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THEMA: Yami no Matsuei

Yami no Matsuei 7 Monate 3 Tage her #793882

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Stellt man das Leben eines Menschen als Landschaft dar, ist es ein Gebirge mit Tälern und Höhen, bei dem aber niemals vorhersehbar ist, wann es wieder auf und ab geht. Klopft der Tod jedoch einmal an unsere Tür, sollte man doch eigentlich seine Ruhe haben dürfen. Yami no Matsuei zeigt uns auf, dass es auch nach dem Sterben noch weitergeht: denn der Alltag für Shinigamis ist voller Bürokram und Verbrechern, denen ordentlich die Leviten gelesen werden muss.

Yami no Matsuei („Erben der Dunkelheit“) ist ein Manga der Zeichnerin Yōko Matsushita, der vor allem auf die Genres Mystery, Drama und Shounen-Ai abzielt. Mit dem Anbrechen des neuen Millenniums produzierte J.C.Staff eine Anime-Serie, bei der Hiroko Tokita als Regisseur mitwirkte. Dieses Werk mit 13 Episoden werde ich heute unter die Lupe nehmen.

Asato Tsuzuki arbeitet für das Hades-Ministerium, das … wie sollte es anders sein, mit dem Tod zu tun hat. Genauer gesagt fungiert es als Gerichtshof, der über die Sünden der Verstorbenen richtet. Als Shinigami ist es Tsuzukis Aufgabe, die verirrten Seelen zu geleiten, die in der sterblichen Welt umherwandern, obwohl sie eigentlich längst unter der Erde sein sollten. Er und seine Kollegen sind aus verschiedenen Gründen nicht in das Reich der Toten gekommen und haben nun zu ermitteln, wenn eine Seele zu früh oder zu spät zu einer Vorladung erscheint. Tsuzuki ist durch seine Faulheit und Sucht nach Süßkram nicht gerade ein Vorzeigemitglied, besitzt aber mächtige magische Kräfte, mit denen er Krawallmachern ordentlich einheizen kann. Da keiner mit ihm zusammenarbeiten will, wird dem Shinigami ein neuer Partner namens Hisoka zugeteilt, der ebenfalls eine ungewisse Vergangenheit hat. Bei ihrem ersten gemeinsamen Fall geht es um einen Serienmord, der nur von einem Vampir herrühren kann. Nach weiteren Untersuchungen stoßen sie auf den schönen wie gefährlichen Mediziner Muraki, der ein seltsames Interesse an Tsuzuki zeigt, das auch von erotischer Art ist. Dessen wahre Absichten bleiben jedoch vorerst im Dunkeln. Nur eines ist sicher: Sie haben ihn noch nicht zum letzten Mal gesehen.

An sich sind Shinigamis in Anime nun nichts Neues, aber mich interessierte zunächst vor allem der detektivische Hintergrund, der über die verschiedenen Arcs aus dem Manga immer wieder zum Vorschein kommt. Schnell fällt jedoch auf, dass oft schon vorher in der Luft liegt, wer denn wieder seine Finger im Spiel hat. Denn die Spuren deuten meist unübersehbar darauf hin, dass Muraki der Übeltäter ist. Doch die Stärken des Werks liegen darin, dass er es so aussehen lässt, als ob er irgendwie doch unschuldig wäre. Sind die Karten aber einmal auf den Tisch gelegt, fackelt Tsuzuki meist nicht lange und schöpft aus dem Repertoire seiner zwölf Götterbeschwörungen, um den Feinden den Garaus zu machen. Doch ob seine Widersacher nun manipulierte Vampire oder Menschen sind, spielt in dem Fall keine große Rolle, da sie alle nur als Marionetten eines Spielers dienen, der sein Handwerk versteht und seine wirklichen Pläne nicht preisgibt. Durch diese Verschleierung der Wahrheit wird dem Mystery-Aspekt genügend Abhilfe geschaffen, was für die Handlung bedeutet, dass sie über die Dauer spannend bleibt. Spannend, aber auch sehr charakterzentriert, da ohne Muraki rasch die Luft raus ist, was sich insbesondere an dem zweiten Arc „Devils Trill“ erkennen lässt. Vor allem deshalb wirkte dieser Abschnitt wie ein Filler, der langatmig war und mit dem Kern der Sache wenig zu tun hatte.

