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THEMA: Doubt

Doubt 7 Jahre 4 Monate her #300854

  • Korijee
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Es war einmal eine Gruppe Jugendlicher, die ein Onlinespiel zusammen spielten. In diesem einfachen Spiel übernimmt jeder Spieler die Rolle eines Hasen in einer Gemeinschaft. Zusammen müssen sie einige kleine Rätsel lösen und Aufgaben bestreiten. Nicht wirklich spannend, gäbe es da nicht ein kleines Detail. Denn hinter einem der Hasen verbirgt sich der Wolf, ein zufällig ausgewählter Spieler, welcher die Lösungen der Rätsel kennt, die anderen täuschen und manipulieren muss. Am Ende einer jeden Runde müssen die Hasen entscheiden, wer von ihnen der falsche Bruder ist, raten sie richtig, wird der Wolf enttarnt und die Hasen haben gewonnen, doch raten sie falsch... frisst der Wolf einen der ihren und das Spiel geht in die nächste Runde. Solang bis alle Hasen tot oder der Wolf enttarnt wurde.
Yuu und seine Freunde haben es satt, sich nur online zu kennen, und so entscheiden sie, ein Off-Treffen in einer Karaoke-Bar zu veranstalten. Ein lustiger und spaßiger Abend mit jungen Leuten, Lieder werden geträllert, Alkohol fließt, alles ist in Ordnung, zumindest bis Yuu niedergeschlagen wird und sich mit den anderen in einem verlassenen Gebäudekomplex wiederfindet. Nach anfänglicher Panik beginnen die Jugendlichen sich umzusehen und bemerkten schnell, dass sie hier eingesperrt sind. Als dann der erste der ihren tot aufgefunden wird, ist klar, einer von ihnen macht das Spiel zur Realität und hat die Wolfsmaske übergestreift, doch wer ist es? Ein tödliches Spiel beginnt, in dem du niemandem vertrauen kannst...

„Wer ist der Wolf?“ Diese Frage zieht sich durch die gesamten vier Bände des Horror-Manga Doubt von Yoshiki Tonogai. Das fragen sich nicht nur die Charaktere des Szenarios, sondern auch schnell die Leser, welche bereits ganz am Anfang förmlich in das Geschehen hineingezogen werden. Der Manga beginnt nämlich mit einigen bunten Seiten, auf denen die Geschichte der Hasen zusammengefasst wird und bereits auf Seite 3 die ersten blutigen Innereien und Gerippe zu sehen sind. Spätestens hier wird klar: Doubt ist kein Manga für Leute mit schwachen Nerven.

Dieser Eindruck bestätigt sich bei den Zeichnungen. Die Charaktere und die Hintergründe sind detailliert und realistisch aufgebaut und vollständig ausgezeichnet, auch wenn sie noch immer typische Manga-Elemente wie das spitze Kinn und die großen Augen verpasst bekommen haben. Illustrator Yoshiki nutzt dabei das Element der Dunkelheit perfekt aus. Zahlreiche Schwarzflächen und düstere Korridore prägen das Bild. Auch wenn derartige Stilmittel zum Spannungsaufbau dienen, haben sie noch einen anderen Nebeneffekt: Die Dunkelheit verdeckt die Grausamkeiten. Vom Köpfen, übers Pfählen, zum Erhängen bis hin zum schlichten aber stylischen Zerhacken nimmt der Wolf wohl jede der bekanntesten und klischeehaftesten Meuchelmethoden durch. Und obwohl trotz dem fehlenden Licht im Haus die Splattereinlagen teilweise zensiert werden, heißt das nicht, dass der Leser nicht so manch abgehackte Gliedmaße zu Gesicht bekommt. Kann man mögen, muss man aber nicht.
Besonderes Augenmerk gilt hier wohl der Zeichnung des Wolfes, die mich vom ersten Sehen her beeindruckt hat. Selten sah man einen Antagonisten, der allein durch sein Äußeres eine solche Aura der Angst verbreiten kann. Mit polierten Lackschuhen und weißem Hemd, auf dem noch die blutigen Handabdrücke der letzten Opfer zu sehen sind, welche sich im Todeskampf an ihn klammerten, schleicht er todbringend durch die Kulissen. Der Wolf wäre kein richtiger Mörder, wenn er dabei nicht eine versiffte und tropfende Holzfälleraxt hinter sich her schleifen würde. Wahrhaft furchterregend ist jedoch erst seine überdimensionale Hasenmaske, welche zwar nicht wirklich praktisch erscheint, aber ihren Zweck als Angstmacher voll erfüllt. Verrostete Maskenstäbe, verklebtes Hasenfell und glasige Albino-Augen lassen das ansonsten süße Tier unheilbringend und abstoßend wirken.
Neben den Zeichnungen kann Doubt auch durch seine Charaktere punkten, auch wenn es hier ein paar kleine Schnitzer gab. Im Hier und Jetzt wirken die beteiligten Personen durch ihre unterschiedlichen Mentalitäten und tollen Zeichnungen passend und interessant, ihre Vergangenheit jedoch ist in den meisten Fällen einfach nur lächerlich. Hier wirkt es oft, als hätte man ihre Lebensgeschichten separat konstruiert und ihnen einfach nur aufgezwängt, weil man irgendeinen plausiblen Grund für ihr Handeln brauchte. Fernsehstar, Anführer einer Jugendgang oder Hinterbliebene eines Mordopfers, Wahnsinn, was für Charaktere bei einem Off-Treffen so zusammenkommen, Wahnsinn und zunehmend unrealistisch. Apropos unrealistisch, dann können wir ja gleich zu den Verhaltensweisen der Charaktere übergehen. Diese sind in vielen Fällen überzeichnet und unglaubwürdig, außerdem viel zu schnell vorbei. Obwohl sich alle Jugendlichen in einem verlassenen Gebäude weggesperrt wiederfinden und einer nach dem anderen grausam niedergemetzelt wird, scheint einige von ihnen nichts anderes zu interessieren als Liebeskummer oder Kinderstreitereien. Und wenn dann doch einmal ein Gefühlsausbruch in Angesicht einer geköpften Leiche hochkommt, ist dieser bereits in der nächsten Szene scheinbar vergessen und die Figur kann sich erneut mit albernen Jugendbelangen herum quälen.
Ich meine, wie kann es sein, dass die Gruppe dasteht und zusieht, während der Wolf genau vor ihnen einen der ihren angreift? Wahrscheinlich liegt's an der Dunkelheit, sie haben's nicht bemerkt...

