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THEMA: Gakkou Gurashi!

Gakkou Gurashi! 4 Monate 3 Wochen her #812186

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Das Schulleben kann manchmal echt hart sein. Neben ständigen Tests, dem Zwang, im Unterricht aufzupassen, mobbenden Mitschülern oder Unmengen an Hausaufgaben muss man sich zusätzlich noch mit den Problemen zuhause herumschlagen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Schüler eher schlechte Erinnerungen mit dieser Einrichtung verbinden. Allerdings vergisst man dabei gerne die guten Aspekte. So finden sich Freunde fürs Leben oder man tritt Schulklubs bei, die das Interesse für bestimmte Hobbys wecken. Die Liebe – oder eben der Hass – zur Schule ist dabei letztendlich immer abhängig davon, was der Schüler selbst dort erlebt. Ich für meinen Teil bin ja noch einigermaßen gerne dorthin gegangen (abgesehen vom frühen Aufstehen). Allerdings würde ich nicht behaupten, dass ich den Ort so sehr mag, dass ich mir vorstellen könnte, dort zu leben.

Yuki Takeya träumt hingegen davon. Sie liebt die Schule und hat sich deswegen dort einquartiert sowie den School Life-Club gegründet. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, jede freie Minute in besagtem Gebäude zu verbringen. Allerdings ist sie nicht alleine, denn zur ihr gesellen sich die frohsinnige Kurumi Ebisuzawa, die fürsorgliche Yuuri Wakasa, die nachdenkliche Miki Naoki und deren Hund Taroumaru. Yuki stellt durch ihre energiegeladene Persönlichkeit allerdings das Zentrum des Clubs dar und hält die anderen ziemlich auf Trab. Auch ihre Lehrerin Megumi Sakura muss immer ein Auge auf das kleine Energiebündel werfen. Welche spannenden Abenteuer wird der School Life-Club in der Schule erleben?

Dies ist soweit die Handlung des Animes Gakkou Gurashi!, der 12 Episoden umfasst und in der Sommerseason 2015 erschien. Animiert wurde die Serie von Studio Lerche, während Masaomi Andou (Kuzu no Honkai, Muv-Luv Alternative: Total Eclipse) Regie führte. Der erste Band des Manga-Originals, geschrieben von Norimitsu Kaihou, wurde im Juli 2012 veröffentlicht und umfasst zum aktuellen Stand neun Bände. Bevor ich zum Hauptteil dieser Rezension komme, empfehle ich zumindest die erste Episode des Animes anzuschauen, da diese am besten ihre Wirkung entfalten kann, wenn man so gut wie nichts über den Titel weiß. Ich werde mich im weiteren Verlauf dieses Textes sehr stark auf diese Folge beziehen, ihr seid also hiermit gewarnt.

Gakkou Gurashi! beginnt im Grunde genommen wie viele andere Vertreter des Cute-Girls-Doing-Cute-Things-Genres. Verschiedene Mädchen mit jeweils unterschiedlichen Persönlichkeiten verfolgen ein ungewöhnliches Hobby – in diesem Fall in der Schule zu leben. Zugegeben, es ist nicht so ungewöhnlich wie beispielsweise Panzerkämpfe, aber trotzdem eine Sache, die sicherlich nicht viele Menschen machen würden. Dabei scheint alles recht normal zu sein … bis man ans Ende der ersten Episode gelangt. Dieses stellt einen ziemlichen Tonwechsel zur vorherigen Atmosphäre dar, indem es von einer recht fröhlichen und heiteren Stimmung zu einer düsteren sowie melancholischen wechselt.

