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THEMA: Orange

Orange 3 Jahre 2 Wochen her #770943

  • Mr.Gin
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Jedes Wochenende stellen euch die Mitglieder der Redaktion bekannte oder auch weniger namhafte Werke vor, welche man oft als kleine Meisterwerke betiteln kann. Animes mit dem Genre Shoujo als Schwerpunkt kommen dabei zum Leid unserer weiblichen Zuschauerschaft häufig viel zu kurz weg, was vielleicht etwas dessen geschuldet ist, dass unser Fachexperte Mr.Thaeng schon länger nicht mehr einen Platz in der Schreiberecke besetzt. An dieser Stelle bot sich für mich direkt die vergangene Season an, um einen Titel auszuwählen, den man gut und gerne als einen Vorzeigekandidaten für dieses Genre bezeichnen kann. Es handelt sich hierbei um den Anime Orange.

Schaut man sich zum Auftakt die rohen technischen Fakten des Werkes an, fällt einem direkt auf, dass rein von den Voraussetzungen eine beachtliche Grundlage geboten wird. So besetzt Hiroshi Hamasaki, welcher sich bereits für seine Arbeit an Steins;Gate einen Namen machen konnte, den Posten des Regisseurs bei den Studios TMS Entertainment und Telecom Animation Film. Besonders erstes kann eine Vielzahl von namhaften Projekten aufweisen, sodass einer guten Anime-Adaption des gleichnamigen Mangas von Ichigo Takano nichts im Wege stehen sollte.

Die Geschichte handelt von Takamiya Naho, einer 16-jährigen Oberschülerin, die ein ganz normales Schulleben mit ihren vier besten Freunden genießt. Eines Tages erhält sie einen mysteriösen Brief, welcher angeblich von ihrem zehn Jahre älteren Ich stammt. In diesem sind Vorfälle und Ereignisse niedergeschrieben, die in der Zukunft stattfinden sollen. Die erste Voraussage erfüllt sich schon direkt am gleichen Morgen, denn wie prophezeit tritt der neue Austauschschüler Naruse Kakeru der Schulklasse bei. Dieser wird von Naho sowie ihren Freunden dazu eingeladen, etwas Zeit nach der Schule mit ihnen zu verbringen, und so erhöht sich die junge Peergroup um eine Person. Nachdem mehr und mehr Prophezeiungen des Briefes sich bewahrheiten, zweifelt Naho nicht mehr an der Echtheit des Schreibens aus der Zukunft. Umso erschreckender ist es, dass ihr Zukunfts-Ich sich wünscht, dass die Freunde sich gut um Kakeru kümmern, da dieser in 10 Jahren nicht mehr unter ihnen weilen soll.

Hat er gerade echt solch einen Spoiler rausgehauen? Lasst mich noch einen draufsetzen! Laut dem Brief stirbt Kakeru schon bereits im Alter von 17 und sein Tod wäre durch die Freunde zu verhindern gewesen. Immer mit der Ruhe Leute, ich gebe euch an dieser Stelle nur Informationen aus den ersten beiden Folgen wieder, welche allerdings notwendig sind, um die folgenden Zeilen zur Story und den Charakteren zu verstehen. Man könnte es mit einer Aussage vergleichen wie: „Conan wird aufgrund eines ihm verabreichten Giftes zu einem Kind.“ Natürlich gibt man einen Teil der Handlung der ersten Episode preis, jedoch ist dies für die Storybeschreibung dieses Werkes nicht zu vermeiden, da die komplette Folgegeschichte darauf aufbaut.

Hiermit gelangen wir direkt zu meinem ersten erwähnenswerten Kritikpunkt. Der Anime bedient sich des SciFi-Genres mit dem Schwerpunkt Zeitreise, welches Hamasaki in Steins;Gate umsetzen konnte. Jedoch wird einem in Orange direkt das potenzielle Hauptdrama vor die Füße geworfen. Ein zweischneidiges Schwert, da man abwägen muss, ob man damit nicht schon zu viel Spannung herausnimmt oder ob die Frage „Können sie ihre Zukunft verändern?“ ein gleichwertiges Drama erzeugen kann. Die Theorien zur Zeitreise werden verständlich für den Zuschauer dargelegt und konnten ein gewisses Interesse wecken. Umso missglückter und kümmerlicher wirkt die Begründung, wie der Brief denn letztendlich in die Vergangenheit geschickt wurde. An dieser Stelle wäre es ratsamer gewesen, wenn man wie in Erased die Argumentation einfach weggelassen hätte. Allgemein wurde die Stärke des Genres viel zu wenig ausgeschöpft, wodurch ein typischer Slice of Life-Anime entstand, welcher sich durch altbekannte Storysprünge von einem Event zum anderen auszeichnet, aber überraschenderweise ein recht solides und befriedigendes Ende findet.

