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THEMA: Batman Ninja

Batman Ninja 4 Monate 2 Wochen her #821051

  • Soulykun
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Neben den obligatorischen Realverfilmungen diverser Comics, versuchte sich DC schon seit Jahren an den sogenannten DC Animated Movies, die primär auf den Heimvideo-Markt abzielen. So etablierte sich diese Reihe als eine Fundstätte für entweder grauenhafte oder fantastische Animationsfilme. Speziell deshalb begann der riesige Mutterkonzern immer experimentierfreudiger mit diesen Produktionen zu werden. Von grenzwertigeren Themen, die niemals den Sprung auf die große Leinwand geschafft hätten, bis hin zu japanisch-westlichen Kollaborationen. Als Höhepunkt jener fortschreitenden Entwicklung kann aber zweifellos das jetzige Jahr gesehen werden.

Mit dem im April dieses Jahres erschienenen Batman Ninja gewährte DC erstmals einem japanischen Animationsstudio volle Kontrolle über eine ihrer größten Lizenzen. Überraschenderweise handelte es sich dabei nicht um ein renommiertes Studio, sondern um das vergleichsweise unbekannte Kamikaze Douga. Dessen größter Verdienst waren bis vor Kurzem noch die Jojo´s Bizarre Adventure Openings, bis ihre erste vollwertige Animeserie Pop Team Epic das Internet für sich gewann.

Die Verbindung aus jenem augenscheinlich unerfahrenen Studio mit dem skurrilen Setting ließ dem Film deshalb schnell eine Welle der Skepsis entgegenschlagen. Schließlich ist ein zeitreisender Batman, der im feudalen Japan landet und nun den Kampf gegen seine Erzfeinde in eine neue Ära transportiert, nicht unbedingt eine sinnig scheinende Handlung. Besonders wenn man The Killing Joke oder dergleichen betrachtet, die eine deutlich dunklere, neue Seite der Fledermaus beleuchteten, wirkt Batman Ninja anfangs fehl am Platz.

Glücklicherweise möchte Kamikaze Douga mit ihrem Machwerk keine philosophische Abhandlung über DCs Aushängefigur kreieren. Tatsächlich ist dem Werk seine Geschichte genauso egal, wie sie dem Zuschauer sein sollte. Wer aber dachte, es erwarte ihn jetzt eine endlose Flut an Schwertkämpfen zwischen Helden und Schurken mit Batman im Mittelpunkt, hat sich ebenfalls geirrt. Fast nie greift der Film auf klischeehafte Waffen wie Katanas zurück, selbst dem dunklen Rächer wird kaum eine Rolle zugesprochen, außer zu existieren. Die somit geschaffene kreative Freiheit wird dann vollends über die 80 Minuten ausgenutzt. Angefangen mit dem Batmobil, das soeben einfach durch die gesamte schwerbewachte Festung des Jokers fährt. Spätestens wenn der (ich scherze nicht) Batman-Ninja-Clan auftritt, der ganz nebenbei eine Fledermaus-förmige Basis besitzt und auf den prophezeiten „Maskierten-Rächer“ hofft, sollte keiner mehr versuchen, sonderlich viel Sinn hierin zu erkennen. Natürlich kommt ein Großteil des Unterhaltungsfaktors durch die Unwissenheit des Zuschauers zustande, weshalb ich hier nicht näher auf die einzelnen Sequenzen eingehen will.

Vielmehr sollte der Film als eine Parodie des typischen „Animefilms“ zu verstehen sein. Hier werden dutzende Klischees aneinandergereiht, die jeder, der kaum etwas mit dem Medium zu tun hatte, in solch einem Film erwarten würde. Selbst die obligatorische Lebenslektion nach einem Drittel der Laufzeit wurde nicht vergessen, die ebenfalls so wahllos wirkt wie fast alles andere. Begleitet von „typisch japanischen“ Momenten, befördert sich der Film in immer größere Höhen der Skurrilität. Denkt an irgendein bekanntes Klischee, es ist hier in irgendeiner Form vorhanden. Was für viele nach Inkompetenz aussieht, zeigt eher, wie das Studio sich die Skepsis der Fans und Absurdität des Settings bewusst zu Nutzen machte, um durch immer stärkere Übertreibung etwas komplett Einzigartiges zu schaffen. Dass das Gezeigte nicht sinnig erklärbar ist, ohne unter Drogeneinfluss zu stehen, sollte deshalb kein negativer Aspekt sein, sondern seine mitunter größte Stärke. In dieser Hinsicht weist Batman Ninja überraschend viele Parallelen zu Pop Team Epic oder dem fast vergessenen Juwel Dead Leaves auf, da auch sie lieber überspitzte Parodien oder Unterhaltung bieten wollen.

