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THEMA: Vinland Saga

Vinland Saga 3 Wochen 1 Tag her #840068

  • Nicht_Peter
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Obwohl wir es eigentlich im Hinterkopf alle besser wissen, haben wir eine seltsame Neigung dazu, vergangene Zeiten zu verklären. Das Leben unserer Vorfahren vor vielen hundert Jahren war mit Sicherheit nicht perfekt, aber es hatte doch durchaus seine positiven Seiten. Die Luft und das Wasser waren noch nicht mit Giften der Industrie belastet. Der Zusammenhalt innerhalb der Familie oder die sinnstiftende Kraft der Religion haben eine ganz andere Rolle in der Gesellschaft gespielt. Die Arbeit als Handwerker oder auf den Feldern war hart und körperlich anstrengend, aber im Gegensatz zu den Abgründen der heutigen Arbeitswelt zumindest ehrlich und verdient. An die Stelle von Drohnenkriegen oder feigen Terroristen traten unerschrockene Krieger, die mutig im Geiste der Ritterlichkeit gegeneinander gekämpft haben.

Diese naive Schönmalerei der Vergangenheit führt natürlich in die Irre. Wie Hans Rosling in seinem Buch „Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“ eindrucksvoll nachgewiesen hat, geht es uns heute – egal, welchen Parameter man betrachtet, Hunger, Armut, Lebenserwartung, Kindersterblichkeit – statistisch gesehen so gut wie nie zuvor! Inmitten eines Prozesses, den ich gerne als „Disneyfizierung“ bezeichne, nämlich dass wir von Kindesbeinen auf allerlei Märchen und sagenhaften Geschichten von Prinzen, Schlössern und Rittern exponiert sind, dürfen wir eine Sache nicht vergessen: Das Mittelalter, und somit das Zeitalter der Wikinger, war nach allen Maßstäben eine absolut furchtbare Epoche. Es war eine Welt, in der sich Kirche, Adel und das Fußvolk einen ständigen blutigen Krieg lieferten. Wer nicht vorher an einer tödlichen Krankheit verstorben ist, musste sich damit abfinden, als Leibeigener geknechtet oder von wilden Horden überfallen, versklavt, vergewaltigt oder getötet zu werden. In diesem dunklen Zeitalter hatte die Wissenschaft, die Kunst, die Kultur kaum einen Platz. Dieses Zeitalter war sogar so finster, dass man sich heute berechtigterweise die Frage stellen muss: Was hat die Menschen vergangener Zeiten eigentlich dazu getrieben, weiter zu leben und nicht kollektiv von der Klippe zu springen? Was hat sie überhaupt in ihrem Tun motiviert?

Diese Frage hat sich auch der gefeierte Mangaka Makoto Yukimura gestellt – und seit 2005 an seinem monumentalen Epos Vinland Saga gearbeitet, das mittlerweile 22 Bände umfasst. 2019 ist schließlich die Anime-Adaption unter Regie von Shuuhei Yabuta erschienen. In 24 Folgen, die nichtsdestotrotz lediglich den Prolog umfassen, tauchen wir in die Tiefen der finsteren Welt der Wikinger ein. Studio WIT erweckt dieses Universum mit größtenteils gewohnt hochwertiger Animationsarbeit und eindrucksvollen Hintergrundzeichnungen überzeugend zum Leben, trotz mancher optisch weniger berauschenden Episoden und 3D-CGI, das sich nicht immer gut in die übrige visuelle Gestaltung einfügt. Viel zur Sache tut das jedoch nicht, da das Auge sich dafür an den unzähligen liebevoll ausgestalteten Details wie der Kleidung, den Waffen oder den Dörfern der Mannen aus dem hohen Norden sattsehen kann, denen anzumerken ist, wie viel Recherchearbeit in sie hineingeflossen sind. Das gilt freilich nicht nur für die visuelle Gestaltung, denn auch der gesamte geschichtliche Hintergrund ist erstaunlich akkurat gehalten: Der dänische König Sven I. hat tatsächlich zu der damaligen Zeit geherrscht, auch sein Prinz Knut ist ebenso wenig eine reine Fantasiefigur wie der Seefahrer und Entdecker Leif Eriksson.


