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THEMA: Hinamatsuri

Hinamatsuri 4 Monate 2 Wochen her #823392

  • Devish
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Selten war eine Season mit solch hochkarätigen Fortsetzungen gespickt wie die vergangene Frühlingsseason. Da ist es nur logisch, dass unscheinbare Serien leicht unter dem Radar verschwunden sind oder erst spät Beachtung erfahren haben; so auch geschehen bei Hinamatsuri. Doch was hebt dieses Comedy-Werk von all den anderen seines Genres ab? Und wie schafft es der Anime mit seiner beeindruckenden Offenheit, gesellschaftskritische Themen in der japanischen Gesellschaft anzusprechen, ohne seine Balance zu verlieren?

Der Protagonist Yoshifumi Nitta ist ein waschechter Yakuza. Er erledigt seine Aufträge stets gewissenhaft, genießt die Vorzüge des Nachtlebens und sammelt, wie es sich für einen kultivierten Mann gehört, Vasen. Doch während er den Abend genüsslich mit einem Glas Rotwein ausklingen lässt, öffnet sich über ihm ein Portal und ein metallisches Objekt setzt zur Landung auf seinen Kopf an. Durch eine Öffnung an dem seltsamen Gegenstand bittet ihn ein junges Mädchen, den Knopf auf der Rückseite zu betätigen. Um bloß keine überhastete Entscheidung zu treffen, schläft er zunächst eine Nacht drüber, bevor er letztendlich doch beschließt, sich dem lästigen Objekt zu entledigen. Dabei ahnt er nicht, dass sein bisher glamouröser Alltag durch Hina als seine phlegmatische Ziehtochter und ihrer Telekinese-Fähigkeit abrupt ein Ende finden wird.


Insbesondere von Comedy-Animes und deren Beschreibungen ist man inzwischen schon so einiges gewohnt, weshalb es immer schwerer wird, neue absurde Ideen zu finden. Doch allein der Kontrast zwischen einem Yakuza, der sich als Softie herausstellt und Hina, die ihn mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten im Griff hat, eröffnet dem Anime mitsamt seiner Situationskomik ungeahnte Möglichkeiten. Denn mit Kei Oikawa als Regisseur hat man jemanden an Bord geholt, der bereits bei Yahari Ore no Seishun Love Comedy wa Machigatteiru. Zoku gezeigt hat, dass er auf das richtige Timing und Tempo bei Comedy-Werken zu setzen weiß. Auf diese Weise verwandelt sich selbst unfreiwillige Komik zu einer unglaublich effektiven humoristischen Einlage. Ergänzt wird die Regieführung durch Slapstickeinlagen, die todgeweihte Vasensammlung und die überspitzten Gesichtsausdrücke. Vor allem Letzteres nimmt über die gesamte Serie hinweg einen immensen Stellenwert ein, denn besonders hier sieht man die effektive Nutzung des Überraschungsmoments. Die anatomische Genauigkeit der Zungen tut dabei ihr Übriges. Aber auch für Cartoon-Liebhaber hat der Anime das „Passende“ parat. Auffällig ist jedoch, dass größtenteils auf den gleichen dunkel schattierten Gesichtsausdruck zurückgegriffen wird. Zum Ende wirkt dieses Mittel aufgrund der inflationären Verwendung allerdings zu repetitiv und flacht in seiner Wirkung ab.


