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THEMA: Namida Usagi: Tränenhase

Namida Usagi: Tränenhase 11 Monate 2 Wochen her #807074

Nichts ist ein so großes Mysterium wie die Pubertät. In keiner Lebensphase lernt und entdeckt man so viel wie in dieser. Man begegnet Situationen, in denen man nie sein wollte, und bekommt Probleme, die man sich nie erhofft hat zu bekommen. Die ersten richtigen Freundschaften, Trennungen und das Philosophieren über die eigene Persönlichkeit sind nicht die einzigen Faktoren, welche diese überaus wichtige Phase unseres Lebens steuern. Achterbahnfahrten der Gefühle, unentdeckte Zuneigungen und die erste große Liebe sind oftmals Hauptteile dieser sensiblen Zeitperiode. Dein Herz pocht, du möchtest weinen und im nächsten Moment vielleicht doch deine ganze Freude hinausschreien?
Genau an dieses emotionale Wirrwarr aus Hormonen, Zuckerwatte und Tränen hat sich Ai Minase mit ihrem Werk Namida Usagi: Tränenhase herangewagt.

2013 wurde die zehn-bändige Manga-Serie hierzulande erstmals von Egmont Manga veröffentlicht. In den 58 Kapitel erschafft Ai Minase einen High-Romance Plot, der von Momoka Usami und ihrer ersten Liebe handelt. Ob es dieses Werk schafft den Leser vollends zu berühren oder doch zu viel hernimmt, erfahrt ihr in dieser Rezension.

In japanischen Schulen entscheidet das Los über die Sitzordnung eines Drittels des Schuljahres. So zog auch Momoka ihren Sitzplatz und muss fortan neben dem Loser der Klasse sitzen. Verschroben, still und scheinbar unhöflich – so wird Takahiro Narumi beschrieben. Ohne dass besonders viele Personen etwas mit ihm zu tun haben, wird er als der Loser schlechthin dargestellt. Momoka ist ein süßes, unschuldiges Mädchen, liebt Hasen und ist überhaupt nicht begeistert von dieser Situation. Sie fürchtet, vom Fluch getroffen zu werden, der angeblich noch auf Narumi lastet. Dieser besagt, dass seine Tischnachbarinnen niemals einen Freund finden würden. Doch schon bald entdeckt Momoka, wie tief stille Wasser wirklich sein können. Der Manga greift diese Thematik auf und präsentiert dem Leser eine berührende Geschichte von Freundschaft und Liebe. Durch das nahe Beisammensein der beiden entwickelt sich eine zuckersüße Liebesgeschichte. Unentdeckte Seiten der anderen Person zu entdecken, Schmetterlinge im Bauch, Tränen und der Umgang mit der ersten Beziehung. Auch negative Aspekte werden aufgegriffen und die Gefühlswelt eines frisch verliebten Mädchens wird ebenfalls nicht zu kurz beschrieben. So sieht man bereits in den ersten Kapiteln, wie sich Momoka von den Vorurteilen leiten lässt und später herausfindet, was für ein komplett anderes Bild man bekommen kann, wenn man sich selbst mit solchen Personen befasst.

Den Manga könnte man tatsächlich als Zucker bezeichnen, denn nicht ohne Grund lautet der Titel des Werkes Namida Usagi: Tränenhase. Momoka ist wahrlich ein sehr emotionales Mädchen. Durch viele traurige Momente, bei denen nicht besonders viel passiert, kann die Story ein wenig eintönig erscheinen. Sie nehmen den Leser zwar in seinem Bann, aber man sollte sich darauf einstellen, dass es oft sehr traurig zu geht und Momokas Tränendrüsen keine Pause bekommen. Dennoch gibt es einige gelungene Comedy-Einlagen, bei denen man sich ein Grinsen nicht verkneifen kann. Sei es, wenn die Protagonistin sich über jede erdenkliche Kleinigkeit Sorgen macht oder ihre Verspieltheit an niedlichen Welpen oder Häschen zeigt. Auch wenn es um die Begegnungen der Eltern geht oder unangenehme Gespräche gezeigt werden, kann man sich einen Lacher nicht verkneifen. Nichtsdestotrotz erzählt dieser Manga eine lange Story, angefangen in der Mittelschule bis hin zur Berufswahl. Im Leben einer Person passieren eben nicht nur gute Dinge. Gefühle wie Eifersucht, Ungewissheit und Verärgerung sind genauso ein Teil davon wie Liebe und Trauer. Ai Minase erschafft eine gute Bindung zu all den Themen und bereitet dem Leser dadurch ordentliches Herzrasen.

