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THEMA: Imouto sae Ireba Ii.

Imouto sae Ireba Ii. 3 Monate 6 Tage her #815411

Bei vielen Animes reicht oftmals weder der Titel und die Beschreibung noch die Eingangsszene aus, um sich ein Bild von der Serie und dessen Handlung machen zu können. Nicht selten beendet man aus den unterschiedlichsten Gründen eine Serie, bevor diese überhaupt richtig angefangen hat. So kommt es zwangsläufig dazu, dass einem gelungene Werke ungeahnt entgehen. Allein das Wort „Imouto“ (deutsch: jüngere Schwester) im Titel des heutigen Werkes dürfte viele thematisch im vornherein schon abschrecken. Sollte man sich allerdings aus diversen Gründen doch dazu durchgerungen haben, den Anime anzufangen, wird man mit folgender Eingangsszene begrüßt: Ein unbekannter Junge wird von seiner jüngeren Schwester nackt geweckt und mit einem Zungenkuss begrüßt. Anschließend wäscht er sein Gesicht im Badewasser seiner Schwester und verspeist als Dessert genüsslich eines ihrer Höschen. Dass hier viele schon genug gesehen haben, ist durchaus nachvollziehbar, nur verbirgt sich hinter jener schrägen und teilweise sogar abschreckenden Szene lediglich das Manuskript des Protagonisten zu einem neuen Buch. Hat man die Eingangsszene jedoch heil überstanden, offenbart sich ein Werk, dem es trotz seines Schwerpunkts auf Comedy gelingt, mit neuen Ansätzen und ernstem Unterton das Autoren-Business über weite Strecken realistisch zu thematisieren.

Das zwölf Episoden umfassende Werk aus dem Hause Silver Link erschien in der vergangenen Herbstseason unter der Regie von Shin Oonuma. Unter gleicher Zusammensetzung entstanden bereits Werke wie Kokoro Connect oder die bekannte Baka to Test to Shoukanjuu-Reihe; durchaus gute Voraussetzungen für einen comedylastigen Anime.

Doch um was geht es denn nun eigentlich? Der Romanautor Itsuki arbeitet Tag für Tag an seinen Romanen mit dem Ziel, die ideale jüngere Schwester zu erschaffen. Während seines Alltags ist er dabei von einem verrückten Haufen aus Freunden und Bekannten, die tagtäglich sein Apartment einrennen, umgeben. Da wäre zum einen der engere Freundeskreis, bestehend aus dem jungen Autorentalent Nayuta, die während ihrer Arbeit zur Nudistin umschwenkt und kein Blatt vor den Mund nimmt, Haruto, ebenfalls ein junger Autor und zuletzt Miyako, die Itsuki an der Universität kennengelernt hat. Komplettiert wird die Hauptbesatzung zum anderen von Itsukis jüngerem, feminin wirkenden Bruder, einer sadistischen Steuerberaterin und seinem Redakteur, der sich aufgrund dessen fetischistischen Ideen dauerhaft auf Konfrontationskurs mit ihm befindet.

Die Vergleiche mit thematisch ähnlichen Ablegern wie Eromanga-sensei dürften nicht lange auf sich warten lassen, mit dem Unterschied, dass in diesem Werk alle Charaktere mindestens volljährig sind und bereits arbeiten oder studieren. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten, die eben nur in diesem Setting möglich sind. Eine sich so eröffnende Gelegenheit stellen zum Beispiel die regelmäßigen Party-Abende dar, bei denen die Gruppe den Tag mit jeder Menge Alkohol und Gesellschaftsspielen in der Wohnung des Protagonisten ausklingen lässt. Diese sind besonders unterhaltsam inszeniert und stellen fast ausschließlich den Comedy-Aspekt in den Vordergrund. Die Ausnahme bildet dabei das zuletzt gezeigte Spiel, in dem das Risiko sowie die Höhen und Tiefen der Schriftstellerbranche aufgezeigt werden. Auch außerhalb dieser gemütlichen Zusammenkünfte nimmt Comedy eine tragende Rolle ein. Abgesehen von den Hauptcharakteren und deren Interaktionen untereinander sticht hier besonders die Steuerberaterin ins Auge, die ihre Mandanten auf sadistische Art und Weise dazu bringt, ihr die eigenen perversen Neigungen offenzulegen. Unter anderem Itsukis Begierde nach einer jüngeren Schwester. Außerdem werden reihenweise Anime-Klischees aufgegriffen und umgedreht. So kommt es, dass nicht der Protagonist Itsuki zufälligerweise auf ein nacktes Mädchen im Bad trifft, sondern dass er selbst während seiner „Nachforschungen“ von Nayuta und Miyako überrascht wird. Auch andere Animes werden nicht verschont. Eine „interessante“ Anspielung auf Attack on Titan lässt sich ebenfalls finden.


