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THEMA: Kurzgeschichten

Kurzgeschichten 2 Monate 2 Wochen her #798304

Sturz


Heimat. Was bedeutet eigentlich Heimat? Wenn man den Begriff in eine Suchmaschine eingibt erscheint die Definition, dass es das Land sei oder die Gegend, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man sich zu Hause fühlt, weil man schon lange dort wohnt. Wo man sich zu Hause fühlt. Wo fühle ich mich zu Hause? Bei meiner Familie? Bei meinen Freunden? In meiner Geburtsstadt? Ich weiß es nicht. Es kommt mir schon seit Ewigkeiten so vor, als gäbe es keine Heimat für mich. Alles wirkt so trist auf mich. Die Blumen und Bäume erscheinen mir grau, die Fassaden der sich nebeneinander reihenden Häuser wirken fade, die Augen der Menschen leer. Sie erzwingen sich ein Lächeln, um ihr düsteres Selbst vor allen anderen zu verstecken. Bin auch ich leer? Erzwinge auch ich mir mein Lächeln? Gewiss nicht. Oder doch? Eigentlich sollte ich es nicht sein. Eigentlich sollte ich glücklich sein. Doch warum schwirren immer wieder diese Fragen über das wie, was und weshalb in meinem Kopf herum?
Wohlbehütet bin ich aufgewachsen, mit Eltern die mich lieben, mit Freunden, die mich mein Leben lang schon begleiten. Mit allen von ihnen habe ich schöne, traurige, lustige und einfach wundervolle Momente erlebt. Sollte ich nicht glücklich sein? Ich sollte. Doch warum stehe ich hier? Wo bin ich wirklich zu Hause? Ich wüsste es so gern.

Flucht. Wovor flüchte ich? Wie lange flüchte ich schon vor dem, vor dem ich flüchte? Auch das weiß ich nicht. Sind es vielleicht meine Eltern, die meckern, wenn ich mit einer schlechten Note nach Hause komme oder wieder einmal nicht mein Zimmer aufgeräumt habe ? Oder flüchte ich vor meinen Freunden, mit denen ich gelegentlich Streit habe oder sie mich belogen haben? Flüchte ich vor Lügen? Oder möchte ich aus dieser grauen, tristen Welt flüchten, die sich tagtäglich vor meinen Augen abspielt? Gewiss nicht. Oder doch? Habe ich denn überhaupt einen Grund zum Flüchten ? Gibt es nicht Menschen, die es viel nötiger haben? Die so schlimme Dinge erlebt haben, dass eine Flucht der letzte Ausweg ist, wäre nicht für sie eine Flucht wichtig? Gewiss, da bin ich mir sicher. Oder? Ich, ja ich flüchte bloß vor mir selbst. Der Grund ist mir leider nicht bekannt und ich sehne mich jeden Tag mehr nach einer Hand, die mich zu der Antwort führt.

Hoffnung. Gibt es noch Hoffnung für mich ? Gewiss. Oder doch nicht? Wer könnte mir Hoffnung schenken? Vielleicht meine Eltern? Vielleicht meine Freunde? Vielleicht sogar diese triste Umgebung, die ich damals als Kind sogar über alles geliebt habe? Gewiss könnte es das sein. Oder nicht? Haben Menschen, die im Krieg leben, die all ihr Hab und Gut, ihre Familie, einfach alles verloren haben, haben die noch Hoffnung? Ich wüsste es gerne. Aber nicht einmal meine eigenen Fragen kann ich mir beantworten. Kann ich denn noch hoffen? Gewiss. Oder doch nicht? Wie finde ich es heraus?

Unterwegs. Ich bin unterwegs, unterwegs in den Tod. Meinen Tod.Ich blicke nach unten. Ein steiler Abhang, bestimmt um die 50 Meter. Der Wind säuselt um meine Ohren und flüstert mir etwas zu. Er flüstert leise, so dass ich es kaum verstehe, doch ich verstehe ihn gut. Er weht von vorne, will mich vom Springen abhalten, will mir zeigen, dass es noch Hoffnung gibt, dass ich noch von Wert bin und ich noch etwas erreichen kann. Das ich Menschen helfen sollte, so wie mir der Wind geholfen hat. Ich drehe mich um, will über das Gelände schreiten, zurück auf die sichere Seite. Doch soweit komme ich erst gar nicht. Ich rutsche auf dem grauen, glatten, dreckigen Metall ab, auf das ich eben noch meinen Fuß gesetzt habe und zurückkehren wollte, zurück in einen normalen Alltag. Nun falle ich. Den Abhang hinunter. Bereue ich es, dass ich einfach so aufgeben wollte? Ja. Ich bereue es. Sehr sogar, denn im Moment ist mir bewusst, dass es immer einen Hoffnungsschimmer gibt, den ich mir aber selbst verbaut habe. Man sollte immer hoffen, denn Hoffnung ist das letzte was bleibt.
Ich nähere mich immer weiter dem Boden, kaum noch bei Bewusstsein und eine letzte Frage erscheint mir. Eine bekannte Frage. Bereue ich es? Gewiss.