Worum geht es? Der junge Thorfinn würde die oben gestellte Frage nach dem Sinn seiner Existenz wahrscheinlich schnell beantworten: Seit er im Kindesalter die Ermordung seines geliebten Vaters, dem großen Krieger Thor, mit eigenen Augen miterleben musste, dreht sich sein gesamtes Leben um ein einziges Ziel. Ihn dürstet es nach Rache – Rache an Askeladd, dem Mörder seines Vaters. Schließlich tritt er sogar der Truppe des charismatischen Wikingerfürsten bei, um sich im Kampf die nötige Anerkennung als Krieger zu erarbeiten, damit er den Anführer zu einem Duell herausfordern darf. Dabei gerät er mitten in den überaus blutigen Krieg gegen England und die Ränkespiele um den dänischen Thron, die immer wieder in wahre Gewaltexzesse ausarten. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Vinland Saga um viel mehr als eine reine Rachegeschichte handelt, denn wir bekommen im Laufe der 24 Folgen noch ganz andere Beweggründe zu Gesicht, welche die Figuren in ihrem Innersten antreiben. Da wären exemplarisch die pure Gier nach Macht und Reichtum, im Falle des hünenhaften Wikingerkriegers Thorkell, der Krieg als Selbstzweck, sowie natürlich insbesondere die Religion zu nennen. Wie ein roter Faden zieht sich das Motiv eines Paradieses, der Erlösung, durch die Geschichte. Sei es nun der Einzug nach Walhalla in der nordischen Mythologie, Avalon in der Artussage oder der Tag des Jüngsten Gerichts im Christentum: Das, was vielen Menschen trotz des vielen Leids an allen Ecken und Enden einen Funken Hoffnung gegeben hat, war die Vorstellung eines fernen Ortes, wo alles besser ist. Wenn schon das Leben auf dieser Welt eine außerordentlich hässliche und vor allem recht kurze Angelegenheit ist, so stiftet zumindest die Aussicht auf das Leben nach dem Tod Halt. Fast schon zwangsläufig führt dieser Erklärungsansatz jedoch auch im Anime unweigerlich zu der Theodizee-Frage, wie ein allmächtiger Gott, der die Menschen liebt, nur ein solches Leid zulassen kann.


Das wirft allerdings eine Frage auf: Wenn es Vinland Saga um eine solche Auseinandersetzung geht, um die historischen Lebensumstände der damaligen Zeit – warum läuft es dann nicht als Dokumentation auf NTV (sofern dort zwischen der 362. Wiederholung von „Drogen im Dritten Reich: Wie high war Hitler?“ noch Sendeplatz frei ist)? Doch dieser Schublade wird der Anime nicht gerecht; es handelt sich mitnichten um eine akkurate Tatsachenbeschreibung. Denn Vinland Saga macht Spaß. Diese Serie sprüht förmlich vor Leben, indem sie sich die Freiheiten nimmt, die das Medium Animation zu bieten hat, und diese ganz bewusst ausnutzt. Das geschieht zum größten Teil über die zahlreichen atemberaubenden Kämpfe, die erst durch die audiovisuellen Gestaltungsmöglichkeiten zum wahren Spektakel werden. Ist es historisch korrekt, wenn ein einzelner riesenhafter Krieger bei der Schlacht um London ein Wikingerschiff nach dem anderen mit Baumstämmen pfählt, während der bombastische Soundtrack von Tokyo Ghoul-Komponist Yutaka Yamada mit einer interessanten Mischung von synthetischen und nordischen Klängen durch den Lautsprecher dröhnt? Nein. Ist das große Baumstammwerfen unfassbar unterhaltsam? Oh yeah, baby. Vinland Saga erzählt so eine packende, mitreißende Story, die mit jedem geplünderten Dorf und jedem Plottwist spannender und spannender wird, bis sie in einem Finale der Extraklasse zu wahrer Hochform aufläuft. Der tiefe Einblick, den man zuvor in das innere Wesen der Figuren gewonnen hat, zahlt sich hier auf ganzer Linie aus.