Wenn man neben den zahlreichen humoristischen Einlagen aber auch einmal einen Blick zwischen die Zeilen wirft, lässt sich unschwer ein ernster Unterton erkennen. Schließlich ist das Autorenleben von Höhen und Tiefen geprägt. Enge Fristen, die sich durch psychischem Druck äußern und letztlich zur Schreibblockade führen können, sind nur die eine Seite der Medaille. Doch genau so ergeht es Itsuki, der dauerhaft mit der Einhaltung dieser zu kämpfen hat und letztlich sogar einige Tage isoliert und von seinem Redakteur zum Schreiben gezwungen wird. Natürlich handelt es sich hierbei um eine sehr überspitzte Darstellung im Comedy-Gewand. Aber auch die gegensätzlichen Ansätze der Charaktere, um erfolgreich zu sein, werden kritisch abgebildet. Während Itsuki und Nayuta auf ihre eigene Art und Weise meistens sofort drauflos schreiben, stellt Haruto in seinen Büchern die eigene Persönlichkeit für den Erfolg zurück und schreibt nach Erfolgsaussicht. Um seine Annerkung bei den Lesern noch weiter auszubauen, nutzt er nebenbei die sozialen Medien, in denen er sich ebenfalls für den guten Ruf verstellt. Zwischendurch springt sogar fast eine Yaoi-Szene dabei heraus. Doch auch hier ist wieder ein ernster Unterton erkennbar, den ich mir im Anime noch öfter gewünscht hätte. Denn immerhin ist genau diese Thematik heutzutage recht aktuell. So schafft es das Werk letztlich nicht, trotz guter Ansätze, ausreichend in die Tiefe zu gehen, um sich mit dem Light Novel-Business als Pendant zu Bakuman. zu etablieren.

Die grafische Umsetzung bewegt sich durchgehend im durchschnittlichen Bereich. Charaktere und Hintergründe sind weder besonders detailliert, noch allzu grob gezeichnet. Was den Detailgrad der Umgebung angeht, so bildet die Wohnung des Protagonisten die einzige Ausnahme. Hier wurde sichtlich mehr Aufwand investiert, da diese den Hauptaufenthaltsort der Serie darstellt.

Letztlich dürfte dieses Werk besonders für Comedy-Liebhaber interessant sein. Bislang konnten mich nur wenige Serien wirklich regelmäßig zum Lachen bringen, doch dieses Werk gehört zu eben diesen wenigen. Zusammen mit der interessanten Umsetzung der Light Novel-Thematik, die allerdings noch eine Menge Luft nach oben gehabt hätte und den gemütlichen Treffen mit anschließendem Betrinken, entsteht am Ende ein doch recht rundes Gesamtpaket. Zu erwarten war dies nach den ersten Minuten der ersten Episode sicherlich nicht.

Letzte Änderung: 3 Monate 4 Tage her von Devish.

Imouto sae Ireba Ii. 3 Monate 3 Tage her #815543

Zuerst mal Danke für die Rezension, Devish:) Mein Fazit ist dezent anders, jedoch finde ich die Details gut wiedergeben und eigentlich sind wir auf einer Wellenlänge.

Der Anime ist ziemlich verkannt und ein ganzer Haufen Leute hat einen Umweg drum gemacht, weil die Beschreibung wohl zu sehr an Eromanga-sensei erinnert hat. In der Tat hat der Anime aber wenig mit seiner eigenen Beschreibung zu tun und bietet mehr Tiefe als ich im Vorhinein erwartet hätte.
Lasst Euch nicht von der Beschreibung täuschen!
Um ehrlich zu sein, ich selbst bin fast selber getäuscht worden und hab nur aus Neugier angefangen, was eine gute Entscheidung war.

Und weiter ist es einer dieser Anime, der, je länger er lief immer besser wurde. Man lernt die Figuren lieben und das Ganze wird wesentlich nachdenklicher. Und es soll auch gesagt sein, der Anime steigert sich selbst gegen Ende noch.

