• Seite:
  • 1

THEMA: Dantalian no Shoka

Dantalian no Shoka 4 Jahre 5 Monate her #697870

  • Aston
  • Astons Avatar Autor
  • Forenbewohner
  • Forenbewohner
  • Pointenidol
  • Beiträge: 1276
  • Dank erhalten: 3221
Kunst ist Vielfalt. Kunst hat keine feste Form. „Ist das Kunst oder kann das weg“, sagt der Volksmund. Und auch wenn wir uns zumindest dahingehend einigen können, dass Anime eine Form dieses kulturellen Gutes sind, so lässt sich das Auge doch nur allzu gern durch bunte Farben und hübsche Lichter manipulieren. So gesehen sind die Animationsfilme vergleichbar mit Gemälden einer Galerie, bei denen man in seinen Interpretationen gerne mal über das Ziel hinausschießt und dem Künstler mehr Gehalt zusteht, als ihm eigentlich gebührt.

Und so stehen wir heute vor einem zwölfteiligen Portrait mit dem Titel Dantalian no Shoka, geschrieben als Light Novel durch die Hand Gakuto Mikunos im Jahr 2008, als Manga mit den Zeichnungen Chako Abenos 2010 veröffentlicht und schließlich 2011 als Fernsehserie umgesetzt.

Der erste Blick fällt sofort auf die Szenerie. Ein englischer Flair macht sich breit und offenbart, dass sich unsere Protagonisten in einem England zwischen den Weltkriegen tummeln. Hugh Anthony Disward ist der Erbe des Landsitzes seines verstorbenen Großvaters. Als Besitzer eines Automobils zieht er seine Staubwolken durch den sonnigen Tag, während er auf dem Weg zu seiner Errungenschaft ist. Als der Blonde mit den betörend blauen Augen schließlich an der Pforte seiner neuen Residenz steht, ahnt er noch nicht, dass er nicht lange der alleinige Hausherr bleiben wird. Etwas lockt ihn in den Keller, einer Schatzsuche gleich. Zwischen verstaubten Bücherstapeln und Regalen formen ein schwarzes Rüschenkleid und dunkle Haare mit lila Nuancen ein blasses Mädchen, welches in der Lektüre vertieft zu sein scheint. Für die Zuschauer wirken die beiden Fremden aber gar nicht wie Fremde. Im Gegenteil entsteht schnell eine gediegene und fast alter Freunde gleicher Beziehung zwischen Hugh und des sich als Dalian vorstellenden Bücherwurms. Das Mädchen war bereits eine Vertraute des Vorbesitzers und entpuppt sich als Expertin der besonderen Art. Huey, wie der ehemalige Fliegerpilot von ihr fortan genannt wird, ist sich des Faibles für die gebundenen Schriftwerke, den Großvater Wesley besaß, durchaus bewusst. Doch er ist verwundert darüber, dass dessen Bibliothek nicht so aussieht, wie er sich das vorgestellt hat. Und hier tritt die schnell pikierte kleine Dame auf den Plan. Dalian erzählt ihm eine altertümliche Geschichte über eine Welt, die im Innern eines Kürbis beherbergt ist. Die Anekdote ist zugleich ein Sinnbild für ihre eigene Existenz, die sich Huey sehr zu seinem Erstaunen nun erschließt. Dalian selbst ist die geheimnisvolle Bibliothek. Ihr Fundus umfasst 900.666 sogenannte Phantombücher. Werke, die dem Leser ungeheure Kräfte verleihen und in den falschen Händen absolut desaströs sein können. Die Sammlung selbst existiert dabei in einer Art Zwischenwelt, die man nur mit Hilfe eines speziellen Schlüssels betreten kann, der das Schloss an der Halskette der Leseratte öffnet. Aber auch dieser findet sich im Vermächtnis von Sir Wesley Disward. So wird der Pilot zum Hüter der mächtigen Magiebücher und Kompagnon der wählerischen Lady. Gemeinsam ziehen sie in die nach außen hin fröhliche, doch unterschwellig wacklige Welt, um verlorengegangene sowie geraubte Werke zurückzubringen, bevor diese zu großen Schaden anrichten können.

