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THEMA: Pandora in the Crimson Shell

Pandora in the Crimson Shell 3 Monate 1 Woche her #788122

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Kaum ein Genre erzeugt so ein klares Bild vor unserem Auge wie der Cyberpunk. Eine dystopische Welt mit dunklen Gassen, konstantem Regenfall und flackernden Neonlichtern; der Mensch gegen die Maschine. In den Achtzigerjahren verwarf man die alten Ideen von märchenhaften Abenteuergeschichten auf utopischen Planeten. Durch realistische Visionen der Zukunft wurde die Welt des Science-Fiction praktisch neu erfunden und die technologische Entwicklung kritisch hinterfragt. Auch viele japanische Kreationen prägten diese Bewegung und überzeugten den Rest der Welt, dass Animes mehr als nur Kinderserien sein können. Die Geschwister Wachowski machen kein Geheimnis daraus, dass ihre Matrix-Trilogie starke Inspiration von Animefilmen wie etwa Ghost in the Shell nimmt. Und noch in diesem Monat bekommt Shirow Masamunes legendärer Manga einen Hollywood-Blockbuster. Aber muss eine kybernetische Welt immer düster und brutal aussehen? Sind künstliche Körper zu nichts Besserem fähig als nur dem Töten? Vielleicht gingen Masamune solche Gedanken durch den Kopf, als er sich entschied, das Konzept eines Ghost in the Shell-Spin-offs ausgerechnet an Comedy-Mangaka und Excel Saga-Schöpfer Koushi Rikudou zu geben. Falls jemand an dieser Stelle die Stirn runzelt, kann ich es ihm nicht verübeln. Was genau soll man denn auch erwarten? Nun, genau dieser Frage gehen wir in der heutigen Rezension zu Pandora in the Crimson Shell nach.

Wie der aufmerksame Leser schon mitbekommen hat, basiert der Anime auf dem gleichnamigen Manga von Koushi Rikudou und Shirow Masamune. Um die Adaption kümmerte sich ebenfalls ein Duo, wenn auch ein weitaus unbedeutenderes: Studio Gokumi und AXsiz waren im Winter 2016 für die Produktion der zwölf Folgen umfassenden TV-Serie verantwortlich. Eine Kombination, wie wir sie auch beim aktuell ausgestrahlten Seiren wiedersehen.

Die Geschichte spielt sich auf dem künstlich angelegten Insel-Resort Cenancle ab, zu einer Zeit in der die Entwicklung künstlicher Körperteile noch in ihren Kinderschuhen steckt. Nene Nanakorobi ist eine der ersten Menschen, die eine Ganzkörperprothese besitzen. Nachdem sich während der Rehabilitation ihr großes Potential zeigte, zieht sie zu ihrer Tante Korobase nach Cenancle. Noch auf dem Weg dorthin trifft sie auf die Wissenschaftlerin Uzal Delilah und vor allem auf ihre Begleiterin, die mürrische Cyborg-Katzen-Maid Clarion. Bei dieser Kombination ist Nene verständlicherweise völlig aus dem Häuschen. Sie kann gar nicht mehr aufhören über ihre neue Freundin „Cla-ring“ herzufallen, sehr zu deren Missfallen. Doch bereits kurz nach der Ankunft wird klar, dass Cenancle alles andere als das erwartete Paradies ist: terroristische Angriffe, zwielichtige Organisationen und ein riesiger Bohrroboter, der droht die Insel zu zerstören. Schuld an diesem Durcheinander scheint Uzal selbst zu sein, denn ihre illoyalen Schergen haben sich gegen sie aufgelehnt. Nicht ganz ungerechtfertigt, denn mit ihrer doppelten Identität und unterirdischen Basis scheint sie eher die Klischees eines Bösewichts zu bedienen. An Nenes Fähigkeiten ist sie besonders interessiert und versucht diese für ihre Pläne zu gewinnen. Dem naiven Mädchen ist das allerdings überraschend egal solange sie Zeit mit ihrer geliebten Clarion verbringen kann. Sie möchte mit ihrem Talent lieber den Einwohnern helfen und für ihren großen Traum des „Weltfriedens“ kämpfen.