Ich finde es ist ein großartiger Anime.

Humor ist natürlich ein wichtiger Aspekt des Anime, allerdings merkt man spätestens nach einigen Folgen, warum der Anime nicht nur Humor (und Echi) als Hauptgenre hat.
Seinen kann man ruhig beifügen, ein Genre, dass der Anime leider nicht stehen hat - der Manga aber sehr wohl.
Der Romance Aspekt ist sehr fein in diesem Anime und sehr gut auf die (nachvollziehbaren) Gefühle der Figuren konzentriert.
Drama fehlt leider komplett, sowohl bei Anime wie auch Manga, dabei hat der Anime Drama genug, auch zum Teil mit dem romantischen Teil kombiniert, was schon sehr gut funktioniert. Und es ist dieser Part, der mich auch "großartig" in den Mund nehmen lasst.
Slice of Live - genug, vielleicht gibt es genauere, komplexere Anime/Manga zum Thema Autoren, es muss aber gesagt sein, der Anime geht es schon klar an. Zeit Limits, Adaptionen (Anime/Manga), Fanreaktionen, Finanzielles, Schaffenskrisen und wie man auf neue Ideen kommt usw.. Schlecht ist es nicht und der Anime integriert auf sehr emotionelle Weise die negativen, wie positiven Seiten. Bei der Anime Adaption hab ich beispielsweise schon ein wenig mitgelitten.

Was Humor angeht - ja man kann lachen, an manchen Punkten echt heftig.
Und der Echipart ist zwar da, allerdings nicht dauerhaft und um ehrlich zu sein, hat es hier A. ernsthaft Sinn und ist integraler Bestandteil, ist es B. in manchen Folgen so gut wie gar nicht Bestandteil, bzw. definiert sich der Anime nicht drüber. Echi könnte man rein theoretisch al Genre weg lassen.

Alles in allem sind es aber die Figuren, deren Geschichte, deren Gefühle, die den Anime zu dem machen was er ist. Es wird sehr viel in sie investiert, es wirkt nachvollziehbar und deswegen mag ich den Anime auch.
Die Charaktere sind, was ihnen widerfahren ist, die Dinge haben ihre Gründe. So auch der Namensgebende Fetisch. Sie sind verletzlich, nachdenklich, oft mehr, als auf den ersten Blick erkennbar. Und weil der Anime sich nicht scheut die Figuren unsicher zu zeigen, ist beispielsweise das Thema Dreiecksbeziehung ein nicht unerhebliches.
Wiegesagt, man kann sich in die Figuren hineinversetzen und deren Emotionen verstehen, was oft genug dramatisch genug ist.
Und sobald ein Anime an der Emotionsschraube dreht, ist er es wert rein zu schauen.
Figuren und Drama tun es.

Optisch beschwere ich mich sicher nicht, Durchschnitt würde ich es ja nicht nennen, denn Durchschnitt bedeutet derzeit meistens Unfertig oder Quali Schwankung. Hat dieser Anime aber eben nicht:)
Es ist gefällige Optik, mehr braucht der Anime auch nicht und die ist ordentlich umgesetzt. Damit ist es 4 von 5. Umhauen braucht mich der Anime in dieser Richtung schließlich nicht. Und ich denke ein guter Mix, der einfach zu der Handlung passt.
Einen der wichtigsten Punkte setzt die Optik nämlich sehr gut um - Gefühlsregungen:)


Live is good
Sniperace
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Imouto sae Ireba Ii. 3 Monate 3 Tage her #815558

Danke für die Rezension, ich persönlich fand die Serie äußerst gelungen, gehörte sie zu denen, die das Jahr 2017 für mich noch etwas versöhnlicher abgeschlossen haben.

Mich persönlich hat übrigens der Autor der Novel dazu gebracht, diese zu gucken. Es handelt sich hierbei um den gleichen Autor wie für Haganai (Boku wa Tomodachi ga Sukunai), Hirasaka Yomi, und da ich ein riesiger Fan eben dieser Serie bin musste ich mich einfach auf dieses Werk hier stürzen. Bereut habe ich es keine Sekunde, man merkt den Figuren auch definitiv an, dass sie aus der selben Feder stammen, haben sie doch alle etwas besonderes an sich und zeigen genug Tiefe, um dabei auch ernst genommen zu werden, trotz der Macken.
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