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THEMA: .hack//SIGN

.hack//SIGN 9 Monate 3 Wochen her #809329

  • SilentGray
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Wenn man über beliebte Settings in Animes nachdenkt, fallen einem heutzutage dutzende ein. Vom ganz (un-)normalen Schulalltag bis hin zur Wiedergeburt in einer Fantasywelt, egal ob völlig banal oder komplett absurd, mit der richtigen Prämisse lockt man eben viele Zuschauer an. So erfreuen sich auch Serien, die einen Fokus auf Videospiele oder Elemente daraus legen, großer Beliebtheit. Diese sind heutzutage keine Seltenheit mehr und erlebten mit dem Start von Sword Art Online ihren großen Durchbruch. Allerdings vergisst man in solchen Situationen gerne den Ursprung von diesen sehr bekannten Settings. In der heutigen Rezension werfe ich deswegen einen Blick auf .hack//SIGN, das seinerzeit im Animbereich die Geschichte um einen Charakter, der in einem Spiel gefangen ist, geprägt hat.

Die 26 Episoden lange Serie von Bee Train (Noir, Tsubasa Chronicle) erschien im Frühling 2002 und endete im darauffolgenden Sommer. Als Regisseur fungierte Kouichi Mashimo, der für viele der vom Studio produzierten Titel diese Rolle übernahm. Die Musik wurde von Yuki Kajiura komponiert, welche bereits für bekannte Werke wie Fate/Zero oder Mahou Shoujo Madoka Magica den Soundtrack beisteuerte.

Das MMORPG „The World“ erfreut sich mit 20 Millionen aktiven Spielern großer Beliebtheit. Zu diesen zählt auch Tsukasa, der alleine durch die virtuelle Welt zieht und den Kontakt mit anderen eher scheut. Als er eines Tages innerhalb des Spiels zu sich kommt, merkt er, dass er einige Erinnerungslücken hat und sich nicht mehr ausloggen kann. Allerdings hat er auch keine große Motivation das Spiel zu verlassen und versucht sich anderweitig die Zeit zu vertreiben. Dabei trifft er verschiedene Spieler, die alle jeweils etwas anders auf Tsukasa und sein Problem reagieren. Mit der Zeit stellt sich jedoch heraus, dass hinter dem Ganzen mehr steckt als anfangs gedacht …

Wenn man aus der heutigen Sicht die Story betrachtet, hört sie sich etwas unspektakulär an – zumindest verglichen mit anderen Werken aus der Richtung. Tsukasa ist im Spiel gefangen und die anderen versuchen dahinter zu kommen warum, während er es eigentlich nicht so schlimm findet. Natürlich will der Zuschauer wissen, wie es zu der Ausgangssituation gekommen ist, allerdings steht nichts wirklich auf dem Spiel. In dieser Hinsicht ist es gar nicht so unpassend, dass sich der Titel an einigen Stellen eher wie ein Slice of Life-Anime verhält. Zwar wird die Ernsthaftigkeit der Situation an diesen Stellen unter den Teppich gekehrt, auf der anderen Seite stört es Tsukasa anfangs allerdings selbst nicht so wirklich, dass er im Spiel gefangen ist. Dies bietet einen guten Kontrast dazu, wie die anderen Charaktere das Problem sehen, wenn sie ihn darauf ansprechen.
An sich wäre der Fokus auf solche kleineren Abenteuer ja in Ordnung, nur leider tragen diese nicht wirklich viel zur Handlung oder den Charakteren bei. In einem Videospiel könnte man diese Geschichten am besten mit Nebenquests vergleichen, die einem in der Haupthandlung aufgezwungen werden. Man lenkt dadurch nur unnötig vom eigentlichen Ziel ab, das auch erst am Ende der Serie wieder zum Tragen kommt. Und dort hat man dann das Gefühl, den Autoren ist die Zeit ausgegangen und sie müssen irgendwie noch zum Abschluss kommen. Gerade die interessanteren, nicht offensichtlichen Fragen wurden ausgelassen, während man die oberflächlichen noch angesprochen hat.

Dies ist besonders schade, weil die Charakterisierung am Anfang der Serie eigentlich ziemlich gut ist und so nicht ganz zum Tragen kommt, da der Anime sich am Ende nur noch darauf fokussiert, die Story fertig zu bekommen. Tsukasa selbst erscheint dabei als relativ glaubwürdiger Protagonist, da er sich zwar als starker Einzelgänger präsentiert, im Endeffekt aber doch von anderen abhängig ist. Dabei ist gerade sein Verhalten am Anfang interessant. Er versucht aus Langeweile, und weil er es kann, die Grenzen des Spiels herauszufordern, was nur funktioniert, weil er einen übermächtigen „Beschützer“ erhält, der andere Spieler mit einem Treffer beseitigen kann. Dadurch hat er Macht, die er selbst nicht richtig nutzen kann. Gelegentlich übernimmt dann seine pessimistische Seite, wenn er möglichst keinen sehen will oder einfach sein eigenes Ding durchzieht. Er wirkt wie ein unkontrollierbarer Teenager mit Stimmungsschwankungen. Diese sind manchmal etwas zu stark, wobei man damit gleichzeitig versucht zu zeigen, dass Tsukasa ein guter Mensch ist. Die Persönlichkeiten der anderen Charaktere sind zwar typischen Mustern nachempfunden (das supernette Mädchen, das energiegeladene Mädchen, der stämmige Mann mit einem Herz aus Gold), allerdings sind diese gut entwickelt … zumindest bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ab dem Moment, an dem die Nebenquest-Geschichten anfangen, stagnieren Charakterisierung und Handlung größtenteils, ohne inhaltlich einen großartigen Mehrwert zu bieten.

