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THEMA: Yuru Camp△

Yuru Camp△ 2 Wochen 4 Tage her #826964

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Wenn Leute die Wörter „gut geschriebener Charakter“ in den Mund nehmen, reden sie meistens darüber, wie vielfältig dessen Charakterzüge sind und wie er sich durch seine Handlungen konsequent weiterentwickelt. Aber der Protagonist eines Werks ist nicht einfach nur ein Programm, das durch eine Computersimulation gejagt wird; zumindest mal abgesehen von der Matrix. Jeder Bestandteil einer Geschichte entstammt der Feder des Autors und trägt selbstverständlich zur Charakterbildung bei. Wie ihre Umwelt mit der Figur interagiert ist mindestens genauso relevant wie die Interaktionen der Figur selbst. Besonders wichtig ist dieses Prinzip bei passiven und reaktiven Charakteren, da diese (wie der Name es impliziert) nicht von sich aus die Initiative ergreifen. Meist werden sie deswegen zu Nebencharakteren verdammt, an die Seitenlinie gestellt und lediglich als Comedy-Relief oder Teil eines Harems gebraucht. Zu meinem Bedauern allerdings, denn ich interessiere mich besonders für die stillen Wasser. Nur wenige Autoren trauen sich, die Eisprinzessin ins warme Rampenlicht zu stellen, doch einer dieser ist Mangaka Afro mit seinem Slice-of-Life-Werk Yuru Camp.

Der neueste Ableger im Cute Girls Doing Cute Things-Genre, Exemplar „Cute Girls Doing Camping”. So könnte man es zusammenfassen, zumindest wenn man keine Ahnung davon hat. Aber du möchtest die Eigenarten und Feinheiten dieses Animes erfahren, nicht wahr? SoL-Shows mit Gimmick-Hobbys gibt es schließlich in jeder einzelnen Season; Paradebeispiel Anima Yell!. Warum also eine Rezension zu Yuru Camp? Was unterscheidet ihn von der Flut an Moeblobs, die wöchentlich japanische Fernsehgeräte heimsuchen? Um ehrlich zu sein: gar nicht einmal so viel. Wie es aber des Genres Ethos ist, machen oft schon die kleinsten Dinge einen großen Unterschied. Das fängt beim porträtierten Hobby an: Wintercamping. Wer geht bitte im Winter campen? Das kann eigentlich nur jemand sein, der bewusst gegen den Fluss schwimmt und dem Strom entkommen will; dem Strom der aufdringlichen Touristen in diesem Fall. Einfach gesagt: ein Außenseiter. Wer in seiner Ungeduld schon ein paar Blicke auf das Cover wirft, hat sie wahrscheinlich schon erblickt. „Etwa die mit den grellpinken Haare? Die funkelnden Augen und das gigantische, dümmliche Lächeln?“ Natürlich nicht! Hast du überhaupt die Einleitung gelesen? Also bitte den Blick nach oben rechts richten. Etwas weiter … Stopp! Hier ist sie: Rin Shima, besser bekannt unter dem äußerst kreativen Spitznamen „Shimarin“. Hinter dieser müden Fassade, unter diesem dunklen Pony und mehreren Schichten warmer Winterkleidung liegt er: der Charme dieses Animes.