Trotzdem würde all das nicht ohne etwas funktionieren, was selbst konventionellere Werke oftmals ignorieren – beeindruckendes visuelles Design. Auf den ersten Blick mögen weder Charakterdesigns noch Umgebungen sonderlich einzigartig wirken, bestehen sie doch lediglich aus Klischees. Fast jeder Charakter trägt beispielsweise einen japanischen Zopf. Viele würden wahrscheinlich nicht einmal Charakterdesigner Takashi Okazaki, der sich durch seine Arbeit in Afro Samurai oder auch dem Videospiel Furi einen Namen machte, hinter ihnen vermuten. Erst bei genauerem Hinsehen fällt einem auf, welche Liebe zum Detail in wirklich jedem einzelnen Aspekt steckt. Allein die Aufmachungen des riesigen Cast wurden mit einer nahezu unübersehbaren Liebe entworfen. Von Batmans Sengoku Rüstung mit obligatorischem Kunstbart, Jokers deutlich überdesignter Stoffmontur inklusive säurespuckender Blume, bis hin zu einem Red Hood, der statt einer Maske einfach einen Korb auf seinem Kopf trägt. Jedoch machen erst Objekte, die nur ein paar Frames zu sehen sind, wirklich klar, was für ein Aufwand in jedes Detail floss. Natürlich ist die Fledermaus das wohl häufigste „versteckte“ Symbol und es vergeht keine Sekunde, in der nicht ein neuer Gegenstand in irgendeiner Weise mit ihm versehen wird. Von der zuvor genannten Basis der Bat-Ninjas, bis hin zu Rüstungen, Kunais oder Katanas, die nur vor Batman Symbolik sprühen. Daneben lassen sich aber auch allerhand kleinere Perlen finden wie Catwomans Nummernschild „9L1VES“. Selbst nach mehrmaligem Schauen kann man immer wieder neue, kleine Anspielungen oder Symbole finden, die vorher in der schieren Masse einfach untergingen. Dadurch funktionieren jene anfangs unbeeindruckend wirkenden Designs und es entsteht eine ganz eigene visuelle Identität, die ich kaum in einem Werk zuvor gesehen hatte.

Dass Kamikaze Douga während der Produktion des Films ebenfalls unglaublich viel Spaß hatte, zeigt sich in der Animation selbst. Sicherlich schreckten die Trailer viele potenzielle Zuschauer mit dem CGI ab, wer erinnert sich bitte nicht an Vergewaltigungen á la Berserk 2016? Währenddessen gingen wahrlich fantastisch aussehende Serien größtenteils unbemerkt an der breiten Masse vorbei, siehe Houseki no Kuni. Genau zu ihnen gesellt sich Batman Ninja. Schon die Modelle finden durch die sehr zeichnerischen Texturen einen überraschend guten Mittelweg zwischen 3D und 2D. Tatsächlich vergisst man an diversen Punkten schnell, dass es sich hierbei nicht um konventionelle Animation handelt. Besonders Harley oder Joker stehlen aufgrund ihrer absolut fantastischen Gesichtsausdrücke nicht nur jedes Mal die Show, sondern werfen die Frage auf, warum man anfangs überhaupt an diesem CGI zweifelte. Kombiniert mit einer endlich flüssigen Framerate, wirken die verschiedenen Bewegungsabläufe hier auch lange nicht mehr wie schnell ablaufende Diashows. Trotzdem kann das überzeugende technische Grundgerüst erst in Verbindung mit dem wilden Storyboard wirklich überzeugen. Denn diesem gelingt es, die unfassbar detaillierten Designs auf einzigartige Art und Weise mit der Skurrilität des Skripts zu vereinen. Jeder einzelnen Aktion ist die Liebe mit der sie kreiert wurde anzusehen. Ein Faustkampf zwischen Joker und Batman wäre beispielsweise nur halb so cool, wenn Ersterer sich nicht einfach aus Langeweile irgendwann hinsetzen würde, um Sake zu trinken. Dass Harley den Stuhl extra bringt, während die Fledermaus gegen Clown-Samurais oder fliegende Fächer kämpft, lässt die Situation genauso abstrus wie den Rest wirken.

