• Seite:
  • 1

THEMA: Kemono Friends

Kemono Friends 8 Monate 2 Wochen her #814534

  • Tazzels
  • Tazzelss Avatar Autor
  • Offline
  • Redakteur
  • Redakteur
  • ¯\_(ツ)_/¯
  • Beiträge: 151
  • Dank erhalten: 1067
Wer sich schon länger in der internationalen Anime-Community aufhält, der wird bestätigen können, dass in dieser so etwas wie ein „Konsens“ praktisch nicht existiert. Von Land zu Land und Kultur zu Kultur unterscheidet sich der Geschmack oft drastisch. Das beweisen etwa Shows wie Space Dandy, die trotz ihrer japanischen Produktion eher für den westlichen Markt gedacht sind. Und während Idol-Animes wie Love Live! im Heimatland einen riesigen Hype erzeugt haben, ist deren Erfolg auf der anderen Seite des Globus um einiges überschaubarer. Auch im Winter 2017 wunderte sich der Rest der Welt mal wieder über den ungewöhnlichen Geschmack der Japaner. Statt über die zweite Season des Überraschungshits Konosuba oder die lieblichen Drachen-Maids von Fräulein Kobayashi zu reden, kursierte in den sozialen Netzen ein Anime namens „Kemono Friends“. Auf den zweiten Blick schien diese Fixierung umso verwirrender: Alles, was man sah, war eine kindische, billig produzierte 3D-Serie über Tiermädchen. „Sind die jetzt völlig übergeschnappt, die Japaner?“ Nun, falls ihr euch mit mir etwas näher herantraut, erkennt ihr vielleicht, dass sich hinter der abschreckenden Fassade eine der interessantesten Serien des vergangenen Jahres verbirgt.

Der Name Kemono Friends trat erstmals im Jahr 2015 auf. Doch nicht als Manga oder Novel, sondern als Titel einer Smartphone-App. Im Mobile-Game konnte man sich auf die Reise in den „Japari-Park“ machen, einem riesigen Biotop, in dem anthropomorphe Tiermädchen, die sogenannten „Friends“, leben. Mit deren Hilfe ist es die Aufgabe des Spielers, die bösartigen Ceruleans zu besiegen. So weit, so gut. Doch obwohl sich das Ersetzen von Objekten oder Lebewesen durch „Cute Girls“ bereits als erfolgreiches Konzept bewiesen hat, schien die App auf keinen grünen Zweig zu kommen. So kam es, dass das Spiel im Dezember des Jahres 2016 überraschend eingestellt wurde. Hier könnte unsere Geschichte auch bereits zu Ende sein, doch gab es da noch ein offenes Projekt. Eigentlich war für das kommende Jahr eine Anime-Serie geplant, die die Verkaufszahlen nochmals ankurbeln sollte, wofür es jetzt natürlich zu spät war. Für einen Abbruch war die Produktion jedoch bereits zu weit fortgeschritten. Somit wurde dem Debüt-Regisseur Tatsuki und seinem gerade einmal zehn Mann starken Team von Studio Yaoyorozu freigestellt, den Anime zu vervollständigen. Und nur zwei Monate später kursierte der Name Kemono Friends bereits überall durch das Netz.

Aber warum? An der Prämisse scheint sich zumindest wenig geändert zu haben: Ein junges Mädchen wacht ohne Erinnerung inmitten der Savanne auf und trifft in ihrer Umgebung auf zahlreiche Friends, die ihr erklären, dass sie sich im Japari-Park befindet. Einer dieser Friends ist Serval, ein energiegeladenes Mädchen mit den Attributen der namensgebenden Wildkatze. Der ungewohnte Anblick der Protagonistin weckt die Neugier in ihr: Welcher Friend ist sie? Was sind ihre Stärken? Und was ist das große Ding auf ihrem Rücken? Bis auf den Rucksack (jap. „Kaban“), den sie trägt, kann die Protagonistin allerdings nichts erklären. Doch Serval hat schon einen Plan parat: Zusammen mit der neugetauften Freundin „Kaban-chan“ macht sie sich auf den Weg zur Japari-Bibliothek, um all jene Fragen endgültig zu lösen. Auf dem Weg dorthin treffen die beiden in episodischer Struktur auf zahlreiche andere Friends und lernen Stück für Stück mehr über Kabans Identität und die Welt des Japari-Parks.