Genau hier liegt schließlich auch der Schlüssel darin, dass das Wikinger-Epos trotz aller spektakulären Action im Kern ein ernstzunehmendes Historiendrama bleibt. Makoto Yukimura ist mit Fug und Recht ein echtes Genie, wenn es darum geht, geradezu beängstigend glaubwürdige und absolut einzigartige Charaktere auszuarbeiten, die denkbar weit entfernt von allen gängigen Klischees sind. Selbstverständlich ist das zum einen Askeladd als durchtriebenes und zutiefst bösartiges Schlitzohr, den man trotz seiner Stellung als eindeutigen Antagonisten in seiner unverfrorenen Art irgendwie doch zu schätzen lernt.

Zum anderen gelingt es Yukimura mit dem Protagonisten Thorfinn für den wohl stärksten Moment der gesamten Serie zu sorgen, als der Entdecker Leif Eriksson ihn zum Schluss mit der schieren Sinnlosigkeit seiner Rachsucht konfrontiert, dem bislang einzigen Antrieb in seinem Leben. Es ist immer spannend zu beobachten, wenn ein gesamtes Weltbild, an das sich eine Figur die ganze Zeit lang geklammert hat, förmlich in sich zusammenbricht. Dadurch, dass der Anime konsequent Thorfinns verbittertem Pfad der Rache folgt, scheint die Handlung zunächst zielstrebig auf den Höhepunkt zuzusteuern, das letzte Duell zwischen Askeladd und dem jungen Krieger. Entgegen der Erwartung wird Thorfinn in diesem Kampf von seinem älteren Gegner, der ihn mühelos durchschaut, vollkommen deklassiert. Der wahre emotionale Klimax dieses ersten Arcs ist deshalb ganz bewusst gerade nicht dieses Duell, und doch verfehlt die darauf folgende Szene ihre ungeheuer berührende Wirkung nicht. Der alte Seefahrer Leif erzählt dem geläuterten und vollkommen lädierten Thorfinn von seinen beschwerlichen Abenteuern, wie er einst vor Grönland im ewigen Eis eingeschlossen war – und von einem fernen, warmen Land weit im Westen, in dem der Wind weich über das Gras streicht, reife Früchte an den Bäumen wachsen und kein Krieg herrscht: Vinland. Vinland Saga wird manchmal als schnöde Wikinger-Rachegeschichte bezeichnet, dabei rückt das Motiv der Vergeltung stark in den Hintergrund. Es geht um mehr, um das Gefühl von Heimat, Geborgenheit, die Sehnsucht nach der Ferne, wie in dem wohl stärksten Anime-Moment der letzten Jahre unzweifelhaft klar wird.

Doch bereits an Nebenfiguren wie Thorfinns Schwester Ylva, die im Anime lediglich in den ersten Folgen auftritt, zeigt sich exemplarisch dieses emotionale Fingerspitzengefühl, das in dieser Form normalerweise vielleicht bestenfalls in einem hunderte Seiten starken Roman zu erwarten gewesen wäre. Ylva ist eine selbstbewusste, starke junge Frauenfigur, die bei jeder Arbeit im Dorf kräftig mit anpackt und die jede Avance ihrer vielen männlichen Verehrer brüsk an sich abprallen lässt. Als sie vom Tod ihres Vaters erfährt, reagiert sie ähnlich unbekümmert und stürzt sich geradezu in die zusätzliche Arbeit. Spät am Abend, während sie noch die Schafswolle gewebt hat, spricht ihre Mutter schließlich nur ein einziges Wort: daijoubu, 大丈夫. Alles ist gut. Ylvas Tränenausbruch, ihre Frage, warum sie gerade jetzt weinen muss, und ihre innige Umarmung sorgen ohne ein einziges Wort für einen wunderbar berührenden Moment, der gerade durch seine Einfachheit und die Abwesenheit von selbst der kleinsten Spur Kitsch ungeheuer ergreifend wirkt.


Manche Zuschauer sind besonders zum Ende des Animes trotzdem nicht umhin gekommen, eine Frage zu stellen: Warum genau heißt es nun eigentlich Vinland Saga - wenn es doch vorerst gar nicht um die beschwerliche Seefahrt der Wikinger zu dem sogenannten Vinland geht, dem heutigen Neufundland an der Ostküste Kanadas? Doch dieses besagte Fläche Land hatte für die Menschen dieser Zeit, im dunklen Mittelalter, eine weit größere Bedeutung als nur eine geografische. Man könnte Vinland als das frühe Konzept der uramerikanischen Vorstellung einer Shining City on a Hill begreifen, die nicht ohne Grund Querbezüge zu den religiösen Ideen aufweist: Ein sicherer Zufluchtsort von dem Schrecken der Welt, ein friedliches, fruchtbares Stück Geborgenheit für alle. Mit dieser metaphorischen Idee, warum sie überhaupt entstanden ist, weshalb sie eine so enorme Zugkraft für die Segler hatte, all die Strapazen auf sich zu nehmen, setzt sich das Werk auseinander – und zwar in absolut meisterhafter Manier.