Letztendlich lässt sich nichts gegen einen klassischen SoL-Anime einwenden, da dieses Genre nicht umsonst so erfolgreich geworden ist. Was jedoch nicht sein muss, sind stereotype Charaktere. Und von diesen bekommen wir in Orange leider die volle Breitseite ab. Das ist dahin gehend so gravierend negativ anzusehen, da das Werk sehr figurenbezogen ist und von ihnen lebt. Die junge Peergroup besteht wie eingangs erwähnt aus sechs Leuten und besonders das typische Shoujo-Pärchen könnte nicht klischeehafter und uninteressanter sein – suizidal gefährdeter, charakterloser Miesmacher Kakeru trifft auf naives und begriffsstutziges Mädchen Naho. Möglicherweise kam der Name Orange nicht aufgrund des Safts in Episode 3 oder dank des erwähnten Sonnenuntergangs zustande, sondern da die Protagonisten den IQ von dieser Frucht zu besitzen scheinen. Ansonsten wird der Freundeskreis gefüllt durch Azusa, einem typischen fröhlichen Brotmädchen, dem recht eigen wirkendem Brillenvertreter Hagita sowie Takako, zu der sich eigentlich gar nichts sagen lässt, außer dass sie ein gewisses Gewaltpotenzial in sich trägt. Den Hoffnungsschimmer in dieser Gruppe stellt Suwa dar. Er ist der typische Sonnyboy, welcher durch seine sympathische, charmante Art eine angenehme Fröhlichkeit und Gelassenheit ausstrahlt. Für andere Leute stellt er seine eigenen Bedürfnisse gerne einmal hinten an.

Neben der misslungenen Romanze dreht sich Orange eigentlich klassisch um das Thema Freundschaft. Hierbei vermittelt man dem Zuschauer auch ein klares und akzeptables Bild des Zusammenhalts sowie des Erreichens von gemeinsamen Zielen. Leider dient für diese Verbundenheit und Solidarität Kakeru als Klebemittel, welcher aber keineswegs als Sympathieträger angesehen werden kann. Sein überdramatisiertes Verhalten wäre wahrscheinlich selbst mit einer Einsicht in seine Gedankenwelt nicht wirklich nachvollziehbar gewesen. Umso schmerzlicher ist es, dass es in der Geschichte eigentlich immer heißt „Kakeru hier, Kakeru da“. Und natürlich bloß nichts Falsches machen und sagen, da das Prinzesschen sich sonst das Leben nimmt. Auch die Lösung seines Problems liegt fernab der Realität.

Den Bereich der Animation betrachte ich mit einem lachenden sowie mit einem weinenden Auge. Wir starten pompös in den Anime und auf den ersten Blick lässt sich nicht viel bemängeln. Besonders die Hintergrundgestaltung ist unglaublich schön gelungen und bietet oftmals viele kleine Details zu bestaunen. Helle Farben einer breit gefächerten Farbpalette gehören in diesem Genre zwar zur guten Sitte, sind aber nicht immer selbstverständlich in solch einer hohen Qualität anzufinden. Für meinen Geschmack wurde die Funktion des Weichzeichners an der einen oder anderen Stelle zu oft genutzt. Dies muss aber nicht als Kritikpunkt angesehen werden, da auch diese Art der Gestaltung ein idyllisches Bild lieferte.

