• Seite:
  • 1

THEMA: Summer Wars

Summer Wars 6 Monate 2 Wochen her #833368

  • MrSalomon
  • MrSalomons Avatar Autor
  • Redakteur
  • Redakteur
  • Beiträge: 92
  • Dank erhalten: 315
Einer meiner ersten Gedanken, als ich Redakteur auf Proxer wurde? Na toll, noch ein Account mit Zugangsdaten, der plötzlich super wichtig geworden ist und auf den ich penibel aufpassen muss. Sind ja schließlich jetzt Berechtigungen drauf, die ein normaler User nicht hat. Als ob ich nicht schon genügend Accounts hätte. Bei meiner letzten Zählung kam ich auf sage und schreibe neun verschiedene Mail-Adressen, jede für ihren ganz eigenen Bedarf. Und Bedarf existiert reichlich, das kann ich euch sagen. Da sind die Hochschule und die Arbeit, der Sportverein und die Bibliothek, Streamingseiten, Onlinegames und soziale Netzwerke. Überall hat man inzwischen einen Account, kaum etwas funktioniert ohne eine Online-Anmeldung. Sogar in Deutschland, dem Land des hochgeschätzten Bargeldes, wird privates Onlinebanking immer beliebter, was die Wichtigkeit von Passwörtern und Verschlüsselungen noch weiter in die Höhe treibt. Wie einfach und komfortabel wäre es, das alles unter einen einzigen Hut zu bekommen? Einfach jede online stattfindende Aktivität, sei es die abendliche Runde LoL, den Film auf Netflix oder die Überweisung der monatlichen Miete, mit einem einzigen Account abwickeln. Ein Account für alles, mit einem Benutzernamen und einem Passwort. Und Mail-Adressen? Ach was, dieses Benutzerkonto erledigt das gleich mit, also vergiss die ganzen Mail-Adressen. In Summer Wars ist genau diese Vorstellung Realität. In Summer Wars leben die Menschen voll und ganz nach diesem Prinzip. In Summer Wars können wir aber auch sehen, was passiert, wenn dieses System zusammenbricht. Stell dir vor, jeder hat nur noch einen Account für einfach alles. Und dann stell dir vor, jemand schnappt sich deinen Account und kann damit machen, was ihm gefällt. Autsch.


Nach solch einer bedeutungsschwangeren Einleitung fragt ihr euch doch bestimmt, von was der Film des Regisseurs Mamoru Hosoda sonst noch so handelt. Die insgesamt 114 Minuten Laufzeit stellen unter anderem den Schüler Kenji in das Zentrum des Geschehens. Ein kleines Mathegenie, welches sein Taschengeld als Systemadministrator für OZ etwas aufstockt. Was OZ ist? OZ ist diese eine, große, allumfassende Onlineplattform, über welche ich in der Einleitung vor mich hin philosophiert habe. Zu Beginn der Sommerferien wird Kenji von der hübschen Mitschülerin Natsuki zu einem gänzlich anderen Nebenjob eingeladen. Gut für sie, dass er eine gewisse Schwäche für sie zu hegen scheint und diese Einladung mit Freuden annimmt. Zusammen reisen sie hinaus aufs Land, wo Kenji Natsukis Familie bei der Ausrichtung einer großen Feierlichkeit unterstützen soll. Zumindest wurde ihm das so erklärt. Welche Pläne Natsuki in Wirklichkeit mit ihm hat, behalte ich an dieser Stelle einfach mal ganz frech für mich. Was eine schöne, romantische und audiovisuell ansprechende Komödie zu werden scheint, erlebt einen ordentlichen Plot Twist, als ein unbekannter Hacker genau das tut, was ich längst angekündigt habe: Er reist sich OZ-Accounts unter den Nagel. Mit diesen Accounts hat er die Kontrolle über einfach alles und verbreitet dadurch ein ordentliches Chaos, indem er beispielsweise Kommunikationsnetzwerke und die Verkehrsregelung lahmlegt. Und als wäre das noch nicht genug, scheint Kenji auch noch mitverantwortlich für diese Misere zu sein?! Da ist doch was faul, oder? Nicht nur um seinen Namen wieder reinzuwaschen, sondern auch immer mehr aus Pflichtgefühl gegenüber den geschädigten Menschen, versucht Kenji sein Bestes, dem Schurken das Handwerk zu legen. Unterstützt wird er dabei von Natsuki und ihrer Familie, die einiges zu bieten hat.


Ebenfalls einiges zu bieten, das traue ich mich hier mal so offen zu sagen, hat dieser Film. Und zwar ganz besonders, wenn es um eine bestimmte Eigenschaft, um einen bestimmten Aspekt geht. Ich meine das Zusammenspiel verschiedener Komponenten des Films. Das Zusammenspiel der Charaktere untereinander, das Zusammenspiel der realen und der virtuellen Welt, das Zusammenspiel zweier verschiedener Genres.