Vinland Saga präsentiert noch eine weitere, geradezu bestechend entwaffnende Antwort auf die Eingangsfrage, was die Menschen vor vielen Jahrhunderten in ihrem Leben trotz all des Schreckens vorangetrieben hat: der Entdeckergeist, der Wille, alles hinter sich zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Und genau diese Geisteshaltung ist zugleich auch die Antwort auf die Frage, die unmittelbar als nächstes folgt: Wie hat der Mensch es denn überhaupt geschafft, dieses dunkle Zeitalter hinter sich zu lassen und das Dasein als marodierender Wikinger-Krieger zu überwinden?

Letzte Änderung: 2 Wochen 5 Tage her von Nicht_Peter.

Vinland Saga 2 Wochen 5 Tage her #840106

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Zuallererst ein grosses Dankeschön für die Rezension! Dann, "in a nutshell", was man zu Vinland Saga allgemein, dann zum Anime, zuletzt zum Manga wissen sollte:
1) Nicht_Peter sagt ganz richtig, dass es ein "Historiendrama mit künstlerischer Freiheit" ist. Sprich: Charaktere und Kämpfe sind nach bester Anime-Manier übertrieben, ohne lächerlich zu wirken oder "Facepalm-Szenen" heraufzubeschwören. Ergo: JA, DER ANIME IST SEHENSWERT! (Sogar für Geschichtsinteressierte.)
2) Wiederum sprach Nicht_Peter das grosse Wort: Der Anime ist bloss der Prolog der eigentlichen Story von Vinland Saga (s. nächster Punkt). Nichtsdestotrotz: JA, DER ANIME IST SEHENSWERT!
3) Da ich den Manga auch online lese und dazu kaufe, bleibt zu sagen, dass das Medium "Papier", zumindest für mich, die Geschichte besser vermitteln kann. Nur schon, weil man merkt, dass es eben doch länger dauert und die eigentliche Story bis Band 172 (!) nicht näher an Vinland heranrückt, als am Anfang. Es ist ein Roadtrip, der sich mehr mit der Frage des "Wie" und des "Warum" beschäftigt, anstatt mit Vinland selbst. Persönlich hoffe ich, dass das noch wird und an dieser Stelle fand ich es jammerschade, dass "der grosse Trip nach Miklagard" völlig weggelassen wurde. Ist der Manga dennoch lesenswert? Für Action-Fans: NEIN - sorry, Leute, wir verschieben hier den Fokus von "Action/Fighting Shounen maybe Ganbatte" weg zu "Politik & Philosophie". Für Fans von seichter Kost: JEIN - sofern man die Geschichte liebt, kann das auch etwas für euch sein, in der Regel wohl weniger. Für Leute mit Brains: Ich glaube, dieses Klientel wird sich LoGH&Co. zuwenden.
4) Ja, für wen ist denn der Manga denn? Für Menschen. Für jene, deren Interesse anderen Menschen gilt. Die gerne gute Storys mit tonnenweiser Charakterentwicklung geniessen, auch wenn die Story etwas schlingert und nicht wirklich zum "Ziel" kommt. Für Märchenerzähler. Für Märchenliebhaber. Für Erzähler im Allgemeinen. Vinland Saga ist für Menschen gemacht, welche der Story um der Story willen folgen, für Menschen, welche das Erzählen um des Erzählens willen feiern. Aber keine Bange, Vinland Saga ist nicht langatmig, Vinland Saga ist einfach ... Geschichte. (Wortspiel beabsichtigt)
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Vinland Saga 2 Wochen 5 Tage her #840110

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@Nicht_Peter
der 362. Wiederholung von „Drogen im Dritten Reich: Wie high war Hitler?“ noch Sendeplatz frei ist)?