Doch ich will die Charaktere nicht schlechter machen als sie sind, denn was sie wirklich können und was die größte Stärke von Doubt ist, ist, verdächtig zu sein. Wer ist der Wolf? Vielleicht die sexy Haruka oder etwa doch der kühle Hajime, der wirkte schon von Beginn an ungewöhnlich ruhig, möglicherweise aber auch Rei, Rollstuhlfahrer sind schließlich immer verdächtig oder kann es sein, dass es Milchbubigesicht Yuu selbst ist? Schnell vertraut sich hier keiner mehr so richtig und genauso kann auch der Leser bald niemandem mehr vertrauen, denn wie es sich für einen richtigen Horror-Manga gehört, erfährt man erst ganz zum Schluss, wer denn nun die Hasen gefressen hat. Der Leser wird verleitet, sich selbst eine Meinung zu bilden, er kann gar nicht anders, und durch geschickte Twists und überraschende Todesfälle ändert sich dieser Verdacht aller paar Seiten auf das Neue: Einfach nur Klasse! So muss das sein! Es fällt zunehmendes schwer, das Buch aus der Hand zu legen, weil man endlich wissen will, wer denn nun der Mörder ist. Und ich kann euch sagen, was am Ende dann raus kommt... damit hab ich echt nicht gerechnet!

Nicht nur die Charaktere wissen in dieser Hinsicht zu beeindrucken, nein, auch die Kulisse ist vom ersten Betreten an perfekt durchdacht. Das zweistöckige Gebäude mit den zahlreichen Räumen wirkt geheimnisvoll und unheilbringend, vor allem, da die Räume erst nach und nach geöffnet werden. Man weiß nie, was im nächsten ist. Fixpunkt der Storyplanung sind hierbei die Türen. Jeder der sechs Charaktere besitzt einen Schlüssel mit der er genau eine Tür von genau einer Seite öffnen kann. Hier ist Planung gefragt! Der Leser sieht sich hierbei vor komplizierten Konstellationen gestellt.
„Ok, die zwei sind jetzt in dem Raum der von dem anderen geöffnet werden kann, der wiederum in dem Raum ist, zu dem keiner einen Schlüssel hat, nur von außen... oder doch innen?“
Leider waren die Schreiber bei diesen genialen Tür-Konzepten mehr als inkonsequent. Nicht nur, dass der Wolf einen Schlüssel zu jeder Tür besitzt, nein, im letzten Drittel des Mangas werden alle Türen geöffnet und spielen danach keine Rolle mehr. Schade, kann ich da nur sagen, da wäre noch Potential gewesen.

Schlussendlich lässt sich sagen, dass Doubt ein Horror-Manga mit einigen Mankos geworden ist. Wen es nicht stört, dass hier die Handlung und nicht die Charaktere im Vordergrund stehen, wen eine leicht unglaubwürdige Entwicklung nichts ausmacht und wer kein Problem mit Splatter hat, der ist mit Doubt zufrieden. Hier gibt es eine solide Gruselgeschichte mit Survivalhorror, einer rasanten Handlung mit vielen unerwarteten Wendungen und einer Charakteraufstellung, in der wirklich jeder verdächtig ist. Ich habe mich übrigens täuschen lassen und war am Ende überrascht, dass nicht mein Hauptverdächtiger der Wolf war. Vielleicht gelingt es ja euch, ihn zu enttarnen...
Ich empfehle das Lesen bei Kerzenschein und geschlossenen Türen!

Euer Hasen-Phobiker
Korijee
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Aw: Doubt 7 Jahre 3 Monate her #309353

  • Zockaaa
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tolle Recommandation, ich werd mir den Manga mal anschauen
Aber, was mir auffällt, und ich glaube dass es das 2te mal bei den Recommandations ist, von Doubt gibt es ja nur einen Manga, keinen Anime, und ich finde da sollte das Team vlt etwas machen, denn eigentlich hatte ich vor, gleich mal rein zu gucken, aber ich kann Mangas net so gut folgen, da ich grad eh ncoh einen anderen lese, und es hat mich schon verwirrt, da ja trotzdem da steht: "Zum Anime"
Außer natürlich, es kommt in den nächsten Tagen zufällig der Anime *o-XD*

Doubt 6 Jahre 2 Monate her #483591

  • Kuudere
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Vielen Dank für die Rezension, ich werde auch einmal reinschauen. ;)
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