Der Hintergrund ist also prächtig und glanzvoll aufpoliert worden. Wie sieht es nun aber mit dem Vordergrund der Szenerie aus? Das Charakterdesign lässt sich als typisch Shoujo beschreiben – schlicht, mit einem Schwerpunkt auf das Gesicht der Personen. Das Erröten der Wangen ist hierbei ein gern genutzter Effekt, der auch in Orange oftmals zu sehen ist. Kurz zusammengefasst: Dem Zuschauer wird nichts sonderlich Neues geboten, sondern eher durchschnittliche und gewöhnliche Zeichnungen. Hört sich alles so weit in Ordnung an. Wieso also dann das weinende Auge in meiner vorangegangen Präambel? Die Qualität der Zeichnungen lässt im Laufe der Serie dramatisch ab, sodass man sich wirklich fragen muss, was im Arbeitsprozess falsch gelaufen ist. Betrachtet man einfach nur einmal die Eingangsszene der zehnten Folge, so fällt auf, dass allen Personen im Bild jegliche Details wie Nase, Mund, und Augen verloren gegangen sind. Ein Anblick von leeren und lieblosen Umrissen, welcher uns des Öfteren vor die Füße geworfen wird.

Auf musikalischer Ebene bietet die Serie dem Zuschauer meiner Meinung nach noch am meisten in diesem durchwachsenen Gesamtkonstrukt. Das Opening „Hikari no Hahen“, welches zu Deutsch mit „Fragment des Lichts“ übersetzt werden kann, ist wortwörtlich einer der kleinen Lichtblicke der Adaption. Übersprungen habe ich es jedoch trotzdem jedes Mal, da es mir persönlich nicht zusagte. Anders sieht es schon mit dem Ending „Mirai“ der Band Kobukuro aus. Dieses harmonisiert einwandfrei mit der Atmosphäre des Animes und wird wohl von der einen oder anderen Person – mich eingeschlossen – am Ende einer jeden Episode angehört werden. Die Hintergrundmusik wirkt passend und kann die Situationen weitestgehend unterstreichen. Allerdings erschien es mir, als würde man zu oft die Gitarre verwenden und anderen Instrumenten nicht die Chance lassen, den Soundtrack zahlreicher zu beehren. Alles in allem ist die musikalische Untermalung eine durchschnittliche Leistung für Romance-Animes, sodass man traurig einsehen muss, dass der größte Pluspunkt des Werkes letztendlich auch nichts Besonderes darstellt.

Mit dieser Rezension habe ich mir nun wahrscheinlich mehr Feinde als Freunde gemacht, jedoch sehe ich keinen Grund, das vorliegende Grauen zu beschönigen. Orange bietet ohne Frage rein von der Grundidee her ungeheuer viel Potenzial, welches leider irgendwo auf halber Strecke ungenutzt liegen bleibt. Das Genre Shoujo, besonders in der Kombination mit einer Romanze, konnte mich leider nur in einigen Ausnahmefällen überzeugen, da die Naivität und Einfältigkeit der Charaktere hier oftmals keine Grenzen kennt. Auch bei Orange durfte ich wieder einmal nur wenige Lichtblicke erspähen, die letztendlich im Gesamtszenario nicht aufleuchten konnten.

Shoujo-Fans sollten bei Orange trotzdem vollends auf ihre Kosten kommen, denn die typischen beliebten Romance- sowie Slice of Life-Elemente findet man hier zu Genüge vor. Allen anderen Personen rate ich jedoch guten Gewissens von diesem Anime ab, da es ausreicht, dass ich mich durch diese zähen 13 Folgen gekämpft habe. Meine Hoffnung ruht nun auf dem angekündigten Film, welcher sein Hauptaugenmerk auf Suwa legen wird, der in meinen Augen die vielversprechendste Person dieser Gruppe darstellt.

Seid ihr einer komplett anderen Meinung als ich? Dann diskutiert doch einmal fleißig in den Kommentaren mit.


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Letzte Änderung: 3 Jahre 2 Wochen her von Mr.Gin.

Orange 3 Jahre 1 Woche her #771189

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Super Rezension!

Ich bin vollkommen deiner Meinung. Hast also nicht nur Feinde gemacht

Deine Ausdrucksweise und Vergleiche könnten besser nicht sein, so dass man gar nicht merkt wie der Text verfliegt und das Ende naht.

Besonders die Sache mit dem IQ hat mich amüsiert, da mich dieser Mangel an Intelligenz in jeder Folge hat ausrasten lassen.
Ebenso auch Kakeru: In einem Moment geht es ihm blendet und man denkt seine Sorgen wären vergessen, aber kaum ist alles mal für die Hälfte der Folge okay, fängt er wieder an psychisch labil zu werden...