Leider zu wahr;) Die Fixierung auf den 1 u. 2 Weltkrieg, meistens leider ohne neue Aspekte, ist leider Tatsache überall, dabei hätte Europa und die Welt noch so viel mehr Geschichte. In übrigen auch zum Kriegsthema usw.. Man muss es mit Humor nehmen;)
Die Luft und das Wasser waren noch nicht mit Giften der Industrie belastet.

Eigentlich schon. Vielfach war das Wasser verunreinigt und in der nähe von Gerberei und generell in vielen Städten muss es der Horror gewesen sein, da Leben auf engen Raum, der Unrat, der Gestank und auch nicht zuletzt auch die Belastung durch Rauchentwicklung.
Die Tierhaltung hat zu vielen Seuchen geführt, die ohne Lösung ertragen werden mussten, wobei die "Industrie", war schon damals skrupellos, weil man Tiere wieder besseren Gewissens, ja so viel wussten sie doch, beispielsweise auch bei Verdacht auf Milzbrand genutzt hat, viele Flüsse und Bäche waren verunreinigt, durch Wäsche und noch viel schlimmeres, ganze Stadtteile sind krank geworden, weil man einen Friedhof zu nahe an die Behausungen gebaut hat usw.
Wie hat der Mensch es denn überhaupt geschafft, dieses dunkle Zeitalter hinter sich zu lassen und das Dasein als marodierender Wikinger-Krieger zu überwinden?

Gar nicht, wird er auch nie. Krieg gehört zur Menschheit, heute zahlt er sich nur selten aus und wird auf andere Art geführt.
Der Erfolg und Handlungsfähigkeit Europas und Teilen von Asien und unser heutiger relativer Wohlstand setzt sich aus der Tatsache zusammen, dass Wir die skrupellosesten waren, die aggressivsten und die mit der schlagkräftigsten Truppe und Kampferprobt durch den dauernden Krieg untereinander. Die mit den meisten Krankheiten aber auch den besten Abwehrkräften sind Wir, ergo Eurasien auch - der Lohn der schlimmsten Seuchen, die Wir überstanden haben aber auch der Tatsache, dass Wir die Gene anderer Arten ihn uns tragen. Unser Erfolg war auch die lebende Biowaffe Europäer. .
Was früher Krieg und Raub war, ist heute Raubtierkapitalismus und der ist keine neue Erfindungen sondern 100terte Jahre, teilweise mit Unterbrechung auch noch älter zu sehen. Warum? Weil es effektiv ist. Und genug Leute wissen es auch noch - sind die Leute, die Erfolg haben.
Aggressivität und Schlagkraft sind auch außerhalb der Menschheit der entscheidende Faktor, die größte und damit erfolgreichste, jemals entdeckte Schimpansengruppe, ist auch die brutalste jemals entdeckte - Genozid an der eigenen Art, äußerst brutale Angriffe, Krieg an mehreren Fronten, mit dem Ziel das eigene Gebiet und damit Nahrung/Ressourcen, dass aufgrund der großen Erfolgs zu wenig geworden ist, zu erweitern, so massive Jäger, dass sie ganze Affenarten in ihrem Gebiet an den Rand der Ausrottung gebracht haben - klingt nach menschlichen Zügen.
Es gibt nur zwei Wege der Sieger zu sein, entweder man ist klüger (deswegen essen Wir gerne tierische Nahrung = Hirnwachstum) oder man ist schlagkräftiger. Wobei Intelligenz und gute Einstellung nichts hilft, wenn man den Aggressor nicht aufhalten kann, dann gehen schon mal große Kulturen unter.
Ergo ein Kreislauf ...... und einen Kompromiss zu finden ohne über Andere drüber zu steigen, die Quadratur des Kreises ..... glücklich sind die, die so leben dürfen.