Es stellt sich nämlich heraus, dass sich Yuki die ganze Geschichte mit dem School Life-Club nur in ihrem Kopf zusammengedichtet hat und sie in Wahrheit zusammen mit den Clubmitgliedern Überlebende einer Zombie-Apokalypse sind.Der Rest weiß dies, nur sie verdrängt die schreckliche Realität und flüchtet sich in ihre Fantasie. Die anderen Mädchen spielen einfach mit, da ihre positive Ausstrahlung in Angesicht des allgegenwärtigen Todes eine Art Balsam für die Seele darstellt. Mit ihren Aktionen lenkt Yuki alle von dem ab, was außerhalb der Schule passiert. Dabei wird in der Serie mehrmals angesprochen, ob es richtig sei, sie in diesem Zustand zu lassen oder ob sie nicht doch mit der Realität konfrontiert werden sollte. Der moralische Zwist hinsichtlich dieser Frage ist dabei klar erkenntlich und gibt der ganzen Situation mehr Tiefe.

Trotz all dieser Umstände gibt es immer noch Szenen, die nach dem typischen Cute-Girls-Doing-Cute-Things-Schema aufgebaut sind. Diese stellen durch den Optimismus von Yuki recht freudige Ereignisse dar und erwecken an einigen Stellen eine fast schon zu fröhliche Atmosphäre. Der Kontrast durch die verbarrikadierte Schule und zerbrochene Fenster besteht zum Teil noch immer, allerdings wird nicht mehr unbedingt das Gefühl vermittelt, dass außerhalb der Schule Massen an Zombies umherwandern. Das ist auf eine Gewisse Weise allerdings gewollt, da der Zuschauer so mehr in die Gefühlswelt von Yuki eintaucht und versteht, warum die anderen sich nicht trauen, ihr die Wahrheit zu sagen. Außerdem wirken die ernsteren Szenen dann umso besser, wenn man vorher sieht, wie gut es eigentlich läuft.

Generell ist die Atmosphäre eine der großen Stärken des Titels. Je nach Situationen wird die korrekte Emotion hervorgerufen. Speziell die melancholischen Segmente werden effektiv dargestellt und zum Teil durch sehr passende Musik untermalt. Insbesondere der Übergang von einer der Episoden ins Ending sei hier positiv hervorgehoben. Die erste Folge als Ganzes ist ähnlich erfolgreich. Man wird die ganze Zeit im Glauben gelassen, dass alles in Ordnung sei, während, verteilt über die komplette Laufzeit, lauter kleine Hinweise versteckt sind, welche zeigen, was tatsächlich vor sich geht. Wenn man genau aufpasst, kann man so zerschlagene Fenster oder unheimliche Texte auf der Tafel sehen. Dazu kommt noch das Opening, welches zuerst noch extrem glücklich und lebhaft erscheint, während es nach und nach praktisch zerfällt und das dahinterliegende Grauen aufzeigt. Die frohe Musik spielt dabei trotzdem jedes Mal und stellt sehr wahrscheinlich Yuki dar, die trotzdem noch alles positiv sieht.

Trotz dieser durchdachten Elemente schöpfen einige der Hauptcharaktere hingegen leider nicht deren ganzes Potenzial aus. Sie sind keineswegs schlecht, sondern eigentlich sogar ziemlich gut ausgebaut, nur in Angesicht der präsentierten Geschichte hätte der Anime durchaus mehr rausholen können. So ist Yuki definitiv interessant und wird als Charakter gut beleuchtet, allerdings hört man nicht unbedingt ihre internen Dialoge und geht kaum auf ihre Psyche ein, was dem Werk sicher ein Stück mehr Komplexität gegeben hätte. Yuuri spielt aufgrund ihrer Fürsorglichkeit ein wenig die Rolle des Anführers, bekommt abseits davon allerdings nicht viele Momente, um großartig hervorzustechen. Ähnlich sieht es bei Kurumi aus, die dafür sorgt, dass alles in der Schule sicher ist und wenn nötig angreifende Zombies mit ihrer Schaufel erschlägt. Auch hier hätte man im Anime mehr auf sie eingehen können. Miki hat abseits von Yuki hingegen die am besten ausgebaute Persönlichkeit. Dies liegt zum Teil daran, dass sie noch recht neu in der Gruppe ist und anfangs Schwierigkeiten hat, sich mit dem Verhalten von Yuki zurechtzufinden. Das veranlasst sie, stärker über die Situation und ihre eigenen Ziele nachzudenken, während sie versucht, ihren Platz bei den bereits lang befreundeten restlichen Mädchen zu finden. Daraus entsteht zur gleichen Zeit eine recht interessante Gruppendynamik, welche eine sichtbare Entwicklung innerhalb der Serie durchläuft.

