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THEMA: Flying Witch

Flying Witch 4 Monate 3 Tage her #791148

  • Mr.Gin
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Meine werten Damen und Herren der gepflegten Unterhaltung, setzen Sie sich bitte einen wohltuenden Tee auf, legen sich Ihre schmackhaften Naschereien zurecht und machen es sich auf einer Sitz- oder Liegemöglichkeit ihrer Wahl gemütlich. Wenn Sie nun einen Zustand der absoluten Entspannung gefunden haben, begeben Sie sich mit mir auf eine Reise in die zauberhafte Welt von Flying Witch.

Doch wer eröffnet uns die Möglichkeit, diesen Ausflug zu unternehmen? Der Reiseleiter ist niemand anderes als der Sensei des Slice of Life: J.C. Staff. Mit namhaften Werken dieses Genres wie beispielsweise Bakuman., Kaichou wa Maid-sama! oder Toradora! erweist sich das Studio als besonders prädestiniert, eine Anime-Adaption zur gleichnamigen Mangavorlage von Chihiro Ishizuka zu produzieren.

Die aus Yokohama stammende 15-jährige Makoto zieht zu ihren nahen Verwandten aufs Land in die Präfektur Aomori. Ihren neuen Lebensabschnitt verbringt sie dort vorwiegend mit ihrem Cousin Kei und dessen kleinen Schwester Chinatsu. Doch weshalb verlässt man als junger Mensch freiwillig das spannende Großstadtleben und gibt sich dem dörflichen, ruhigen Dasein hin? Das liegt wohl daran, dass Makoto gar nicht so normal ist, wie sie auf den ersten Blick erscheint, denn bei ihr handelt es sich um eine angehende Hexe. Und wie die Traditionen es verlangen, verlässt man mit dem 15. Lebensjahr das heimische Nest um selbstständig zu werden und sich der Forschung und dem Leben der Hexerei zu widmen. Da unsere Protagonistin aber erst einmal ihre Schulbildung abschließen soll, ist dieser markante Tapetenwechsel die beste Wahl, um beides unter einen Hut zu bekommen. Denn wie man beim Schauen des Anime schnell mitbekommt, ist das Leben einer Hexe oftmals sehr naturverbunden. Ab hier beginnt eine wunderschöne und zauberhafte Geschichte mehrerer Teenager, welche mit mehr oder weniger normalen Alltags- und Schulproblemen zu kämpfen haben.

Das Thema der Zauberei verwendet man in den zwölf Folgen vergleichsweise sparsam, damit gefühlt immer nur eine Prise Magie in den Alltag der Charaktere gestreut wird. Allgemein wirkt der Hokuspokus eher normal und nicht als etwas Besonderes. Zwar ist die Identität einer Hexe gegenüber der Allgemeinheit ein Geheimnis, innerhalb des nichtmagischen Teils der Familie wird das Übernatürliche aber recht entspannt angenommen, sodass es teilweise schon vertraut und gewöhnlich für sie wirkt. Achtet man auf die Interaktion zwischen Makoto und ihrem Begleiter, der schwarzen Katze Chito, fällt einem die Beiläufigkeit auf, in der diese passiert. So sprechen Hexen ganz „normal“ mit Tieren, als wäre es das Selbstverständlichste auf dieser Welt. Gerade da die Antworten in klassischen Tiergeräuschen kommen und keine menschliche Sprache genutzt wird, fügt sich das Übernatürliche in das Natürliche der Serie ein.

Der einzige wirkliche Kritikpunkt, der aber ausschlaggebend dafür ist, dass die Geschichte von Flying Witch nicht etwas für jedermann ist: Es handelt sich zu einhundert Prozent um einen sanften, verspielten Anime. Wir finden keine komplexe Handlung, kein Drama, keine Action und keine Konflikte vor. Die Serie tröpfelt einfach entspannt vor sich hin.

Da es sich um ein Werk hauptsächlich im Bereich Slice of Life handelt, darf man von typischen Personen ausgehen – unterhaltsame und sympathische Figuren, welche einem nicht viel geistige Denkarbeit abverlangen. Jedoch erblickt man nur vereinzelt die altbekannten und stereotypen Charaktermuster. Allerdings wirken diese keinesfalls ausgelutscht oder fehlplatziert, treten sie denn einmal in Erscheinung.

Da alle Charaktere eine fröhliche und unbescholtene Art an den Tag legen, möchte ich zu der Hauptbesetzung der Serie jeweils noch ein, zwei besondere Eigenschaften auflisten, die in meinen Augen das Gesamtkonzept so stimmig machen. Die Protagonistin Chinatsu zeichnet sich durch ihre teilweise unbeholfene Art aus. Vor allem ihr Orientierungssinn kann dem eines Zorros aus One Piece Konkurrenz machen. Ihr Cousin Kei stellt das typische Mädchen für alles dar. Und ja, Mädchen für alles! Er ist zwar ein Junge, wird aber immer mit den Worten „du würdest eine tolle Braut abgeben“ aufgezogen – keine Sorge, Crossdressing und Ähnliches gibt es in dieser Serie nicht. Als Favoriten muss ich aber ganz klar seine kleine Schwester Chinatsu küren. Sie erinnert mich ungemein an Rin aus Usagi Drop. In beiden Fällen existiert keine unnötige Sexualisierung der Figuren. Das Kind darf ein Kind sein. Im Falle von Chinatsu spielt die kindliche Neugier eine ausschlaggebende Rolle. Ihre Faszination zum Unbekannten ermöglicht ihr ebenfalls eine große Begeisterung für die Magie und Zauberei zu entfalten, sodass es nicht verwunderlich ist, dass sie ebenfalls einmal eine Hexe werden möchte.

