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THEMA: Jinrui wa Suitai Shimashita

Jinrui wa Suitai Shimashita 7 Monate 3 Wochen her #804419

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Ob als Buch, Film oder Fernsehserie: Diese Medien öffnen dem Menschen das Tor zur Fiktion. Wir lieben es, das Unmögliche möglich zu machen; Dinge aus längst vergangenen Zeiten vor unseren eigenen Augen wiederzuerwecken oder gar einen Blick in die Zukunft zu werfen. Leider sind sich diese Szenarien erschreckend oft einig: Die Menschheit währt nicht ewig. Doch auch wenn wir von einer außerirdischen Invasion oder einer tödlichen Krankheit an den Rand der Auslöschung getrieben werden, wir werden bis zum erbitterten Ende kämpfen! Aber sind wir mal ehrlich: So spektakulär werden die letzten Tage unserer Spezies wohl kaum sein, und Hilfe von Fremden werden wir voraussichtlich nicht einmal benötigen. Jinrui wa Suitai Shimashita, oder auch: „Die Menschheit ist untergegangen“, nennt sich das dieswöchige Werk, welches die Endzeit, entgegen seines unverblümten Namens, in ein humoristisches Licht rückt.

Seinen Anfang nahm das Projekt 2007 als Light Novel von Romeo Tanaka, den einige vielleicht als Autor verschiedener Visual Novels, wie etwa Shoujo-tachi wa Kouya wo Mezasu und Rewrite, kennen. Im Sommer 2012 folgte die zwölffolgige Animeadaption von Studio AIC ASTA unter Regisseur Seiji Kishi, bekannt für seine Arbeit an Angel Beats!, Assassination Classroom und Danganronpa.

Am Ende hat es eben doch keinen Meteoriteneinschlag oder Supervulkan gebraucht, um die Menschheit zu vernichten. Das haben wir ganz alleine hinbekommen. Aber vor dem Untergang steht die Welt von Jinrui wa Suitai Shimashita bei Weitem nicht. Ganz im Gegenteil: die Welt wirkt ursprünglicher und friedlicher als je zuvor. Selbst die letzten Überlebenden scheinen sich mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben. Als neue dominante Spezies haben sich die sogenannten „Feen“ durchgesetzt, die um einiges intelligenter und widerstandsfähiger als deren Vorgänger sind. Schwer zu glauben, denn die winzigen Wesen scheinen nichts als Spaß und Süßigkeiten im Sinn zu haben. Die Vereinten Nationen, beziehungsweise was von denen übriggeblieben ist, setzen deswegen Botschafter ein, um die Beziehungen zwischen Menschen und Feen zu stärken und mehr über letztere zu lernen. Einer dieser Botschafter ist unsere Protagonistin- … Ähm …

Ja wie heißt sie denn noch gleich? Hier fängt das ganze Gerüst bereits an, ein wenig aus den Fugen zu geraten. Wir begleiten unsere namenlose Protagonistin mit ihrem stummen Assistenten „Helferlein“, ihrer Freundin Y und ihrem Schusswaffen-liebenden Großvater durch ihr Leben in der neuen Welt. Die Geschichte ist in zahlreiche Kapitel eingeteilt, die abseits der chronologischen Reihenfolge aus verschiedenen Teilen ihres Lebens erzählt. Mal steht das Schaffen der Feen im Vordergrund, mal das Versagen der Menschen oder auch nur eine private Erinnerung der Protagonistin. Viele dieser Segmente fühlen sich beinahe wie ein komplett anderer Anime an; was alle jedoch miteinander verbindet, ist der satirische Blick auf die Natur des Menschen.

Richtig. Denn hinter der märchenhaften Welt und den albernden Grinse-Feen versteckt sich ein beißender und zutiefst zynischer Humor. Die albern anmutenden Scherze entpuppen sich oft als scharfe Kritik der heutigen Konsumgesellschaft. Als Zuschauer erfahren wir zwar nie wirklich den Grund für den Zusammenfall der Zivilisation, doch ist die Botschaft des Animes klar. Ob Politik, Religion oder auch die Animeindustrie: selbst Subgruppen sind vor einer gehörigen Portion Kritik nicht sicher. Gerade die Feen und deren schnelllebiger Mikrokosmus funktionieren wie ein Spiegel, in dem wir unsere allzu menschlichen Fehler erkennen können. Statt den Zuschauer auf herablassende oder belehrende Weise zu überrumpeln, transportiert der Anime seine Botschaft lieber subtil und mit dem ein oder anderen ironischen Zwinkern.

