• Seite:
  • 1

THEMA: Usagi Drop

Usagi Drop 2 Jahre 1 Monat her #742127

  • Mr.Gin
  • Mr.Gins Avatar Autor
  • Offline
  • Wortakrobat
  • Wortakrobat
  • Einsamkeit ist eine Krankheit, die zum Tode führt
  • Beiträge: 449
  • Dank erhalten: 3322
Achtung! Die folgende Rezension beschäftigt sich mit einem Werk, welches weder Action noch Gewalt aufweist. Auch gern gesehener Fanservice mit typischen Oppai- und Pantsu-Szenen findet hier keine Anwendung. Ebenfalls werden euch keine beliebten Protagonisten mit Heldenaura oder verrückte Gestalten mit Pferdemasken über den Weg laufen.

Herzlich willkommen an alle die Leser, welche mir jetzt noch übrig geblieben sind. In meiner heutigen Anime-Empfehlung möchte ich mich mit euch in den allseits bekannten Bereich des Genres Slice of Life begeben. Doch was macht Titel aus, die sich mit dem alltäglichen Leben beschäftigen? Schaut man auf beliebte Werke hier auf Proxer.Me findet man Animes wie beispielsweise Toradora!, Sakurasou no Pet na Kanojo und Hyouka. Eine Sache fällt dabei auf: Slice of Life steht selten als Hauptschwerpunkt im Vordergrund, sondern bietet eher ein Grundgerüst für Comedy oder Drama. Oftmals findet sich der Zuschauer auch in einem Haremsszenario, irrwitzigen Kampfszenen oder einem spannenden Mysterypart wieder. Die Liste der Möglichkeiten ist lang und kann eigentlich jeden Geschmack abdecken. Ich möchte euch heute ein Werk vorstellen, in welchem man auf diese Sachen vorwiegend verzichtet, das rohe und ungeschliffene Genre Slice of Life in einer liebevollen Weise idealisiert und damit in den Fokus der Geschichte setzt. Es handelt sich hierbei um keinen anderen Titel als Usagi Drop.

Die elf Episoden lange Anime-Adaption des gleichnamigen Josei-Mangas von Yumi Unita wurde vom Animationsstudio Production I.G unter der Regie von Kanta Kamei im Jahr 2011 produziert und ausgestrahlt. Hierbei dienten nur die ersten vier Bände als Grundlage für dieses Projekt, was dahin gehend erwähnenswert ist, da die folgenden Teile des Mangas storytechnisch einen Zeitsprung machen und dortige Entwicklungen von vielen Leuten kritisiert werden.

Die Geschichte beginnt mit dem Besuch des 30-jährigen Junggesellen Daikichi auf der Beerdigung seines Großvaters. Wo eingangs noch dieses traurige Ereignis den Grund des Zusammenkommens der Familie darstellt, eröffnet sich schon bald ein viel größeres Problem für alle Anwesenden. Der alte Herr hinterlässt seiner Verwandtschaft nämlich eine ganz besondere Erbschaft – seine sechsjährige, uneheliche Tochter Rin. Weil von der leiblichen Mutter keine Spur vorhanden ist, stellt sich nun die Frage, was mit dem kleinen Mädchen passieren soll. Keines der Familienmitglieder zeigt auch nur den leisesten Hauch von Interesse das scheinbar introvertierte Kind aufzunehmen, womit nur noch eine Heimunterbringung als Alternative übrig bleibt. In dieser ausweglosen Situation fasst sich Daikichi ein Herz und beschließt die Verantwortung für Rin zu übernehmen.

Ab hier beginnt eine wunderschöne und herzerwärmende Geschichte zweier Menschen, welche durch das Schicksal zusammenfinden und nun mit bis dahin unbekannten Alltags- und Familienproblemen zu kämpfen haben. Viele kleine Aufgaben und Ereignisse in diesem neuen Lebensabschnitt von Daikichi und Rin fesseln den Zuschauer an den Bildschirm und lassen während der elf Folgen keine Langeweile aufkommen. Die Suche nach einem Platz in einer Kindertagesstätte, die Bewältigung des Arbeitslebens, Erziehungsprobleme oder unerwartete Aufgaben, wie die Pflege eines Kindes im Krankheitsfall, stellen die frisch gebildete Patchworkfamilie vor ganz neue Herausforderungen, welche gemeistert werden müssen. Unterstützung in diesen Situationen erhält Daikichi nicht nur durch seine Eltern, sondern auch von der alleinstehenden Mutter Yukari mit ihrem Sohn Kouki, der den gleichen Kindergarten wie Rin besucht. Zwei alleinerziehende Eltern mit Kind – liegt dort möglicherweise ein Hauch von Romantik in der Luft?

