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THEMA: Judge

Judge 6 Jahre 5 Tage her #506100

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Zorn. Wollust. Habgier. Neid. Völlerei. Hochmut. Trägheit. Hast du gesündigt? Nein? Denk nochmals genau darüber nach. Der, der ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Wir haben alle unsere Leichen im Keller, wer behauptet, unschuldig zu sein, der lügt. Was ist deine Sünde, dein Laster? Ich kenne die meinen sehr genau, doch es gibt auch jene, die ihre Fehlentscheidungen gar nicht als solche erkennen. Egal ob bewusst oder unbewusst, egal aus welchen Motiven wir unsere Sünden begehen, eines haben sie alle gemein: Es gibt immer jemanden, der sie niemals vergessen wird. Und irgendwann, früher oder später, wird ein jeder von uns dafür vor Gericht gerufen. Wie hoch wird der Preis ausfallen, den wir für die Absolution zahlen werden?

Richtet über euch selbst und über eure Nächsten! Dies ist Judge. Zumindest wird es so von dem kleinen Stofftier genannt, als alle neun Jugendlichen den Saal erreicht hatten. Jeder von ihnen wurde entführt und in dieses verlassene Gebäude verschleppt. Kein Ausgang, kein Sonnenlicht, keine Möglichkeit zu entkommen, außer Gericht über die eigenen Sünden zu halten. Wer wird begnadigt? Und wer wird gehängt?

Eine Ausgangsstory mit viel Potenzial, die uns der sechsteilige Manga „Judge“ von Yoshiki Tonogai da präsentiert. Und nichts anderes hatte ich auch vom Nachfolger des doch recht guten „Doubt“ erwartet. (Rezension hier!)
Man erwartet sich Horror, Spannung und Splatter. Aber was man bekommt, das... erfahrt ihr in dieser Rezension.

Der Highschool-Schüler Hiro und sein älterer Bruder Atsuya sind bereits seit der Kindheit mit dem Mädchen Hikari befreundet. Doch während Hiro schon immer Gefühle für sie hegte, gesteht diese seinem Bruder die Liebe und die beiden werden ein Paar. Zu Heiligabend, der Zeit der Pärchen, geht Hiros Eifersucht so weit, dass er Atsuya dazu bringt, zu spät zu seinem Date mit Hikari zu kommen. Er will seiner Angebeteten endlich gestehen, was er für sie empfindet, doch dazu kommt es nicht mehr, als sie die schreckliche Nachricht erhalten: Atsuya wurde von einem LKW erfasst und getötet. Hiro wird klar, wenn er das Date nicht verschoben hätte, wäre dieser Unfall nie geschehen.
Es ist dunkel, als der junge Mann das nächste Mal seine Augen öffnet. Seine Hände sind hinter seinem Rücken gefesselt und das Atmen fällt unter der riesigen Hasenmaske, die er trägt, unangenehm schwer. Er folgt dem langen Gang dieses unbekannten Gebäudes. Man muss ihn niedergeschlagen und hier hergebracht haben, doch wozu? Schließlich erreicht er ein Gerichtsgebäude. Hiro ist der letzte von Neun, die hier versammelt wurden, und ein Counter beginnt, herunter zu zählen.
„Dies sind die sieben Todsünden, derer Ihr Euch schuldig gemacht habt...“, beginnt eine Stimme aus einem zerfledderten Plüschtier zu plärren, „Jedes Mal, wenn der Countdown auf Null steht, sollt Ihr einen aus Eurer Mitte zum Opfer bestimmen. Nur vier von Euch werden überleben! Also haltet Gericht über Eure eigenen Sünden.“