Ich würde allerdings lügen, würde ich nicht zugeben, dass der Anime dabei oft über sein eigentliches Ziel hinausschießt. Einige der Szenarien sind so bizarr und „out there“, dass sie mich eher mit einem Kopfkratzen statt Schenkelklopfen zurücklassen. So wechselt der Anime ständig zwischen den verschiedensten Stimmungen und Genres hin und her. Mal sind die Hauptcharaktere in einem laufenden Manga gefangen und mal stolpert die Protagonistin wortwörtlich durch Zeit und Raum, in etwas, das sich wie eine unmögliche Steins;Gate Anspielung anfühlt. Die Serie schafft es innerhalb der letzten zwei Folgen sogar noch zu einem Schul-Mystery-Drama zu werden und Emotionen für einen Putzroboter zu wecken. Auch den Humor kann man nicht gerade als „konsistent“ beschreiben. Einige Folgen schafften es durch ihre hohe Witzdichte mich regelrecht vom Hocker zu hauen, an anderer Stelle endet ein 50-minütiges Buildup in einem drittklassigen Wortwitz. (Ich bin mir allerdings immer noch unschlüssig, ob ich es gerade deswegen gut oder schlecht finden soll.) Eine Sache gelingt der Geschichte allerdings durch und durch: Nie wirkt sie ideenlos oder unkreativ. Es steckt immer eine gewisse Genialität hinter den einzelnen Prämissen, die der Anime kunstvoll verpackt.

Passend zum Rest, sind auch die Animationen etwas gewöhnungsbedürftig. Die eher mittelmäßige Produktionsqualität wird allerdings durch den stark stilisierten Zeichenstil gut überdeckt. Die farbenfrohe und helle Welt, mit ihren märchenhaften Landschaften und comicartigen, kantigen Lichteffekten, steht definitiv in starkem Kontrast zum dunklen und spöttischen Humor. Auch das fröhliche Opening wirkt fast schon ironisch mit seinem Gute-Laune-Feeling. Interessante Klänge bietet allerdings das Ending der Serie, komponiert und gesungen von Masumi Itou, die ebenfalls für die Soundtracks von Canaan, Miss Kobayashi’s Dragon Maid sowie das fantastische Flip Flappers-Ending verantwortlich war.

Jinrui wa Suitai Shimashita ist sicherlich kein Anime, den ich jedermann problemlos empfehlen kann. Wer nur leichtherzigen und leichtverdaulichen Humor erwartet, wird genauso enttäuscht wie derjenige, der eine tiefe, intellektuelle Dekonstruktion der menschlichen Natur erwartet. Falls euch jedoch dieser sehr spezielle, absurde und dennoch scharfsinnige Humor à la Monty Python gefällt, dann könnte auch diese Serie etwas für euch sein. Versprechen kann ich euch eines: Etwas Vergleichbares werdet ihr so schnell nicht finden.

Einen schönen Tag euch noch!

Euer Tazzels

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Letzte Änderung: 7 Monate 3 Wochen her von Tazzels.

Jinrui wa Suitai Shimashita 7 Monate 1 Woche her #805409

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Uuh, eine Rezension für ein recht unbekanntes Werk. Sehe ich immer wieder gerne. Schön geschrieben und sehr ausführlich. Kann mit sehr vielen Punkten nur zustimmen. Habe mit dem Anime aber wirklich am wenigsten gerechnet, weil der wirklich sehr speziell ist. Natürlich nicht im negativen Sinne. Es ist schwer den Anime zu beschreiben. Ich habe wirklich Probleme dabei und würde den Anime wirklich nur sehr wenigen weiter empfehlen, gerade wegen dem absurden Humor. Der Humor ist mit nur sehr wenigen Animes vergleichbar. Mir kommt kein weiterer gerade in den Sinn, welcher in eine ähnliche Richtung geht.

Ich fand den Anime nicht unbedingt fantastisch, da es noch mit einigen Dingen kämpfen musste aber ich wurde trotz allem sehr gut unterhalten, selbst wenn ich bei vielen Witzen eher mit großen Augen vor meinem Bildschirm saß. Ich persönlich liebe aber den Zeichenstil. Sieht sehr schön und simpel aus, verleiht sogar ein sehr falsches Bild vom Anime wenn man nur auf den Zeichenstil achtet.
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