauben der Kinder sie hätten etwas erreicht, nur weil ein Politiker ihnen zuspricht um junge Wähler zu gewinnen sind abstoßend.

- Nochmal der Punkt Doppelmoral: An meiner Schule wurden Fehlstunden bzg. FFF nicht eingetragen, an vielen anderen Schulen ebenso. Ich hielt vor einigen Monaten eine Demo bzg. des Schulsystems in Deutschland und wurde stark eingeschränkt, die Polizei kontrollierte ob auch ja keine Kinder den Pausenhof verlassen um sich meine Demo anzusehen. Ich durfte nur in meinen Freistunden die Demo halten und mir wurde von unserem Rektor gesagt, das wenn ich zu spät wieder in den Unterricht kommen würde, ich Fehlstunden bekommen würde, auch wenn es nur ein Paar Minuten wären. Zur selben Zeit können Kinder einfach schwänzen und FFF demos als Grund angeben.

Lernt was über Energiequellen, lernt was über die Umwelt, dann macht euch eine fundierte Meinung, und dann hört man euch auch zu.
Ich belächle euch gern weiter als Traumtänzer wenn ihr nicht irgendwann auf den Boden der Realität kommt.
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