Wie jedem wohl auffällt, ist unsere Protagonistin Nene, auch wenn sie das Herz am rechten Fleck hat, nicht gerade die hellste Kerze im Leuchter. Das braucht sie aber auch nicht zu sein, denn der Anime erzählt lieber von ihrer Beziehung mit Clarion und deren leichtherzigen, alltäglichen Abenteuern, während die düsteren Vorgänge auf der Insel nur im Hintergrund angedeutet werden. Den geistigen Nachfolger zur Ghost in the Shell-Reihe finden wir hier also eher weniger, auch wenn sich beides im selben Universum abspielt. Anspielungen wie die „Gertsecommas“ oder die Schnittstellen im Nacken der Mädchen findet man zwar zuhauf, da enden die Ähnlichkeiten allerdings auch schon. Entschuldigung an dieser Stelle an alle GitS-Fans, die es bis hier geschafft und auf ein würdiges Prequel gehofft haben. Pandora bietet keinen philosophischen Kommentar zu gesellschaftlichen Vorgängen, sondern ist, wie er sich selbst betitelt, eine „Girl meets Girl“-Story. Eine Moe-Comedy mit Shoujo-Ai im Gewand einer Cyberpunk-Geschichte. Alle, die sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden können, werden es mit dem Anime sicher auch nicht können. Wer allerdings wie ich bei dem Gedanken an „niedliche, lesbische Cyborg-Mädchen, die gegen Roboter kämpfen“ einen kleinen Freudensprung macht, ist hier genau richtig. Die Leser, die bereits Excel Saga gesehen haben, wissen, dass sich Koushi Rikudous Werke nicht allzu ernst nehmen. Pandora in the Crimson Shell ist mit ebenso merkwürdigem und selbstironischem Humor gefüllt, der gerne mit den Erwartungen des Zuschauers herumspielt. Zusätzlich verfeinert wird das noch mit einem tollen Setting inklusive futuristischer Technik, episodischem Slice of Life und Action. Natürlich darf auch hier nicht eine gehörige Portion Fanservice fehlen. „Mad Scientist“ Uzal Delilah zwingt ihre Untertanen in Kostüme, die so ziemlich jedem Fetisch gerecht werden sollten. Und vom namensgebenden „Pandora Device“ darf sich jeder selbst überzeugen. Denn durch Clarions „F-Port“ kann sich Partnerin Nene so einige nützliche Fähigkeiten herunterladen, die ihr in schwierigen Situationen weiterhelfen. Dieser recht technisch klingende Prozess eskaliert jedoch in fast jeder Folge zu einem unvergesslichen Yuri-Ritual. Und als wäre das nicht genug, beschert ihr jedes Upgrade ein hübsches neues Outfit; nur eine der vielen Anspielungen an das Magical Girl-Genre. Wem die unkonventionelle Umsetzung im ebenfalls 2016 erschienenem Flip Flappers zusagte, der wird hier sicher einige Parallelen finden. Statt in einem völligen Durcheinander zu enden, schafft es Pandora aber tatsächlich seinem Grundkonzept treu zu bleiben.

Wo die beiden allerdings weit auseinanderklaffen, ist die Produktionsqualität. Pandora in the Crimson Shell ist ein wirklich ambitioniertes Projekt für zwei vergleichsweise kleine Studios, aber leider auch etwas zu ambitioniert. In vielen Szenen sieht man, dass es an talentierten Kräften oder nötigem Budget mangelte. Da hilft auch das eher überschaubare Talent von KissXsis Regisseur Munenori Nawa und Rewrite Drehbuchautor Tatsuya Takahashi nicht. Die Charakterdesigns kommen nicht wirklich an Rikudous Zeichenkünste heran und benutzen seinen „Super Deformed“-Stil so häufig, dass wir anstatt Clarion die Hälfte der Zeit nur einen weißen Blob mit Zöpfen zu Gesicht bekommen. Das restliche Design ist allerdings gut durchdacht und stimmungsvoll; in einigen Szenen werden sogar erstaunlich gute CG-Effekte verwendet. Cenancles Atmosphäre gibt mir das Gefühl, sowohl in der Zukunft als auch im Urlaub zu sein, was will man da schon mehr? Wer bereits von To Aru Majutsu no Index' Academy City nicht genug bekommen konnte, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Einige Leute kritisieren indessen die grelle Neon-Farbpalette, die dem Werk eine veraltete Optik à la „2000er Digi-Paint“ verleihen. „Das sieht nicht wie etwas aus diesem Jahrzehnt aus“, mag solch ein Kritiker sagen. Ohne die mangelnde Animationsqualität verteidigen zu wollen, denke ich jedoch, dass man genau diesen Effekt erreichen wollte. Der Anime erinnert den Zuschauer an eine Zeit, in der eine Serie über junge Mädchen nicht unbedingt düster und gewaltsam sein musste, um Aufmerksamkeit in der Szene zu bekommen. Eine Zeit, in der Shirow Masamune und Koushi Rikudou in der Blüte ihrer Arbeit standen. Ich kann mir dennoch nicht den Gedanken verkneifen, dass hier viel Potenzial verschenkt wurde. Denn eines der hochkarätigeren Studios wäre der erfrischend unkonventionellen Welt dieses Mangas definitiv gerechter geworden.