Dantalian no Shoka betört auf den ersten Blick mit seiner Bildgewalt. Hintergründe wirken wie gemalt mit viel Liebe zum Detail. Zwar verschmelzen Accessoires teilweise stark mit der Kulisse, aber das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Dadurch entsteht ein interessanter Effekt, der die Szenerie facettenreich, aber nicht überladen wirken lässt. Ebenso grazil sorgen die Charaktere für Stimmung. Mit einer scheinbaren Vorliebe für blonde Wuschelköpfe wurde hier Wert darauf gelegt, auch die Bevölkerung zeitgemäß zu präsentieren. Vornehme Damen in langen Kleidern, Gentleman mit Zylindern und Westen, das Proletariat in ärmlichen Fetzen, wie man sich einen Industriearbeiter von damals eben vorstellt. Da kann man auch mal eine verzerrte Gesichtsproportion des ein oder anderen Zeitgenossen in Kauf nehmen, wenn die Stirn plötzlich schwindet und die Wangen unnatürlich in die Länge gezogen werden.

Wer Gosick kennt, dem wird das Protagonistenpärchen bereits in den ersten Minuten erstaunlich vertraut vorkommen. Zum einen ist da das kurz geratene Mädchen, dessen Haarlänge fast ihrer Körpergröße entspricht. Ihr Intellekt ist überdurchschnittlich und ihre Persönlichkeit gleicht der einer Tsundere wie aus dem Lehrbuch. So ist Dalian äußerst selbstbewusst, gesteht niemandem ein größeres Wissen als ihr selbst zu und ihre Schwäche für Süßigkeiten ist ihr dann und wann peinlich, wenn sie sich dadurch nicht ernst genommen fühlt. Zu ihren weiteren Eigenarten zählen auch das englische „Yes“ und „No“, welcher sie sich gern bedient. Gleichzeitig wächst ihr Huey sehr ans Herz, der ihre Wünsche oftmals bedingungslos erfüllt. Dieser auf der anderen Seite wird einer typischen Beschützerrolle gerecht. Als ehemaliger Soldat ist er versiert im Umgang mit Schusswaffen, was bei den Konflikten, in die die beiden regelmäßig geraten, sehr von Vorteil ist. An sich bleibt er aber immer höflich und zuvorkommend, was ihn sympathisch macht. Dalian und ihn verbindet aber mehr als die Bibliothek und ihre Suche. Eingangs sagte ich, dass die Bücherei als eine Art ideelles Konstrukt dargestellt wird. In kurzen Sequenzen, die über die gesamte Serie verstreut sind, wird dem Zuschauer immer wieder Einblick in diese gewährt. Zu sehen sind dabei aber nahezu gar keine Bücher, sondern zwei kindliche Charaktere, von denen einer auffällig Huey ähnelt. Der andere, ein Mädchen, lüftet das Geheimnis um sich lange Zeit nicht und so bleiben nur Spekulationen. Der Anime gibt hier keine eindeutige Antwort, aber es ist anzunehmen, dass das Geschöpf mit Dalian zusammenhängt, wenn nicht gar eine Form von ihr selbst ist.

Woran ist man bei diesem Anime letztendlich, der doch scheinbar einige deutliche Vorzüge aufweist? Dantalian no Shoka ist sehr episodisch. Es gibt keine übergeordnete Handlung als die, die Phantombücher zurück in das Gefäß zu bringen. Die Fälle sind dabei recht abwechslungsreich und reichen von simplen Schnitzeljagden bis hin zu wilden Gefechten mit Magiern und Homunculi. Auch Kriminalfälle mit interessanten Wendungen finden ihren Platz. Nichtsdestotrotz bleibt das Machwerk sehr eindimensional, obwohl sich Experimentierfreude erkennen lässt. Eine Folge wurde in einem gänzlich anderen Zeichenstil produziert, da sie in einem Buch selbst spielt. Märchenhaft, mit vielen Skizzen und Schraffuren, wird mir diese auf jeden Fall noch lange im Gedächtnis bleiben. Auch das Outro will kein Standard sein, schoss aber für meinen Geschmack übers Ziel hinaus. Durch ein Video mit echten Darstellern soll sein Status als Unikat unterstrichen werden, wirkt aber eher verstörend als mysteriös, was man sich durchaus hätte sparen können. Das Intro dagegen kommt sehr klassisch daher. Ruhiger Gesang begleitet von Klavier und Geige kann fast schon einschläfernd wirken. Es ist definitiv eine Abwechslung zum Poplastigen, fesselt aber nicht genug, um jedes Mal angehört werden zu wollen.

Dantalian no Shoka ist wie das auf den ersten Blick hübscheste Gemälde einer Vernissage. Es sticht hervor, betört durch atemberaubende Farben und macht einfach einen runden Kompletteindruck. Doch je länger man es betrachtet, desto mehr stellt man fest, dass einen das Bild betrügt. Es ist ein Portrait ohne Botschaft, ohne Aussage und ohne Tiefgründigkeit. Man wird nicht zum Nachdenken oder Interpretieren angeregt, sondern schaut nur und soll sich des wohligen Gefühls erfreuen, welches beim Betrachten entsteht. Der Anime könnte so viel mehr sein, doch aus irgendeinem Grund will er es nicht. Stattdessen gibt er sich mit schön erzählten Geschichten ohne Zusammenhang zufrieden. Und so gehe ich am Ende betrübt, aber doch lächelnd zum nächsten Ausstellungsstück.