Spätestens ab der Mitte des Films sollte aber ersichtlich werden, was eine ungebändigte Kreativität hier am Werke war. Welcher Anime wechselt schließlich einfach mal so den Animationsstil für zehn Minuten? Richtig, Batman Ninja entscheidet an dieser Stelle, sich für mehrere Minuten komplett in 2D zu präsentieren. Das ist jedoch nicht genug, den gewählten Stil kann man wohl am besten als „Masaaki Yuasa auf Steroiden“ bezeichnen. Natürlich ergibt all das plottechnisch wenig Sinn, wirkt nichtsdestotrotz aber unglaublich unterhaltend. Momente wie diese zeigen dem Zuschauer immer wieder, dass es sich hier nicht um eine Produktion wegen finanziellen Gründen, doch vielmehr aus Leidenschaft zum Medium handelt. Speziell bei der Animation konnten sich die involvierten Studios offensichtlich komplett austoben, um den Film mit solch einzigartigen Momenten förmlich zu überschütten; ich zählte allein drei verschiedene Animationsstile. Dabei sollte nie vergessen werden, dass es ebenfalls unfassbar viel Talent erfordert, auf so unfassbar abwegige Ideen zu kommen und diese bis hin zur Perfektion zu führen, sodass sie letztendlich funktionieren.

Batman Ninja ist kein Film, den man sich für seine Geschichte anschauen sollte, tatsächlich tut man besser daran, sie komplett zu ignorieren. Vielmehr möchte er ein augenscheinlich bescheuertes Machwerk sein, bei dem sich jeder fragt, wieso DC diesem Studio dafür Geld gegeben hat. Es ist ein dummes, stumpfes und selbstbewusstes Actionspektakel. Doch schon lange hatte ich nicht mehr so unglaublich viel Spaß mit einem Film, nicht weil ich über ihn lachte, sondern mit ihm. Gekonnt werden hier ausgelutschte Klischees mit neuen Ideen und purem Können vereint. Das Resultat? Der bei weitem beste DC Animated Movie. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten: einer der erinnerungswürdigsten Animefilme der letzten Jahre. Er ist ein Zeugnis davon, dass in einer derartig kommerzialisierten Industrie noch Platz für Studios wie Kamikaze Douga ist, die anscheinend mehr von ihrer Leidenschaft für das Medium getrieben werden. Zumindest ich bin nach diesem unvergesslichen Trip gespannt, was als Nächstes aus dieser Brutstätte der Kreativität kriechen wird.


Aber mal im Ernst, wer konnte DC davon überzeugen, sowas zu finanzieren?

Letzte Änderung: 4 Monate 1 Woche her von Soulykun.

Batman Ninja 4 Monate 1 Woche her #821348

Vielen Herzlichen Dank, Dir für die Rezension:)
*o-gj*
Da ich den Film noch nicht angesehen hab und am Überlegen war, fällt es mir nun auch wesentlich leichter eine Entscheidung zu treffen.
Aber mal im Ernst, wer konnte DC davon überzeugen, sowas zu finanzieren?

Die Realität, dass es sich simpel auszahlt. Marvel macht es beispielsweise schon ewig und meistens ist es totaler Mist, trotzdem machen sie es. Man kann damit zum einen Märkte und Zielgruppen erschließen, die ansonsten eher nicht genutzt werden (außer mit Realfilmen, die weltweit ziehen), zum Anderen lässt es sich durchaus gut beim "Standard Fan" vermarkten.
Nicht zu unterschätzen sind auch die Kosten, die eben nicht so hoch sind, in Relation gesehen, man muss nur bedenken, wie viel Geld in Realfilme fließt, selbst wenn man nur Werbung dafür rechnet, da ist so ein Animefilm nur Peanuts.
Und nicht zuletzt ist es Werbung und schlechte Werbung gibt es nicht, nicht dass es hier überhaupt schlecht wäre. Es geht schlichtweg darum das Ganze am Laufen zu halten, im Gespräch zu bleiben usw.. Und dieser Animefilm macht sich gut drin, grade eben weil es nicht das 0815 Studio ist.


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