Kurz um: Die Charaktere konnten mich vollends unterhalten und somit ihren Zweck erfüllen.

In meiner letzten Rezension sprach ich davon, dass Anime und Manga des Öfteren zu einem unerwarteten Wissenserwerb beitragen können. Flying Witch ist hierfür ein Paradebeispiel. Wer kennt es nicht, wenn beim Zwiebelschneiden die Tränen in sintflutartigen Strömen herunterlaufen. Doch damit ist jetzt Schluss! Denn erhitzt man die Zwiebel zuvor für einen Moment in der Mikrowelle, gehören geschwollene Augen schon bald der Vergangenheit unwissender Kochabenteuer an. Des Weiteren werden dem Zuschauer viele weitere Lifehacks für den Alltag sowie ein beachtliches Naturwissen vermittelt. Flying Witch kann zweifelsohne als eine Art Naturkundeführer für junge, heranwachsende Menschen angesehen werden. Mir persönlich wäre ein guter Anime jedenfalls um einiges angenehmer gewesen, als die damaligen Dokumentationen im Biologieunterricht der Grundschule.

Möglicherweise passt aber der Begriff „Lehrfilm“ um einiges besser, da auch in diesem Bereich Akzente gesetzt werden. So ist unsere heutige konsumorientierte Gesellschaft oftmals geprägt von einer verschwenderischen Haltung mit Ressourcen. In der Folge des Waldausflugs erklärt Kei den Teilnehmern die vier Grundregeln der Exkursion. Besonders treffend ist dabei die erste Regel: Nimm nur so viel, wie du tatsächlich isst, denn wenn du zu viel pflückst, wird im nächsten Jahr nicht genügend nachwachsen. Flying Witch scheint der Natur und der dörflichen Kultur sehr verbunden und bringt der modernen Zuschauerschaft auf eine verspielte Art und Weise die japanische Tradition ein Stückchen näher.

Haben wir eine ruhige Story mit sympathischen Charakteren, sollte die Visualisierung diesen natürlich in nichts nachstehen und sich dem Thema einfügen. Die Animationen sind für einen Slice of Life-Anime aus dem Jahre 2016 auf einem guten, soliden Niveau. Besonders die helle Farbwahl wirkt sehr passend und harmoniert dadurch mit dem musikalischen Back-up und dem fröhlichen Gesamtkonzept. Weiche und detailreiche Landschaftsbilder, die in den häufiger vorkommenden Wald- und Wiesenszenen vorzufinden sind, werden bei dem einen oder anderen naturverbundenen Menschen innere Bedürfnisse hervorrufen. Selbst ich als überzeugtes Kellerkind zeigte kurze Momente des Interesses für die Natur.

Das Charakterdesign, welches Masato Yasuno übernahm, ist in meinen Augen eher grob, jedoch zuschauerfreundlich gestaltet. Wir bekommen großflächige Farbverläufe angeboten, wobei Feinheiten am ehesten in den Augen auszumachen sind. Alles in allem leistet J.C. Staff eine saubere Arbeit, die jedoch genretechnisch das Rad beziehungsweise in diesem Fall den Besen nicht neu erfindet.

Auf ähnlich qualitativem Niveau wie die Animation befindet sich die dazugehörige Musik- und Soundkulisse. Opening und Ending weisen einen soliden, wohlklingenden Standard für mein persönliches Musikempfinden auf, überzeugen jedoch dahin gehend nicht, dass sie sich ins Gedächtnis festsetzen konnten. Die restliche musikalische Untermalung innerhalb der zwölf Folgen von Flying Witch besitzt oftmals eine sehr lockere und heitere Atmosphäre, die mit der Kombination aus den Genres Slice of Life und Comedy tadellos harmonieren. Die dabei wohl am häufigsten genutzten Instrumente sind Klavier, Flöte und Gitarre, welche ideal mit dem verträumten, ruhigen Gesamtkonzept im Einklang stehen.