Die Wikinger waren clever und brutal und deswegen waren sie so erfolgreich. Wer glaubt sie wären einfach so verschwunden und ihre Nachfahren seien nur Skandinavier oder was man heute drunter versteht, der kennt keine Geschichte.
Sie haben sich sehr gut angesiedelt, sich gut integriert, wo sie nicht gewinnen konnten und Netzwerke aller Art gegründet.
Und es steht recht außer Frage, wo der moderne Kapitalismus (immer noch effektivste Wirtschaftsform) etwas später erfunden wurde ......
Das Mittelalter, und somit das Zeitalter der Wikinger, war nach allen Maßstäben eine absolut furchtbare Epoche. Es war eine Welt, in der sich Kirche, Adel und das Fußvolk einen ständigen blutigen Krieg lieferten. Wer nicht vorher an einer tödlichen Krankheit verstorben ist, musste sich damit abfinden, als Leibeigener geknechtet oder von wilden Horden überfallen, versklavt, vergewaltigt oder getötet zu werden. In diesem dunklen Zeitalter hatte die Wissenschaft, die Kunst, die Kultur kaum einen Platz. Dieses Zeitalter war sogar so finster, dass man sich heute berechtigterweise die Frage stellen muss: Was hat die Menschen vergangener Zeiten eigentlich dazu getrieben, weiter zu leben und nicht kollektiv von der Klippe zu springen? Was hat sie überhaupt in ihrem Tun motiviert?

Ich glaube die Menschen hatten damals einen anderen Zugang. Krieg hat heute eine andere Wertung. Und die generelle Lebenssituation/Zufriedenheit muss man immer am Umfeld messen. Und furchtbar? Damals ging es schon wieder bergauf, zwar mit Rückschlägen aber doch, die Völkerwanderung zuvor und die Kleinkriege die darauf folgen, samt Warlords, die später Fürsten und Könige wurden, wurde wohl schlimmer wahrgenommen, weil nämlich Jahrhunderte alles, was geschaffen wurde, den Bach runter ging. Kann man sich gar nicht vorstellen, wäre, wie man heute die Industrie lahm legt, die Versorgung, die Medizin usw.. Geht es abwärts, dann fühlt man sich schlecht, zum Zeitalter der Wikinger stabilisiert sich Europa aber schon weitgehend und mit zu dem Zeitpunkt wo die Geschichte des Anime spielt ist ihr aggressives Verhalten zwar auf dem Höhepunkt, doch auch schon fast wieder vorbei (je nachdem, wie man es sieht), klar wird man in Europa noch auf ewige Zeiten Kriege führen, doch Strukturen entstehen, Recht und Gesetz existiert. Und Lebensmut hatte man mit Sicherheit, außer es gab mal wieder einen Klimawandel und man hatte nix zu essen oder eine Seuche am Hals (das Frühmittelalter war aber nicht ganz so schlimm) - was der heutigen Situation komisch ähnlich zu sein scheint - Weltuntergang ist anscheinend die prägendste Vorstellung.
Genug Leute waren mehr als frei in ihrem Tun und Handeln - Krieger war halt auch eine Möglichkeit, diese Freiheit auch noch zu verbessern, indem man anderen Leuten etwas nimmt, ergo Raub, oder indem man andere Leute erschlägt, ergo Mord und dafür ebenso etwas bekommt, ob es nun Land ist oder Sold. Klingt heute brutal, war aber damals anerkannt.
Zudem war das Konzept auf kriegerische Leistungen auch stolz zu sein, total normal für die Menschen. Im übrigen ist man es in anderen Kulturen heute noch immer ....

Nicht falsch verstehen, ich liebe dieses Werk und dieses Werk ist ein Plädoyer für den Frieden, gegen Hass und Gewalt, für Verzeihen, genauso für Einigkeit und aufeinander zugehen, auch wenn man noch so unterschiedliche Ansichten (die allerdings nie lächerlich oder böse dargestellt werden) hat.
Das gilt freilich nicht nur für die visuelle Gestaltung, denn auch der gesamte geschichtliche Hintergrund ist erstaunlich akkurat gehalten: Der dänische König Sven I. hat tatsächlich zu der damaligen Zeit geherrscht, auch sein Prinz Knut ist ebenso wenig eine reine Fantasiefigur wie der Seefahrer und Entdecker Leif Eriksson.

