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THEMA: 3 Level Combination

3 Level Combination 3 Monate 3 Wochen her #819088

  • Soulykun
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Liebe – wohl kaum ein anderes Wort besitzt so viele Bedeutungen und Facetten. So ist sie zwischen Eltern und Kind eine ganz andere als die eines Paares. Doch hier kann man wieder darüber rätseln, ob die Zuneigung nun aufgrund der Persönlichkeit, der Taten oder einfach des Aussehens des Anderen entstand. Besonders in einer Zeit, in der humanoide Roboter oder künstliche Intelligenz unaufhörlich die Frage aufwerfen, inwieweit wir Menschen uns nicht auch in sie verlieben könnten, wird eines immer deutlicher: Wir wissen nicht, was es überhaupt heißt, „zu lieben“, was „menschlich“ eigentlich bedeutet und was das wahre Potential unserer Kreationen ist.

Das schien wahrscheinlich auch Il-Kwon Ha beschäftigt zu haben, denn sein Werk 3 Level Combination setzt sich mit exakt jenem Thema auseinander. Der mittlerweile zehn Jahre alte Webtoon wurde in 26 Kapiteln publiziert und war sein erstes Projekt nach dem Studium. Heute ist er besonders für Manhwa wie God of Bath oder Annarasumanara bekannt.

In der nicht allzu entfernten Zukunft werden humanoide Maschinen ein immer größerer Bestandteil unser aller Leben. Doch eines konnte bis jetzt keine von ihnen erreichen: Menschlichkeit. Mit Chevrolet soll sich das aber alles ändern. Nein, natürlich ist hier nicht die Rede von der Automarke. Stattdessen handelt es sich um den ersten Roboter mit grundlegenden menschlichen Zügen. Diesem Höhepunkt der Wissenschaft wird von der Erzählung nun Hogu gegenübergestellt, bei dem es sich um das typische Mobbingopfer handelt. Täglich wird er von Mitschülern verprügelt, muss Demütigungen über sich ergehen lassen und ist obendrein noch in eines der schönsten Mädchen der Klasse verliebt. Als Chevrolets erster Testlauf auf seiner Schule durchgeführt wird, stellt sich jedoch die Frage: Was passiert, wenn diese beiden Personen aufeinandertreffen?

Zunächst nicht viel, denn woran 3 Level Combination besonders am Anfang scheitert, ist Hogus tägliches Leben als glaubhaft und mitreißend zu inszenieren. Fast kein Klischee wird verschont. Angefangen mit seinem Einsiedler-Dasein, einer kaputten Familie, bis hin zu den typisch eindimensionalen Schulschlägern. Es fehlt einfach die Tiefe hinter seinen Torturen, wodurch sie wie überspitzte Gewaltexzesse wirken, die nur existieren, um ein besonders großes Mitgefühl für den Protagonisten zu erzwingen. Eine ähnliche Herangehensweise ist im Anime Mahou Shoujo Site zu beobachten, dessen Folterorgien ebenfalls jegliche Menschlichkeit und Charakter vermissen lassen.

Gleichzeitig leidet die angestrebte Kritik am Menschen selbst darunter. Sie werden als brutale, egoistische Monster dargestellt, wirken aber auch zugleich nicht real, was den Manhwa besonders in den ersten Kapiteln wie eine unrealistische Dystopie erscheinen lässt. Doch wer Autor Il-Kwon Ha kennt, sollte wissen, dass nicht die Welt, sondern ihre Charaktere und das damit einhergehende Drama seine wahren Stärken sind. Denn der wahre Kern der Erzählung liegt in der Romanze zwischen den beiden Protagonisten, was wahrscheinlich keinen überraschen sollte. Dabei steht besonders eine Frage im Vordergrund: Wodurch entsteht Liebe? Hogu leidet unter der Unmenschlichkeit seiner Mitmenschen, sei es durch körperliche Gewalt oder deren Angst davor, ihm zu helfen. Dass sein Selbstwertgefühl unter solch einer sozialen Isolation täglich leidet, ist wohl abzusehen.

Genau in so eine Situation kommt eines Tages Chevrolet, der exakt diese Menschlichkeit, die man so sehr in 3 Level Combination als auch in unserer heutigen Gesellschaft vermisst, einprogrammiert wurde. Exakt aus diesem Grund versteht sie das Mobbing, welches ihr Mitschüler erleiden muss, nicht; sie verteidigt ihn sogar. Zum ersten Mal stellt sich jemand auf Hogus Seite. Anstatt demütigenden Gelächters kommen aus ihrem Mund Dinge wie: „Du bist kein schlechter Mensch, die anderen sind es.“ Doch die daraus resultierenden Gefühle auf seiner Seite werfen für ihn und den Leser Fragen auf. Entstanden sie nur, weil Chevrolet die erste Person war, die sich aktiv für ihn einsetzte? Kann man in so einem Fall überhaupt von Liebe sprechen oder handelt es sich lediglich um Dankbarkeit? Tatsächlich dreht sich die Beziehung mehr um die inneren und äußeren Konflikte, welche mit solch einer Romanze einhergehen. Sei es die anfängliche Abweisung seiner eigenen Gefühle oder die Tatsache, dass ein Roboter wohl kaum in der Lage sein kann, Liebe zu empfinden. Oder etwa doch? Zwar gibt es nie eindeutige Antworten, trotzdem schafft es das Werk, eine interessante Ansicht auf das Thema zu geben. Vielmehr geht es hier um eine Problemstellung, die der Leser für sich selbst beantworten muss.