Wem kann man aber nun diesen Animetitel empfehlen? Eine klare Beantwortung der Fragestellung fällt mir an dieser Stelle überraschend schwer. Persönlich hasse ich zwar diese Beschreibung, aber Flying Witch ist das perfekte Werk für zwischendurch. Mir persönlich fiel es schwer mehr als zwei Folgen am Stück zu gucken, da mir das Gesamtkonzept eine Prise zu ruhig und verhalten war. Ich brauchte wirklich einen Zustand der inneren Ruhe, um mich der Serie hingeben zu können. Somit mögen Leute, die dem Slice of Life-Genre nicht sonderlich zugeneigt sind und eher spannende, komplexe Settings oder atemberaubende und explosionsgeladene Action suchen, lieber die Finger hiervon lassen. Wiederum Personen, welche einfach einmal abschalten möchten und Anime wie beispielsweise Usagi Drop lieben gelernt haben, sollten Flying Witch auf ihrer „Wird noch geschaut“-Liste vermerken.



Hyōka - Ice cream - I scream // I'm not stupid. I'm just too lazy to show how smart I am. // Those with talent who aren't aware of themselves cause pain for those who have none.
Letzte Änderung: 4 Monate 1 Tag her von Mr.Gin.

Flying Witch 3 Monate 4 Wochen her #791567

*o-gj*
Super geschrieben:)

Ein Anime zum Entspannen und mit feinen Witz, liebenswerten Figuren, eine super Aufheiterung, grade wenn im echten Leben mal nicht alle so läuft wie es sollte. Der Anime verbreitet gute Stimmung und darin ist er wirklich gut.

Besonders gut haben mir auch die schon erwähnten Details gefallen, mit verdammt viel Liebe ausgearbeitet, was es einfach ein Erlebnis macht, sich den Anime anzuschauen. Hier hat sich jemand Gedanken gemacht und es nicht nur einfach hin geklatscht. Ich denke zu einem großen Teil wird es auch für den Manga gelten. Dass die Umsetzung als Anime aber ebenfalls so gut gelungen ist, ist schon schön zu sehen, eben weil nicht verständlich.

Ob die Animation auf dem letzten Stand ist, ist mir eigentlich hugo, mir hat die Optik auf jeden Fall super gefallen, ohne Einbrüche und mit viel Atmosphäre, grade die Natur und die Umgebung in ländlichen Bereich wird sehr schön wiedergegeben und verbreitet eine angenehme Stimmung.
Ich muss auch ausdrücklich sagen, dass mir die Figuren und deren Umsetzung sehr gut gefallen haben, meine heimlichen Favoriten waren ja die Katzen;)
Ich bin ganz ehrlich, lieber so eine Animation und Optik, als Mindblow mit Einbrüchen und oder Seelenlos, kritisieren kann ich eigentlich null an diesem Anime, was Optik angeht, denn die Quali ist einfach so wie sie sein sollte.


Ich darf mich zu den Personen rechnen, die gerne Action, Blut und Drama schauen und trotzdem, kann ich diesen Anime empfehlen, als Ausgleich ist er einfach wunderbar und manchmal braucht man einfach einen Anime der herzerwärmend und entspannend ist.

Danke für die Rezension:)
Schöne Grüße
Sniperace
Folgende Benutzer bedankten sich: Mr.Gin

Flying Witch 3 Monate 4 Wochen her #791591

Super Rezension!Ich kann definitiv nur bei jedem Punkt zustimmen.Flying Witch war definitiv ein wirklich sehr schöner Anime,den ich ziemlich gerne geschaut habe.Während ich es geschaut habe,konnte ich schön abschalten und mich regelrecht entspannen.Diese wirklich schöne und beruhigende Stimmung die der Anime ausstrahlt hat mich definitiv echt zufrieden gestellt.
Außerdem eignet sich der Anime gerade zu perfekt als Abwechslung.Irgendwann braucht man auch mal seine Ruhe vor anderen Animes,welche schon deutlich actionreicher sind und mehr vom Zuschauer verlangen als nur sich zu entspannen.
II Geheimtipp: Aria the Animation ll My favorite Anime II My favorite Manga II MyAnimeList II
Folgende Benutzer bedankten sich: Mr.Gin

Flying Witch 3 Monate 4 Wochen her #791761

Vielen Dank für diese sehr schön geschriebene Kritik!

Flying Witch war wohl das entspannteste Werk das ich bisher gesehen habe. Es passiert zwar im Großen und Ganzen nichts, man wird jedoch, wenn man sich darauf einlässt, in eine Art Relax-Stase versetzt, die man sich nicht entgehen lassen sollte :)
Letzte Änderung: 3 Monate 4 Wochen her von TheChamikalster.
Folgende Benutzer bedankten sich: Mr.Gin

Flying Witch 3 Monate 4 Wochen her #791820

Vielen Dank für diese wirklich gute Kritik :-)

'Flying Witch' ist für mich einer der der besten Animes des Jahres 2016.
Ich habe ihn am einem Tag und mittlerweile so um die 5 mal geschaut.
Wer 'Non Non Biyori' gemocht hat, der wird auch diesen Anime lieben.
J.C. Staff hat hier wirklich gute Arbeit geleistet.
Optisch erinnert mich der Anime stellenweise an 'Aoi Hana', der ebenfalls zu
meinen Lieblings-Animes gehört.
Letzte Änderung: 3 Monate 4 Wochen her von Tssir-De-Macabre.
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