Optisch ist der Titel durchaus ansprechend, obwohl der Zuschauer dabei etwas für die vorhandene Moe-Optik übrig haben muss. Diese wurde zwar gewählt, um die Unterschiede zu den düsteren Elementen stärker hervorzuheben, jedoch kann es sein, dass der Anime in den fröhlichen Szenen dadurch etwas zu heiter und bunt wirkt. Wenn man allgemein nichts mit diesem Stil anfangen kann, lässt sich schwer sagen, ob der von Gakkou Guraushi! jemanden zum Umdenken bewegt. Man versucht auf jeden Fall optisch einiges herauszuholen, auch in Bezug auf Horror-Elemente, allerdings sind diese wiederum schwach in den Designs vertreten. Die Zeichnungen können an vielen Stellen düster wirken, jedoch hätte man etwas mehr – oder überhaupt richtig – Blut zeigen sollen. Der Kontrast zu den Cute-Girls-Doing-Cute-Things-Szenen ist auf jeden Fall da und funktioniert, jedoch wirkt es so, als wollte man noch unbedingt die sichere Option wählen. Musikalisch bekommt man eine gute Bandbreite geboten, wobei gerade der Mix zwischen den spielhaften, fröhlichen sowie den unheilvollen, düsteren Liedern hervorzuheben ist. Erstere werden zum Teil durch Instrumente wie Flöten und Xylophone untermalt, was einen unschuldigen Ton erzeugt, während letztere eher mit verzerrten aufwarten und Unbehagen erzeugen.

Gakkou Gurashi! ist insgesamt ein mitreißendes Erlebnis, wenn man sich darauf einlassen kann. Der Stil ist nicht jedermanns Sache und der Anime hätte noch stärker auf die Psyche der Charaktere eingehen können, aber es gibt genug Elemente, die das Werk sehenswert machen. Die Charaktere sind definitiv gut ausgearbeitet und vor allem die Atmosphäre kann durchgehend überzeugen. Solltet ihr euch auch nur ein wenig für diesen Titel interessieren, würde ich ihn euch auf jeden Fall ans Herz legen. Und wer weiß, vielleicht wisst ihr in Anbetracht einer möglichen Zombie-Apokalypse eure Schule dann zu schätzen … oder ihr zieht so ein Szenario dem Ganzen immer noch vor. In dem Fall wünsche ich dann noch viel Spaß beim Überleben.


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Vielen Dank an Moeface für die GIFs
Letzte Änderung: 2 Monate 4 Tage her von SilentGray.

Gakkou Gurashi! 2 Monate 3 Tage her #817013

Ach ja ^^, ich fand den Anime genial und er hat mir auch einen ordentlichen WTF-ist gerade passiert moment gegeben

Gakkou Gurashi! 2 Monate 3 Tage her #817019

Super Rezension.
Das ist ein Anime wo man am besten ohne Vorwissen rangeht.

Kommt bei mir auf jeden Fall ins Regal.
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Gakkou Gurashi! 2 Monate 3 Tage her #817029

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Ich bin, was Rezensionen angeht, oft relativ skeptisch um ehrlich zu sein. Diese ist allerdings wirklich gelungen - alle Stärken des Animes werden gebührend hervorgehoben, die Kritikpunkte sind klar erkennbar und doch elegant genug formuliert, dass man nicht sofort denkt, das Werk wäre katastrophal (finde es furchtbar, wenn das passiert, gerade für Leute, die den thematisierten Anime kennen und mögen...), und all das ist angenehm lesbar verpackt. Gefällt mir!
Soft caresses in every sound
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Is it real? Can I believe in
This comfort from the gods of old?
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