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THEMA: God of Bath

God of Bath 11 Monate 1 Woche her #807658

  • Korijee
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Ein gesunder Geist kann nur in einem gesunden Körper leben, so sagt ein Sprichwort. Mein Körper ist mein Tempel, meint ein anderes. Und sicher sind wir uns alle einig, dass die Reinheit des Körpers einer der Schlüssel zu einem langen Leben ist. Das wussten schon die alten Römer mit ihrer fortschrittlichen Bade- und Wellness-Kultur. Auch heute noch gibt es Länder und Gesellschaften, die um das Baden herum einen wahren Kult aufgebaut haben. Japan mit seinen heißen Quellen springt da sofort ins Gedächtnis, doch es ist lange nicht das einzige ostasiatische Land, das seine Badehäuser in allen Ehren hält. Auch Südkorea ist berühmt für seine Bäder, die dort mehr Stätten der Einkehr und Ruhe gleichen als schnellen Wasch-Partien. Heute tauchen wir bis zum Kinn in einen ganz besonderen Manhwa ein, der sich um eben dieses feuchtfröhliche Thema dreht.

God of Bath. Das ist der Titel des Webtoons von Ha Il-Kwon, der 2011 online erschien und dem die Genre Comedy und Coming of Age Drama zugeordnet werden könnten. Und falls euch der Name des Autors vielleicht bekannt vorkommt, dann ist dies, weil wir bereits zwei seiner anderen Werke, Annarasumanara und Afterschool War Activities, auf Proxer.Me rezensiert haben. Wird auch God of Bath der durch und durch guten Reputation des Zeichners gerecht, oder fühlt es sich eher an wie ein Sprung in kaltes Wasser?

Die Story folgt Heo Se, einem 23-jährigen Uni-Absolventen in Seoul, der vor der harten Realität steht, dass ein Bachelor in Design nicht unbedingt der Generalschlüssel zum Arbeitsmarkt ist, den er sich vielleicht erhofft hat. Aufgrund seines eher lockeren Lifestyles, seiner eigenen Inkonsequenz sowie der allgemeinen Hürden der koreanischen Leistungsgesellschaft, sieht sich Se in der Situation, Geld von einem privaten Verleiher borgen zu müssen, um über die Runden zu kommen. Eines Tages von seinem Gläubiger quer durch die Stadt gejagt, der den jungen Mann am liebsten als Sklaven auf einem Hochsee-Fischer-Boot die Schulden abarbeiten lassen will, flüchtet und versteckt sich Se in einem imposanten Gebäude, dem sogenannten Gold Bath, einem riesigen Badehaus mitten in der Stadt.
Dort angekommen und in einem Becken untergetaucht, bittet ihn ein alter Mann freundlich, die abgestorbene Haut von dessen Rücken zu schrubben, da er diesen selbst nicht erreichen kann. Hier muss vielleicht eine kleine Erklärung eingeschoben werden: das mehr oder minder schmerzhafte Abschrubben von toter Haut, des sogenannten Ttae, mittels eines schleifpapier-ähnlichen Lappens ist in der koreanischen Gesellschaft tief verankert. So ist es üblich, dass Familien sich wöchentlich gegenseitig abschrubben, und in koreanischen Badehäusern gibt es normalerweise Angestellte, die dies für die Kunden erledigen.
Wie auch immer. Zufall, Schicksal und Glück bringen Se dazu, dem alten Mann den Rücken zu schrubben. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Fremden um den Besitzer des Gold Bath handelt. Beeindruckt von Ses Schrubb-Talent bietet der Präsident dem bankrotten Arbeitssuchenden an, dessen gesamte Schulden zu übernehmen, wenn dieser dafür als Schrubber in seinem Bad anfängt und im anstehenden Haut-Schrubb-Turnier gegen die besten Schrubber antritt, um den ultimativen Preis zu gewinnen: einen brandneuen Mittelklasse Sedan! Ach, und 300.000 Dollar. Eine Chance, oder vielleicht doch ein Deal mit dem Teufel? Was auch immer es ist, Se hat keine andere Wahl, als die Herausforderung anzunehmen …

