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THEMA: Battery

Battery 1 Monat 2 Tage her #826386

Dies ist der Siegestext des ersten Proxer-Rezensionswettbewerb. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern und wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Die Pubertät. Zweifellos ein schwieriges Alter, sowohl für einen selbst als auch für seine Mitmenschen. Oft fühlen sich die Betroffenen von nahezu jedem unverstanden, gleichzeitig verstehen sie sich aber auch selbst nicht so genau, während Stimmungsschwankungen ihnen und anderen das Leben schwer machen. Battery ist ein Anime, der versucht sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, vor allem mit dem Sich-nicht-verstanden-fühlen. Inwiefern dies beim Werk Anwendung findet, möchte ich euch in der heutigen Rezension näher erläutern.

Die elf Episoden umfassende Serie basiert auf der gleichnamigen Light Novel aus der Feder von Asano Atsuko, welche den meisten durch ihr Werk No. 6 bekannt sein dürfte. Der Adaption angenommen hat sich hierbei das Studio Zero-G (Grand Blue, Dive!!), zur Sommerseason 2016 wurde der Anime dann ausgestrahlt.

Die Geschichte hinter Battery ist eigentlich recht schnell erzählt. Der angehende Mittelschüler Takumi Harada zieht mit seiner Familie nach Nitta, ein beschauliches Dörfchen in den Bergen. Dort trifft er auf Go Nagakura, der wie er Baseball über alles andere stellt, weshalb sich die beiden mit der Zeit „anfreunden” (ich habe anfreunden bewusst mit Anführungsstrichen versehen, worauf ich später eingehen werde) und zu einer sogenannten Battery zusammenwachsen, dem Team aus Pitcher und Catcher. Fortan versuchen die beiden, sich im Baseball-Team der örtlichen Mittelschule zu behaupten und ihre Leidenschaft für den Sport mit der Familie unter einen Hut zu bekommen.

Klingt erstmal nach einer ziemlich generischen Sport-Anime-Story, wie man sie schon dutzende Male gesehen hat. Und eigentlich ist sie das auch, doch dafür sind die Charaktere sehr gut ausgearbeitet. Protagonist Harada ist zwar ein richtig pubertärer, egoistischer Narzisst, der sich von nichts und niemandem etwas sagen lässt und sich für den besten Pitcher der Welt hält, aber es ist sehr interessant, zur Abwechslung mal so jemanden in der Hauptrolle zu sehen. Außerdem gleichen das andere Figuren wieder aus. Zum Beispiel wären da der herzensgute Go, Haradas Catcher, der ihm ganz offen sagt, dass er seine Art, auf andere herabzusehen, unerträglich findet und er sich ändern muss. Oder Haradas kleiner Bruder Seiha, der ebenfalls schlecht von ihm behandelt wird, sich jedoch seine fröhliche Art bewahrt und bei Go Trost findet. Von ihm könnte sich Harada mal eine Scheibe abschneiden, scheint Seiha doch trotz seines jungen Alters viel reifer und intelligenter als sein zynischer Bruder zu sein. Ich denke, es ist klar, was das Problem und zugleich auch Thema dieses Werkes ist: Haradas unausstehliche Art. Er muss sich dringend ändern, lernen, Rücksicht zu nehmen und auch mal selbst einzustecken. Aber hier liegt der Knackpunkt des Animes: Denkt man die ersten Folgen noch, ein fantastisches Charakterdrama vor sich zu haben, dessen Ziel die Entwicklung der Hauptfigur ist, so irrt man sich gewaltig.

Denn die zweite Hälfte legt darauf von einem Moment auf den anderen überhaupt keinen Wert mehr. Personen wie Haradas Sportlehrer, die ihn anfangs noch in seine Schranken gewiesen haben, verhalten sich plötzlich völlig anders, indem sie den Pitcher in seinem egoistischen Verhalten sogar noch bestärken. Durch seine Entscheidung, den Protagonisten gewähren zu lassen, bricht nicht nur zeitweise das komplette Baseball-Team zusammen. Der vermeintliche Sozialpädagoge treibt es sogar noch weiter, indem er dem vollkommen unschuldigen Go vorwirft, ein talentfreier Nichtsnutz zu sein und somit nur ein Hindernis für den ach-so-talentierten Harada. Es ist wirklich sonderbar, dass sich nun plötzlich niemand mehr an dessen fürchterlicher Art stört und sich jeder einfach damit arrangiert. Sogar der Catcher macht eine 180-Grad-Wende und läuft dem Protagonisten immer wieder hinterher, obwohl dieser ihn nicht einmal als Freund ansieht. Während er in der ersten Hälfte des Animes noch genau das ausgesprochen hat, was der Zuschauer dachte, akzeptiert er Haradas Art nun ohne jeden Einwand. Und da ihn nun so ziemlich jeder akzeptiert, ist es auch kein Wunder, dass es nicht zur Charakterentwicklung kommt. Die erste Hälfte war ein wirklich guter Start und hat uns Glauben gemacht, dass das Werk zeigen möchte, wie durch den Einfluss anderer ein besserer Mensch aus Harada wird. Die zweite Hälfte zerstreut diese Hoffnung aber im Wind, indem sie jegliche Figuren, die anfangs mit ihrer Sympathie für einen positiven Ausgleich gesorgt haben, nahezu gänzlich ihrer Persönlichkeit beraubt. Plötzlich geht es nur noch darum, Haradas unglaubliches Talent als Pitcher zu fördern und dafür wird wirklich jedes nur erdenkliche Opfer gebracht. Es ist mir schleierhaft, wie dieses Werk seine anfänglichen Stärken derart mit Füßen treten kann und ernsthaft vom Zuschauer verlangt, sich einen Anime anzusehen, in dem ein gefühlskalter Egoist seinen Willen bekommt.