Auf den ersten Blick ähnelt es einer generischen Kinderserie, besonders durch die Zwischensequenzen, in denen dem Zuschauer besondere Fakten über die ursprünglichen Tiere gelehrt werden. „Und warum sollte ICH mich mit diesem kindischen Anime abgeben?“ Die einfache Antwort: Es macht Spaß. So simpel der Aufbau der Episoden auch wirkt, so effektiv sind sie doch. Der Anime schafft es, die abenteuerliche und weite Stimmung des Japari-Parks einzufangen; ihn wie eine Art „Open-World“ wirken zu lassen. Auf ihrem Road-Trip treffen Kaban und Serval immer wieder auf eine andere Gruppe von Friends und lösen gemeinsam mit diesen ein Problem. Deren individuellen Eigenarten machen jede Episode reizvoll und unterhaltsam. Doch unter diesem bunten, spaßigen und harmlosen Äußeren versteckt sich noch ein weitaus tieferer Reiz: Das Mysterium. Ähnlich wie etwa beim Pokémon-Spin-off Mystery Dungeon, werden wir von Beginn an ohne eine Erklärung in die Weiten des Japari-Parks geworfen, der im Gegensatz zur Smartphone-Variante nicht von Menschen überwacht wird. Ganz im Gegenteil: Kaban scheint weit und breit das einzige Mädchen ohne Tiereigenschaften zu sein. In der postapokalyptisch anmutenden Welt zeugen nur vereinzelte Ruinen und Artefakte von der Vergangenheit als „Park“. Hin und wieder wird der eigentlich lockere Ton für einen kurzen Moment durchbrochen: Wir erhalten eine vage Andeutung, die unser Gehirn plötzlich aufschrecken lässt. Wie ein Puzzle setzt sich die Hintergrundgeschichte zusammen und entwickelt komplexere Ideen, als man es dem Anime zugetraut hätte. Die große Stärke der Serie ist die Kontrolle über den Informationsfluss. Obwohl es nach dem selbstverständlichen Baustein jeder Mystery-Story klingt, scheitern selbst kritisch gelobte und hochproduzierte Animes wie Shinsekai Yori oder Shiki an genau diesem Detail. Umso erstaunlicher ist es, dass Kemono Friends diese „dunkle“ Atmosphäre ganz ohne Rückgriff auf Gewalt erzeugen kann. In einer Industrie, die selbst unschuldige Magical Girls in eine brutale und erwachsene Geschichte steckt, ist diese Leichtfüßigkeit eine wahre Erfrischung.

Doch ein gewaltiger Makel ragt euch wahrscheinlich immer noch wie ein Dorn ins Auge. Ich will an dieser Stelle auch nichts beschönigen: Die 3D-CGI-Animationen sind unter aller Sau. Alle Charaktere bewegen sich wie steife Holzpuppen und die Modelle sind teilweise so schlecht auf den Hintergrund gesetzt, dass deren Ränder zu flimmern beginnen. Und obwohl die Produktionsqualität im Vergleich selbst Berserk (2016) wie ein Meisterwerk dastehen lässt, stören mich diese Pannen bei Kemono Friends weitaus weniger. Das liegt vor allem daran, dass sich die vielen Spielereien von Serval & Co. nicht sonderlich ernst nehmen. Statt die bekannten Animationstricks mit ihren kruden Möglichkeiten zu imitieren, fand das Team kreativere Wege, Szenen zu gestalten. Außerdem sind sowohl die Charakterdesigns, als auch die Umgebungen äußerst gelungen. Erstere wurden vom Sergeant Frog-Mangaka Mine Yoshizaki konzipiert, die Hintergründe stammen von Zeichner Yuuko Shiromizu, der bereits mit den hochrangigen Studios P.A. Works und Production I.G. arbeiten durfte. Die musikalische Begleitung kann zwar nicht auf dem gleichen Niveau glänzen, verbreitet aber eine Art „National Geographic“-Vibe, der die Abenteuerstimmung gut unterstützt.