Soviel zum Grundprinzip des Ganzen. Ein 12-Stunden-Counter. Demokratie in Reinform. Eine Horde verunsicherter Jugendlicher, die alle etwas auf dem Kerbholz haben. Das könnte interessant sein... wenn es nicht so ausgelutscht wäre. Man hat etwas Schlimmes getan und wird dafür von einem Unbekannten in ein verlassenes Gebäude geschleift, um zu sühnen? Die Spielregeln werden von einer Puppe erklärt? Tiermasken? Todsünden? Bestrafung? Na wenn da mal jemand nicht gerne Saw guckt! Tatsächlich bemerkte ich im Verlauf der Geschichte fast schon unverschämt oft Parallelen, ja teilweise eins zu eins geklaute Sequenzen aus dem berühmten Horror-Epos um Jigsaw und Co. Das ganze muss aber nicht zwingend negativ sein: Saw ist eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Geschichte, und was dort funktioniert, kann auch in einem fernöstlichen Manga nicht schaden. Ja? Nein.
Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte von Judge aus drei Teilen besteht. Der erste ist von US-amerikanischen Filmen geklaut, der zweite aus gängigen Manga-Charakter-Stereotypen und Survival-Horror-Klischees zusammengesetzt und der dritte ist eine einzige, große Logik- und Plotlücke. Versteht mich nicht falsch, diese Teile wurden mit einem Kleber aus spannenden Twists und Überraschungen verbunden, doch am Ende überwiegt doch die Enttäuschung über so viele verschwendete Potenzen. So ist die Story zwar bis zum Schluss durchaus unterhaltend und die Auflösung und die Enttarnung des Mörders haben mich ziemlich überrascht (ich hatte zwar schon so etwas in der Richtung vermutet, aber letztendlich nicht explizit das!), doch sobald man nach dem Lesen dasitzt und nochmals reflektiert, was gerade geschehen ist, kommt schnell Ernüchterung auf. Dies liegt vor allem daran, dass der Verantwortliche für das schreckliche Setting, in das die Jugendlichen da geraten, in Wahrheit nie das alles hätte planen können. Die Geschichte ist voller Zufälle und unkalkulierbaren Wahlentscheidungen, es ist einfach unglaubwürdig, dass der Antagonist dies alles auf dem Zettel hatte. Ebenso unglaubwürdig ist er selbst, denn sein Motiv wirkt nicht nur konstruiert, es ist auch so lächerlich, dass es kaum die vielen Toten aufwiegt. Klar, hätte man seine ganze Familie beim lebendigen Leib verbrannt und seine Tochter vor seinen Augen aufgehängt, könnte ich ja noch verstehen, wie man so handeln kann... doch das?
Teilweise sind ganze Auflösungen oder Wendungen kaum nachvollziehbar, z.B. der Grund für die Auswahl der Jugendlichen oder ganze Räume im Gebäude, die anscheinend keinen Sinn außer Dekoration zu bieten haben.
Hier fand ich wirklich schade, dass man nicht an den Vorgänger anknüpfte. Doubt mit seiner ausgeklügelten Schauplatzarchitektur, seinen starken Charakteren und dem offenen Ende hat ein Fundament geschaffen, auf das man gut hätte aufbauen können. Doch stattdessen strickte man eine komplett neue Geschichte, die abgesehen von der Hasenmaske keinerlei Gemeinsamkeiten aufweist. Selbst in Sachen Zeichnung wurde der Vorgänger untertroffen.
Ist die Körperproportion sowie die Hintergrundzeichnung zwar detailliert und genau, so wirken die Gesichter hin und wieder einfach nur plastisch, was vor allem an den fehlenden Schattierungen dieser liegt. In Schrägperspektive kommt es oft zur Disharmonie der Gesichtskontur. Allgemein ist einfach alles viel zu hell: Mehr Schwarzflächen, graue Schraffuren und unausgeleuchtete Ecken hätten dem Manga gut gestanden und vielleicht doch etwas wie Gruselatmosphäre aufgebaut, die hier jedoch fast vollkommen unter den Tisch fällt.
Einen fast unentschuldbaren Fehler hat man sich beim Coverdesign erlaubt... der Umschlag spoilert den Leser! Auf dem Einband jeder Ausgabe sind die Charaktere zu sehen, dabei sind alle, die im vorhergehenden Band starben, auch auf dem Cover massakriert, geköpft oder gehängt. Im Klartext: Es reicht, wenn man im lokalen Mangashop einfach nur am Regal vorbei läuft und aus Versehen einen Blick auf den letzten Band wirft, um sich alle Spannung direkt zu zerstören. Für jemanden wie mich, der sich am liebsten immer alle Bände einer Serie direkt kauft und dann erst beginnt zu lesen, ein Supergau. Echt dämlich und erneut etwas, was man aus mir unerklärlichen Gründen nicht vom Vorgänger übernahm, der nahezu eine identische Covergestaltung besaß, doch ohne die Spoiler.
Zumindest eines teilen sich die beiden Werke, und das ist die durchmischte Qualität der Charaktere und deren Reaktionen. Im Grunde ist Judge die Geschichte um zwei Mentalitäten, zum einen ist da der moralische und naive Hiro, der an das Gute im Menschen glaubt, und der kalte, berechnende Hayato, der für sein eigenes Überleben andere opfern würde. Zwar gibt es unter den anderen Charakteren auch durchaus Lichtblicke, der aggressive Ryuhei oder der diplomatische Kazu, doch im Grunde ordnen sich die Handlungsträger bald einer der beiden Seiten zu und werden zu Statisten degradiert, die in manchen Fällen sogar unfreiwillig für ein Schmunzeln sorgen, das wohl durch ihre derart unrealistischen Reaktionen und Dialogverläufe begründet ist. Ich meine, da liegen zwar gerade zwei verstümmelte Leichen vor einem, aber man hat nichts anderes zu tun als miteinander anzubändeln. Klar. Was auch sonst? Pubertät, die Hormone sind's.
Man sollte meinen, derartige Charaktere wären in einem Horror-Manga zumindest für eines gut: stylisch Abkratzen. Doch selbst das bekommen nur die wenigsten hin. Sowohl Blutmenge als auch Grausamkeit der Verstümmelungen wurden im Vergleich zum Vorgänger deutlich verringert. Ich vermisste einfach einen klaren Feind, der unheilvoll durch die finsteren Flure schlurft und eine Axt hinter sich herzieht. Am Ende konnte selbst dieser einfache Wunsch nicht befriedigt werden, und auch, wenn zum Finale hin doch eine bedrohliche Atmosphäre aufgebaut wird, war es am Ende einfach nur die Neugier auf das Gesicht des Antagonisten als die Spannung oder die Twists, die mich am Lesen hielten.