Fangen wir dabei beim vermeintlich größten Aspekt an, dem Genre des Films. Oder besser gesagt: den zwei Genres, die hier wunderbar Hand in Hand gehen. Wobei ich sagen muss, dass der Begriff Genre vielleicht zu spezifisch ist für das, was ich genau ausdrücken will. Wir haben hier auf der einen Seite ein turbulentes Familienleben, mit einer großen Anzahl an verschiedenen Aspekten. Lustig, charmant, ernst und durch diese Facettenvielfalt vor allem glaubwürdig. Kenji wird unvorbereitet in Natsukis Familie geschubst und muss sich hier behaupten. Neben dieser für sich genommen schon vielversprechenden Geschichte, springen wir immer mehr in Richtung eines richtigen Actionfilmes, wo innerhalb von OZ, innerhalb einer virtuellen Welt, spannende und dynamische Kämpfe stattfinden, welche zunehmend an Tragweite gewinnen. Der Wechsel zwischen den beiden Stimmungen, mal ernst und mal komisch, gelingt wunderbar. Auch in den ernsteren Momenten sind die vermeintlich humoristischen Stellen nie unpassend oder nehmen der Situation ihre Ernsthaftigkeit. Tatsächlich empfinde ich diese locker leichten Phasen des Animes sogar als die besten Stellen überhaupt.

Einen anderen Punkt habe ich eben bereits angeschnitten, die Familie und überhaupt alle Charaktere. Glaubwürdig ist dabei das Wort, welches ich hier unterstreichen will. Dieser Onkel, der ständig seine alten Geschichten erzählt; der stets genervte Junge, den keiner versteht; der Cousin, welcher leider keine Zeit hat, weil er einen sportlichen Wettkampf bestreiten muss und die Tante, welche nicht vom Fernseher wegzubekommen ist, da sie genau jenen Wettkampf mit gedrückten Daumen verfolgt. Mit einer großen Anzahl an Charakteren wird das Bild einer Familie gemalt, wie man es kennt und liebt. Oder hasst, falls man nicht sonderlich gut auf seine Familie zu sprechen ist. Aber die Authentizität dieser Darstellung ist unbestreitbar, obwohl die Geschichte in eine absolute Extremsituation hineindriftet. Kenji findet sich unerwartet in einer solchen Familie wieder und versucht sich dort zu beweisen und einzubringen. Speziell seine Verbindung zu Natsuki wird hier nie völlig vergessen und baut sich langsam auf, gerät aber auch nie in einen besonders großen Fokus. Die sich langsam anbahnende Beziehung ist eine nette Nebengeschichte, welche vor allem am Anfang und am Ende des Films, also außerhalb der großen Höhepunkte, ihren Lauf nimmt. Ansonsten agiert Kenji zunehmend mit den männlichen Mitgliedern der Familie, mit deren Möglichkeiten er alles versucht, die internationale Affäre um den Accountdiebstahl zu stemmen. Während die weiblichen Mitglieder der Familie weniger internationale Krisen bekämpfen, sondern sich mit ganz anderen Problemen familiärer und privater Natur herumschlagen müssen. Aber das Ganze nicht in zwei streng getrennten Erzählsträngen dargelegt, sondern verstrickt und verschlungen, was ein wunderbares Gesamtbild erzeugt.


Ein Thema, welches schon direkt Touzai-verdächtig ist, wäre das Zusammenspiel der zwei unterschiedlichen Welten, die in Summer Wars thematisiert werden. Das digitale Universum von OZ und die reale Welt. Zwei Welten, die sich auf interessante Art und Weise sowohl miteinander vermischen als auch deutlich voneinander abgrenzen. Ich beginne an dieser Stelle mit den klaren Unterschieden, welche schon in der ersten Szene ins Auge springen. OZ wurde mithilfe von CGI-Animationen realisiert. Der gesamte Stil weicht stark von dem ab, was man im Rest des Filmes vorfindet. Hosoda, auf den neben der Regie auch gleich die ganze Story von Summer Wars zurückzuführen ist, ließ sich bei der Gestaltung von OZ vor allem von Nintendo und auch vom Künstler Takashi Murakami inspirieren. Zum Ziel nahm er sich, einen künstlichen und surrealen Raum zu erschaffen, der doch zugleich bei den Zuschauern Anklang findet, die sich in der Welt der sozialen Medien bewegen. Außerhalb dieser schick anzusehenden CGI-Welt befinden wir uns in einer sehr ländlichen Gegend auf einem riesigen Anwesen, ständig umgeben von der lebhaften Familie mit ihren Streitereien, Späßen und umhertollenden Kindern. Warme Farben dominieren hier das Bild und verbreiten eine gemütliche Atmosphäre, unabhängig von der Ernsthaftigkeit der jeweiligen Situation. Der Soundtrack (komplett hier zu finden) unterstützt treffend diesen ganzen Aufbau. In der Welt von OZ stechen prägnante Beats hervor, die besonders in actiongeladenen Kampfszenen voll in Fahrt kommen. Ist die reale Welt im Bild, wird über einen großen Teil der Laufzeit auf Musik verzichtet und nur in wenigen Momenten eingesetzt, um bestimmte Stimmungen hervorzuheben oder einfach nur angenehm im Hintergrund zu plätschern. Aber meistens sind es die natürlichen Geräusche der Umgebung, die hier zu hören sind. „Natürliche Geräusche“, die in einer völlig unnatürlichen Welt offensichtlich fehlen, wo der Beat kaum abbricht.