In der zweiten Hälfte werden dann noch zwei neue Figuren eingeführt, Mizugaki und Kadowaki. Die beiden bilden auch eine Battery, wie es bei Go und Harada der Fall ist, aber ihre Persönlichkeiten sind wirklich fragwürdig. Ich meine, Mizugaki beleidigt Kadowaki fast durchgehend, sagt ihm ins Gesicht, dass er ihn hasst (dabei gibt es nicht mal einen Grund, er hasst ihn einfach von Natur aus, das hat er wortwörtlich gesagt) und wird sogar gewalttätig ihm gegenüber. Er ist quasi mindestens so ekelhaft, wenn nicht sogar noch schlimmer als Harada. Und trotzdem, trotzdem kommt Kadowaki immer wieder angekrochen, als wäre nichts gewesen, sagt, er würde ihn verstehen und ihn mögen. Nur um daraufhin erneut von seinem scheinbar schizophrenen Freund angeschrien zu werden. Er muss einfach ein Masochist sein, was Mizugaki sogar vermutet, jedoch nicht bestätigt wird. Jedenfalls erinnert das gestörte Verhältnis der beiden sehr an unser eigentliches Battery, Go und Harada. Der eine ist unausstehlich und unbelehrbar, der andere rennt ihm hinterher. Durch dieses Doppelpack strotzt die zweite Hälfte des Animes also nur so vor unsympathischen, unverständlichen Charakteren, was einfach einen riesengroßen Kontrast zur ersten Hälfte darstellt, in der die Figuren und deren Interaktionen noch realistisch und nachvollziehbar sind.

Was die Animation der Serie anbelangt, so war diese zwar zu keinem Zeitpunkt atemberaubend, jedoch ist dies bei solch einer unaufgeregten Slice-of-Life-Geschichte auch gar nicht von Nöten. Die Bewegungen sind durchweg flüssig animiert und erfüllen damit ihren Zweck. Musik ist im gesamten Anime eher spärlich vorhanden. Es ist oft ruhig, was zwar zum ernsten Ton des Werkes passt, jedoch bleibt die Hintergrundmusik, wenn sie einmal spielt, auch nicht gerade in Erinnerung. Dafür wissen das Opening und Ending zu überzeugen und unterstreichen die allgemein nostalgische Stimmung der Serie.

Was lässt sich also letztendlich über Battery sagen? Es fällt mir schwer diesen Titel jemandem zu empfehlen, denn irgendwie handelt es sich hierbei um ein zweischneidiges Schwert. Die erste Hälfte des Animes weist gut geschriebene Figuren und interessante zwischenmenschliche Beziehungen auf. Doch leider wird all dies in der zweiten Hälfte über Bord geworfen und die Personen gänzlich ihrer Persönlichkeit beraubt. Es stellt sich einfach die Frage nach dem Warum, da hier wirklich Potenzial für ein spannendes Charakterdrama gegeben war, welches jedoch aus unerfindlichen Gründen mittendrin fallen gelassen wurde. Am Ende sind es also nicht nur die Figuren im Anime, nein, auch der Zuschauer selbst versteht nicht so recht, warum sich diese so verhalten, wie sie es tun, und bleibt mit einem sauren Nachgeschmack zurück.

Battery 1 Monat 1 Tag her #826419

Gute und sauber geschriebene Review und herzlichen Glückwunsch für den Gewinn des Proxer-Rezensionswettbewerbs.
Letzte Änderung: 1 Monat 1 Tag her von AssiTobi.
Folgende Benutzer bedankten sich: Plinfa-Fan

Battery 1 Monat 1 Tag her #826433

Auch meinen Glückwunsch, bringt den Anime gut auf den Punkt und artet nicht in Bashing aus, nein, zeigt sogar positive Punkte, trotz Enttäuschung, die ich, als Du zu zweiten Hälfte kommst, gut nachvollziehen kann.

Macht es mir ein wenig leichter, diesen Anime kann ich umgehen.

Schöne Grüße
Sniperace
Folgende Benutzer bedankten sich: Plinfa-Fan

Battery 1 Woche 2 Tage her #827193

Sehr gute Rezension & Glückwunsch zum Gewinn.
Hin und wieder kommt ein Anime im Sportgenre vor, der uns mehr Spaß beim Entdecken und aufregende Momente gibt, auf die wir uns freuen können, aber wie so oft bekommen wir einen Sport-Anime, der etwas über den Standard hinausgeht. Einer, der versucht, den Umschlag voranzutreiben, eine, die versucht eine zum Nachdenken anregende Idee einzuführen, während sie gleichzeitig ihre Sportwahl an ihrer Seite präsentiert und ihn als eine Verbesserung des gesamten Geschichtenerzählens verwendet.
Battery hat es versucht, ist jedoch an vielen Ecken gescheitert
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