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THEMA: Gantz: O

Gantz: O 2 Wochen 9 Stunden her #832184

  • MrSalomon
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Ich kann mich nur noch ganz vage daran erinnern, wie ich vor einigen Jahren zum ersten Mal einen CGI-Anime gesehen habe. Keine Ahnung, was das war und um was es ging, habe nur einige wenige Minuten davon gesehen. Tatsächlich kann ich mich nicht mal daran erinnern, ob es im Fernsehen oder im Internet war. Es war ein höchst ungewöhnlicher Anblick, für meine 2D-angepassten Augen und irgendwie habe ich dann diese ganze Thematik um CGI-Animes über die folgenden Jahre hinweg auch weitestgehend umgangen, vielleicht mal abgesehen von Final Fantasy VII. Erst in letzter Zeit fange ich verstärkt an, mich für diese, inzwischen gar nicht mal mehr so neue, Art der Animation zu interessieren. Dabei fällt mir eine Sache ganz besonders auf. Es kann durchaus vorkommen, dass ein CGI-Werk für seine Technik gelobt wird. Sätze wie „sieht ja gar nicht so schlecht aus” oder „endlich mal ein Studio, welches sich Mühe gegeben hat“, liest man doch recht häufig. Aber dabei geht es doch immer nur darum, dass eine anfänglich ganz niedrige Erwartungshaltung übertroffen wurde, was die geringe Wertschätzung für diese moderne Animationstechnik nur noch unterstreicht. Noch nie konnte ich lesen oder hören „wäre dieser Anime bloß in CGI“ oder „zum Glück wurde diese Serie nicht in 2D umgesetzt“. Also, liebe Leserschaft, aufgepasst. Ich bringe jetzt die absolute Weltpremiere. Und da bekanntlich alle namhaften Produzenten ganz gespannt an meinen Lippen hängen, macht mich ruhig dafür verantwortlich, in Zukunft nur noch CGI zu bekommen. „Ich bin ganz froh, dass der Film Gantz: O mittels CGI umgesetzt wurde!“


Ganz schön weitschweifige Einleitung, für so einen vermeintlich stumpfen 90-Minuten-Film. Was die Story dieses Anime-Films angeht, war ich eine Weile am Überlegen, wie sehr ich mich hier in den Hintergrunddetails verlieren will und darf. Ich werde versuchen, die grundlegendsten Regeln von Gantz ganz kurz herunterzubrechen. Wenn Menschen sterben, besteht eine ganz geringe Chance, dass sie direkt nach ihrem Tod scheinbar unverletzt in einen fast leeren Raum teleportiert werden. In diesem Raum befindet sich eine kleine Anzahl an Leidensgenossen, die das gleiche Erlebnis hinter sich haben. Außerdem steht im Zentrum des Raumes eine große, schwarze Kugel, welche ganz simpel Gantz genannt wird. Von dieser Kugel kommen Anweisungen, was die versammelte Gruppe tun muss. In fast ausnahmslos jedem Fall handelt es sich darum, Außerirdische zu töten, die auf der Erde ihr Unwesen treiben. Solche Missionen kommen in ganz unregelmäßigen Abständen immer wieder. Einmal dabei, kann man sich nur auf einem Weg aus diesem Kreislauf befreien. Durch das erfolgreiche Töten von Aliens erhält man Punkte, welche sich als ganz nützlich erweisen können. Mit 100 Punkten hat man die Wahl zwischen drei Optionen. Nr.1: befreie dich aus diesem Teufelskreis und führe ein normales Leben. Nr.2: erhalte eine PowerUp in Form einer ganz neuen und stärkeren Waffe. Oder Nr.3: du kannst einen gefallenen Kameraden wiederbeleben, welcher während den Missionen ums Leben kam. So viel zur Hintergrundgeschichte, die dem Zuschauer zwar erklärt wird, aber speziell für die Handlung des Films nur eine ganz untergeordnete Rolle spielt. Kato, unser unglücklicherweise verstorbener Protagonist, wird nach einer ganz schön üblen Messerattacke in den Raum teleportiert und nach und nach mit den eben erklärten Regeln konfrontiert. Während er noch die vielen Eindrücke verdaut, werden er und seine drei etwas erfahreneren Mitstreiter, zusammen bilden sie das Tokyo-Team, nach Osaka geschickt. Dort sollen sie, gemeinsam mit dem zahlenmäßig ganz schön überlegeneren Osaka-Team, gegen die aufgetauchten Aliens kämpfen. Auf die ja eigentlich wirklich spannende Hintergrundgeschichte, welche den ganz erfolgreichen Manga Gantz von Hiroya Oku adaptiert, wird im Laufe dieses Streifens kaum eingegangen. Grundsätzlich lässt sich mit dem folgenden Satz alles zusammenfassen, was wirklich wichtig ist: Kato stirbt, wird wiederbelebt und muss in Osaka gegen eine große Horde an Monstern kämpfen. Fertig, das ist der Film. Rezension erledigt.