Aufgrund der Menge an Nebencharakteren, die fast genauso oft vorkommen wie die eigentlichen Protagonisten, fällt diese nicht allzu stark ins Gewicht. Zu nennen sind hier vor allem Hitomi und Anzu. Bei beiden zeigt sich in der Gesamtbetrachtung, wie unberechenbar die Richtung der Handlung verläuft und nie genau weiß, was hier eigentlich gerade passiert. Denn auf den ersten Blick wirkt die allseits als Musterschülerin bekannte Hitomi recht gewöhnlich. Es stellt sich allerdings recht schnell heraus, dass sie für so ziemlich jede Tätigkeit geeignet ist und nicht „Nein“ sagen kann. So kommt es dazu, dass sie unverhofft einen Job als Barkeeperin aufgedrückt bekommt und der ansässigen arbeitenden Gesellschaft am Tresen unfreiwillig als Seelsorgerin herhalten muss – selbst für ihren eigenen Klassenlehrer, der diesen Umstand als Kunde aber verleugnet. Dabei knüpft sie Kontakte mit einflussreichen Personen und wird in kuriose Nebenjobs verwickelt. Während Hitomis Dasein einzig und allein mit dem Einsatz von Comedy begründet wird, ist dies bei Anzu nicht ausschließlich der Fall. Mit dem Auftrag auf die Erde geschickt, Hina aus dem Weg zu räumen, ist sie nach einem heroischen Wettkampf mit ihr durch anschließende technische Schäden an der Kapsel gezwungen, vorerst auf der Erde zu verweilen. Einem reichen Gangster ist sie bei ihrer Ankunft aber nicht vor die Füße gefallen, weshalb sie auf der Straße ums Überleben kämpfen muss. Ihre täglichen Raubzüge durch die lokalen Geschäfte führen allerdings dazu, dass die Ladenbesitzer die Yakuza auf sie ansetzt. Während ihrer Flucht erhält sie Hilfe von mehreren Obdachlosen, die sie in ihr Lager aufnehmen aus dem sie alle später verjagt werden und sie lehren, ein ehrliches Leben auf der Straße zu führen. Dem Werk gelingt neben purer Comedy mit dieser Thematik auch der Sprung in eine dramatische Richtung und das sogar realistischer, als es so manch anderes Drama-Werk zu schaffen vermag.

Wie angedeutet wird das Thema der Obdachlosigkeit in Japan erstaunlich offen angesprochen. Das Bemühen der japanischen Regierung, die Obdachlosen möglichst effektiv aus den Augen der Öffentlichkeit zu schaffen, ist noch immer präsent. Die in Hinamatsuri thematisierte Vertreibung aus den öffentlichen Parks ist dabei nur eine von vielen Methoden, die selbst heute noch Anwendung findet. Aber auch die spezielle Rolle der Yakuza und deren Einfluss auf große Teile der japanischen Regierung werden in der Serie angedeutet, unter anderem als Sicherheitsfaktor für Ruhe auf den Straßen. Selbst die Erwerbsarbeit von Minderjährigen wird in Person von Hitomi als Barkeeperin angeprangert. In Japan weisen besonders die berühmt berüchtigten Maid Cafés verdächtig viele Parallelen zum besagten Thema auf.


Abseits des Inhalts könnte der weiche Zeichenstil kaum passender gewählt sein, um die skurrilen Momente oder extravaganten Gesichtsausdrücke optimal einzufangen und für Comedy-Inhalte tragfähig zu gestalten. Was die Zeichnungen angeht, wurde der Fokus bewusst auf das Charakterdesign gelegt – vor allem auf die Reaktionen, die das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Serie sind. Die Hintergründe wirken dagegen fast schon zu schlicht. Die flüssigen Animationen geben zusammen mit dem weichen Zeichenstil ein überraschend stimmiges Bild ab, das nach den letzten Projekten vom Animationsstudio feel. im Vorfeld nicht unbedingt zu erwarten war.

Humor ist bekanntlich stark subjektiv, weshalb Comedy-Animes immer eine Art Glücksspiel darstellen. Doch Hinamatsuri schafft es so gut wie kaum ein anderes Werk der vergangenen Jahre, auf das richtige Timing und auf Überraschungsmomente zu setzen. Kombiniert mit der absurden Handlung, bei der man eigentlich nie so recht weiß, was gerade passiert, und der realistischen Thematisierung gesellschaftskritischer Probleme, entsteht eine durchaus gelungene und amüsante Serie. Wer grundsätzlich etwas mit Comedy anfangen kann oder sich – warum auch immer - schon mal gefragt hat, was passiert, wenn Yakuza auf Telekinese trifft, sollte sich diesen Überraschungstitel der vergangenen Season nicht entgehen lassen.
Letzte Änderung: 4 Monate 2 Wochen her von Devish.

Hinamatsuri 4 Monate 2 Wochen her #823501

Ich hab diesen Anime regelrecht verschlungen, und ein paar Folgen waren zum totlachen. Für mich der top anime der season :)

Hinamatsuri 4 Monate 2 Wochen her #823511

Ein Link um zu diesem Anime zu gelangen wäre noch ganz cool.

Hinamatsuri 4 Monate 2 Wochen her #823539

Schattenmann80 schrieb:
Ein Link um zu diesem Anime zu gelangen wäre noch ganz cool.

rechts über dem Cover
Letzte Änderung: 4 Monate 2 Wochen her von hYperCubeHD.
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