Aufgrund dieser realitätsnahen und leicht verdaulichen Story können die Charaktere ohne weitere Probleme ihr volles Potenzial entfalten. Daikichi übernimmt die Rolle des perfekten, fürsorglichen Vaters, wie ihn sich jede Frau wünscht, während Rin eine kleine, niedliche und vor allem artige Tochter darstellt. Dies ist wohl auch etwas dem Genre Josei geschuldet, welches sich eher an erwachsene Frauen richtet. Die Entwicklung unserer beiden Protagonisten ist ebenfalls vollkommen nachvollziehbar und verläuft in einem angenehmen Tempo, ohne dabei zu große Sprünge hinzulegen. Mit dem eingangs erwähnten zusätzlichen Duo, bestehend aus Kouki und Mutter, erhalten wir ausgesprochen passende Figuren, um das scheinbare Familienszenario komplett zu machen. Um die Geschichte lebhafter abzurunden, füllen liebevoll gestaltete Nebencharaktere, wie die eigenen Familienmitglieder, Arbeitskollegen sowie Familien anderer Mitschüler, den Personenkreis.

Doch bevor ich in Gedanken an diese warmherzige und liebenswürdige Aufmachung der Charaktere zu sentimental werde, schnell ein kleiner, kritischer Ausflug ins Meckern auf hohem Niveau. Zuallererst missfiel mir der Punkt, dass Rin einfach zu perfekt gestaltet wurde. Für eine sechsjährige Grundschülerin benimmt sie sich an vielen Stellen einfach zu reif für ihr Alter. Sie bockt nicht rum, fängt keinen Streit an und allgemein verkörpert sie das Idealbild eines braven Kindes. Auch vorkommende Frechheiten und Sticheleien gegenüber Daikichi setzen eine weitaus höhere geistige Entwicklung voraus. Was ich wiederum gut heißen muss und als extrem wichtig ansehe: Es existierte keine unnötige Sexualisierung von Rin. Fanservice mit Lolicon-Elementen würde das heile Welt Schema des Animes nur unnötig zerstören.

Ein weiterer Punkt, welcher bei mir große Anerkennung findet, ist die Aufarbeitung der Problematik von Arbeit und gleichzeitiger Kindererziehung. Gerade in Japan hat der Job einen riesigen Stellenwert, sodass Usagi Drop eher wie ein Werbeanime für das Kinderkriegen beziehungsweise die Familiengründung wirkt. Auch Daikichi muss sich dieser Aufgabe stellen und eine Lösung finden. Für ihn bleibt dabei die Frage im Raum stehen, ob seine Entscheidung die richtige ist und wie es in der Zukunft weitergeht.

Der Bereich der Animation ist in meinen Augen der größte Kritikpunkt dieses Werkes. Vergleicht man Usagi Drop mit anderen Werken seines Jahrgangs, dann müsste es eher im mittleren Bereich angesiedelt werden. Jedoch lebt dieser Anime in seinem eigenen kleinen Mikrokosmos und folgt damit persönlich aufgestellten Regeln, die diese Art der künstlerischen Umsetzung ausgezeichnet mit dem Rest des Animes harmonieren lassen und somit für mich keinen negativen Kritikpunkt rechtfertigen. Die komplette Hintergrundlandschaft ist sehr schemenhaft gezeichnet und wirkt an vielen Stellen wie von einem Kind gemalt. Besonders im Opening sowie Ending erinnert die Animation eher an ein Kinderbuch mit Aquarellen. In der Serie ist dies zwar nicht ganz so deutlich der Fall und man geht eher einen konventionelleren Weg, jedoch bleibt das Gesamterscheinungsbild sehr ähnlich. Farbwahltechnisch sollten die bunten und leuchtenden Farben Anerkennung finden, da sie dem Anime das richtige Flair ganz im Sinne absoluter, kindlicher Niedlichkeit verleihen.