Oder doch nicht? Na gut, wenn ihr mich schon so nett darum bittet (ich gehe einfach davon aus, dass ihr das tut) schauen wir uns das doch etwas genauer an. Oh, schau mal, ein Arm! Und da, ein Bein! Ja sowas, wer hat denn da seinen Torso liegen lassen? Ah, so ganz genau sollte man vielleicht doch nicht hinsehen, die Anzahl an in der Gegend herumfliegenden Gliedmaßen könnte sonst abschreckend wirken. Ja, Blut und Brutalität spielen hier eine ganz tragende Rolle. Dabei bedient diese Brutalität gleich zwei, ganz unterschiedliche Aspekte. Zum einen geht es einfach darum, dem Zuschauer ein krasses Action-Spektakel zu bieten, das lässt sich nicht von der Hand weisen. Blutige Kämpfe, zerfetzte Körper und eine gigantische Schar an verschiedensten Monstrositäten, die sich über eine wehrlose Stadt hermachen, das hat schon seinen Reiz. Zwischendurch auch mal eine Gruppe von eher weniger sanftmütigen Menschen, die sich über eine Horde von wehrlosen Monstrositäten hermachen, einfach um die Abwechslung im Film zu gewährleisten. Wie bereits angesprochen, erfüllt diese hemmungslose Gewalt aber auch noch einen ganz anderen Zweck, sie schlägt eine Brücke zur Moral unserer Charaktere. Ganz nach dem Vorbild der (meiner Meinung nach absolut genialen) Manga-Vorlage versucht die erste Hälfte des Films vor allem unseren Protagonisten immer wieder auf die Probe zu stellen. Was ist moralisch korrekt? Welches Verhalten ist in so einer Extremsituation normal? Sollte ich wirklich mein Leben riskieren, um völlig fremde Menschen zu retten? Dieser moralische Gesichtspunkt tritt zwischendurch ganz schön stark in den Vordergrund, schafft es aber irgendwie nicht so ganz zu greifen. Dafür sind einem die Figuren einfach nicht wichtig genug, die Geschichte zu abgedreht und die Handlung auf einem zu wackeligen Fundament. Auch hierfür muss ich nochmal den Manga erwähnen, um den kommt man bei Gantz: O nicht ganz drum herum. Wo die Vorlage über hunderte von Kapiteln langsam eine Welt aufbaut und zahlreiche Nebencharaktere einführt, greift die Adaption sich eine einzige Mission im Zentrum der Handlung heraus, streicht zahlreiche Personen aus dem Drehbuch und entschlackt die ganze Handlung, um sie in einem Solo-Film vernünftig erzählen zu können. Stellt euch vor, es würde zu Dragonball keine Serie geben. Oder zumindest nur den Teil mit Son Goku als Kind. Abgesehen davon nur einen mittelmäßig bekannten Manga. Und dann noch diese eine Kino-Umsetzung, bei der eine Gruppe von Super-Saiyajin gegen Cell kämpft. Könnte den ein oder anderen Zuschauer doch ein ganz klein wenig überfordern, oder? Mit ganz ähnlichen Problemen hat Gantz: O zu kämpfen.


Trotz Kürzung in Sachen Personal, finden sich aber doch noch immer eine ganze Ansammlung an unterschiedlichen Teilnehmern in diesem Gladiatorenkampf zwischen Menschen und Monstern. Zwar habe ich bereits erwähnt, dass all diese Figuren selbst für den aufmerksamsten Zuschauer in der Bedeutungslosigkeit versinken, aber zumindest einen ganz praktischen Zweck können sie erfüllen. Und zwar die Hervorhebung der Andersartigkeit und Besonderheit Katos, dem großen Helden der Geschichte, den wir während der ganzen Laufzeit verfolgen. Seine naive und fürsorgliche Art sticht zwischen all diesen abgehärteten und teilweise auch ganz schön gestörten Kämpfern ganz stark heraus. Immer und überall von der absoluten Richtigkeit und Notwendigkeit seines Handelns überzeugt, ist er sowas wie der strahlende Stern der Moral, in all dem Blut und der Unbarmherzigkeit. Während andere ihn dafür auslachen, dass er tatsächlich fremden Menschen helfen will, stellt er doch gleichzeitig die einzige Figur dar, mit welcher sich das Publikum vor dem Bildschirm identifizieren will.