Schön zu lesen, dass es nicht nur mir so bei diesem Anime ging!
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Orange 3 Jahre 1 Woche her #771192

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Ich kann dir bei allen nur zustimmen.Selbst wenn ich jemand bin der schon mehrere Shoujo's geschaut hat und auch dieses Genre sehr mag,muss ich sagen das es bessere Animes gibt.Orange war ein Anime der nicht sonderlich schlecht war aber mit seinen stereotypischen Charakteren leider zu sehr kämpfen musste.Besonders Naho war einfach mal das Aushängeschild für eine typische Shoujo Protagonistin mit einer naiven Art.Ansonsten hatte der Anime an sich ne ziemlich interessante Grundidee,welche aber nicht ganz genutzt wurde.Dennoch gibt es mehr oder weniger ein paar Sachen,die den Anime noch retten konnten und das wäre z.B auch die Atmosphäre.Es ist sehr beruhigend und schön.Vor allem Hintergründe fallen direkt auf.Der Zeichenstil und die Animation lassen eher zu wünschen übrig.Die Romanze war mir persönlich zu schwach und nicht intensiv genug.Da hätte man mehr draus machen können.Die Dramatik war wieder hin schon sehr gut getroffen und besonders zum Ende hin hat es sich gesteigert.In Gegensatz zu der Anime-Adaption ist der Manga aber deutlich besser und setzt die Geschichte deutlich besser um.Die Anime-Adaption wirkte mir teils viel zu zusammen gequetscht und ein klein wenig hektisch.Der Manga war sehr schön ausgearbeitet und man konnte es auch besser mitverfolgen.Die Naivität der Charaktere hat sich zwar kaum verändert aber im Manga kamen die Charaktere halt besser rüber.Ich würde viel eher empfehlen den Manga zu lesen.
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Orange 3 Jahre 1 Woche her #771252

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Also ich kann dir einfach nicht in allen Punkten zustimmen, aber das ist ja auch gut so ^^
Es gab für mich bei Orange eine ganz andere Interpretationsebene :D
Naja die Rezension war trotzdem sehr gut.
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Orange 3 Jahre 1 Woche her #771462

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Ryougi-Shiki schrieb:
Es gab für mich bei Orange eine ganz andere Interpretationsebene :D
Würde mich an dieser Stelle mal interessieren, wie du das ganze interpretierst. ^^ Vielleicht kannst du das ja noch ein bisschen näher ausführen, so kann man nicht wirklich nachvollziehen, was du genau meinst.


Zurück zur Rezo:
nachdem ich ja schon freundlich darauf hingewiesen wurde, dass ich endlich mal wieder mitreden kann, ist ein Kommentar unter deiner Rezo ja quasi Pflicht für mich. xD

Mr Gin schrieb:
Orange bietet ohne Frage rein von der Grundidee her ungeheuer viel Potenzial, welches leider irgendwo auf halber Strecke ungenutzt liegen bleibt.
Dieser Satz umschreibt recht kurz und bündig meinen Gesamteindruck der Serie. Nachdem Orange anfangs recht solide anfing, hat sich der Anime in einem sehr seltsamen Konstrukt aus Freundschaft, Liebe und Zeitreisen verloren - letzteres wurde, wie du schon sagtest, wirklich unglaublich bescheiden aufgeklärt. So eine schwache Auflösung habe ich noch nie erlebt, und machte eher den Anschein, als hätte der Autor einfach keine Lust mehr gehabt, sich eine anständige Erklärung einfallen zu lassen.

Ich persönlich kann ganz generell mit der Message des Animes so gar nichts anfangen. "Schmeiß alles über den Haufen, damit Kakeru glücklich ist"? Wirklich kritisch hinterfragt hat der Anime das nicht, sondern es vielmehr ins positive Licht gerückt, was mich doch etwas vor den Kopf gestoßen hat. Vor allem im Hinblick auf Suwa.

Zusammenfassend kann ich dir in deiner Rezension eigentlich in allen Punkten zustimmen. Die vielen durchweg positiven Bewertungen, die der Anime hier auf Proxer erhalten hat, kann ich eigentlich kaum nachvollziehen - für mich war es gegen Ende eher eine Qual als wirklich Freude an der Serie. ^^
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