Auch das Charakterdesign ist eher minimalistisch und simpel gehalten und wird für viele ebenfalls eine Gewöhnungssache sein. Meiner Meinung nach hätte man gefühlstechnisch noch einmal wesentlich mehr in den Minidramen herausholen können, würden die Figuren einen höheren Detailgrad besitzen, welcher die Mimiken und somit die Emotionen verstärkt hätte. Als einen weiteren Kritikpunkt in der Animation erkenne ich die Grimassen und Gesichtsausdrücke der Figuren an, insbesondere die von Rin, jedoch empfand ich sie als amüsant und somit passend zu den lockeren Comedy-Einlagen.

Musikalisch leistet man in Usagi Drop eine konstant solide Arbeit und ermöglicht damit ein gelungenes Allroundfeeling des Animes. Die Stücke, welche sich im Hintergrund laufend samtig an unsere Ohren schmiegen und diese zärtlich umwerben, sind einer von vielen kleinen Faktoren, weshalb wir am Ende ein stimmiges Gesamtbild vorfinden. Hierbei fällt auf, dass die meisten Titel des OSTs immer nur ein Instrument beherbergen. Je nach Song kann man den Klängen von Violine, Piano oder auch Gitarre lauschen und sich dadurch tiefenentspannt zurücklegen, da keines dieser Stücke wirklich aufdringlich wirkt. Das Opening Sweet Drops sowie das Ending High High High sollen nicht ganz ohne Erwähnung bleiben. Ihre freudige Art leitet wunderbar jede Folge ein und lässt sie genauso entspannt abschließen. Die englischen Passagen im Text verführen einen regelrecht dazu, fröhlich mitzusingen oder es wenigstens zu versuchen. Hierbei möchte ich mich bei den Leuten entschuldigen, welche genau diese grausamen Versuche des Mitsingens meiner Person ertragen mussten.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass Usagi Drop trotz seiner kleinen Mängel eine Perle in seinem Genre ist. Egal welcher Altersgruppe oder welchem Geschlecht man angehört, dieser Anime schafft es mit seiner liebevollen und herzerwärmenden Art, einer jeden Person ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Es bedarf keiner heroischen Kämpfe oder billigen Fanservice, um die Zuschauer in diesem Werk bei Laune zu halten. Ein realitätsnahes Szenario mit einer ordentlichen Portion Liebe genügt.


Hyōka - Ice cream - I scream // I'm not stupid. I'm just too lazy to show how smart I am. // Those with talent who aren't aware of themselves cause pain for those who have none.
Letzte Änderung: 2 Jahre 4 Wochen her von Mr.Gin.

Usagi Drop 2 Jahre 3 Wochen her #742518

Hab den Anime letzte Woche geschaut und jetzt kommt ne Rezension, haha :D

Aber ich kann dem allen nur zustimmen :3

Usagi Drop ist einfach nur toll und ist mittlerweile in meinen top10 :D

Ich habe auch vor, mir den Manga (komplett zu kaufen), jedoch meinen viele ja dass das Ende bzwdie letzten 5 Bände naja sind, und habe aber auch gelesen, dass das ende realistisch sein soll.

Lohnt es sich den Manga komplett zu holen und zulesen, wenn man nicht unbedingt ein mega tolles erwartetes happy end erwartet, es jedoch realistisch ist?

(wenn mir wer antwortet, bitte ohne zu spoilern, danke xD)

Usagi Drop 2 Jahre 3 Wochen her #742558

  • Onewa
  • Onewas Avatar
  • Offline
  • Nachwuchsspammer
  • Nachwuchsspammer
  • Beiträge: 113
  • Dank erhalten: 66
Schöne Rezension, liest sich schön und bringt alles auf den Punkt, sehr gut.

Sonst lässt sich bei den Aussagen nur zustimmen. Usagi Drop ist einfach ein toller anime und ebenfalls in meiner Top Ten. Selten sowas herzerwärmendes gesehen.