Nach dem ganzen Gemecker nun aber mal was äußerst positives: die pure Action. Begleitet von einem ganz tiefen und dumpfen Soundtrack, ich bin persönlich ein Fan von der einsetzenden Trommel, entwickelt sich der Streifen immer mehr zu einem spannungsgeladenen Kampf ums nackte Überleben, der keine Gnade kennt. Gerade die zweite Hälfte des Films dreht sich fast ausschließlich um den ganz großen Bossfight gegen einen übermäßigen Obermacker von einem Alien. Und wenn sich dieses Ding, bescheiden wie es ist, einfach mal als Gott bezeichnet, darf man es schon als Obermacker ansehen. In diesem wilden Gewusel unterschiedlichster Außerirdischer, hat er selbst die verrücktesten Formen und Metamorphosen parat und über mehr als eine halbe Stunde heißt die Devise: wie zur Hölle tötet man dieses Ding?! Und bei all dieser Schlachterei greift meine äußerst mutige Aussage vom ersten Absatz. Das CGI kommt hier ganz super zur Geltung, das Animationsstudio Digital Frontiers hat ganze Arbeit geleistet, da beißt die Maus kein Faden ab. Ich will hier nicht von einem optischen Feuerwerk reden... aber doch, eigentlich schon. Durch die klaren Kanten und harten Kontraste in der visuellen Gestaltung kommen die einzelnen Actionsequenzen und die ganz düstere Gesamtstimmung prima zur Geltung. Da Menschen über gutes(!) CGI realitätsnäher und lebensechter dargestellt werden können, als es das üblicherweise mit 2D der Fall ist, hebt diese Machart zusätzlich auch den Horrorfaktor, den Gantz: O mit seinem Gemetzel ganz zweifellos erzielen will. Horror im Sinne von ganz exzessiver Gewaltdarstellung. Das CGI sieht dabei nicht einfach nur ganz gut aus, sondern hilft dem Zuschauer sogar, diese ganze Geschichte losgelöst von der Anime-Serie zu betrachten. Denn, so eine Überraschung, als TV-Serie wurde der Manga auch bereits adaptiert. Nur spielt diese gesamte Adaption weit vor den Geschehnissen des Kinofilms und sowohl das Finale der Serie als auch der Anfang des Films unterscheiden sich grundlegend vom Manga und haben auch selbst miteinander nichts zu tun, abgesehen von der gemeinsamen Vorlage. Wie merkwürdig wäre es da, beide Umsetzungen im gleichen Animationsstil zu sehen? Somit ist das CGI nicht nur schick anzusehen, sondern auch noch ein ganz hilfreiches Mittel zur Abgrenzung der anderen Adaptionen. Bedenkt man, dass auch viele Zeichnungen des Mangas am Computer überarbeitet wurden, um dem ganzen einen ungewöhnlichen und hoch detaillierten Look zu geben, passt die CGI-Animation sogar noch besser ins ganz große Gesamtbild. Hätte der Film im klassischen 2D-Zeichenstil den gleichen Impact gehabt? Nun, ich glaube nicht. Das CGI verleiht Gantz: O ein ganz besonderes Feeling und sorgt einfach dafür, dass man ihn ganz losgelöst vom Rest des Franchise als einfachen und spannungsgeladenen Action-Film genießen kann.


Gantz: O. Ein Action-Spektakel, um den Kopf abzuschalten. Ein Werk, welches einen schwierigen Spagat versucht, zwischen den Fans des Mangas und denjenigen, die ganz unbelastet in den Kinosälen sitzen. Ein Spagat, der nur teilweise gelingt und bei beiden potentiellen Zielgruppen ein paar Fragezeichen hinterlässt. Unterm Strich kommt es einfach nur darauf an, wie sehr du bereit bist, dich auf ein paar cineastisch gut inszenierte Blutfontänen einzulassen und dem rational denkenden Teil deines Gehirns für eineinhalb Stunden Urlaub zu gönnen.