Thorfinn Karlsefni (Erikssaga, Grönlandsaga) auch eine reale Figur. Thorkell the Tall ebenso. Knut der Große, war auch in echt ein Vertreter des Christentums, allerdings auch ein sehr guter Heerführer.
Sigvaldi Strut-Haraldsson, Sven Gabelbart usw.
So gut wie alle Figuren haben reale Vorbilder und so gut wie immer auch Bezug zu den echten Figuren, bzw. wenn nicht, wie bei Askeladd (Ashlad) dann haben sie Sagen, meistens nordisch und dergleichen als Ausgangspunkt.
Alles in der Vorlage hat Bezug und es ist der große Verdienst des Mangakas, seines Zeichen einer der besten seiner Zunft, was Zeichnung UND Story angeht, dass Wir es genießen können.
Auch der Name des Werkes, Vinland Saga(s), ist ebenso eine historische Überlieferung.

Doch bereits an Nebenfiguren wie Thorfinns Schwester Ylva, die im Anime lediglich in den ersten Folgen auftritt, zeigt sich exemplarisch dieses emotionale Fingerspitzengefühl, das in dieser Form normalerweise vielleicht bestenfalls in einem hunderte Seiten starken Roman zu erwarten gewesen wäre. Ylva ist eine selbstbewusste, starke junge Frauenfigur, die bei jeder Arbeit im Dorf kräftig mit anpackt und die jede Avance ihrer vielen männlichen Verehrer brüsk an sich abprallen lässt. Als sie vom Tod ihres Vaters erfährt, reagiert sie ähnlich unbekümmert und stürzt sich geradezu in die zusätzliche Arbeit. Spät am Abend, während sie noch die Schafswolle gewebt hat, spricht ihre Mutter schließlich nur ein einziges Wort: daijoubu, 大丈夫. Alles ist gut. Ylvas Tränenausbruch, ihre Frage, warum sie gerade jetzt weinen muss, und ihre innige Umarmung sorgen ohne ein einziges Wort für einen wunderbar berührenden Moment, der gerade durch seine Einfachheit und die Abwesenheit von selbst der kleinsten Spur Kitsch ungeheuer ergreifend wirkt.
Exakt. Makoto Yukimura in Aktion, es ist ein hochwertiger Roman in Mangaform. Einer dieser Mangaka, der auch als Schriftsteller Erfolg haben würde. Ylva, eine meiner absoluten Lieblingsfiguren, ist das perfekte Beispiel, wie man eine starke Frau zeichnet, in übrigen bei weiten nicht die einzige im Manga/Anime, ohne sie unrealistisch oder aufgesetzt wirken zu lassen. Sie ist ohne Zweifel die Tochter von Thors und Helga und hat ohne Zweifel die Veranlagungen geerbt, ähnlich wie Thorfinn, nur etwas anders verteilt. Und man versteht wie sie zu dieser Frau wird, sie hat schon früh viele Aufgaben zu übernehmen, weil Helga aufgrund ihrer Gesundheit eher weniger übernehmen kann und muss es umso mehr, nachdem Thors und Thorfinn nicht mehr da sind, solche Punkte sind es einfach .....


Und über Allen thront der noch bessere Manga und dessen Schöpfer. Genie nenne ich ungern Leute, doch hier trifft es zu, wer schon vorher, bei Planets Preise abräumt, einen kompletten Anime bekommt, alles zurecht und danach einfach noch mal in jeder Hinsicht nachlegen kann, der ist wohl von Gott geküsst worden.

Das gigantische an der ganzen Sache ist die Tatsache, dass Makoto Yukimura schon vor über 10 Jahren genau den aktuellen Teil der Geschichte im Manga geplant haben muss, weil der Manga setzt seit Anfang zum Teil Punkte, die erst Jahre (oder ein Jahrzehnt) später zum Tragen kommen und so eine Verbindung über den gesamten Manga herstellen. Was diesen Manga Gelinde gesagt über andere Manga hinauswachsen lässt. Ist der Zeichenstil des Mangakas und nicht zu vergessen, der seines Teams nicht schon perfekt genug und wurde dazu noch besser und besser und besser (was schon selten genug ist, weil viel häufiger die anstrengende Arbeit über Jahre ihren Tribut zollt), so sind es Story und die Figuren, was für Figuren, andere Mangakas und Schriftsteller würden für einzelne davon töten, die Details, das Worldbuilding, die diesen Manga einfach zu einem Hammerwerk machen ......
Makoto Yukimura ist eigentlich schon jetzt einer der größten Mangaka aller Zeiten, einfach weil er wie selten ein anderer Mangaka so gut zeichnen, wie schreiben kann. Und nicht zu vergessen, ohne Einbrüche ...... grade diesen Punkt können nicht viele für sich in Anspruch nehmen.
Makoto Yukimura hat seit seinem Debüt kaum Pausen und doch schon zwei preisgekrönte, erfolgreiche (und als Anime umgesetzte) Manga aus seinem Konto, er hat faktisch mit einem großen Erfolg gestartet und diesen Erfolg nun auch noch massiv übertroffen und meiner Meinung nach hat er auch massiv Manga in seiner Sparte beeinflusst. Alles was nach Vinland gekommen ist, wird Vinland nicht entgangen sein, wie auch.
Vinland Saga ist ein Manga, der zeigt was ein Manga sein kann - eine unglaublich lange und durchdachte, durchgehende Story über Jahrzehnte gemixt mit Godlike Optik.