Wie es bei Slice-of-Life zu erwarten ist, punktet das Werk vor allem mit guten Charakteren. So ist nicht nur Takahiro Narumi ein wichtiger Punkt der Geschichte, sondern auch die anderen Figuren, die eine wundervolle Freundschaft aufbauen. Der Leser lernt die unterschiedlichsten Persönlichkeiten kennen, welche die Ereignisse ziemlich bunt gestalten. Durch das Werk begleiten wir die Protagonistin durch verschiedene Lebenssituationen und merken, wie die Charakterentwicklung, nicht nur bei ihr sondern auch bei ihren Freunden langsam stattfindet.

Ebenfalls sehr erfreuend sind die nicht zu erwartenden Plottwists. Auch wenn es zu Beginn sehr Mainstream wirkt, wird man dennoch häufig überrascht und bekommt das Gefühl, einen Manga zu lesen, der den Leser nicht so schnell langweilt. Doch auch dieses Werk besitzt so seine Schwächen – ein Beispiel dafür ist, dass in dem Werk an einigen Stellen Pausen entstehen, da die Protagonistin etwas dramatisiert, was in unseren Augen einfach unnötig erscheint und so die Story aufhält.

Der niedliche Zeichenstil des Mangas kommt in Shoujos oft vor und ist unverkennbar. Ai Minase startete ihre Karriere als Assistentin der bekannten Mangaka Arina Tanemura.Trotz dessen, dass er sehr einfach gehalten ist, kann man die individuellen Charaktere gut voneinander unterscheiden. Es wird viel mit Folien gearbeitet, doch es bleibt stets übersichtlich und behindert den Lesefluss dadurch nicht im Geringsten. Die Hintergründe sind dadurch allerdings eher standardmäßig und nicht mit vielen Details ausgearbeitet, aber es entsteht eine sehr gute Atmosphäre, welche auch bei vielen unterschiedlichen Ereignissen konstant bleibt. Ein nettes Detail ihrerseits ist, dass sie ihre eigenen Kommentare zu der Geschichte am Anfang der Kapitel im Manga integriert, sodass die Leser erfahren, was sich die Mangaka dabei gedacht hat und welchen Hintergrund die Geschehnisse haben. Ebenfalls tauchen ab und an einige Chibi-Zeichnungen auf, die der Story einen sehr süßen Flair geben.

Abschließend kann man sagen, dass Namida Usagi: Tränenhase ein sehr herzerwärmender und dramatischer Manga ist. Auch wenn es heute sehr üblich ist, dass sich Romance und Slice-of-Life Werke sehr ähneln und den Geschichten oft etwas sehr spezielles fehlt, so bekommt man dieses Gefühl hierbei nicht so schnell. Die verschiedenen Situationen, die wir am Beispiel von Momoka sehen dürfen, entsprechen oft der ausgeschmückten Realität eines Mädchens, welches sich das erste Mal verliebt. Dennoch kann ich dieses Werk nicht für jede Menschenseele empfehlen. Die Story ist sehr tränenlastig, was etwas Positives, aber auch etwas sehr Negatives sein kann. Nach einer gewissen Zeit kann das dauernde Tränenvergießen Momokas schon den einen oder anderen ziemlich nerven, aber andererseits geht es auch genau darum – die Ungewissheit, wie man sich in dieser schwierigen Lebensphase verhält und sich ein ordentliches Leben aufbaut. Sollte der Leser dieses Problem allerdings nicht haben oder sogar eine solch gefühlsvolle Story mögen, so empfehle ich dieses Werk jedem Shoujo-Fan, der erhofft, eine innige und liebevolle Liebesgeschichte zu lesen, mit überraschenden Wendungen und Momenten, die einen jeden definitiv ebenfalls zu Tränen rühren.

Letzte Änderung: 11 Monate 2 Wochen her von Hijikata-Chizuru.
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