Nicht von ungefähr kam mir beim Schauen der Gedanke an Shougo Makishima aus Psycho Pass. Muraki versteht es wie kein Zweiter, Personen nach seiner Pfeife tanzen lassen. Menschenleben sind ihm nur dann etwas wert, solange sie einen Vorteil bringen. Daran, dass es ihm der hübsche Tsuzuki mit seinen durchdringenden violetten Augen angetan hat, zeigt sich zudem ein kleiner Shounen-Ai-Teil des Animes. Auch wenn der Shinigami ihn über die Dauer der Serie wegen seiner grausamen Taten abgrundtief zu hassen beginnt, zeigt der Arzt Freude daran, ihm Avancen zu machen. Und da Tsuzuki nach Antworten sucht, hat er meistens keine Möglichkeit, diese Rendezvous auszuschlagen. Wirklich zur Sache kommt es aber nicht: es bleibt bei semi-romantischen Dinnern zu zweit oder beim Pokerspiel, bei dem der schöne Astralkörper des Detektivs verwettet wird. Zum Glück für ihn kommt ihm sein Partner Hisoko rechtzeitig zur Hilfe, um diese Beischlafszene vermissen zu lassen. Dieser besitzt die Fähigkeit, die Gefühle anderer zu lesen und großes Mitgefühl zu zeigen, was ihn dazu bewogen hat, sich vor allen anderen zu verschließen, um nicht von Personen mit bösen Absichten verletzt zu werden. Tsuzuki ist jemand, der ihm außerordentlich gut tut, da er trotz seiner kleinen Laster auch ein sehr weichherziger und aufopferungsvoller Mensch ist. Außerdem schimmern immer wieder kleine Nuancen durch, dass die beiden Partner auch abseits der Arbeit einiges für sich übrig haben, auch wenn es eher freundschaftlich bleibt.

Nun bleibt aber die Frage, wieso man sich diesen Streifen überhaupt zu Gemüte führen sollte. Für Zuschauer, die nach einem klassischen Mystery-Anime suchen, gestaltet sich die Sache einfacher, wenngleich hier Werke wie Mouryou no Hako krimitechnisch und philosophisch noch über die Oberfläche hinausgehen und damit vielsprechender sind. Yami no Matsuei hat dafür zwar einige kleine Comedy-Einlagen zu vergeben, wie an der Stelle, bei der Tsuzuki und Hisoko um das Essen kämpfen und der 16-Jährige später eine zu große Portion Sake abbekommt; bleibt aber ansonsten relativ unspektakulär. Das können auch die wenigen tiefsinnigeren Gedanken, die in der Serie geäußert werden, nicht retten, welche allesamt von Muraki wiedergeben werden. So gibt der Mediziner neben einigen weiteren Aussagen zu bedenken, dass der Mensch ein sehr schwaches Wesen ist, was noch dadurch verstärkt wird, dass er nicht aus einem selbst geschaffenen Teufelskreis herauskommt. Denn wenn sich die technischen Möglichkeiten und die medizinischen Kenntnisse im Allgemeinen verbessern, bedeutet das noch lange nicht, dass wir einen weiteren Schritt zur Unsterblichkeit erlangt haben. Findet man ein Gegenmittel, werden stets weitere Krankheiten entdeckt, die uns das Leben schwer machen. Weiter in die Tiefe gehen solche Reflexionen jedoch nicht, und auch Gegenfragen bleiben ungestellt; beispielsweise ob darin überhaupt ein Defizit bestehen muss. Denn was ist, wenn wir Menschen gerade durch unsere Schwächen etwas Besonderes sind?

Für mich besteht kein Zweifel darin, dass die Charaktere sehr detailliert gezeichnet sind und ihren eigenen kleinen Charme verströmen. Animationstechnisch hadert es jedoch vor allem an den Kampfszenen, in denen unser Shinigami zum Beispiel einen großen Phönix herbeiruft, dessen Flammen alles wegschmelzen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Obwohl die Beschwörungen cool aussehen, sind die eigentlichen Gefechte nicht erwähnenswert, wenn wir dabei an andere Werke aus vergleichbaren Erscheinungsjahren denken.
Musikalisch hat mich die Serie zwar nicht komplett beeindrucken können, dafür jedoch umso mehr der Song Amethyst Remembrance, der in der ersten Episode von einem Nebencharakter performt wird. Diesen dramatischen Titel kann ich nur jedem wärmstens ans Herz legen, weil er sehr viele Emotionen transportiert.

Trotz allem bleibt Yami no Matsuei sehenswert für diejenigen, die sich nicht zu viel davon versprechen. So haben die Hauptcharaktere ihre Stärken und die wesentlichen Genres, wie das Mystery, erfüllen ausreichend ihren Dienst. Nicht zuletzt ist es ein unterhaltsames Theaterstück, das besonders durch die dominierende Rolle des Antagonisten und die schönen Zeichnungen auffällt. So verlasse ich zwar nicht enttäuscht, aber innerlich auch nicht erfüllt, den Saal.

Heute ist nicht alle Tage; ich komm wieder, keine Frage.

Jack.

Letzte Änderung: 7 Monate 1 Tag her von Jack..

Yami no Matsuei 7 Monate 20 Stunden her #794133

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Danke für diese tolle Rezession, der Anime ist gleich mal auf meine Watchliste gelandet. Es ist immer toll, wenn sich jemand auch mal ältere Werke vorstellt, da diese gern schnell in Vergessenheit geraten.
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