Es verbleibt mit Beredtheit
Aston


Danke @Joliee für die künstlerische Aufwertung


Sieh mal, wer da twittert.
Letzte Änderung: 4 Jahre 5 Monate her von Aston.

Dantalian no Shoka 4 Jahre 5 Monate her #698917

  • Cypher
  • Cyphers Avatar
  • Nichtskönner
  • Nichtskönner
  • Beiträge: 8
  • Dank erhalten: 0
Ich mochte den Anime als ich ihn angefangen habe zu gucken. Ich empfand er hätte pozenzial. Doch wie in so vielen anderen Werken auch wurde dieses nicht ausgeschöpft. Am meißten hat mich das Ende enttäuscht, weil ich nicht weiß was ich damit genau anfangen soll ~.~

Dantalian no Shoka 4 Jahre 5 Monate her #698993

  • Nalu-Rissei
  • Nalu-Risseis Avatar
  • Nichtskönner
  • Nichtskönner
  • Beiträge: 1
  • Dank erhalten: 0
Ich mag denn anime sehr aber was mir eher nich gefiehl oder was eher fehlte war romance es war was da, aber so eine richtige atmosphäre war dort nicht vorhanden.
:/
Letzte Änderung: 4 Jahre 5 Monate her von Nalu-Rissei. Begründung: Schreibfehler

Dantalian no Shoka 4 Jahre 5 Monate her #699029

  • Chumii
  • Chumiis Avatar
  • Nichtskönner
  • Nichtskönner
  • Beiträge: 3
  • Dank erhalten: 1
Ich stimme grundsätzlich teilweise zu, aber an manchen Stellen muss ich widersprechen.

Du behauptest zum Beispiel sowohl im letzten als auch im vorletzten Absatz, der Anime hätte keinen tieferen Sinn.
Dabei hast du aber nicht mal das Mädchen in der Bücherei selbst erwähnt, (vielleicht um nicht zu spoilern?), aber alleine schon dieses Mädchen ist eine der Schlüsselfiguren im Anime.
Der tiefere Sinn des Animes ist für mich die Darlegung der Bedeutung der Worte und der literarischen Werke und welche Wirkung sie auf ihr Umfeld haben.
Ich persönlich dachte mir beim Betrachten, dass die Geschehnisse alle symbolisch gemeint sind:
Worte können uns Menschen dazu bringen, etwas zu tun, was wir vielleicht auch gar nicht bewusst wollen, so wie die Phantombücher die Menschen dazu bringen, ihre Macht zu nutzen.
Auch eine Parallele zur Gefährlichkeit des Wissens, welche vor allem in der Zeit, in der der Anime spielen soll, bestand, lässt sich erkennen.
Durch das Bannen der Phantombücher haben Huey und Dalian es geschafft, die Menschen von ihrer Besessenheit ihrer Macht-Illusion zu befreien.
Doch all das Wissen ist dennoch irgendwo auf der Welt, nämlich in einer geheimen Bibliothek, wo es nur für Wenige zugänglich ist.
Das Mädchen in der Bibliothek ist die Einzige, die all das wissen kann.
Aber dieses ganze Wissen macht sie einsam.

Meine Interpretation ist vielleicht an manchen Stellen nicht wie im Deutschunterricht elegant ausformuliert, aber ich denke, es sollte trotzdem verständlich sein, was ich meine. ^^

Ich stimme allerdings mit dir überein, dass der Anime einfach viel zu "überdreht" ist und auch keinen roten Handlungsfaden hat (abgesehen in den jeweiligen Episoden selbst). Für mich persönlich hat eine spannende Handlung einen viel größeren Wert als das alles darum herum.
Auch, wenn die Bilder wirklich sehr schön waren, sollten sie lieber eine interessante Geschichte untermalen, anstatt den Großteil des Animes auszumachen.
Das Ending war auch definitiv zu extrem. Es steht vom Video her in keinem Zusammenhang mit dem Anime und ist eher nur verwirrend und abstoßend.

Alles in allem allerdings eine sehr überzeugende Rezension!

Gruß, Chumii
Letzte Änderung: 4 Jahre 5 Monate her von Chumii.
Folgende Benutzer bedankten sich: ExCtAsy
  • Seite:
  • 1
Moderatoren: LaynaForummodKniveskinehYuriko.FauliRocktTazzels
Powered by Kunena Forum