Usagi Drop 2 Jahre 3 Wochen her #742563

@AmySakura-Chan
Weiß nicht wie es für andere ist aber nach dem schauen des Anime wollte ich unbedingt wissen wie es weiter geht und hab mir aus diesem Grund den Manga durchgelesen. Als Resultat daraus ist der Anime dann komplett aus meiner Favoriten liste verschwunden und weit nach unten abgetaucht. xD

Also musst du natürlich selbst wissen aber wenn ich den Manga vergessen könnte würde ich es mit Freuden tun. ^^
Letzte Änderung: 2 Jahre 3 Wochen her von Cearn.

Usagi Drop 2 Jahre 3 Wochen her #742574

  • Zeruel
  • Zeruels Avatar
  • Offline
  • Forenbewohner
  • Forenbewohner
  • Fuck Off ┌∩┐(¬ ¬)┌∩┐
  • Beiträge: 1316
  • Dank erhalten: 1286
Schöne Rezo. Ich bin auch erst vor kurzem über den Anime gestolpert, vorher wäre so ein Anime nie in mein Schema gefallen. Schon bei der Beschreibung dacht ich mir, zu ruhig, Alltagssituationen, klingt alles langweilig. Doch nach dem durch schauen kann ich sehr gut verstehen warum Usagi Drop so beliebt ist. Manchmal braucht es genau sowas, abstand vom alltäglichen was man nur geboten bekommt und einfach entspannen. Die große stärke liegt hier auf jeden fall bei den Charakteren, selten so gute Charaktere gesehen.

Auf jeden fall weiter zu empfehlen.

Warnung: Spoiler! [ Zum Anzeigen klicken ]

Usagi Drop 2 Jahre 3 Wochen her #742587

Das Ende ist Geschmacksache. Will nicht Spoilern aber, das Ende könnte alles einfach vernichten oder es macht dir nichts aus und es ist immer noch Klasse. Ich persönlich fand das Ende nicht wirklich so schlimm. Aber musst wirklich selber gucken, ob es dir gefällt. Wenn du dir den Manga kaufen willst, guck ihn dir lieber zuerst durch und entscheide dann.^^
Final Fantasy
You don't die for your friends, you live for them! [Erza Scarlet (episode 41)]


Warnung: Spoiler! [ Zum Anzeigen klicken ]

Usagi Drop 2 Jahre 3 Wochen her #742675

Schöne rezension , bringt alles auf denn Punkt !

Kann dir eigentlich nur zustimmen .

Ich persönlich fand den Anime auch ziemlich gut , zwischen 8-10 Punkten würde ich den Anime geben .
Anhang:

Usagi Drop 1 Jahr 10 Monate her #755001

  • Asuka..
  • Asuka..s Avatar
  • Offline
  • Alphatier
  • Alphatier
  • コードギアス 反逆のルルーシュ
  • Beiträge: 2703
  • Dank erhalten: 1523
Sehr schöne Rezension!Usagi Drop war wohl eines der süßesten Animes,die ich je gesehen habe.Hierbei handelt es sich zwar um einen typischen Slice_of_Life Anime,ohne viel Action oder Dramatik aber trotzdem ist es sehr beruhigend.Ein süßer Anime für zwischendurch,wenn man mal eine Pause von so einigen Fantasy,Action,... etc. Animes braucht.
ll Sig made by x ll My favorite Anime II My favorite Manga II MyAnimeList II

Usagi Drop 1 Monat 1 Woche her #818525

AniMoon Publishing gab im August 2017 bekannt, den Realfilm lizenziert zu haben und Anfang 2018 auf DVD und Blu-ray veröffentlichen zu wollen.[18] Usagi Drop – The Movie soll am 27. April 2018 in einer limitierten Mediabook-Edition auf Deutsch erscheinen. Das Mediabook enthält ein 16-seitiges Booklet, ein Poster und wird in den Sammelschuber des Anime passen.

Source: de.wikipedia.org/wiki/Usagi_Drop#Ver%C3%B6ffentlichung
  • Seite:
  • 1
Moderatoren: LaynaForummodLodrahilKnivesYuriko.Deviltoon
Powered by Kunena Forum