Ich würde gerne Kritik und Meinungen hören.
Außerdem können auch andere wenn sie Kurzgeschichten schreiben hier ihre Geschichten posten und ich würde sie mir durchlesen und meine Meinung dazu abgeben :3
Soweit sie es möchten x3

Oder man vielleicht gesammelt etwas schreibt unter irgendeinem Thema :D
Das haben wir zum Beispiel letztens gemacht in der Schule, mit dem Thema: "Sei ein Kühlschrank", was eigentlich ziemlich cool war^^
Letzte Änderung: 1 Monat 3 Wochen her von Innocent_Pierce.
Folgende Benutzer bedankten sich: Korijo

Kurzgeschichten 2 Monate 1 Woche her #798539

Hey^^

Erstmal sehr interessanter Monolog eines Menschen, der um sich selbst bangt, um sein Leben, um sein Zuhause und um die Hoffnung im Allgemeinen.

Ich fand den Titel sehr ergreifen, da man sich fragt.: "Wer stürzt? Und Wo?"
Auch den Einstieg mit der Ellipse machte mich sehr neugierig und die Definition erst^^
Man hat gemerkt, dass die Person mit sich selbst redet, keinen klaren Gedanken fand.
So hinterfragte sie all ihre kürzlichen Gedanken mit einem.: "Oder doch?"
Auch die Fragen und die Wiederholungen machten klar, dass er/ sie verzweifelt ist und die Antwort will, so wie wir sie alle wollen... "Wo bin ich Zuhause, oder warum mache ich das?"
Der Schüler (er/ sie muss noch sehr "jung" sein, da es meist älteren Schülern nichts ausmacht, wenn die Eltern über Noten enttäuscht sind.)
hat kein definiertes Geschlecht und wirkt daher offener und zugänglicher für alle.
Doch er hinterfragt nicht nur sich, sondern alles um sich herum... wie die Umgebung, die Menschen und auch ihr falsches lächeln.
Ich fand es gut, wie er/ sie gleich gefragt hat, ob er/ sie es auch so machen würde. Und dann wieder "Gewiss nicht. Oder doch?".

Er/ Sie verglich sich mit mit anderen und auch wenn es der Person nicht so schlecht ging, fühlte sie sich elend.
Ich fand es gut dargestellt mit dem Tod und dem Abhang. Vor allem das: "Ich bin unterwegs, unterwegs in den Tod. Meinen Tod." fand ich sehr theatralisch, nochmal darauf hinzuweisen, dass es sein Tod ist.

Das Ende könnte man gespalten sehen.
So könnte die Person keinen klaren Schluss erkennen und hat einfach aufgehört oder aber sie fand es nicht notwendig, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen.
Ich wär aber dafür, dass du da einen klaren Schluss ziehen solltest.

Aber dennoch... Respekt.^^
"Das "Ungewisse" macht uns Angst und zügelt uns..."
-Ramzes P. M.-

Letzte Änderung: 2 Monate 1 Woche her von RamzesPrinz.
Folgende Benutzer bedankten sich: Innocent_Pierce

Kurzgeschichten 1 Monat 3 Tage her #801811

Hallo Innocent_Pierce,

ich habe deinen Thread schon 2x geöffnet, hatte aber einfach nie Lust überhaupt irgendwas zu lesen. Nun bereue ich es, deine Geschichte nicht schon viel früher gelesen zu haben, denn sie echt gut. Nicht auszumalen wenn sie archiviert geworden wäre, dann wäre mir ein unbeschreiblich tolles Werk entgangen.

Mein Vorposter hat dir ja schon ein tolles Feedback hinterlassen und ich kann ihm nur zustimmen. Ich liebe deinen Schreibstil und der Ich-Erzähler liegt dir recht gut, was ja nicht jeder so kann. Die Fragestellungen lassen deine Geschichte von Anfang an interessant wirken und mit der Zeit baust du durch sie immer mehr Spannung auf, man will unbedingt weiterlesen, da man wissen möchte was noch passiert.
Der Titel hat mich ebenfalls angesprochen und mich neugierig gemacht. Als ich im letzen Absatz, den Satz “Er weht von vorne, will mich vom Springen abhalten, will mir zeigen, dass es noch Hoffnung gibt, ...“ konnte ich mir bereits denken, dass der Charakter abrutscht und in den Tod stürzt. Mir hat es aber sehr gut gefallen, dass er am Ende doch noch Leben wollte, es aber nicht mehr konnte. Solch dramatische Enden liebe ich einfach. Es kam nur etwas zu abrupt. Du hättest es ein wenig besser ausbauen können.

Ansonsten ist deine Geschichte einfach nur Top. Mir hat sie sehr gut gefallen und ich würde mich sehr freuen mehr von dir zu lesen. :3

Liebe Grüße

Korijo
~*☆Avatar & Signatur made by Dyssomnia. Vielen Dank.♥☆*~
Letzte Änderung: 1 Monat 3 Tage her von Korijo.
Folgende Benutzer bedankten sich: Innocent_Pierce

Kurzgeschichten 1 Monat 1 Tag her #801938

Hallo Innocent_Pierce :D

Wow, das ist echt toll geschrieben und so ergreifend und herzzerreißend. Ich muss den beiden anderen in allen Punkten Recht geben. Mir hat deine Kurzgeschichte sehr gut gefallen du beschreibst das alles so glaubwürdig. Man kann die Gedanken der Person gut nachvollziehen. Ich würde mich freuen mehr von dir zu lesen. Bitte schreibe noch so eine schöne Geschichte.

Mir gefällt deine Idee übrigens eine Geschichte zusammen zu schreiben. Ich wäre da voll dabei. Das macht bestimmt Spaß. :D

LG
Danke Dyssomnia
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