Shimarin ist meine Heldin. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, was sie tut, sondern wie sie es tut und auch tun darf. Denn sie campt gerne alleine. Nicht vor dem Spawn, um Noobs wie euch abzukassieren, sondern da, wo man niemanden von euch antreffen kann: draußen. Und gerade weil sie nicht um Vorherrschaft in einem VR-MMO kämpft, funktioniert ihr Einzelgänger-Dasein auch so gut. Das Werk muss Shimarins Attitüde nicht problematisieren. Sobald man als Zuschauer vom Outdoor-Club erfährt, dem die anderen drei Mädchen angehören, könnte man sich den klischeehaften Storyverlauf bereits ausmalen: Shimarin wird immer aufgeschlossener und tritt schließlich dem Club bei, weil sie gelernt hat, wie toll FREUNDSCHAFT doch ist. Aber wieso sollte sie? Schließlich ist Shimarin introvertiert, kontaktscheu und schätzt nichts mehr als ihre persönliche Ruhe. Und das ist in Yuru Camp auch kein Problem. Niemand muss sie davon überzeugen, ein völlig neuer Mensch zu werden. Sie unternimmt durchaus Campingtrips mit dem restlichen Cast, doch wenn sie wieder einmal allein reisen möchte, dann tut sie das auch. Auf ihren getrennten Trips bleiben die Mädchen über das Smartphone selbstverständlich in Kontakt, doch die Umwelt interagiert nicht mit Shimarin, wenn sie es nicht muss. Niemand zwingt sie dazu, mit anderen Leuten Zeit zu verbringen; vor allem nicht die Geschichte selbst. Und das macht hier letztendlich gutes Writing aus. Richtig: ich lobe hier die Abwesenheit von Charakterentwicklung. Take that biatch!


Können wir aber mal darüber sprechen, wie entspannend Yuru Camp eigentlich ist? Klar, nicht weniger erwartet man von einem SoL-Anime, besonders einem, dessen Titel buchstäblich „Laid-Back“ enthält. Aber der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, dass die Serie tatsächlich nicht mehr versucht als eigentlich nötig ist. Man zwingt nicht konstant alle Charaktere ins Bild, nur damit auch jeder einzelne Zuschauer glücklich mit der Screentime seiner Waifu ist, man reitet die Mädchen nicht absichtlich in abstruse Situationen, nur um lustige Reaction Faces zu produzieren und verzichtet generell auf eine Menge des Fanservices, den man aus dem Genre gewohnt ist. Versteht mich nicht falsch, die Mädels sind nach wie vor lupenreine Moe-Stereotypen, doch sie existieren nicht nur, um möglichst vermarktbare 2-Minuten-Clips auf Youtube zu produzieren. Das Leben der Charaktere muss kein 24-stündiger Livestream ausgelassener Feierlaune sein; manche Tage sind eben ruhig und entspannt.

Und kaum etwas kann diese Atmosphäre besser vermitteln als die hervorragenden Hintergründe von Production ai. Kein Werk aus ihrer Filmografie besitzt solch ein Level an Detail und Qualität, was vermutlich dem ausführlichen Location-Scouting zu verdanken ist. Die Zeltplätze und umliegende Natur wurden mit beinahe fotografischer Feinheit festgehalten, doch wirken die deutlich simpleren Charaktere von Hauptstudio C-Station trotzdem nicht fehl am Platz. Regisseur Yoshiaki Kyougoku kennt den Wert von ordentlicher Vorbereitung und unternahm mit seinem engeren Mitarbeiterstab kurzerhand Trips zu den realen Zeltplätzen. Die Firma dankt. Musiker Akiyuki Tateyama (Kemono Friends) orientierte sich in seinen Kompositionen ebenfalls an den Eigenheiten der Locations, wie dem Motosu-See oder Shibirekoryuunso, statt die Themes wie üblich auf die Charaktere zuzuschneiden.


All diese Details geben Yuru Camp eine Form von Authentizität, die man nur selten sieht. Der Anime kann seine Thematik besser vermitteln als irgendeiner seiner Genre-Kollegen, bringt dem Zuschauer währenddessen sogar die Basics des Campens bei und das mit der Lässigkeit, die Fans des Genres so schätzen. Spätestens dann, wenn man sich an einem kalten Winterabend einen schmackhaften Feuertopf kochen möchte, hat es sich auch für euch gelohnt.

Einen schönen Tag euch noch!

Euer Tazzels

– "Wer zuletzt lacht, hat den höchsten Ping."
Letzte Änderung: 2 Wochen 1 Tag her von Tazzels.