Böse Zungen mögen behaupten, dass es sich bei Kemono Friends lediglich um einen Glückstreffer gehandelt hat. Durch die Eigenarten des Internets wurde eine obskure Show zufällig ins Spotlight der Community gerückt. Doch diese Ansicht wird den tatsächlichen Qualitäten des Animes in keiner Weise gerecht. Wenn ihr nämlich eine Sache aus dieser Rezension mitnehmen solltet, dann dass es am Ende nicht darauf ankommt, wie viel Budget hinter einer Serie steht oder wie „erwachsen“ ihre Geschichte wirkt. Trotz der gefühlten Geldmittel eines labbrigen Pausenbrotes, hat es das winzige Team um Regisseur Tatsuki und Studio Yaoyorozu durch pure Leidenschaft geschafft, die meistdiskutierte Anime-Serie der vergangenen Winterseason zu produzieren und ein ganzes Franchise vor seinem scheinbar unvermeidbaren Tod zu bewahren.

Einen schönen Tag euch noch!

Euer Tazzels

– "Wer zuletzt lacht, hat den höchsten Ping."
Letzte Änderung: 8 Monate 1 Woche her von Tazzels.

Kemono Friends 8 Monate 1 Woche her #814721

Als ich 23 Jahre alt war habe ich Kemono Friend gegugt und ich fand den anime super! Er war einfach so niedlich und witzig und auch wenn man bei der ersten Episode etwas von der "rohen Grafik" überwältigt wird hat man dies in den weiteren Episoden garnicht mehr wahrgenommen und mal ehrlich? Wer hat nicht gelacht als die Vogel-Friend einfach nur hochgeschwebt ist ohne ihre Flügel oder sonst was zu bewegen? Das war einfach urkomisch XD.

Ich kann bestätigen das die Serie keinesfalls nur was für Kinder ist und auch erwachsene spaß daran haben, dazu kommen noch sehr interessante Fakten zu Tieren von denen ich teilweise noch nichtmal was gehört hab, man lernt also auch noch etwas :).

Allen Skeptikern gebe ich einfach mal den Rat, gugt euch die ersten 3-4 Episoden an und wenn es euch dann immernoch nicht gefällt habt ihr das Kindliche in euch verloren und seid zu einem ernsten öden Leben verdammt, denn wer Kemono Friend nicht zumindest teilweise komisch oder niedlich findet mit dem stimmt irgendwas nicht XD.

Es ist ein seichtes urkomisches Abenteuer, das ganz klar mit seinem einzigartigem Charme punktet und hätten sie es wie eine normale Anime-Serie gestaltet und nichtmit dieser schlechte 3-D Grafik, ich denke etwas von diesem Charme wäre verloren gegangen, für mich ganz klar ein unterschätztes Meisterwerk, das zeigt das das Budget eines Animes nicht über seine Qualität bestimmt, sondern auch ein Low-Budget Anime mit der Leidenschafft seiner Produzenten zu einem Spitzenanime werden kann.

Love -Saber-
Letzte Änderung: 8 Monate 1 Woche her von -Saber-.
Folgende Benutzer bedankten sich: skrabob, Naruto-21
  • Seite:
  • 1
Moderatoren: LaynaForummodLodrahilKnivesYuriko.Deviltoon
Powered by Kunena Forum