Aber wo finden wir denn genau die erwähnte Vermischung, nach diesen vorrangig audiovisuell herausgearbeiteten Unterschieden zwischen den Welten? Nun, auch das ist ein Punkt, der einmal mehr von den Charakteren getragen wird. Wie sieht es denn auf einem kleinen Handybildschirm aus, wenn ich mich irgendwo einlogge? Egal um was genau es geht, der Handybildschirm gibt mir klare Grenzen vor. Und so auch in Summer Wars, man sieht auf den Bildschirmen nur einfachste Animationen und rudimentäre Benutzeroberflächen. Aber sehr oft sieht man als Zuschauer diese Bildschirme nicht. Wir schauen nicht von außerhalb auf die Welt von OZ, wir befinden uns mittendrin. Als würden sich alle Charaktere in einer technisch ausgereiften, virtuellen Realität befinden, mit der übernächsten Version der Occulus Rift auf dem Kopf, bewegen sie sich frei und ungezügelt durch OZ, immer in der Gestalt ihres selbst erstellten Avatars. Und gerade durch die Schnitte zwischen den Szenen in und denen außerhalb von OZ verschwimmen die Grenzen zwischen diesen Welten völlig. Wenn der Held mit Schmerzen und zähneknirschend in einem Haufen von Trümmern liegt und sich langsam wieder aufrappelt, während der tatsächliche Mensch schweißüberströmt und mit aufgerissenen Augen in die Tasten hämmert, wo genau zieht man dann die Grenze? Dank dieses Arrangements der zwei Settings entstehen emotional stark aufgeladene Szenen, die man am Anfang des Filmes kaum erwarten dürfte, mich aber absolut abholen konnten. Im Studio Madhouse entstanden hier zwei völlig unterschiedliche Welten, die am Ende in einen Kochtopf geworfen wurden, mit Hosoda als Küchenchef.


Schlagen wir eine kleine Brücke zur Einleitung. Dein gesamtes Leben über ein einziges Konto zu verwalten birgt offensichtliche Risiken, das zu erkennen ist kein Hexenwerk und dafür musst du auch Summer Wars nicht gesehen haben. Trotzdem stößt der Film zum Nachdenken an und macht ohne aufdringlich zu sein auf das immer größer werdende Problem des Datenklaus aufmerksam. Abseits von dieser speziellen Thematik und etwas differenzierter betrachtet, haben wir hier einen schönen Anime, mit sowohl gemächlichen als auch rasanten Phasen und einer teilweise etwas abgefahrenen Geschichte, die doch nie zu sehr ins Unrealistische abdriftet. Dass ich eigentlich nur Gutes zu berichten habe, das dürfte inzwischen längst klargeworden sein. Aber macht euch selbst ein Bild, denn in Sachen Genre gibt es hier für niemanden ein wirkliches Hindernis, egal welche Richtung man normalerweise priorisiert.

Dem Leser noch einen wunderschönen Tag
MrSalomon
Letzte Änderung: 6 Monate 1 Woche her von Tazzels.

Summer Wars 6 Monate 1 Woche her #833433

  • Serynasan
  • Serynasans Avatar
  • Nichtskönner
  • Nichtskönner
  • Beiträge: 1
  • Dank erhalten: 0
Einer meiner absoluten Liebslings Anime !!!
Vielen Dank für diese sehr ausführliche und liebevolle Vorstellung :)
Ich hoffe, dass sich nun noch viele mehr den Film ansehen ;)

Summer Wars 6 Monate 1 Woche her #833436

  • Mecc
  • Meccs Avatar
  • Nichtskönner
  • Nichtskönner
  • Beiträge: 1
  • Dank erhalten: 0
Ein wundervolles Werk, was definitiv seine Beachtung verdient, und mich genauso zu verzaubern vermochte, wie meine geliebten Gibli-Filme.
Eine passende und würdigende Rezension für ein Meisterwerk!

Summer Wars 6 Monate 1 Woche her #833452

  • Romanchikku
  • Romanchikkus Avatar
  • Nachwuchsspammer
  • Nachwuchsspammer
  • Spice & Wolf
  • Beiträge: 165
  • Dank erhalten: 36
Oh Ich hab den in meiner Kindheit richtig gefeiert.
Das waren noch Zeiten~ :D

Danke für die Rezension :D
Holo & Lawrence <3

Summer Wars 6 Monate 1 Woche her #833498

  • resawq
  • resawqs Avatar
  • Nichtskönner
  • Nichtskönner
  • Beiträge: 1
  • Dank erhalten: 0
EHHHHHHHHHHHHHHHHHHH Der Film war echt shit tho.Flache Chars,yikes motive,yikes physiks yikes plot.
  • Seite:
  • 1
Moderatoren: LaynaForummodKniveskinehYuriko.FauliRocktTazzels
Powered by Kunena Forum