God of Bath reißt uns in eine bizarre und völlig verrückte Geschichte um Lappen, Wasser und Haut, die von einer lächerlich komischen Situation in die nächste springt. Die größte Stärke des Manhwas sind dabei seine Charaktere, allen voran der eitle, faule, selfiesüchtige und verpeilte Se, der zu unserem Protagonisten und zur Bezugsperson Nummero Uno heranwächst. Wenngleich er anfänglich unsympathisch wirkt, ist er trotz seines überzogenen Charakters doch der mit Abstand normalste Mensch im Bad. Denn eines ist sicher, der Cast, dem wir hier vorgestellt werden, ist gespickt mit exzentrischen Persönlichkeiten, die mit ihren Aktionen und Reaktionen den Hauptteil der recht dialoglastigen Erzählung bilden. Se findet sich in einer Welt wieder, in der alle um ihn herum vollkommen besessen von der Idee sind, der beste Schrubber des Planeten zu werden. Eine Welt, in der Bad-Kämpfe ausgetragen werden, in der Bananen-Milch wertvoller als Gold zu sein scheint und wo eine knappe Badehose zum Statussymbol wird. Gerade diese völlig unverhältnismäßige und von der Realität abgekoppelte Überhöhung simpelster Dinge macht den Manhwa aus. Als Leser fühlt man sich angespannt und fiebert mit, wenn die Situation brenzlig wird, ehe man realisiert, dass es letztendlich nur darum geht, einem Kunden die alte Haut abzuschrubben und man sich fragt, was man hier eigentlich tut. Im Rahmen dieses Settings schafft es der Webtoon durchaus, nicht nur spannungsvolle Geschichten sondern auch geniale Story-Twists zu konzipieren, die an der Stange halten.

Was uns als Betrachter jedoch als allererstes ins Auge fällt sind wohl die kräftigen und fast schon als leuchtend zu bezeichnenden Farben, in welchen der gesamte Comic gehalten ist. Während Ha Il-Kwon bei seinen anderen Werken eine Mischung aus Schwarz-Weiß und Farbe bevorzugt, hat er sich bei God of Bath dazu entschieden, alle Panels durchweg zu kolorieren, und das nicht gerade dezent. Strahlendes Blau, tiefes Schwarz, Blutrot und verschiedene Hauttöne prägen das Bild, das in seinen Formen und Konturen relativ minimalistisch ausfällt. So bestehen die Handlungsträger meist nur aus wenigen Strichen und Details, während die Hintergründe, insbesondere das prächtige Gold Bath, beinahe schon lächerlich prunkvoll ausgezeichnet wurden. Auffällig sind die individuellen Charakterdesigns des Cast. Die zahlreichen Schrubber des Badehauses sehen aus wie Mitglieder einer K-Pop-Band und laufen 90% der Zeit nur mit Shorts bekleidet herum, trotz allem würde ich nicht von Fan-Service sprechen, denn die modelähnliche Schönheit der Angestellten wirkt weniger ernst gemeint als vielmehr wie Parodie. So scheut Ha Il-Kwon nicht davor zurück, hin und wieder völlig überzeichnete Personen oder Gesichtsausdrücke einzuwerfen und kreiert damit nicht nur einen einzigartigen, einprägsamen Stil, sondern mindestens ebenso unverkennbare und optisch starke Charaktere.