Dementsprechend fällt auch mein Urteil aus. Judge ist ein mittelmäßiger Manga und ein schlechter Schocker mit schwachen Charakteren und ebenso schwacher Story. Wer einmal etwas für Zwischendurch sucht oder Saw mag, der kann durchaus einmal einen Blick riskieren. Doch wer Doubt liebte, nach einer ausgeklügelten, mysteriösen und spannenden Geschichte dürstet, sehen will, wie sich Menschen in Lebensgefahr und unter psychischen Druck verhalten, der wird hier maßlos enttäuscht.

Schade.

Korijee

Letzte Änderung: 5 Jahre 11 Monate her von Korijee.

Judge 5 Jahre 11 Monate her #509014

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Auf den ersten Blick hört der Manga sich an wie Danganronpa (proxer.me/info?a=6280&s=details#top), ich werde auf alle Fälle mal mich rein lesen.
Und danke für die Rezension, auch wenn der Manga nur was für Zwischendurch ist, werde ich mir mal die Zeit nehmen da ich nun weiß das es ihn gibt ;).

LG Apache

Judge 5 Jahre 11 Monate her #509235

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Hmm. Also erst einmal Danke für die tolle Rezension und toll das du so etwas machst. Steckt bestimmt ziemlich viel Arbeit und Zeit dahinter *o-gj*
Ich hoffe einfach mal das der Manga gut ist. *o-8)*

Judge 5 Jahre 11 Monate her #509238

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Hallo, erstmal auch danke für die ausführliche Rezension, ich bin gerade bei Band 3 angekommen und freu mich schon aufs weiterlesen ^^
Persönlicher Tipp: am besten bei langeweile nachts alleine im Dunkeln im Bett lesen, dann wirkt er viel besser als normal finde ich ^-^

Judge 5 Jahre 11 Monate her #509245

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ich hab den ersten band zuhause ^^
um ehrlich zu sein dachte ich es wäre sehr spannend mit so Horror und so,naja das cover sah relativ vielversprechend aus
dennoch war ich allerdings leider enttäuscht das die story...emm ziemlich...normal war
jedendalls der Anfang..aber wer weis *o* vllt wird daraus mehr
XD iwan les ich weiter wenn die Stimmung mal ist

Judge 5 Jahre 11 Monate her #509283

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Hallo und danke erstmal für die Rezension.

Ich hab den mange ebenfalls schon gelesen und bin auch schon durch (da der 6. und letzte teil vor kurzem erst kam), und finde er ist ziemlich klasse und empfehlenswert, zumindest für alle die ein bisschen auf Drama und Horror stehen.
Der Manga erinnert mich ebenfals an den Anime Danganronpa, wobei der Manga es ein wenig ernster nimmt meiner Meinung nach.

Lg Animen ^^

Judge 5 Jahre 11 Monate her #509312

Danke erstmal Korijee für diese gute Rezension .

Aber ich kann mich in denn meisten punkten , Dir nur anschließen .

Wer Doubt Liebte so wie ich , wird vonn Judge leider sehr enttäuscht .

Denn dort wo Doubt seine stärken hatte und so mit punkten konnte , wie zb. der spannungverlauf , die Mysteryen oder einfach nur die frage bis zum schluss wer ist der Wolf im Schafspelz .
Der bleibt bei Judge leider auf der strecke , denn es fällt so gut wie alles weg.


Es ist wirklich er was für Leute wie Korijee es schon geschrieben hat die Saw mögen oder einfach auf sinnlose gewahlt stehen .

Mfg
DLK
@DLK

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Judge 5 Jahre 11 Monate her #509747

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Hi
dein Rezi war wirklich ausführlich ^^
Ich selbst habe Judge vor einigen Tagen gekauft und ich muss sagen es hat sich auch wirklich gelohnt.
Die Story ist mega hammer und das Ende war .. war einfach total unerwartet.
Es hat mich total umgehauen und die Story war so oder so fesselnd.
Ich wünschte es gäbe mehr Mangas die so sind.

Judge ist wirklich sehr empfehlenswert !

Judge 5 Jahre 11 Monate her #510396

Also ich habe auch Judge bereits gelesen, und ich fand ihn äußerst genial! Ich hatte gegen Ende einen WTF-Moment nach dem anderen, und der Schluss ist einfach unerwartet & so durchdacht.
Ich könnte nicht aufhören zu lesen, und habe die Teile in einem Rutsch durchgesuchtet. :D
Doubt habe ich noch nicht gelesen, aber ich kann es kaum abwarten wenn ich lese, wie Kenner diesen Mangas von Judge enttäuscht sein sollen! Dann muss Doubt ja noch besser sein. *.*

Judge 5 Jahre 10 Monate her #528363

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Du hast den Nagel auf dem Kopf getroffen ^^
Ein paar Menschen in meinen Umfeld hypen dem Manga total, doch ich stimme dir zu, dass Judge schlecht gezeichnet und Pseudohorror mäßig ist
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