Und Yukimura wäre nicht er, wenn er nicht wüsste, wann er aufhören muss und genauso, wie lange ein gutes Ende brauchen wird. Alleine dafür gebührt Respekt, weil es eben um einen Manga geht, der schon lange läuft und ich hab es leider nur zu oft erlebt, wie schwach und überhastet viele dieser Manga geendet haben.
Wenn es so ablaufen wird, wie ich es vermute (ergo nahe an der realen Geschichte, bzw. den Überlieferung), dann passt die ungefähre Anzahl der verbleibenden Kapitel auch perfekt.

Ich bin nicht traurig, dass es enden wird, warum auch, wenn ich mir schon jetzt sicher bin, wie gut das Gesamtwerk des Mangas damit am Ende dastehen wird. Und die angekündigten 50 Kapitel sind ja gut 4 Jahre, ergo gibt es genug Zeit zum Abschied - auch so ein Punkt, er teilt schon Jahre zuvor mit, wann er es beendet, auch nicht normal in der Branche.


Und doch ist der Anime eine der besten Umsetzungen, der letzten Jahre, Wit und I.G. spielen hier aus, dass sie solche Storys erzählen können, haben aber auch schon aus Fehlern gelernt und den mit viel Behutsamkeit adaptiert, was hier heißt, ja nicht die Story und die Figuren angreifen, es geht einfach nicht besser. Genauso schaffen sie die Punkte wie die Details des Manga einzufangen, die viele Studios wohl gescheut hätten, was aber bei I.G. die schon immer gerne Hintergründen, Umgebung usw. und damit Atmosphäre Liebe geschenkt haben, nicht in Frage gekommen sein wird:)
Weiter nutzt Wit und I.G. hier zum ersten mal so massiv Bewegungsanimation aus dem Rechner - was bei den ersten Trailer noch furchtbar aussah, was fertig (und damit super nice) aber auch zeigt, wie Studios wie Ufotable ihren Ruf gefestigt haben. Faktisch wird hier eine fertige CGI Figur, samt Bewegung, komplett nach bearbeitet und überzeichnet, besser kann ich es nicht erklären. Und ja mit CGI sind schon sehr viele Möglichkeiten verbunden, was Bewegungsanimation angeht, vor allem was durchgehend die Produktion angeht, Sakuka ist schön und gut und meiner Meinung wird es immer besser sein, wie das aufpolierte und damit nicht als CGI zu erkennende Zeug, doch einen ganzen Anime kann man nicht von einem Masahiro Sato oder einem Arifumi Imai fertigen lassen ..... und nicht immer haben die Zeit.
Wenn man die größte Quali haben möchte, dann würde man vermutlich noch heute Cel nutzen, faktisch gibt es eigene Programme, die nur dazu dienen, Optik wie Cel aussehen zu lassen ..... führt aber zu weit. Auf DGA, den besten Mix aus Digital und Cel, wie 95 bei GitS hätte ich trotzdem noch mal Lust .... man kann ja träumen:)
Die kleinen nicht so aufwendig bearbeiten CGI Parts, die im Anime hauptsächlich genutzt werden um große Gruppen darzustellen, muss man als das sehen, was sie sind - Kosten und Aufwand Ersparnis, die das Ergebnis nur minimal trübt. Der 2 Season Anime muss sich finanzieren lassen und bei den vielen Details, war es auch so eine Heidenarbeit, da bin ich mir sicher.


Live is good
Sniperace
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