Yuru Camp△ 2 Wochen 1 Tag her #827063

Ein einfaches Dankeschön reicht hier einfach nicht!
Tazzels ich verneige mich vor deiner phänomenalen Wortwahl. Ich konnte beim Lesen die ganze Zeit nur zustimmend nicken.
Yuru Camp ist ein Kleinod was (meines Erachtens) viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.
Und JA man muß es genau wie oben gesagt, für das Weglassen von dem Genre sonst üblichen Dingen loben!
Denn für das was weggelassen, bekommt man ein unglaubliches Maß an Authentizität (trotz der Moe-Chars) und einem herzerwärmendem Humor (der an keiner stelle "erzwungen" daherkommt! )

Das Faszinierende an diesem Werk ist schlicht, diese überwältigende und zutiefst entspannende Atmosphäre die einen als Zuschauer nach jeder Folge, immer mit einem Lächeln und dem Gefühl tiefster Zufriedenheit zurück lässt.
- Hinweis für aktive (Winter)Camper: weitere definitive Nebenwirkung = mittleres bis schweres Zeltweh ( bin nicht der einzige Proxerbewohner den es da voll erwischt hat )

Ach ja zum Thema Realismus und in gewisser Weise auch Erfolg (in Japan) von Yuru Camp kann ich noch dieses Video empfehlen.

Ich freu mich schon auf den angekündigten Film und die 2. Staffel *o-bye*
I belive in fairys, good people, dragons and other fantasy creatures!


~ Kann man Zukunftsmusik eigentlich zurückspulen ? ~


"Die Stimmen in meinem Kopf haben schon lange aufgehört zu mir zu sprechen und auch Selbstgespräche habe ich sein gelassen, als ich merkte, das es auch da auf die Qualität des Gesprächsteilnehmers ankommt..."
Folgende Benutzer bedankten sich: Sniperace, Astromaniax, Tazzels

Yuru Camp△ 2 Wochen 7 Stunden her #827120

Yuru Camp war für mich in der Winter Season 2018 das absolute Highlight und vielleicht wird es auch mein absolutes Highlight für 2018 bleiben. (Fortsetzungen ausgeschlossen)

Da ich sozusagen von klein auf mein Leben mit Camping verbracht habe da unsere Eltern mich und mein Bruder immer in ihrem Wohnmobil in den Urlaub mitgenommen haben und ich auch da ab und zu auch im Zelt übernachtet habe freute ich mich riesig auf diesen Anime. Und was soll man sagen dieser Anime ist mit Abstand der chilligste, angenehmste, und stressbefreiendste Anime denn in bis heute sehen durfte. Tazzels bringt es genau auf den Punkt warum Yuru Camp so einzigartig ist und was seine großen Stärken sind.

Ich habe mich tierisch auf jede Folge gefreut und habe mir dann immer einen heißen Tee gemacht und in eine Decke eingemurmelt. Dieser Anime ist Balsam für Körper und Geist und der Anime hat mein Camping Fieber entfacht und ich habe mir wirklich für 2019, eigentlich wollte ich es dieses Jahr schon in Angriff nehmen, vorgenommen wieder zelten zu gehen :).

Natürlich freut es mich ebenfalls das der Anime so gut eingeschlagen hat in Japan und wir mit einem weiteren Film und einer 2 Staffel gesegnet werden!

Sobald der Manga & Anime jemals bei uns in Deutschland erscheinen werde ich definitiv zugreifen! Yuru Camp ist einfach der Wahnsinn!

Mfg
Shana:3
Promised Neverland Anime Teaser
Vielen Dank an Diaa. für Profilbild und Signatur *_*

Letzte Änderung: 2 Wochen 7 Stunden her von Shana:3.
Folgende Benutzer bedankten sich: Froschinski

Yuru Camp△ 1 Woche 6 Tage her #827154

Ich danke dir für diese tolle Review.
Ich denke, dass wir manchmal zum Entspannen andere, fast exotische Orte erkunden müssen, um zu verstehen, wie außergewöhnlich die Natur um uns herum eigentlich ist. Genau das versucht Yuru Camp zu demonstrieren. Wir brauchen nicht immer großartige Dinge wie Explosionen, magische Kräfte etc. um eine interessante und gute Show zu machen.
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