Einer der wichtigsten Punkte dieses Manhwas ist sein sehr hoher Comedy-Anteil. Die Geschichte dreht sich um Ses Alltag und Training im Bad, um das kommende Turnier zu gewinnen. Dabei muss er Bad-Kämpfe über sich ergehen lassen, skurrile Tests bestehen, schwierige Kunden managen und gleichzeitig den Intrigen und Machtkämpfen innerhalb der Bad-Hierarchie entgehen. Der Großteil des humoristischen Effektes wird dabei dadurch erzeugt, dass Se als „normaler“ Mensch auf die „abnormalen“ Gegebenheiten innerhalb des Gold Bath reagiert. Oberflächlich betrachtet reihen sich dabei Slapstick-Einlagen und Situations-Komik aneinander. Doch der Schein trügt, denn God of Bath ist auf keinen Fall Nonsense-Comedy, denn unter der farbenfrohen Hülle liegt eine zweite Ebene aus durchaus geistreichen Wortspielen, dialogbasiertem und charakterzentriertem Humor sowie unendlich komischen Twists und Enthüllungen, die mich mehr als einmal kalt erwischten und auflachen ließen.

Sicher fragt ihr euch jetzt, wo hier das oben erwähnte Drama hinein spielt. Wer Ha Il-Kwon kennt, der wird einige Themen wiederfinden, die der Autor in allen seinen Werken anspricht, insbesondere die Schwierigkeiten des Erwachsen-Werdens und der Selbstfindung in der südkoreanischen Gesellschaft, die nicht viel übrig hat für alles, was von der Norm abweicht. Der Beruf eines Haut-Schrubbers ist nur wenig prestigeträchtig und gilt in Korea als niedere, schmutzige Arbeit für jene mit geringen Schulabschlüssen. God of Bath dreht den Sachverhalt einer Parodie gleich auf den Kopf, indem es eine Welt zeigt, in der für die Charaktere nur eines im Leben zählt: das Schrubben. Keine Profession, sondern mehr eine Kunst. Se sowie die anderen Außenstehenden dagegen spiegeln die harte Realität wieder. So versucht unser schwarzhaariger Protagonist seinen neuen Beruf vor seinen Freunden geheim zu halten, sieht sich immer wieder mit Scham vor dem, was er tut, konfrontiert, und damit, dass er dazu gezwungen wurde, im Gold Bath zu arbeiten, während es für alle um ihn herum ein Traum zu sein scheint. So gerät Se im Laufe der Story immer mehr in einen Zwiespalt, was seine Zukunft angeht … was soll er tun? Was erwartet die Gesellschaft von ihm? Und will er wirklich bis zur Rente die Haut fremder Leute schrubben?
Der Comedy-Anteil schraubt während dieser Phasen immer weiter zurück und nicht nur der Charakter des Se, sondern der ganze Manhwa macht eine grundlegende Entwicklung durch, die unerwartet kommt und aus einem Werk, das für ein paar Lacher gut ist, etwas macht, das uns mit Selbstreflektion und Selbstfindung konfrontiert und mit der Frage zurücklässt, was wir mit unserem Leben anfangen sollten. Was ist wichtiger? Geld oder Sinn? Das, was ich will, oder das, was meine Familie und Freunde von mir wollen? Die Probleme der Undankbarkeit, der Geringschätzung und der Unsicherheit.

Zurück bleibt man mit einem Lächeln, dem sich keiner verweigern kann, der das letzte Panel dieses grandios gezeichneten und gefühlvoll komponierten Manhwas gelesen hat. God of Bath wird euch zum Lachen und zum Nachdenken bringen, und allein dafür gibt es von mir eine ehrliche Empfehlung.

das war ... zum allerletzten Mal ...
Korijee


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Letzte Änderung: 9 Monate 1 Woche her von Korijee.

God of Bath 11 Monate 4 Tage her #808201

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Ich wäre im Traum nie drauf gekommen den Manhwa zu lesen. Ich meine ja nur was soll so toll daran sein wie jemand einen seinen Rücken abschrubbt. Naja, ich bin schonmal über ihn drüber gestolpert, hab aber sofort weiter gesucht nachdem ich gesehen hab worum es gehen soll.

Aber nach deiner Rezensionen muss ich ihn einfach lesen. Ich bin ein Fan von Manhwas, da die "Bilder" farbig sind ^^ und mit der Zeit verstecken sich die Qualitativen und sind kaum auffindbar.

Mal schauen, ob deine Empfehlung meinen Erwartungen gerecht wird.

^^Tae-JinPYO
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