Wäre es also klüger einfach nur zum Manga zu greifen, statt sich mit der optisch inkonsistenten Adaption abzugeben? Das könnte sogar stimmen, wäre da aber nicht dieser Soundtrack. Denn das, was die Musikgruppe TECHNOBOYS PULCRAFT GREEN-FUND da komponiert hat, ist viel mehr als nur passende Hintergrundmusik. Wer ihre Arbeit aus Trinity Seven kennt, der weiß bereits, dass die Jungs ein Faible für elektronische Musik haben. Bei Pandora erzeugt die Mischung aus Retro-Drumsamples, analogen Synthesizern und Chiptune-Musik einen absolut coolen Achtzigerjahre Synthwave-Sound. Nicht ohne Grund wird dieser Stil inzwischen wieder popularisiert, ob durch Spiele wie Far Cry 3: Blood Dragon und Hotline Miami, Filme wie Kung Fury und Drive oder Serien wie Stranger Things. Denn er unterstreicht den nostalgischen, aber auch den selbstironischen Ton des Werkes.

Für wen ist Pandora in the Crimson Shell also nun die richtige Wahl? Für Fans der Ghost in the Shell-Reihe? Vielleicht. Für Zuschauer, die komplexe Storylines und tiefsinnige Thematiken erwarten jedoch weniger. Aber jeder von uns, der auf der Suche nach einem albernen, niedlichen und dennoch stilvollen Werk ist, kann wenigsten einen flüchtigen Blick riskieren; Vorwissen ist nicht benötigt. Ob als Manga oder Anime: Meinen Spaß hatte ich mit dieser Geschichte allemal.

Einen schönen Tag euch noch!

Euer Tazzels

– "Wer zuletzt lacht, hat den höchsten Ping."
Letzte Änderung: 3 Monate 1 Woche her von Tazzels.

Pandora in the Crimson Shell 3 Monate 6 Tage her #788435

*o-gj*
Danke für die Rezension Tazzels:)

Ich persönlich kenne den Anime ja noch nicht, allerdings möchte ich zwei Dinge loswerden:

1. Mir persönlich gefallen zumindest die Farben dieses Anime. Ob es jetzt "alt" wirkt oder nicht, ist mir eigentlich recht egal, es muss zum Anime passen und nach den Bildern die ich dazu gesehen habe, passt es doch ganz gut zum Thema (ist aber nur meine Meinung).

2. Ein zweites Danke für den Link zum Soundtrack, echt ein paar nette Nummern dabei und sehr, sehr passend zum Thema des Anime.


Ob der Anime jetzt was für mich ist?
Nur bedingt (denke ich mal), eher was für die richtige Zeit mit der richtigen Stimmung aber reinschauen werd sicher mal.

Schöne Grüße
Sniperace
Letzte Änderung: 3 Monate 6 Tage her von Sniperace.
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Pandora in the Crimson Shell 3 Monate 6 Tage her #788441

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Sniperace schrieb:
1. Mir persönlich gefallen zumindest die Farben dieses Anime. Ob es jetzt "alt" wirkt oder nicht, ist mir eigentlich recht egal, es muss zum Anime passen und nach den Bildern die ich dazu gesehen habe, passt es doch ganz gut zum Thema (ist aber nur meine Meinung).

Sehe ich ja eigentlich genau so. ^^ Ich sprach nur davon, dass es einige Leute gibt, denen der Stil nicht gefällt.
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Pandora in the Crimson Shell 3 Monate 6 Tage her #788446

Ich dacht zuerst es geht um eine Mischung aus Pandora Hearts und Crimson Shell, da beides vom gleichen Mangaka ist O.o

Kann man sich vielleicht zwischendurch mal anschauen.
Ich meine- niedliche, lesbische Cyborg-Mädchen, was will man mehr?

Pandora in the Crimson Shell 3 Monate 4 Tage her #788580

Das was ich gehört habe durch die Audio Datei hört es sich sehr viel versprechent an wenn
„niedliche, lesbische Cyborg-Mädchen, die gegen Roboter kämpfen“
mag und daran soll es nicht scheitern den Anime zu schauen.
Ich habe bis jetzt von Ghost in the Shell zwar nur Trailer gesehen aber es sprach mich an. Ja ich weiß dies ist etwas anders dazu aber wie erwähnt wird es hierbei nicht scheitern.

Was wohl auch eine Rolle spielt das ich KissXsis und Rewrite geschaut habe (Rewrite 2 Staffel läuft gerade noch) und diese Anime mir sehr gefielen. Wie die Story das Charakterdesign usw. war und das Intro von Trinity Seven als eins der besten Intros in erinnerung habe.

Zusammenfassend sage ich dass man es sich mal anschauen sollte wenn man was anderes oder
unvergesslichen Yuri-Ritual
sehen möchte.
Dabei ist dies alles aber wieder eigen geschmack *o-kihihi*
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