In dem Sinne, lasst euch nicht töten und habt die 100 Punkte immer ganz fest im Blick!

Dem Leser noch einen ganz wunderschönen Tag
MrSalomon
Letzte Änderung: 1 Woche 2 Tage her von Tazzels.

Gantz: O 1 Woche 2 Tage her #832348

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Ein große Hetz, dieser Film. Ziemlich viel abgedrehte Action, genau genommen bedient es jeden vorstellbaren Wunsch, Nahkampf, Feuergefecht, Splatter, ja sogar eines der typischen Japan Themen, was ich jetzt lasse, wäre Spoiler usw.

Ein gutes Beispiel wie CGI (wenn es Manga/Anime adaptiert) auszusehen hat und kann, gleichzeitig auch gut zu sehen, wie weit Anime Serien noch davon weg sind, die Klasse von Kinofilmen, was das Thema CGI angeht, zu erreichen. Wobei gesagt sein muss, dies ist noch nicht die Spitze, es ging zu diesem Zeitpunkt sogar noch besser, was CGI angeht, was ich aber schlichtweg nicht erwarte, aus Japan. Wobei schon gesagt sein muss, es ist schon ein sehr gutes Niveau und vom ersten vollen CGI Film, bis zu diesem hier, hat sich schon verdammt viel getan .... Bewegungen sind viel weniger hackelig, vor allem sehr gut beim Laufen zu sehen, Gesichter wirken viel menschlicher usw.

Im Endeffekt ist der Film aber natürlich nur ein Leckerbissen. Viel kann man in der Zeit nicht zeigen, viel hat der Zuseher auch nicht zu erwarten. Wobei hier der Spagat gelingt, die Story und die Figuren kommen recht gut rüber, auch und gerade, wenn man keine Ahnung vom Thema Gantz hat. Es wird Alles schnell erklärt und die wichtigsten Figuren werden auch ordentlich abgehandelt, was in der kurzen Zeit und der vielen Action wirklich nicht so einfach ist.
Aber klar ..... es ist kein Gantz ...... Gantz ist auch heute noch ein wenig anders, wie es die Story erzählt, was es für Themen hat und mit was für einem Vorschlaghammer zuhaut, wie unerwartet und schnell Dinge geschehen, gleichzeitig, wie lange manche brauchen ....... Ich bin mir nicht mal sicher, ob Gantz heute noch so "gehen" würde ...... ich meine, es wurde sich schon verdammt viel getraut und verdammt viele Grenzen überschritten, grade wenn man bedenkt, wie erfolgreich Gantz war und in welchen Magazinen er damals erschienen ist und Eines ist ja sicher, offener ist die Umgebung ja nicht geworden. Gantz ist aber grade darum so interessant, einfach weil er mit Themen spielt und sie integriert, was ihn grade für ältere Leser sehr interessant macht, weil man nicht nur aufgrund der Themen zusieht, sondern auch erkennen kann, warum solche Themen genutzt wurden.
Es ist natürlich auch kein gezeichneter Manga und auch kein klassischer Anime (der zwar von Vielen gescholten wird, denn ich aber bis zu einem Punkt als sehr gelungen betrachte - auch weil das Studio kein schlechtes war und man sich, wohl auch aufgrund des noch etwas "entspannteren" Erscheinungsdatums ...... auch für einen Anime viel trauen durfte).

Gantz: O ist ein super Einstieg in die Thematik und gleichzeitig auch gelungen, wenn man ihn alleine für sich ansieht. Für Fans könnte er durchaus enttäuschen, auch weil viele glauben werden, er spoilert ein wenig Punkte der original Story für Neueinsteiger (finde ich ja nicht) und weil schlichtweg ein Haufen fehlt, was Gantz "ausmacht". Allerdings ist da immer noch die irre Action und die alleine reicht vollends aus.

Vielen Dank, Dir Mr.Salomon für die Rezension:)
Finde ich gut gelungen.
*o-gj*


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Sniperace
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Gantz: O 1 Woche 1 Tag her #832359

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Also ich weiß nicht.
Wenn ich CGI in Bezug auf Animes gesehen habe, war das immer der letzte Dreck und man wunderte sich nur:
"Warum haben die das nicht gezeichnet? die CGI versaut den Anime, der ansonsten ein meisterwerk sein könnte"


Insofern weiß ich nicht was ich von diesem Film, oder was auch immer es ist, halten soll. O_o
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