Das zweite Standbein der Handlung sind die Nebencharaktere. Denn erst durch die wechselnde Perspektive auf jene Randakteure, gelingt es dem Manhwa, ein wirklich rundes Bild seiner Welt zu erschaffen. Anna im Speziellen kann hier überzeugen. Ohne zu viel zu verraten, handelt es sich bei ihr nicht nur um die Tochter von Chevrolets Erbauer, sondern um jemanden, der die dunkle Seite jener Technologie sieht. Das markante Thema ist nichts anderes als der Grundtrieb des Menschen – Sexualität. Ob zutreffend oder nicht, folgende Grundproblematik sollte wohl jedem aus Filmen oder anderen Medien bekannt sein: Durch Streitereien oder allgemeines Sattsehen am Lebensbegleiter, irgendwann enden manche langjährigen Ehen im Unglück. Wie verlockend wäre also ein Objekt, das zugleich menschlich doch auch gefühlslos ist – namentlich, ein Roboter. Anna erlebt ein Elternhaus, in dem genau solch eine Situation eintrifft und ihr Vater sich lieber einer kalten Maschine als seiner Frau hingibt. In der Theorie wohl kein Fremdgehen, in der Praxis für den Ehepartner jedoch deutlich schwerer zu verarbeiten. Menschliche Wärme kann schließlich nur von den namensgebenden Menschen ausgestrahlt werden … richtig? Ihr Schicksal transportiert die zentrale Problemstellung in eine neue Umgebung, wodurch der Leser einen fast schon komplett neuen Blickwinkel auf die allzu gern übersehene andere Seite der Menschheit erhält. Währenddessen funktioniert Annas Geschichte genauso gut als rein fesselnde Erzählung über ein Mädchen, dass sich verzweifelt an den einzigen Hoffnungsschimmer in ihrem Leben klammert. Im Vergleich wirken die übrigen Elemente der Randhandlung wie das obligatorische Liebesdreieck oder Kindheitsneid fast schon enttäuschend flach. Obwohl sie durchaus einen großen Anteil zur Glaubhaftigkeit der Akteure beitragen, da ausnahmslos jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat.

Leider trifft das ebenso auf die visuelle Darstellung zu, der deutlich anzusehen ist, wie wenig Erfahrung Il-Kwon Ha zu diesem Zeitpunkt hatte. Selbst die normalerweise skizzenhaften Zeichnungen anderer Manhwa werden hier an diversen Stellen nochmals unterboten. Charaktere wirken flach und in ihrer Form eher wie schnelle Entwürfe und der Detailgrad beschränkt sich nur auf das Allernötigste. Im Vergleich zu neueren Werken wie Annarasumanara fehlt hier an vielen Stellen einfach ein persönlicher Touch. Allein der gekonnte Einsatz von Farben, um emotionale Momente in trauriges Grau oder bittersüße Rottöne zu tauchen, zeigt den Anfang seines einzigartigen Stils. In Zusammenspiel mit dem wirklich cleveren Gebrauch des Unschärfe-Effekts entstehen im Einzelfall ein paar sehr ansehnlicher Panel, die selbst heute noch beeindrucken können. Es ist kein visuelles Meisterwerk und manche mögen sogar davon abgeschreckt sein, jedoch weiß es mit den begrenzten Ressourcen erstaunlich gut umzugehen.

Desto komplexer ein Werk ist, desto wahrscheinlicher wird es zu einem Fehlschlag. Glücklicherweise hatte Il-Kwon Ha dieses Problem schon in vergleichsweise jungen Jahren nicht. Obwohl es unter seines flachen Anfangs und mäßiger Präsentation sichtlich leidet. In seinem ersten vollberuflichen Projekt wird eine Kritik an der Unmenschlichkeit der Menschen und eine fast schon philosophische Parabel an die Liebe geboten, verpackt in ein absolut fesselndes, bittersüßes Drama. Spätestens ab der Mitte verwandelt es sich in ein einzigartiges Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Wahrlich eine 3 Level Combination.
Letzte Änderung: 3 Monate 3 Wochen her von Soulykun.

3 Level Combination 1 Monat 4 Wochen her #821783

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Und schon habe ich einen weiteren Manhwa den ich lesen kann. Vielen Dank für die Rezension! Sehr ordentlich geschrieben. Ich habe den Manhwa noch nicht gelesen aber so wie du es beschrieben hast, bekomme ich wirklich Lust darauf. Allgemein sollte ich echt mehr Manhwa's lesen. Habe ich mir ohnehin schon vorgenommen, also eignet sich das ja sehr gut. Hoffentlich werden noch mehr Leute sich an den Manhwa ranwagen.
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