Hier liegt auch das große Problem an der Serie. Ein wenig zu versuchen die Essenz eines MMORPGs einzufangen, indem man auch mal lockere Abenteuer und Questen zeigt, ist ja schön und gut, nur leider bringt das hier kaum einen Mehrwert. Das fängt schon damit an, dass das Worldbuilding es nicht klar schafft die Struktur und die Eigenschaften von „The World“ zu erklären. So gibt es Spieler, die auf den ersten Blick wie NPCs wirken, sich in Wirklichkeit aber nur als diese ausgeben, was man als Zuschauer erst verstehen muss. Außerdem nehmen alle das Sterben in dem Spiel furchtbar ernst und verhalten sich, als würde in echt das Gleiche passieren, was aber überhaupt nicht der Fall ist. So etwas zu erklären, hätte gut in die Lückenfüller gepasst, anstatt praktisch inhaltslose Geschichten an vielen Stellen einzubauen. Man müsste hier nur ein paar Folgen rausstreichen und der Anime würde um einiges besser funktionieren. Hier zieht es sich ab der Hälfte unnötig in die Länge und bietet einen etwas enttäuschenden Abschluss zu dem doch ganz interessanten Anfang.

Nun aber mal zur Optik. Diese ist recht durchschnittlich und bietet keine besonderen Höhepunkte. Dies ist ein Fall, wo man zu allem so etwas wie „okay, das passt schon irgendwie“ sagen würde. Dafür, dass .hack//SIGN in einem MMORPG spielt, sind die Charakterdesigns etwas ausgefallener, wobei diese trotzdem etwas mehr Inspiration hätten vertragen können. Die Farbgebung ist für meinen Geschmack nicht so gut getroffen worden. In solch einem Spiel erwartet man eher kräftige und einladende Farben, während der Anime selbst relativ matt und grau erscheint. Das könnte daran liegen, dass versucht wurde „The World“ weniger wie ein Spiel aussehen zu lassen. Der verwendete Farbton erinnert eher an düstere und realistischere Werke. Nur leider passt dieser dann sehr schlecht zu den Situationen, in denen der Anime versucht das Gefühl zu vermitteln, dass die Charaktere Spaß beim Spielen haben und „The World“ eigentlich zur Unterhaltung da ist. Animationstechnisch wird nicht viel geboten, wobei es für die damaligen Verhältnisse am Anfang noch geht. Gegen Ende jedoch kommt man in den Genuss von Standbildern und etwas zu langgezogenen Szenen.

Optisch kann .hack//SIGN zwar nichts reißen, allerdings überzeugt der Titel zumindest von der musikalischen Seite. Der Soundtrack gehört zu den frühen Werken der Komponistin Yuki Kajiura und hier merkt man besonders gut, wie sie mit einigen Stücken experimentiert hat. Das führt zu einer interessanten musikalischen Untermalung, die an vielen Stellen die Essenz von Videospielmusik einfängt. Die Lieder selbst sind daher qualitativ gut und fügen sich generell in die gewünschte Atmosphäre ein, nur leider werden manche davon an leicht unpassenden Stellen eingesetzt oder tauchen zu oft im Anime auf. Hier fällt mir sofort ein Song ein, der zu ruhigeren Gesprächen eigentlich gut passt, jedoch in gefühlt jeder Folge vorkommt. Dessen Lautstärke ist gleichauf mit der der gerade stattfindenden Unterhaltung, was es schwer macht, aufmerksam zu bleiben, wenn man gleichzeitig versucht den englischen Text des Lieds zu verstehen. So gesehen gibt es an der Musik selbst nichts auszusetzen. Zum Schluss möchte ich noch das Opening der Serie erwähnen, Obsession von der Band See-Saw, die aus der Sängerin Chiaki Ishikawa und Yuki Kajiura selbst besteht. Das aus englischen Texten bestehende Intro hat nämlich einen leichten Ohrwurm bei mir ausgelöst und es geschafft, dass ich mit einer guten Laune an eine neue Folge herangegangen bin.

Letztendlich bietet .hack//SIGN anfangs interessantere Charaktere und eine Story, deren volles Potenzial nicht wirklich ausgeschöpft wurde. Viel zu viel für die Handlung irrelevanter Inhalt wurde eingebaut, um den Anime aufzulockern, was aber im Endeffekt nach hinten los geht. Inmitten des Ganzen versteckt sich zwar eine eigentlich sehenswerte Geschichte, allerdings stellt sich die Frage, ob man dazu bereit ist seine Zeit in alle 26 Episoden zu investieren. Wer großes Interesse daran hat, einen der damals ersten Anime aus der Richtung „gefangen im Spiel“ nachzuholen, dem sei gesagt, dass man durchaus seinen Spaß mit .hack//SIGN haben kann, allerdings nicht zu viel erwarten sollte.


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Vielen Dank an Moeface für die GIFs
Letzte Änderung: 9 Monate 2 Wochen her von SilentGray.

.hack//SIGN 9 Monate 2 Wochen her #809787

Danke, für diese Rezi, ehrlich :D ich bin froh dass auch andere die .hack//-Reihe mal etwas mehr Beachtung schenken. :) Mir persönlich ist sie auch um einiges lieber als die SAO reihe xD
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